Von Sommerloch keine Spur in der IHK, im Gegenteil: Mit gut 200 Teilnehmenden am 27. Juli war wieder volles Haus an der Max-Joseph-Straße. Im Atrium der IHK war kein Platz mehr frei. Die Veranstaltung „KI für kleine Unternehmen: Praxis trifft auf Innovation“ hat offenbar den Nerv getroffen. Mit dem KI Bundesverband hatte die IHK für dieses Event einen denkbar kompetenten Kooperationspartner gewonnen.
Verbandsgeschäftsführer Daniel Abbou formulierte das Gebot der Stunde: „Die deutsche Wirtschaft muss KI implementieren.“ Lucas Spreiter, im Verband Leiter der Regionalgruppe Bayern, betonte, KI eröffne dem Mittelstand die riesige Chance, Dinge zu tun, die bislang Konzernen vorbehalten seien. Warum also, das war die Schlüsselfrage der Veranstaltung, steigen die kleinen Firmen nur so zögerlich in das weite Feld KI ein?
Die Deutsche Bank warnt, kein anderes OECD-Mitglied investiere so wenig in KI wie Deutschland. Laut statistischem Landesamt nutzten 2025 nur etwa 29 der Unternehmen in Bayern KI. Und eine Zahl wurde im Atrium mehrmals genannt: Laut einer MIT-Studie scheitern 95 Prozent aller KI-Projekte. Sie kosten den Firmen nur Geld.
Als einen Grund nannte IHK-Referatsleiterin Franziska Neuberger rechtliche Hürden (AI Act der EU, DSGVO). Fasst man die Vorträge dieses Nachmittags zusammen, ergibt sich eine klare Botschaft: KI bringt es nur, wenn sich das Denken der Chefs und der Mitarbeiter fundamental ändert. Der Erfolg ist quasi Kopfsache.
Stefan Mesken, Chief Scientist DeepL, forderte in seiner Keynote denn auch einen „Mindset-Wandel“. KI sei eben kein IT-Projekt. Alle Prozesse müssten „neu gedacht“ werden. Dann könne aus 95 % Scheitern 95 % Erfolg entstehen. Marius Hensch, Chef der Aclue GmbH, argumentierte ähnlich. Der Markt biete viele KI-Lösungen, aber wenig Orientierung. Es sei für ein Unternehmen gut zu wissen, welche Probleme man lösen wolle – und wo die meiste manuelle Arbeit anfalle. Auf der Basis ließe sich entscheiden: Standardtool oder individuelle Lösung.
Phillipp Prestele von der Logiks Solutions GmbH sagte, viele Unternehmer stünden vor der Frage: KI ja, aber wo anfangen? Er riet dazu, sich eine konkrete Aufgabe zu suchen – etwa Kundenbestellungen. Und danach zu messen, was sich mit der KI verbessert habe. „KI tut auch weh“, erklärte Prof. Michi Kraus vom ZM-I. Grund: KI lege offen, wie schlecht Prozesse laufen. Die hilflose Frage „was soll ich jetzt machen?“ verdeutliche ein Führungsproblem.
Was besonders spannend war: Asaad Almutareb lieferte einen Praxisbericht über den KI-Einsatz bei einem Mittelständler. Was nicht funktioniert, ist demnach die Macht-Ihr-mal-Attitüde. KI müsse Chefsache sein, sie brauche gute Daten, Geduld und Teamarbeit. Almutareb sagte, KI sei kein „magischer Knopf“, auf den man drücken könne. KI sei ein stetiger Lernprozess.
Man muss KI nicht zwingend in den USA einkaufen – auch das machte dieser Nachmittag in der IHK klar. Zehn KI-Start-ups präsentierten sich in 2-Minuten-Pitches und später an ihrem jeweiligen Info-Stand. Tanja Knöller vom Munich Innovation Ecosystem hatte einige der Start-ups für diesen Event vermittelt. Das hat den Anspruch der IHK unterstrichen, bei diesem Thema in der Region München ganz vorne mit dabei zu sein.
Darüber hinaus bot die Veranstaltung Raum für Austausch auf Augenhöhe mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern, Lösungsanbietern sowie mit Expertinnen und Experten aus der Praxis. In interaktiven Micro Circles bestand die Möglichkeit, eigene Fragestellungen einzubringen und direkt zu diskutieren.