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Mit Tempo nach vorn – nicht nur bei Robotern hat China eine rasante Entwicklung hingelegt

Mit Tempo nach vorn – nicht nur bei Robotern hat China eine rasante Entwicklung hingelegt

© Unitree Robotics

Mit China-Speed

Das Reich der Mitte setzt auf Hightech, KI und grüne Transformation. Das bringt neue Perspektiven für bayerische Firmen – wenn sie Tempo und Innovation vor Ort ernst nehmen.

Von Natascha Plankermann, IHK-Magazin 5-6/2026

China ist längst nicht mehr die Werkbank der Welt. Das Land definiert sich neu – als Hightech-Nation, in der Innovationen vorangetrieben werden, und als Markt, der mit beeindruckender Geschwindigkeit neue Technologien hervorbringt. Der 15. Fünfjahresplan macht das aktuell klar: KI, Elektromobilität, Robotik, neue Batterien und eine umfassende grüne Transformation stehen im Zentrum.

Für bayerische Unternehmen bedeutet das: Wer in China erfolgreich sein will, muss sich mit diesen Themen auseinandersetzen und sich an veränderte Bedingungen anpassen. „Technologie ist das Einlassticket in den chinesischen Markt“, sagt Oliver Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Nordchina. Die Auslandshandelskammer (AHK) Greater China vertritt mehr als 1.800 Mitglieds-unternehmen.

Respekt vor lokaler Konkurrenz

In jüngsten Umfragen zeigen sie eine leicht aufgehellte Sicht auf die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft: Mehr als die Hälfte der deutschen Firmen plant, in China weiter zu investieren. Gleichzeitig wächst der Respekt vor der lokalen Konkurrenz. Viele sehen ihre chinesischen Wettbewerber auf dem Weg, Innovationsführer in der eigenen Industrie zu werden – 9 Prozent der Befragten sagen, dass dies bereits der Fall ist.

Oehms beobachtet, dass Innovation längst keine Einbahnstraße mehr ist. Deutsche Unternehmen bringen weiter Technologie und Qualität nach China. Doch zunehmend fließt Wissen, das die Tochtergesellschaften etwa aus Projekten mit chinesischen Partnern oder in Co-Creation-Formaten in China gewonnen haben, zurück nach Deutschland in die Firmenzentralen.

Fachkräfte en masse

Hinzu kommt die Geschwindigkeit, die den wirtschaftlichen Alltag prägt. Oehms spricht vom „China-Speed“, einem Tempo, das nicht nur kulturell geprägt ist, sondern auch aus der umfangreichen Kapazität entsteht. China verfügt über einen Fachkräftepool, der in Bayern kaum vorstellbar ist. Während deutsche Firmen oft unter Engpässen leiden, können chinesische Firmen Projekte parallel vorantreiben und Produkte in rasantem Takt weiterentwickeln.

Die Klüber Lubrication München GmbH & Co. KG zeigt, wie sich die Dynamik nutzen lässt. Das Münchner Unternehmen, Teil der Freudenberg-Gruppe, ist seit den 1980er-Jahren in China präsent und betreibt dort seine zweitgrößte Fertigungsstätte weltweit. „Mehr als 80 Prozent unserer Produkte für das Land fertigen wir lokal“, sagt Burak İldam, General Manager Sales & Marketing von Klüber China.

Burak İldam im dunklen Sakko und weißem Hemd vor hellem Hintergrund, als General Manager Sales & Marketing von Klüber China porträtiert.

© Klüber

Mehr als 80 Prozent unserer Produkte für China fertigen wir lokal.

Burak İldam, General Manager Sales & Marketing Klüber China

China ist für Klüber längst ein Innovationsstandort. Lokale Teams entwickeln Schmierstoffe für Autos, Textilmaschinen, Lebensmittelproduktion, Windkraftanlagen und neue Energietechnologien, zugeschnitten auf die Betriebsbedingungen in China. Die Zusammenarbeit mit chinesischen Kunden ist eng. „Wir entwickeln und testen gemeinsam und passen Lösungen so an, dass sie im Alltag funktionieren“, sagt İldam.

