ihk_magazin_logo_2
Umweltgutachter schauen ganz genau hin – und bringen so auch die betriebliche Nachhaltigkeit voran

Umweltgutachter schauen ganz genau hin – und bringen so auch die betriebliche Nachhaltigkeit voran

© kerkezz/Adobe Stock

Umweltgutachter gesucht

Mit EMAS bringen Unternehmen ihren betrieblichen Umweltschutz gut voran. Aktuell gehen viele Umweltgutachter in den Ruhestand. Es braucht Nachwuchs.

Von Gabriele Lüke, 6/2026

Als CSR Senior Audit Managerin beim Technologiekonzern Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG in München hat Miriam Fischer einen faszinierenden Job: Ihr Aufgabenbereich umfasst verschiedene Themen der unternehmerischen Umweltorganisation, die sie unter anderem auf Basis etablierter Umweltmanagementstandards begleitet. „Ein wesentlicher Bestandteil meiner Tätigkeit ist dabei die Zusammenarbeit mit externen Umweltgutachtern – deren Arbeit schätzt unser Team sehr“, sagt sie. „Denn neben der formalen Prüfung relevanter Anforderungen bringen sie ihre fachliche Expertise ein, identifizieren mit ihrem Blick von außen Optimierungspotenziale, geben Hinweise zu organisatorischen sowie inhaltlichen Weiterentwicklungen umweltbezogener Maßnahmen und fördern die Abstimmung über Abteilungsgrenzen hinweg.“

ihkmag_0526_umweltgutachter_gesucht_fischer

Arbeitet regelmäßig mit Umweltgutachtern zusammen – Miriam Fischer von Rohde & Schwarz

Fischer ist überzeugt: „Auf diese Weise leisten sie und die Prüf- und Beratungsergebnisse auch einen Beitrag zur kontinuierlichen Fortentwicklung umweltrelevanter Aspekte im Rahmen der Corporate Responsibility.“

Als sich Rohde & Schwarz im vergangenen Jahr nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS (Eco Management and Audit Scheme) validieren ließ, erwies sich die Suche nach einem geeigneten Umweltgutachter allerdings als zeitaufwendig. Insbesondere die erforderliche branchenspezifische Fachkunde stellte eine Herausforderung dar. Inzwischen wurde das Verfahren erfolgreich abgeschlossen und das Unternehmen mit der Anerkennung und der feierlichen Übergabe der EMAS-Auszeichnung belohnt.

Boomer vor der Rente

Dass Unternehmen immer länger nach einem Umweltgutachter suchen, beobachtet auch Susanne Kneißl-Heinevetter. Sie leitet die EMAS-Registrierstelle an der IHK für München und Oberbayern. „Aktuell gehen viele Umweltgutachter in den Ruhestand. Sie fehlen dem Markt.“ Zugleich nehmen die Anforderungen an die branchenspezifische Expertise immer mehr zu. Sie sind Voraussetzung für die Tätigkeit als Umweltgutachter. Auch das vergrößert den Engpass. Kneißl-Heinevetter sieht aber eine Lösung: „Allen Expertinnen und Experten, die Fachkunde im betrieblichen Umweltschutz und in der Nachhaltigkeit haben, die sich zudem in einer oder mehreren Branchen und deren Herausforderungen gut auskennen, steht der Weg zum Umweltgutachter offen – darauf lässt sich gut auch eine Selbstständigkeit aufbauen.“

Sie erläutert: „Die Kombination aus allgemeiner und branchenspezifischer Fachkunde ist einerseits angesichts der Regulierungsdichte umso wichtiger; Umweltschutz muss in der Praxis immer auf die Branche und ihre Bedingungen abgestimmt sein.“ Andererseits liege in der branchenspezifischen Zulassung von Umweltgutachtern ein besonderer Vorteil für die Kunden. „Denn diese stellt sicher, dass der Gutachter neben fundierten Kenntnissen im Umweltmanagement auch ein tiefes Verständnis für branchenspezifische Prozesse, Risiken und rechtliche Anforderungen besitzt. Für Kunden bedeutet das: Prüfungen erfolgen praxisnah, effizient und auf Augenhöhe.“

Zur Prüfung nach Bonn

Wie man Umweltgutachter wird, regelt das Umweltauditgesetz (UAG). Demnach braucht es keine spezielle Fortbildung. Interessierte müssen ihre Fachkunde, die sie in einem einschlägigen Studium und einer mehrjährigen beruflichen Praxis im betrieblichen Umweltschutz erworben haben, in einer mündlichen Prüfung vor der Deutschen Akkreditierungs- und Zulassungsgesellschaft für Umweltgutachter mbH (DAU) in Bonn nachweisen. Dabei geht es um allgemeine Fachkunde und eben um Kenntnisse in branchenspezifischem Umweltschutz für eine oder mehrere Branchen.

