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Markus Riese – seit Januar 2026 Geschäftsführer der BRmedia

Markus Riese – seit Januar 2026 Geschäftsführer der BRmedia

© BR/Markus Konvalin

„Radio wirkt auch bei Jüngeren“

Markus Riese, Chef der BR-Vermarktungstochter BRmedia, im Interview über einen Werbemarkt im Umbruch, die Rolle internationaler Konzerne – und die Faszination des Mediums Radio.

Von Eva Müller-Tauber, IHK-Magazin 5-6/2026

Herr Riese, in der Politik zieht man nach 100 Tagen im Amt erste Bilanz. Welche Schwerpunkte haben Sie in Ihren ersten Monaten als neuer Geschäftsführer der BRmedia gesetzt?
Wir haben begonnen, unsere Vermarktungsangebote noch stärker an den aktuellen Bedürfnissen der Werbekunden auszurichten, insbesondere in den Bereichen Audio und Eventsponsoring sowie crossmediale Kooperationen – alles Themen, die mir auch schon als Marketingleiter wichtig waren. Ich bin mit der Vision angetreten, BRmedia noch deutlicher als werteorientierten, innovativen und nachhaltigen Qualitätsvermarkter zu positionieren, der langfristige strategische Partnerschaften pflegt. Diese Vision gilt es nun, gemeinsam mit allen Mitarbeitenden der BRmedia zu realisieren.

Bei einer zweimonatigen Tour durch unsere Geschäftsbereiche habe ich mich daher intensiv mit meinen Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht und mit ihnen klare strategische Prioritäten definiert. Dabei halte ich natürlich stets die Unternehmensziele des Bayerischen Rundfunks im Blick, den „BR Kompass 2035“. Der sieht unter anderem auch vor, neue Ertragsquellen zu erschließen.

Das wird vermutlich nicht einfach, wenn wegen der schlechten Konjunktur gerade viele Unternehmen ihre Werbebudgets zusammenstreichen.
Ja, und das merken natürlich alle in der Medien- und Werbebranche, auch wir. Der Werbemarkt ist sehr fragmentiert, Budgets werden kritischer hinterfragt, Kampagnen müssen immer effizienter werden, digitale Buchungen nehmen zu. Davon profitieren noch vor allem die Plattformbetreiber.

„Dürfen den Standort nicht den Plattformbetreibern überlassen“

Das sehen wir mit Sorge, weil viele Mediengelder an internationale Konzerne gehen, die keine oder wenig Wertschöpfung in Deutschland erzielen. So fehlen Investitionen, die ansonsten in den Medienstandort Bayern und in die Kreativität fließen würden. Wir sind der Meinung, dass der Standort nicht allein den Metas, Googles und TikToks überlassen werden darf. Wir wollen als BRmedia dazu beitragen, dass die werbungtreibenden Unternehmen in Bayern und Deutschland von diesen Plattformbetreibenden und Anbietern unabhängiger werden.

Was setzen Sie den Plattformen entgegen?
Unseren Fokus auf Qualität, Glaubwürdigkeit und eine große Reichweite. Denn digitale Plattformen sind zwar im Bereich Targeting und Messbarkeit stark, weil über sie viele Clips veröffentlicht werden. Aber sie haben ein Reichweitenproblem.

Inwiefern?
Das Ziel muss ja sein, Menschen wirksam zu erreichen. Es braucht also Perfomance und eine Marke. Deshalb setzen wir dem rein digitalen Performancemarketing die Markenbildung entgegen. Wir entwickeln mit dem Kunden individuelle Kommunikationslösungen, bei denen wir gemeinsame Kooperationen, Sponsoring, aber auch Events crossmedial geschickt miteinander verbinden. Abgesehen davon, können wir Kunden, die schwerpunktmäßig digital werben möchten, künftig mit Programmatic Radio eine Alternative bieten und sie so fürs Medium Radio gewinnen.

Programmatic Radio: Audiowerbeplätze in Echtzeit verkaufen

Wie funktioniert das konkret?
Bei dieser automatisierten und datenbasierten Buchungssteuerung der Werbung werden Audiowerbeplätze in Echtzeit ver- und gekauft, das ermöglicht eine effiziente Zielgruppenansprache. Eine hohe Reichweite, verbunden mit einer digitalen Buchungssteuerung, in dieser Kombination sehen wir hohes Wachstumspotenzial.

Wollen die Kunden denn weg vom Performancemarketing?
Wir beobachten, dass viele Unternehmen derzeit genauer prüfen, welche Werbeformen tatsächlich wirken. Markenaufbau bekommt wieder eine höhere Relevanz, zumindest bei größeren Unternehmen. Diese achten mehr auf Umfeldqualität und Markenvertrauen, weniger auf Klicks, Shares und Views. Das freut mich als Markenexperte, weil ich die wachsende Markenkraft in der bayerischen Wirtschaft herausstellen will, eine Markenkraft, die nicht in Sekunden auf Social Media verpufft, sondern sich über Jahre nachhaltig aufbaut, bestmöglich wirkt – und genau das ist eben unsere Stärke als BRmedia.

