Warnsignale beachten
Seitz ist ein Musterbeispiel in Sachen Krisenvorsorge. Würde jeder kleine Unternehmer und Selbstständige entsprechend vorgehen, gäbe es deutlich weniger Insolvenzen. Die Statistik zeigt leider etwas anders: Laut den neuesten Daten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist die Zahl der Firmenpleiten auf einem Zehnjahreshoch.
Kleinstunternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten machen den größten Anteil der Unternehmensinsolvenzen aus. In diesem Segment meldeten 2025 rund 19.500 Firmen Insolvenz an – 2024 waren es 17.900 Fälle. Damit stehen die Pleiten bei den Kleinstbetrieben für über 4 Fünftel aller Insolvenzen. In Bayern waren vergangenes Jahr 3.220 Betriebe zahlungsunfähig.
Eine Schieflage tritt fast nie über Nacht ein. „Es ist meist ein schleichender Prozess“, sagt Wolfgang Wadlinger, betriebswirtschaftlicher Berater bei der IHK für München und Oberbayern. Genau das zeigt, dass man es in der Hand hat, die Krise abzuwenden. Spätestens bei den ersten unmissverständlichen Anzeichen wie geringerer Liquidität oder schwindenden Rücklagen sollten Unternehmer gegensteuern. Dann gilt es, Sofortmaßnahmen umzusetzen, also vor allem ausstehende Forderungen einzutreiben, nicht wirklich wichtige Ausgaben zu minimieren, Käufe aufzuschieben beziehungsweise auf Leasing überzugehen.
Geschäftsmodell hinterfragen
Ferner muss ein Unternehmer hinterfragen, woran es liegt, dass seine Firma in Schieflage geraten ist und wie er sich für die Zukunft aufstellt, um sie wieder in die Gewinnzone zu bringen. Ist letzteres aussichtslos, sollte er keinesfalls gutes Geld schlechtem hinterherwerfen. „Manchmal ist die Überarbeitung des Geschäftsmodells die bessere Option“, so Wadlinger. Und wenn dies nicht den erhofften Erfolg bringt, sei es manchmal vernünftiger, sich aus der Selbstständigkeit ganz zurückzuziehen.
Noch besser ist, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Dazu gehört ein zumindest niederschwelliges Controlling. Wadlinger: „Man muss auch als Kleinstunternehmen immer wieder überprüfen, ob die Erträge ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu decken und Rücklagen sowie Beträge zur Altersvorsorge zur Seite zu legen.“ Dabei helfen Excel-Tabellen wie Seitz sie anfertigen lässt, alternativ zeitnahe betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA), ferner ein steter Überblick über das Geschäftskonto, das laut Wadlinger im Übrigen getrennt vom privaten Konto geführt werden sollte.
Planungstool für Krisencheck
Eine gute Hilfe ist das überarbeitete Finanzplanungstool der IHK Unternehmerwerkstatt UWD. Das „Krisenthermometer“ liefert in guten wie in schlechteren Zeiten durch Fragen, die ehrlich zu beantworten sind, einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation. Sollte die Auswertung ergeben, dass es offenbar kriselt im Betrieb, können sich Selbstständige jederzeit an die Berater der IHK wenden.