China ist für Klüber längst ein Innovationsstandort. Lokale Teams entwickeln Schmierstoffe für Autos, Textilmaschinen, Lebensmittelproduktion, Windkraftanlagen und neue Energietechnologien, zugeschnitten auf die Betriebsbedingungen in China. Die Zusammenarbeit mit chinesischen Kunden ist eng. „Wir entwickeln und testen gemeinsam und passen Lösungen so an, dass sie im Alltag funktionieren“, sagt İldam.
Arbeitsteilung mit klaren Regeln
Klüber kooperiert zudem mit Unis und Forschungsinstituten und beteiligt sich an der Entwicklung neuer Standards. Entscheidend ist laut İldam, dass man offen zusammenarbeite und gleichzeitig klar definiere, wer welchen Beitrag leistet.
China investiert massiv in humanoide und industrielle Roboter und Klüber entwickelt dafür Spezialschmierstoffe, die die Feinsteuerung der Bewegung und die Lebensdauer verbessern. Demnächst eröffnet die Freudenberg-Gruppe in Shanghai ein Co-Creation-Center, in dem Klüber eine zentrale Rolle spielt – ein deutliches Signal, wie wichtig der Standort für die globale Innovationsstrategie geworden ist.
Green lifestyle als Chance für bayerische Betriebe
Die grüne Transformation verändert den Markt in China. Das Land will seinen CO2-Ausstoß ab 2030 senken. Dies beeinflusst die Nachfrage bereits jetzt. „Kunden verlangen nachweisbare Energie- und CO2-Einsparungen“, sagt İldam. Klüber biete dafür energieeffiziente Schmierstoffe, digitale Services und Lösungen für Windkraft, Kälteketten und Hochleistungsanlagen.
AHK-Experte Oehms ist überzeugt: Für bayerische Firmen entstehen durch den „green lifestyle“ in China neue Chancen – nicht nur im Energiesektor, sondern auch in der Gebäudetechnik, bei grünen Materialien und in der Gesundheitswirtschaft. Gleichzeitig bleibe der Markt anspruchsvoll: Die Binnennachfrage ist schwach, der demografische Wandel drückt und die regulatorischen Rahmenbedingungen ändern sich schnell.
Nachhaltig aus strategischem Kalkül
Zu den Herausforderungen zählt auch das europäische CO2-Grenzausgleichssystem CBAM, das hierzulande oft als Marktzugangshürde wahrgenommen wird. In China hingegen wächst die Überzeugung, dass grüner Stahl, grüner Wasserstoff und klimafreundliche Produktion künftig über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Viele Firmen beschäftigen sich intensiv damit – nicht notwendig als Folge von politischem Druck, sondern aus strategischem Kalkül.
Corinne Abele, Leiterin Trade Information bei Germany Trade & Invest (GTAI) in Shanghai, sieht das Potenzial für deutsche Firmen, in Nischen erfolgreich zu sein, etwa durch hochwertige Technologie und effiziente Industrieprozesse. Besonders in grünen Zukunftsfeldern, in der Modernisierung traditioneller Industrien und in serviceorientierten Geschäftsmodellen könne der deutsche Mittelstand punkten.
Qualität und Service exportieren
Abele betont, dass China selbst ein Interesse an ausgewogeneren Handelsbeziehungen habe, aber Importe bevorzugt aus der Region bezieht. Umso wichtiger sei es, mit Spezialisierung, Qualität und verlässlichem Service zu überzeugen. Sie sieht die Zukunft nicht im reinen Verkauf von Maschinen, sondern in umfassenden Lösungen mit kundenspezifischen Anlagen, digitalen Services und einer langfristigen Betreuung.
Oehms fasst es so zusammen: „Chinas Firmen begegnen uns heute auf Augenhöhe. Respekt ist wichtig, aber deutsche Unternehmen haben nach wie vor fortschrittliche Technologien, die in China gebraucht werden.“ China beeindrucke zwar mit Technologie und Tempo, aber auch dort werde nur mit Wasser gekocht.