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Tragbare Elektronik – Teiimo-Chef Markus Strecker (l.) präsentiert eine intelligente Weste mit Analysefunktion

Tragbare Elektronik – Teiimo-Chef Markus Strecker (l.) präsentiert eine intelligente Weste mit Analysefunktion

© Teiimo

Intelligenz zum Anziehen

Von Germering in internationale Märkte: Der Mittelständler Teiimo zeigt, wie aus Kleidung Anwendungen mit Mehrwert entstehen.

Von Michaela Geiger, IHK-Magazin 7-8/2026

Von außen wirkt das Firmengebäude der Teiimo GmbH in Germering unscheinbar. Doch hinter den Türen des jungen Unternehmens entsteht eine Technologie mit dem Potenzial, den Gesundheitsmarkt zu verändern – mit Anwendungen für Medizin und Pflege ebenso wie für Polizei und Militär.

Teiimo entwickelt sogenannte Smart Textiles: intelligente Kleidung, die Vitaldaten erfasst, speichert, in Echtzeit überträgt und analysiert. Die Einsatzfelder reichen von der Sturzerkennung bis hin zum biometrischen Monitoring von Einsatzkräften.

Präzise Daten, nutzerfreundliche Erfassung

„Wir verbinden 3 Welten in einer Lösung: Elektronik, Software und Textilherstellung“, sagt Markus Strecker, Gründer und Geschäftsführer von Teiimo. Der Ingenieur war unter anderem bei Adidas USA für Wearable Sports Electronics verantwortlich und bringt jahrzehntelange Erfahrung in tragbarer Elektronik mit. Sein Credo: „Der Mehrwert liegt zum einen in den Daten – präzise und sicher. Zum anderen in der textilen Integration, die es für die Nutzer bequem macht.“

Seit der Gründung 2014 hat sich Teiimo als Spezialist für Wearable Health Solutions etabliert. Das Unternehmen konzentriert sich auf 3 Kernbereiche: Medizin und Gesundheit, Sicherheit und Schutz sowie Fitness und Langlebigkeit. In allen Bereichen werden physiologische Daten wie Herzfrequenz, Atmung oder Bewegung direkt am Körper erfasst und in auswertbare Informationen übersetzt.

Analyseweste statt Unterhemd

Im medizinischen Umfeld ermöglicht die Technologie unter anderem 7-Tage-EKGs, die Patienten zu Hause durchführen können. „Perspektivisch holt sich der Patient seine Analyseweste in der Apotheke ab und erfasst die Daten selbst“, erklärt Strecker. Die Weste wird wie ein Unterhemd getragen und sammelt bequem die gewünschten Informationen. Diese werden dann verschlüsselt gespeichert und dem Arzt in einem passenden Format bereitgestellt.

Auch in der Sicherheit spielt das Monitoring eine zentrale Rolle. Stresslevel, Belastungsreaktionen oder Infekte lassen sich frühzeitig erkennen. „Anzeichen für eine Grippe werden bis zu 72 Stunden im Voraus sichtbar. Für sicherheitsrelevante Einsätze ist das entscheidend“, so Strecker. Monitoring wird hier zur Frage der Einsatzfähigkeit.

Wenn die Kleidung Alarm schlägt

Im Segment Active Assisted Living sieht Teiimo weiteres Wachstumspotenzial. Intelligente Kleidung mit Alarmfunktionen kann bei Altersdemenz, Autismus oder zur Sturzerkennung eingesetzt werden, um Menschen ein längeres, sicheres Leben in den eigenen 4 Wänden zu ermöglichen.

Teiimo verfolgt einen systemischen Ansatz. „Wir entwickeln nicht nur Produkte, sondern bewegen uns in einem Ökosystem aus Kunden, Partnern, Kliniken und Forschungseinrichtungen“, sagt Strecker. Mit dem Fokus auf eigene marktreife Produkte – etwa die 7-Tage-EKG-Weste – hat sich Teiimo vom Projektentwickler zum Lösungsanbieter gewandelt.

Parallel treibt das Unternehmen seine internationale Expansion voran: Außer in Deutschland laufen Vorbereitungen für Zulassungsverfahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten; Kooperationen mit Partnern in den USA, Japan und der Schweiz sollen die Kommerzialisierung beschleunigen.

KI als Gamechanger

Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie analysiert Vitaldaten, erkennt Anomalien wie Herzrhythmusstörungen oder Stressspitzen, generiert Warnungen und integriert sich in Kliniksysteme. „Ohne KI wäre die Vielzahl von Sensorsignalen kaum effizient nutzbar“, sagt Strecker. „Sie ist für unsere Technologie ein echter Gamechanger.“

Wie viele technologieorientierte Firmen steht auch Teiimo vor regulatorischen und organisatorischen Herausforderungen. Medizinische Zulassungen in Europa sind aufwendig, weshalb das Unternehmen parallel auf Märkte ohne oder mit schnelleren Genehmigungsprozessen setzt. Der Aufbau eines Service- und Softwaregeschäfts erfordert zudem Investitionen und spezialisiertes Know-how.

Datenanalyse im Klinik-Abo

Gleichzeitig eröffnen sich neue Erlösmodelle: Neben Hardware bietet Teiimo datenbasierte Analytik und Softwarelösungen an – etwa im Abonnement für Kliniken. „Wir sprechen die Sprache von Technologie und Gesundheit gleichermaßen“, so Strecker. Vertrauen, Datenschutz und klinische Validierung seien zentrale Faktoren.

Erster Schritt aufs internationale Parkett

Corona, geopolitische Krisen und Handelshemmnisse haben auch bei Teiimo Projekte verzögert. Dennoch blickt Strecker zuversichtlich nach vorn: „Sobald unsere Daten und Softwarelösungen skalieren, beginnt die nächste Wachstumsphase – international.“

Zur Person: Markus Strecker

Markus Strecker ist Elektroingenieur und gilt als Experte für tragbare Elektronik und intelligente Textilien. Er studierte Elektrotechnik in Darmstadt sowie Lyon und hat etliche Smart-Textile-Produkte bis zur Industrialisierung geführt.

Seine berufliche Laufbahn begann er 1994 mit der Entwicklung eines CMOS-kompatiblen Siliziummikrofons, bevor er leitende Positionen bei Infineon, Motorola und Adidas übernahm. Als Director Electrical Engineering bei Adidas USA verantwortete er unter anderem die Entwicklung des miCoach Elite Team System – eines tragbaren Leistungstracking-Systems für Fußballteams, das physiologische Daten von Spielern in Echtzeit erfasst. Mit „The Hub“ für O’Neill realisierte er zudem die erste serienmäßig produzierte Snowboardjacke mit integrierter Elektronik.

2014 gründete er das Technologieunternehmen Teiimo, das er als CEO führt.