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Nebenerwerbsgründungen beginnen manchmal auch in der eigenen Küche

Nebenerwerbsgründungen beginnen manchmal auch in der eigenen Küche

© nenetus/Adobe Stock

Zwischen Sicherheit und Selbstverwirklichung

Die meisten Gründer starten ihr Unternehmen im Nebenerwerb. Darunter viele Frauen. Welche Vorteile dies bringt.

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Startet nebenerwerblich mit 6 Yogakursen die Woche: Erika Ranft

Von Sabine Hölper, 5/2026

Die Altstadt von Ingolstadt ist seit einigen Wochen um ein neues Angebot reicher: Erika Ranfts Yogastudio „In Zen Ma“ öffnete seine Pforten. Ranft hat sich damit ihren Traum von der Selbstständigkeit erfüllt. Mit 6 Kursen in der Woche will sie starten, das Angebot dann sukzessive ausbauen. Im Moment ist sie noch nebenerwerblich unterwegs, hat ihren Teilzeitjob als Büroangestellte beibehalten. „Mein langfristiges Ziel ist es aber, Vollzeit-Unternehmerin zu sein“, sagt sie. „Für den Beginn erschien mir die Gründung in Teilzeit aber als die beste Option. Wegen der finanziellen Sicherheit.“

So wie Ranft gehen viele vor: Sie arbeiten weiterhin in ihrem Beruf und machen sich nebenbei selbstständig. Laut KfW Research standen 2025 deutschlandweit 206.000 Vollerwerbsgründungen 483.000 Nebenerwerbsgründungen gegenüber. Insbesondere Frauen gründen gern im Nebenerwerb. 2025 fanden 2 Drittel der Gründungen durch Frauen im Nebenerwerb statt, so das RKW.

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Herzenswunsch plus Sicherheit – Peter Lutsch weiß, warum nebenberufliche Gründung Vorteile hat

Leidenschaft plus Sicherheit

Einer der Hauptgründe für diesen Spagat ist laut Peter Lutsch, Betreiber der Plattform sidepreneur.de, sich ein zweites finanzielles Standbein zu schaffen und zugleich das bisherige finanzielle Standbein nicht aufzugeben – solange nicht klar ist, ob die Selbstständigkeit wirtschaftlich erfolgreich wird. So argumentiert auch Ranft: Obwohl sie schon länger Yogakurse anbietet, etwa für die Volkshochschule, muss sie mit dem eigenen Studio erst einmal eine so große Bekanntheit erreichen, dass sie genügend Kunden gewinnt und sich das Unternehmen trägt.

Ein weiterer wichtiger Grund für zunächst nebenerwerbliche Gründungen, „ein unternehmerisches Herzensprojekt umzusetzen“, sagt Lutsch. Auch dafür steht Ranft.

IHK-Info: Was es bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit zu beachten gilt

Wer sich eine nebenberufliche Selbstständigkeit vorstellen kann, sollte ein paar einfache Regeln beachten – von der Information an den Arbeitgeber bis zu Steuern und Krankenversicherung. Die IHK hat sie in ihrem IHK-Ratgeber Gründen im Nebenerwerb zusammengestellt.

Für Frauen, insbesondere Mütter, kommt oft noch ein weiteres Argument hinzu: „Selbstständigkeit bringt ihnen Unabhängigkeit und Flexibilität“, sagt Marlene Eder, IHK-Referentin Business Women. „Sie erleichtert ihnen damit auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – mehr noch, wenn aus dem Nebenerwerb dann Vollerwerb wird.“ Frauen starten häufig während der Elternzeit in die Selbstständigkeit. Der Zeitpunkt ist günstig, weil der Job ruht und sie somit etwas mehr Zeit haben, ihr Business aufzubauen. „Auch wird frischgebackenen Eltern oft erst in dem Moment klar, wie förderlich selbstbestimmtes Arbeiten sein kann, um Familie und Broterwerb unter einen Hut zu bekommen“, sagt Eder.

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Ist nach nebenerwerblichem Start nun voll und ganz selbstständig: Katharina Ernst

Basis fürs Vollzeit-Business

So erlebte es auch die 2-fache Katharina Ernst, Inhaberin von Leanspirit in Unterföhring. „Als Selbstständige bin ich viel flexibler“, sagt sie. „Ich kann vorübergehend reduzieren und dann wieder hochfahren. Außerdem kann ich frühmorgens oder abends arbeiten.“ Das bringe Harmonie ins Familienleben. Diese Vorteile waren zum Zeitpunkt der Gründung Anfang 2020 noch gar nicht absehbar. Das war 2 Jahre vor der Geburt der 1. Tochter, für Ernst stand einfach der Wunsch im Vordergrund, ihre Energie und ihr Talent im eigenen Unternehmen zu entfalten.

Aus Gründen der Sicherheit entschied auch sie sich damals, das Vorhaben erst einmal im Nebenerwerb umzusetzen. Doch schon wenige Monate später hat sie auf Vollzeit umgesattelt. Ihr Arbeitgeber, ein Start-up, stellte die Geschäftstätigkeit wegen einer geplatzten Finanzierungsrunde ein. Ernst wurde arbeitslos. Sie hätte sofort in eine andere Angestelltentätigkeit wechseln können. Doch nun sie entschied sich voll und ganz für die Selbstständigkeit. Mit dem nebenerwerblichen Schritt hatte sie die Basis dafür geschaffen.

IHK-Veranstaltungshinweis: „SheStartup – Frauen gründen“ am 12. Juni 2026

Die kostenfreie Veranstaltung „SheStartup“ richtet sich an alle Frauen, die gründen möchten oder schon gegründet haben und sich noch weitere wertvolle Tipps für die Selbstständigkeit wünschen – von der Ideenfindung bis zur Finanzierung. Netzwerke, Beratungsstellen und Initiativen stellen sich vor. Zum Abschluss diskutiert ein Panel mit spannenden Gründerinnen aus verschiedenen Branchen.