Besteht der Kandidat die mehrstündige Prüfung, wird er als staatlich zugelassener Umweltgutachter nach UAG in die Praxis entlassen. In seiner praktischen Arbeit kann er nach EMAS, aber beispielsweise auch nach den Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) oder verschiedener ISO-Normen (International Organization for Standardization) prüfen. Ein Umweltgutachter hat stets unabhängig, zuverlässig und sachgemäß zu arbeiten und übernimmt die Haftung für die ausgestellten Gutachten und Gültigkeitserklärungen.

ihkmag_0526_umweltgutachter_gesucht_grantner

MUKN-photothek-Kira Hofmann Gute Kommunikation ist wichtig – weiß Umweltgutachter Thorsten Grantner

Gut vorbereitet zum Kunden

Thorsten Grantner hat den Schritt zum selbstständigen Umweltgutachter 2009 gemacht. „Mich haben Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die regenerativen Energien immer schon interessiert. Nach meinem Studium der Umwelttechnik und einschlägigen Berufserfahrungen ergab sich die Gelegenheit.“ Grantner legte die Prüfung vor der DAU ab und ist seitdem mit der OmniCert Umweltgutachter GmbH in Bad Abbach selbstständig. Zu seinen Prüfungsschwerpunkten gehören Energieerzeugung und Energiemanagement.

Das wachsende OmniCert-Team macht seine Arbeit mit viel Begeisterung und großer Akribie. „Die Regulierungs- und Prüfungsdichte steigt ständig. Daher sind eine gute Vorbereitung und ein stringent organisierter Prüfungsprozess sehr wichtig“, betont Grantner.

Zielgruppengerechte Kommunikation

Was sollten zukünftige Umweltgutachter außer Motivation, Fachkunde, Organisationstalent und Sorgfalt noch mitbringen? „Wichtig sind gute Kommunikationsfähigkeiten: Man muss mit einem CEO anders sprechen als mit dem Umweltmanagement oder mit Mitarbeitenden in der Produktion. Der CEO fragt nach Strategien, das Umweltmanagement braucht praktische Informationen. Ein Umweltgutachter muss alle gleichermaßen erreichen und mitnehmen.“ Und dabei sachlich bleiben, nicht missionarisch werden, betont Grantner.

Oft und viel unterwegs

Zudem sollten sich die zukünftigen Umweltgutachter auf viele Straßenkilometer einstellen: „Wir sitzen viel im Zug oder Auto – wir bei OmniCert im Übrigen in E-Autos –, fahren von einem Kunden zum nächsten. Mit Familie und Privatleben ist das manchmal schwer vereinbar. Auch das sollten Interessierte wissen.“

Gründen mit Backup

Zum Schritt in die Selbstständigkeit sagt Grantner: „Hohe Gründungskosten fallen nicht an, es braucht Rechner und ein Büro.“ Er betont aber auch: „Umweltgutachter und -gutachterinnen prüfen auch große Unternehmen, das dauert oft mehrere Wochen. Man kann auf unerwartete Risiken stoßen, da ist ein Back-up wichtig.“ Für die, die eine Soloselbstständigkeit planen, heißt das, auf jeden Fall in Vollzeit zu gründen und die Vernetzung und Kooperation mit anderen Gutachtern zu suchen. Auch im Team zu gründen kann zielführend sein.

Ansonsten, sagt Grantner, könne er die Tätigkeit als Umweltgutachter sehr empfehlen: „Als Gutachter dürfen wir sehr neugierig sein, alle Fragen stellen. Wir lernen immer wieder Neues darüber, wie Dinge in Unternehmen funktionieren, und bringen zudem sinnstiftend die Nachhaltigkeit in Unternehmen voran. Für mich passt das perfekt.“

IHK-Info: EMAS