Arbeitsteilung mit klaren Regeln

Klüber kooperiert zudem mit Unis und Forschungsinstituten und beteiligt sich an der Entwicklung neuer Standards. Entscheidend ist laut İldam, dass man offen zusammenarbeite und gleichzeitig klar definiere, wer welchen Beitrag leistet.

China investiert massiv in humanoide und industrielle Roboter und Klüber entwickelt dafür Spezialschmierstoffe, die die Feinsteuerung der Bewegung und die Lebensdauer verbessern. Demnächst eröffnet die Freudenberg-Gruppe in Shanghai ein Co-Creation-Center, in dem Klüber eine zentrale Rolle spielt – ein deutliches Signal, wie wichtig der Standort für die globale Innovationsstrategie geworden ist.

Green lifestyle als Chance für bayerische Betriebe

Die grüne Transformation verändert den Markt in China. Das Land will seinen CO2-Ausstoß ab 2030 senken. Dies beeinflusst die Nachfrage bereits jetzt. „Kunden verlangen nachweisbare Energie- und CO2-Einsparungen“, sagt İldam. Klüber biete dafür energieeffiziente Schmierstoffe, digitale Services und Lösungen für Windkraft, Kälteketten und Hochleistungsanlagen.

AHK-Experte Oehms ist überzeugt: Für bayerische Firmen entstehen durch den „green lifestyle“ in China neue Chancen – nicht nur im Energiesektor, sondern auch in der Gebäudetechnik, bei grünen Materialien und in der Gesundheitswirtschaft. Gleichzeitig bleibe der Markt anspruchsvoll: Die Binnennachfrage ist schwach, der demografische Wandel drückt und die regulatorischen Rahmenbedingungen ändern sich schnell.

Nachhaltig aus strategischem Kalkül

Zu den Herausforderungen zählt auch das europäische CO2-Grenzausgleichssystem CBAM, das hierzulande oft als Marktzugangshürde wahrgenommen wird. In China hingegen wächst die Überzeugung, dass grüner Stahl, grüner Wasserstoff und klimafreundliche Produktion künftig über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Viele Firmen beschäftigen sich intensiv damit – nicht notwendig als Folge von politischem Druck, sondern aus strategischem Kalkül.

Corinne Abele, Leiterin Trade Information bei Germany Trade & Invest (GTAI) in Shanghai, sieht das Potenzial für deutsche Firmen, in Nischen erfolgreich zu sein, etwa durch hochwertige Technologie und effiziente Industrieprozesse. Besonders in grünen Zukunftsfeldern, in der Modernisierung traditioneller Industrien und in serviceorientierten Geschäftsmodellen könne der deutsche Mittelstand punkten.

Qualität und Service exportieren

Abele betont, dass China selbst ein Interesse an ausgewogeneren Handelsbeziehungen habe, aber Importe bevorzugt aus der Region bezieht. Umso wichtiger sei es, mit Spezialisierung, Qualität und verlässlichem Service zu überzeugen. Sie sieht die Zukunft nicht im reinen Verkauf von Maschinen, sondern in umfassenden Lösungen mit kundenspezifischen Anlagen, digitalen Services und einer langfristigen Betreuung.

Oehms fasst es so zusammen: „Chinas Firmen begegnen uns heute auf Augenhöhe. Respekt ist wichtig, aber deutsche Unternehmen haben nach wie vor fortschrittliche Technologien, die in China gebraucht werden.“ China beeindrucke zwar mit Technologie und Tempo, aber auch dort werde nur mit Wasser gekocht.

IHK-Veranstaltungstipp: „Greater China Day 2026" am 24. Juni 2026

Beim Event der AHK Greater China erhalten Unternehmen in Deutschland einen kompakten Überblick über alle Aspekte des China-Geschäfts. Die Themen beim Greater China Day 2026 in Düsseldorf reichen von Handelspolitik über regulatorische Entwicklungen bis hin zu Strategien für Partnerschaften und Chancen in Hightech- und Zukunftsindustrien.