Ein Beirat unterstützt
Bei Knape legt die Familienverfassung unter anderem fest, dass die Unternehmensanteile in Familienbesitz bleiben sollen. Die Familienmitglieder beschlossen gemeinsam, unter welchen Voraussetzungen die Anteile innerhalb der Familie getauscht, vererbt und weitergegeben werden können. Auch die Anforderungen an Familienmitglieder, die in einem der Unternehmen der Gruppe tätig werden möchten, wurden definiert.
Vorerst werden die Tochterunternehmen weiterhin von ihren jeweiligen Geschäftsführern geleitet. Doch größere Entscheidungen treffen sie gemeinsam mit dem Beirat, der sich perspektivisch aus 2 externen Experten und 3 Gesellschaftern zusammensetzen wird. Die Mitglieder des Beirats wiederum werden alle 3 Jahre vom Gesellschafterkreis bestimmt. „Damit ist gesichert, dass die Familie immer ausschlaggebend entscheiden kann“, erklärt Steffen Knape. Vorausschauend wurde auch der Umgang mit innerfamiliären Konflikten geregelt.
Startschuss für den Generationswechsel
Am 5. Dezember 2025 unterzeichneten alle 14 Familienmitglieder die Vereinbarung. „Sie ist zwar nicht rechtlich, aber moralisch bindend“, sagt Knape. Derzeit werden noch alle relevanten juristischen Dokumente entsprechend angepasst. Zudem wurde mit der Familienverfassung der nächste Generationswechsel eingeleitet. „Mit 65 Jahren werde ich die unternehmerische Verantwortung sowie den Großteil meiner Anteile abgegeben haben“, sagt der heute 56-Jährige. Falls der Gesellschafterkreis dies ausdrücklich wünsche, könne er noch 1 Jahr länger an der Spitze des Unternehmens stehen. „Doch danach ist endgültig Schluss.“
In den Jahren bis zu seinem Abschied aus dem Unternehmen soll die nächste Generation auf ihre Rolle und auch auf die Verantwortung, die sie künftig trägt, vorbereitet werden. Schließlich ist das jüngste Mitglied der 4. Generation derzeit erst 17 Jahre alt.
14 Familienmitglieder reden mit
„Wir alle haben die Möglichkeit, als Gesellschafter einzusteigen und auch in einem der Unternehmen tätig zu werden“, sagt Patrick Reverchon, mit 34 Jahren der älteste Vertreter der Nachfolgegeneration. „Die Familienverfassung sorgt jedoch nicht nur für Klarheit und Transparenz innerhalb der Familie, sondern signalisiert auch den Mitarbeitenden und Führungskräften der Unternehmensgruppe Kontinuität und unser Commitment als Eigentümer.“
Die Terminfindung für die Treffen der 14 Familienmitglieder bezeichnet Patrick Reverchon durchaus als Herausforderung, genauso wie das – nicht zuletzt altersbedingte – heterogene betriebswirtschaftliche Know-how der 4. Generation. „Zudem fiel es uns eher schwer, Kritisches anzusprechen“, erinnert er sich. „Als wir über die Visionen für die Unternehmensgruppe und den strategischen Rahmen gesprochen haben, hat sich allerdings gezeigt, dass wir in manchen Fragen doch nicht alle auf einer Linie sind. Sich damit auseinanderzusetzen, war ein gutes Training für das, was auf uns zukommen wird.“
Gleiches Verständnis entwickeln
Das Leitbild für die Unternehmensgruppe bildet die Basis der Familienverfassung und den strategischen Rahmen für die Übergaben. „Diesem Thema sind wir bislang immer ausgewichen“, sagt Steffen Knape. Doch die Auseinandersetzung damit habe sich auch für ihn persönlich gelohnt: „Durch das gemeinsame Verständnis, wo wir hinwollen, fühle ich mich stärker legitimiert und lebe auch meine Rolle als geschäftsführender Gesellschafter anders als noch vor 2 Jahren.“
Professionelle Begleitung
Sowohl Knape als auch Reverchon betonen, wie wichtig die professionelle Begleitung des gesamten Ablaufs war. Dies übernahmen Caroline Höllein (siehe Experteninterview unten) und Christoph Bellmann von der Beratungsgesellschaft Weissmann & Cie. GmbH, die sich als „Zukunftsentwickler von Familienunternehmen“ positioniert. „Besonders beeindruckend war neben der Strukturierung des Prozesses auch das Vertrauen der nächsten Generation in die Berater“, sagt Knape.
Erfolg durch gemeinsame Vision
Dass sich die aktuellen und die künftigen Gesellschafter darin einig sind, über einen langen Zeitraum hinweg kräftig zu investieren, freut ihn ganz besonders. Schließlich ist das Marktumfeld für Unternehmen im Bahnbau derzeit besonders günstig. „Ich sehe es als großen Vorteil einer familiengeführten Unternehmensgruppe, dass wir sehr langfristig agieren können – sofern wir eine gemeinsame Vision verfolgen und uns einig sind.“