Von Harriet Austen, 5/2026
Wenn Samuel Lorenz einen neuen Duft kreieren will, fährt er zur Inspiration an einen See. Er sitzt dann ganz ruhig am Ufer und lässt die Stimmung auf sich wirken. Zu Hause experimentiert er so lange mit verschiedenen Duftölen – er besitzt an die 200 Muster –, „bis der Duft mit meinen Bildern im Kopf zusammenpasst“, erzählt er. Beim Tegernsee führte das dann zum Beispiel zu einem Geruch aus Heu und Lindenblüten, beim Walchensee sind es Eschenholz, Weihrauch und Holunderbeeren.
„Tief verwurzelte Heimatliebe“
Lorenz, der immer schon Parfüms sammelte, besitzt ein ausgesprochenes Talent für die Komposition von entspannenden Aromen. Der Gedanke, sich damit selbständig zu machen, reifte bei ihm schon mit 18 Jahren. „Das Unternehmertum liegt bei uns in der Familie, deshalb wollte ich es auch einmal ausprobieren.“ Er hatte gerade sein BWL-Studium begonnen und jobbte in einem Fitnessstudio. Für den Start wählte er eine Variante mit wenig Kapitalbedarf: „Ich wollte klein anfangen und es selbst finanzieren.“
Im Keller seines Elternhauses in Beuerberg goss er Duftkerzen, sämtliche Arbeitsschritte hatte er sich selbst beigebracht. Freunde rieten ihm nach dem Testen sofort, seine natürlichen Produkte auch zu verkaufen. Sein Markenzeichen, frische Düfte mit der Atmosphäre von bayerischen Seen zu kombinieren, begründet der passionierte Segler mit einer „tief in mir verwurzelten Heimatliebe“.
Give-away für die Staatsoper
Bei den Kunden, die er als Bayern-Liebhaber bezeichnet, kommen diese Duftkreationen gut an. Seit der Gründung von BavarianRelax Ende 2022 läuft das Geschäft, und zwar so passabel, dass Lorenz jetzt mit dem BWL-Studium pausiert. Produziert wird nach wie vor im elterlichen Keller, ein Lager in Penzberg bietet Platz für Material und Ware. Ab und zu packt die Mutter mit an; bei seinem Vater, selbst Unternehmer, kann er sich immer einen Rat holen.
Inzwischen sind die Duftkerzen in seinem Onlineshop, bei rund einem Dutzend Einzelhändlern und Hotels sowie auf Weihnachtsmärkten der Region erhältlich. Besonders stolz ist der Jungunternehmer darauf, dass er im vergangenen Jahr seine Produkte bei einem Event der Bayerischen Staatsoper als Give-away unterbringen konnte und dass er der Kulturgut AG, einem Betreiber von Museumsshops, sein spezielles Duftwachs zuliefern darf.
Geschäftsmodell erweitert
„Jetzt geht es langsam los“, freut sich Lorenz. Seine Pläne: ein professioneller Social-Media-Auftritt, eine breitere Produktpalette, ein Full-Time-Job, von dem er leben kann, Angestellte, die bei der Produktion helfen – und nicht zuletzt einen größeren Wachswärmer.
Und weil nicht nur die Kerzenherstellung, sondern auch das operative Geschäft zu seinen Leidenschaften gehört, gründete er 2025 noch eine kleine Agentur, mit der er Selbstständige bei der Produktentwicklung berät. Lorenz: „Unternehmer zu sein, macht mir unglaublich viel Spaß.“