Kleinster CO2-Fußabdruck

Ziel ist es also, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen . . .
Nachhaltigkeit – die wieder stärker bei Werbungtreibenden in den Fokus rückt – ist mir tatsächlich ein Herzensanliegen. Ich möchte die Entwicklung der BRmedia zum nachhaltigen Vermarkter vorantreiben und stark zur Differenzierung nutzen. Dabei meine ich Nachhaltigkeit im ganzheitlichen und kooperativen Sinn. Ganzheitlich, weil in der gesamten Wertschöpfungskette Ansatzpunkte für eine nachhaltige Ausrichtung bestehen.

Kooperativ, weil nachhaltiges Handeln eine Gemeinschaftsaufgabe ist – ganz besonders im ökologischen Bereich. Denn wer Radio für seine Kommunikation nutzt, tut auch seinem Umfeld was Gutes. Es verursacht mit Abstand den geringsten CO2-Ausstoß aller Werbemedien.

Hand mit Ringen und Armband berührt einen Touchscreen im Armaturenbrett eines Autos, neben dem Lenkrad und Lüftungsdüsen im Vordergrund.

Jeder Zweite in Bayern hört Radio – zum Beispiel im Auto

Sie sprachen davon, dass Radio eine große Reichweite hat. Aber ist es in einer digitalen Welt überhaupt noch ein wirksames Werbemedium?
Aktuelle Mediaanalysen belegen, dass Audio insgesamt stabile und hohe Reichweiten besitzt und sehr geeignet ist für den Markenaufbau. Gleichwohl wird Werbung zielgerichteter, werden Kampagnen immer vernetzter gedacht sowie crossmedialer eingesetzt. Bei Radiospots geht der Trend dahin, immer mehr in kürzeren Werbeblöcken zu denken und zu planen, was die Chancen erhöhen soll, dass Werbebotschaften aufmerksamer aufgenommen werden.

Diese kürzeren Spots haben den Vorteil, dass auch kleinere Unternehmen mit geringerem Werbebudget an den hohen Reichweiten partizipieren können.

Kurzspots entsprechen auch der kurzen Aufmerksamkeitsspanne von jüngeren Nutzern, die durch Social Media an knappe Inhalte gewöhnt sind. Wie ist Ihre Erfahrung: Erreicht Radiowerbung auch die Gen Z?
Tatsächlich wirkt Radiowerbung Studien zufolge auch bei jüngeren Zielgruppen – wenn sie mit digitalen Angeboten verknüpft ist. Denn natürlich sind gerade die 14- bis 29-Jährigen stark online unterwegs. Deshalb haben wir eine digitale Community aufgebaut, organisieren Events in den Regionen, machen Radio über Festivals persönlich erlebbar.

Gleichgesinnte Konkurrenten

Wie positionieren Sie sich im Wettbewerb mit privaten Vermarktern?
Hier verfolge ich schon länger den sogenannten Coopetition-Ansatz (Cooperation and Competition, also Zusammenarbeit und Wettbewerb, die Redaktion). Einerseits stehen wir im intensiven Wettbewerb miteinander. Andererseits haben wir gemeinsame Interessen und sind daher offen für eine Zusammenarbeit mit anderen Vermarktern, beispielsweise, was das „Gattungsmarketing“ betrifft. Denn ob öffentlich-rechtliches oder privates Radio: Uns liegt allen daran, dass das Radio insgesamt seine Position als stärkstes Massenmedium behält.

Wir erreichen in Bayern jeden zweiten Menschen mit Radio, wie die jüngsten Mediaanalysen belegen. Daher erneuern wir auch immer wieder gemeinsam unsere Imagekampagne, um dafür zu werben, dass Kunden bei den Qualitätsmedien werben. So wollen wir einen Kontrapunkt zu den digitalen Medien setzen. Eine solche Verantwortungsgemeinschaft pflegen wir auch mit den Verlagen schon seit vielen Jahren.

Vom Hidden zum Visible Champion

Wo sehen Sie Ihre größten Herausforderungen – und wo Wachstumsfelder?
Eine große Herausforderung ist, die Werbegelder im Medien- und Wirtschaftsstandort Bayern zu belassen. Hier fehlt noch ein entsprechender medienpolitischer Rahmen. Wachstumspotenzial sehen wir gerade im Mittelstand wie auch bei Start-ups, von denen es in Bayern über 4.000 gibt. Wir wollen und können mit unserer Reichweite, unserer Marktstärke und Vertrauen die Hidden Champions zu Visible Champions machen. Gerade für junge Unternehmen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, dürfte eine Zusammenarbeit mit uns attraktiv sein – zumal wir verstärkt langfristige Partnerschaften anstreben.

Zur Person: Markus Riese

Markus Riese (55) arbeitet seit 25 Jahren in verschiedenen Positionen beim Bayerischen Rundfunk (BR), zuletzt leitete er das Gesamtmarketing. Zum 1. Januar 2026 hat der gebürtige Franke, studierte Diplom-Kaufmann und promovierte Wirtschaftswissenschaftler die Geschäftsführung der BRmedia übernommen. Sie ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des BR mit Sitz in München und trägt zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei.
Ihr Kerngeschäft besteht aus der Vermarktung der Werbezeiten in BR-Radioprogrammen. Zudem vermarktet sie im Auftrag aller ARD-Häuser das Sponsoring im TV Das Erste.