IHK-Magazin 5-6/2026
Es ist ein Rekord mit Potenzial auf mehreren Ebenen: 290 neue Start-ups wurden 2025 in München gegründet. Das waren 43 Prozent mehr als im Vorjahr, der bundesweite Zuwachs betrug 29 Prozent. Das zeigt der erste Startup & Scaleup Monitor, den die 9 bayerischen IHKs mit dem Startup-Verband Deutschland erstellt haben.
Insgesamt gibt es 4.400 Start-ups in Bayern und damit so viele wie in keinem anderen deutschen Bundesland. Zu diesem Boom steuert München mehr als 1 Drittel bei. Dabei weht Gründergeist auch rund um die Landeshauptstadt und ihren Landkreis (s. Grafik unten „Das weitverzweigte Münchner Ökosystem“).
10 Einhörner, eine halbe Million Stellen
Mittlerweile beheimatet München 10 sogenannte Unicorns (Unternehmen mit einer Bewertung von über 1 Milliarde Dollar). Mit ihnen sind laut Monitor rund 500.000 Stellen verbunden. Das Investitionsvolumen in der Region hat sich zwischen 2023 und 2025 auf 6,4 Milliarden Euro verdoppelt.
Und das Ökosystem entwickelt sich stetig weiter. Denn neben der aktiven Start-up-Politik in Bayern ist vor allem die Nähe zur bestehenden Industrie, zu Bundeswehr-Einrichtungen sowie der Technischen Universität (TUM) und der Ludwigs-Maximilian-Universität München (LMU) wichtig. Sie wurden im März 2026 wiederum mit dem Siegel „Exzellenz-
universität“ ausgezeichnet. Insgesamt sieht IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl eine „Gründerepoche“, die das Potenzial der Start-ups nutzen müsse, „um unsere Wirtschaft in der ganzen Breite wieder mitanzukurbeln“.
Defense Tech boomt
Angesichts der angespannten Weltlage wächst vor allem ein kleiner, aber investitionsstarker Bereich: Von rund 1,74 Milliarden Euro, die in den vergangenen 2 Jahren deutschlandweit in Verteidigungstechnik (DefenseTech) flossen, landete der Großteil in Bayern. Mit Helsing, Quantum Systems und ARX Robotics sitzen die bestfinanzierten deutschen Defense-Scale-ups in München. Das ist spitze in Europa, mit deutlichem Abstand vor London mit 230 Millionen Euro (Rang 2).
Doch neben den Top 2, dem Prozesssoftware-Spezialisten Celonis und dem Rüstungs-Scale-up Helsing – beide mit Bewertungen von mehr als 10 Milliarden Euro – offenbart sich insgesamt großes Aufholpotenzial zu den US-Spitzenstandorten Silicon Valley oder Boston. Das gilt vor allem bei DeepTech-Firmen, die zukunftsweisende Innovationen auf Basis neuer wissenschaftlicher Forschungsergebnisse nutzen.
Politik als Weichensteller
An den 2 US-Standorten wurde mit 7,5 Prozent Anteil an der regionalen Wirtschaftsleistung (BIP) deutlich mehr Wachstumskapital zwischen 2021 und 2025 investiert als in München mit nur 1,3 Prozent (siehe Grafik „Aufholbedarf bei Wachstumskapital für Start-ups“). Damit Bayerns Landeshauptstadt ihre Rolle als europäische Innovationsschmiede behaupten kann, braucht es laut Gößl mutigere politische Weichenstellungen, wie eine europäische Kapitalmarktunion und einen leichteren Zugang zu öffentlichen Aufträgen für Start-ups. Um sich insgesamt internationaler aufzustellen, empfiehlt der Startup Monitor zudem Englisch als Arbeitssprache.