Die Verbindung zum Standort sei stark, betont auch Hanno Renner, Gründer und Chef der Personio SE: „Ist doch klar, dass wir als Teil der wachsenden Start-up-Szene hier unsere erwirtschafteten Erfolge, sprich Gewinne, auch in Europa wirken lassen wollen – und nicht nur wie aktuell US-amerikanische und kanadische Investoren beziehungsweise Pensionskassen im Hintergrund profitieren lassen wollen.“ Nach eigenen Angaben hat Renner in rund 50 Start-ups investiert.
Etwa 12.000, meist mittelständische HR-Teams nutzen die Personalsoftware des 2015 gegründeten Unternehmens. Mit über 1.800 Mitarbeitenden an acht Standorten strebt Renner mittelfristig den Börsengang an. Dabei wünscht er sich, dass der Austausch zunimmt – mit anderen Start-ups, aber auch mit etablierten Unternehmen, so wie im Silicon Valley. „Damit sich das Rad weiterdreht, eine Art sich selbst verstärkende Wirkung im Ökosystem.“
Erste Anzeichen, dass dies gelingen könnte, sind erkennbar. „Es gibt einige Leute, die von Großkonzernen zu uns und anderen aufstrebenden Firmen wechseln“, sagt Renner. Im November 2022 war das beispielsweise Maria Angelidou-Smith, die vom Facebook-Mutterkonzern Meta zu Personio kam als Chief Product & Technology Officer – ein Coup.
"Kräfte bündeln für international ernstzunehmenden KI-Hub"
In den letzten zwei Jahren hat die Ecosystem-Initiative bereits 82 KI-Start-ups jeweils bis zu 25.000 Euro gefördert – unter der Marke „AI+MUNICH“. Dieser Anschub hilft. „90 Prozent der Firmen aus Robotics und KI-Software sind aktiv, haben 300 Arbeitsplätze geschaffen und insgesamt 36 Millionen Euro an Investments eingesammelt“, so Engler-Hamm. „Mit 40 KI-ExpertInnen im Netzwerk und über 5.000 Community-Mitgliedern innerhalb des Ecosystems können wir, wenn wir die Kräfte bündeln, zu einem international ernstzunehmenden KI-Hub werden.“ Dafür sei ab 2025 ein deutschlandweites Angebot geplant für die Unterstützung von KI-Start-ups gemeinsam mit dem Partner K.I.E.Z. aus Berlin.
Mittelstands meets Start-up-Denke
„Mit der Verbindung von Technologie und KI kann der Mittelstand zu neuer Stärke finden“, sagt Christian Mohr. „Hier können wir international Anwendungschampions werden!“ Er ist nicht nur Geschäftsführer der UTUM GmbH, sondern brachte auch die Initiative FamilienUnternehmerTUM auf den Weg. In dieser Position treibt er seit drei Jahren den Austausch zwischen Gründern und Mittelständlern, insbesondere Familienunternehmen, voran. „Wir wollen eine Brücke ins bunte Ökosystem sein, das ich hier sehr offen und mit viel Willen zur Co-Creation erlebe“, so Mohr. „Wir bei UTUM matchen nicht nur, sondern klären zuvor, welchen Reifegrad an Produkt oder Dienstleistung ein etabliertes Unternehmen von einer Kooperation mit einem Start-up erwarten darf.“
Riesiges Potenzial zur Zusammenarbeit
Lukrativ sei das für beide Seiten. 650 Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum zähle das FamilienUnternehmerTUM-Netzwerk, 75 Prozent davon seien aktiv, 150 in langfristigeren Projekten, etwa 300 „Clubmitglieder“ als Mentoren und Coaches. „Für solche kuratierten Zugänge zu Ideen zahlen größere Firmen Beiträge an UTUM, jährlich etwa fünf Millionen Euro. Weil sie den Mehrwert sehen.“ Etwa dieselbe Summe komme an staatlicher Förderung hinzu. Reifen die Ideen, stehe für verschiedene Finanzierungsrunden etwa der UTUM-nahe Risikokapitalfonds UVC Partners mit fast 300 Millionen US-Dollar Investitionsvolumen bereit.
Hört man sich im Ökosystem um, ist der Tenor: Das Interesse am Austausch sei entscheidend für den Einstieg. Zur Startenergie müsse dann Geduld hinzukommen, insbesondere für Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse in den etablierten Unternehmen. Seien spannende Ansatzpunkte mit jungen Start-ups gefunden, müsste jemand aus der Firmenspitze voll hinter solchen Projekten stehen, sagt Experte Mohr. Das MIE kann hier Mut machen, Kooperationschancen ausloten und Bestpractices vorstellen.
„Ausprobieren, vielleicht hinfallen, aber jedes Mal wieder aufstehen“, sagt Christian Mohr zum Abschied, das zeichne Gründer aus. Eigentlich alle Unternehmer.
IHK-Stichwort: Initiative Munich Innovation Ecosystem
2015 traten die drei Gründerzentren UnternehmerTUM GmbH (UTUM), Strascheg Center for Entrepreneurship GmbH (SCE) der Hochschule München und die German Entrepreneurship GmbH (GE GmbH, inzwischen Start 2 Group in einer Initiative an, München als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Technologiestandort international zu positionieren.
Heute sind unter dem Dach des MUNICH INNOVATION ECOSYSTEMS rund 40 Partner vernetzt – Start-ups, Unternehmen verschiedener Größe und Ausrichtung mit Wissenschaft, Hochschulen sowie dem öffentlichen Sektor in und um München zugunsten Innovationen, für eine nachhaltige, belastbare und gerechtere Zukunft. Die Munich Innovation Ecosystem GmbH ist teils privat, teils öffentlich finanziert.
Neben Mitteln und Leistungen der Partner, darunter die IHK, bietet das MUNICH INNOVATION ECOSYSTEM unter anderem Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Innovationsagenda 2030 für München, Talentgewinnung für Unternehmen, Vernetzungsangebote und Workshops sowie eine digitale Plattform zum Wissensaustausch an.
www.munich-ecosystem.de