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„Wir wollen unsere Tradition bewahren“ – Franz Krönner junior (l.) und Franz Krönner senior

„Wir wollen unsere Tradition bewahren“ – Franz Krönner junior (l.) und Franz Krönner senior

© Thorsten Jochim

„Unser Publikum ist bunt und jung“

Zwischen Kronleuchtern, Schokoladenkäfern und Internet: Wie das 1759 gegründete Familienunternehmen Krönner die Tradition bewahrt und dennoch mit der Zeit geht.

Von Sebastian Schulke, IHK-Magazin 5-6/2026

Maikäfer, überall Maikäfer. Sie sitzen einfach nur da, aneinandergereiht und regungslos. Die dicken Brummer geben nicht einen Mucks von sich. Fliegen wollen und können sie nicht. Denn ihre Flügel bestehen aus feinster Schokolade, genauso wie der Kopf und der gesamte Körper. Alles von Hand gefertigt.

Udo Kabisch von der Franz Krönner KG in Garmisch-Partenkirchen lässt gerade wieder einen Käfer über das Fließband mit Gitter laufen, darüber ein Wasserhahn, aus dem Schokolade fließt. Kabisch bringt den Käfer in Form und stellt ihn zu den anderen. „Die Käfer sind ein Klassiker“, sagt der Konditormeister.

Wenig später stehen sie, befüllt mit Pralinen und Schleife um den Bauch, oben im Café auf einem Tisch und ziehen die Blicke von Kindern und Erwachsenen auf sich. Die süße Konkurrenz ist allerdings groß – handgeschöpfte Schokoladen mit Nüssen oder Pistazien, Teegebäck, Trüffel, Baumkuchen oder edelste Torten gibt es gleich daneben.

Konditormeister Udo Kabisch formt auf einem Förderband aus fließender Schokolade hohle Schokokäfer in Metallformen in der Backstube.

Klassiker in der Produktpalette – Konditormeister Udo Kabisch fertigt Schokokäfer am laufenden Band

Konditorei, Kaffeehaus, Onlineshop

Bereits 1759 begann die Familie Krönner, süße Köstlichkeiten zu kreieren und zu verkaufen. Anfangs nur in Moosburg, mittlerweile an 4 verschiedenen Orten in Bayern. Neben Konditorei und Kaffeehäusern gibt es einen Onlineshop – der Verkauf von Torten, Pralinen & Co. läuft auch im Web sehr gut.

Irgendwie liege der Familie das Konditorgeschäft im Blut – „das gilt auch für die 10. Generation, also unsere Kinder. Über die Nachfolge braucht sich bei uns niemand Sorgen machen“, sagt Firmenchef Franz Krönner senior (60). Die notwendige Anpassungsfähigkeit jedenfalls haben die Krönners immer wieder bewiesen.

Am Anfang war der Lebzelter

Vor 267 Jahren brachte Johann Baptist Krönner alles ins Rollen. Als gelernter Lebzelter eröffnete er in Moosburg sein eigenes Geschäft. „Ein Lebzelter hat damals den Honig der Bienen zum Backen von Lebkuchen genutzt“, erklärt Krönner senior. „Zucker war damals sehr teuer, wurde aus Südamerika importiert. Den konnten sich nur Adelige leisten.“

Außerdem zogen Lebzelter aus den Waben der Bienen Kerzen und gossen Wachsfiguren, die den Menschen als Opfergabe dienten. Und aus dem Honig wurde Met (Honigwein) gesiedet. „Ein Lebzelter hatte einiges zu bieten“, meint Krönner.

Doch die Zeiten änderten sich: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts löste die heimische Runkelrübe den südamerikanischen Rohrzucker ab. Zucker konnte nun industriell und zu einem bezahlbaren Preis hergestellt werden. Honig und Lebzelter waren nicht mehr gefragt. Leopold Krönner, der Urenkel von Johann Baptist, ging 1866 als Zuckerbäcker nach München.

Konditor in weißer Arbeitskleidung füllt in der Backstube eine einzelne Schokoladenform mit flüssiger Schokolade über einem Gitterband.

Die Produktion ist Handarbeit – jede Form wird einzeln mit flüssiger Schokolade gefüllt

Über München nach Weilheim

Sein Geschäft in der Maximilianstraße, nicht weit von der königlichen Residenz entfernt, war jedoch von Baustellen umgeben. Das bedeutete viel Dreck und Lärm – und wenig Kundschaft. So versuchte Leopold 1869 mit Frau und Kind in Weilheim sein Glück, und das gelang. Die folgenden Generationen führten das Geschäft fort. Es entstanden 1903 in Straubing, 1934 in Garmisch-Partenkirchen und 1998 in Murnau weitere Konditoreien und Kaffeehäuser, die den Namen Krönner tragen.

