Wetterunabhängig dank Speicherlösung
Gleichzeitig lebt die Region vom Tourismus und der wird zunehmend nachhaltiger. Auch dazu würde ein autarkes Energiesystem wie das geplante Microgrid gut passen: Photovoltaik liefert den Strom, ein Elektrolyseur spaltet Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, der Wasserstoff wird gespeichert und bei Bedarf wieder verstromt.
„So könnten wir eine Versorgung rund um die Uhr erreichen, unabhängig vom Wetter und ohne Diesel“, sagt Timo Schuseil von OHS. Dafür würde das Unternehmen seine wasserstoffbasierten Speicher einsetzen, mit denen sich auch Wochen mit wenig Sonnenschein überbrücken ließen. „Die gesamte Technik passt in einen 20-Fuß-Seecontainer, der in Deutschland beladen und nach Rarotonga verschifft werden könnte“, so Schuseil. „Vor Ort würde die Installation rund eine Woche dauern – vorausgesetzt, die Photovoltaikanlage steht.“
Salz, Feuchte, Insekten trotzen
Bei einer Umsetzung würden die Herausforderungen für ihn und sein Team weniger in der Technik als im Umfeld liegen: salzhaltige Luft, hohe Feuchtigkeit, Insekten, Geckos. „Wir müssten die Anlage so schützen, dass sie all dem standhält“, sagt Schuseil. Das Wetter auf Rarotonga ist komplex. Ein 650-Meter-Berg in der Inselmitte sorgt für Mikroklimata. Das bedeutet auch trübe Tage mit Wolken, die das System berücksichtigen muss. Dafür wurde extra eine Wetterstation gebaut.
Wie wichtig in diesem Zusammenhang präzise Daten sind, zeigte eine erste Erhebung durch den lokalen Partner ICTnexus. Sie ergab, dass der Stromverbrauch in der Schule während der Ferien überraschend hoch blieb. Die Ursache konnte ermittelt werden: Eine defekte Pumpe lief ununterbrochen. Nach der Reparatur sank der Verbrauch sofort. Das Einsparpotenzial lag bei rund 8.760 Kilowattstunden pro Jahr – ein Beispiel dafür, wie viel Effizienz allein durch Monitoring möglich ist.
Erst die Landrechte, dann das Microgrid
Diese Erkenntnisse können dem Microgrid zugutekommen. Doch bevor es gebaut werden kann, müssen unter anderem Landrechte geklärt werden. Auf Rarotonga sind viele Grundstücke in der Hand von Familien. „Wir haben gelernt, dass wir die Community früh einbinden müssen, damit die Verhandlungen gut laufen und alle zustimmen“, sagt Meyer.
Die Machbarkeitsstudie ergab: Der ideale Standort für die Anlage ist auf dem Gelände des Titikaveka College – nicht zuletzt, da hier die Regierung entscheidet, das erleichtert die Genehmigungen. Die AHK hat das Projekt in den vergangenen 12 Monaten geleitet. Nun liegt eine detaillierte Projektskizze für eine mögliche Umsetzung vor, abgestimmt mit allen Partnern. Budgets sind eingereicht. Jetzt muss das deutsche Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit der Förderung zustimmen, um die nächste Phase einzuläuten.
Start noch 2026 denkbar
Meyer ist zuversichtlich: „Die Installation könnte im Oktober 2026 starten.“ Auch für bayerische Unternehmen würde das neue Perspektiven bedeuten. Die Region benötigt neben Photovoltaik und Speichertechnik auch Steuerungssysteme, Korrosionsschutz sowie Schulungen und Wartungskonzepte. Dafür werden Partner gebraucht, die langfristig denken.
„Eine Firma kann das nicht allein stemmen“, sagt OHS-Experte Schuseil. „Wenn das Projekt erfolgreich ist, sprechen wir über Hunderte von Inseln – von Samoa bis Tonga.“ Die Infrastruktur ist vielerorts veraltet, das Interesse laut Meyer bereits jetzt groß.
Kulturprinzip „Mana Tiaki“
Auf Rarotonga selbst stößt das Projekt schon auf breite Zustimmung. Als es an der Schule vorgestellt wurde, zeigten besonders die Jüngeren Interesse. Viele hoffen, später selbst an der Technik mitarbeiten zu können. Das passt zu einem zentralen kulturellen Prinzip der Cookinseln: „Mana Tiaki“, die Verantwortung für kommende Generationen.
„Es geht um mehr als Energie“, sagt Meyer, der es kaum erwarten kann, die mögliche Umsetzung zu begleiten. „Es geht darum, die Inseln fit für die Zukunft zu machen.“