Mit einer Kette haben die Kaffeehäuser der Krönners allerdings nichts zu tun. „Wir sind eine Familie. Doch jedes Kaffeehaus steht für sich und hat seinen ganz eigenen und besonderen Charme“, erklärt Franz Krönner. Sein Sohn ergänzt: „Wir wollen unsere Tradition bewahren. Das hindert uns allerdings nicht daran, mit der Zeit zu gehen.“

Erster Versand vor über 90 Jahren

Die traditionellen Zuckerbäcker sind mittlerweile auch Chocolatiers, entwickeln alte Rezepturen weiter, setzen auf natürliche und feinste Zutaten. „Zu uns kommen nicht nur ältere Herrschaften“, meint Franz Krönner junior (35). „Unser Publikum ist bunt und jung.“ Auch der Onlineshop laufe sehr gut. Den hatte der Senior bereits vor knapp 30 Jahren gestartet. „Vor über 90 Jahren hatte mein Großvater bereits einen deutschlandweiten Versand aufgebaut. So war mir immer schon klar, wie wichtig das Internet ist – auch für uns als Konditoren.“

Innenraum der Konditorei Krönner mit beleuchteten Glasvitrinen voller Pralinen und Torten, Kronleuchtern an der Decke und Regalen mit Geschenkverpackungen.

Glänzende Auslagen und Kronleuchter geben dem Geschäft im Inneren einen ganz eigenen Charme

Im Kaffeehaus in Garmisch-Partenkirchen hängen Kronleuchter an der Decke. An den alten Holztischen und in den eleganten Sesseln saßen bereits der Komponist Richard Strauss mit seiner Frau Pauline sowie die Sängerin Zarah Leander. Eine geschwungene und frei stehende Treppe führt in die 1. Etage und zu einer großen Terrasse, von der aus man einen imposanten Blick auf die Alpspitze hat. Im Sommer finden hier Konzerte statt, bei denen immer wieder auch Vater (Klassikrock) und Sohn (Folkrock) mit ihren Bands auftreten.

„Wir haben ja einen Koch für unser Kaffeehaus. An diesen Konzertabenden gibt es dann nicht nur Kaffee und Kuchen“, sagt Krönner junior, „die Speisekarte variiert.“ Auch da gelte natürlich: frisch und hausgemacht – ob es die klare Fleischbrühe ist, der Burger mit Pommes oder die Königinpastete mit Ragout fin. Die Küche, das Warenlager und der Onlineversand liegen im Erdgeschoss. Ebenso die sogenannte Halle, in der neben wuchtigen Eisenstangen, auf denen der Baumkuchen gedreht wird, auch eine Speiseeismaschine steht und leise brummt.

Straßenecke in Garmisch-Partenkirchen mit dem mehrstöckigen Krönner Kaffeehaus, großer Straßenterrasse, Sonnenschirmen und zahlreichen Gästen.

Das Krönner Kaffeehaus mitten in Garmisch-Partenkirchen – im Sommer finden auf der Terrasse auch Konzerte statt

Infiziert mit dem Konditor-Virus

Die Backstube befindet sich im Keller. „Da sind wir schon als Kinder herumgelaufen“, erinnert sich Krönner junior, „haben uns da den Konditor-Virus eingefangen.“ Seine Schwester Sophie (38) hätte gern zusammen mit ihrem Bruder die Konditorei übernommen, lebt mittlerweile aber mit ihrer Familie in Berlin.

„Ich bin gelernter Koch und Konditor“, sagt der Junior, „bin Garmisch treu geblieben, fühle mich hier sehr wohl. Mein Vater hat damals seine Lehre in Straubing beim Onkel Pepps gemacht. Wir sind ein gutes Team.“ Dazu gehört noch seine Mutter Tina, die als Grafikerin die Schaufenster sowie die Verpackungen für die verschiedenen Krönner-Produkte gestaltet. Um Verwaltung und Internet kümmert sich Antonia Pfefferle. Insgesamt arbeiten mehr als 50 Leute für Kaffeehaus und Konditorei.

1 Tag Pause in der Woche

Allerdings trifft der allgemeine Personalmangel auch die Krönners. „Seit April haben wir sonntags geschlossen, weil wir dafür gerade nicht genügend Mitarbeiter haben“, erklärt Krönner junior. Doch dieser Tag Pause habe auch etwas Gutes, lasse das gesamte Team mal durchschnaufen. „Das ist wichtig. Und wir haben so auch mehr Raum für neue Ideen“, meint er. „Bislang haben wir mit Social Media nur am Rande zu tun. Unser Onlineshop läuft in Verbindung mit der Website sehr gut. Aber auch hier wollen wir mit der Zeit gehen.“

Das betrifft ebenfalls das Sortiment. So hat Krönner senior 2 Jahre lang an veganen und glutenfreien Elisenlebkuchen herumexperimentiert. „Die Bedürfnisse unserer Kunden ändern sich mit der Zeit. Darauf gehen wir natürlich ein und erweitern unser Angebot.

Natürlich nur natürlich

Das war bei den speziellen Elisenlebkuchen eine besondere Herausforderung. Jetzt entsprechen sie unseren hohen Qualitätsansprüchen“, sagt er. „Denn genau wie bei unserer Agnes-Bernauer-Torte, dem Baumkuchen, den Pralinen und Schokoladen, aber auch bei unseren gastronomischen Speisen aus der Küche – wir arbeiten nur mit natürlichen Zutaten, machen alles selbst. Fertigprodukte, Farb- oder Füllstoffe gibt es bei uns nicht.“ Das soll auch die nächsten 267 Jahre so bleiben.