ihk_magazin_logo_2
Auf gesundes Klima und intakte Böden angewiesen – LaSelva-Team in Italien

Auf gesundes Klima und intakte Böden angewiesen – LaSelva-Team in Italien

© LaSelva Bio-Feinkost

Aus eigenem Antrieb

Die Anstrengungen verstärken, obwohl die EU-Vorgaben gelockert wurden? Warum viele Unternehmen auch ohne gesetzliche Pflicht nachhaltiger werden wollen.

Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 5-6/2026

Nicht mehr über Nachhaltigkeit berichten, weil die Pflicht dazu entfällt? Von wegen. Knapp 2 Drittel der deutschen Mittelständler wollen freiwillig Berichte schreiben, auch wenn sie gesetzlich nicht mehr dazu verpflichtet sind. Überhaupt halten sie Nachhaltigkeit im Betrieb mehrheitlich für essenziell wichtig. Dies ermittelte die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Grant Thornton im Sommer 2025, als die EU mitten in der Reform der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) steckte.

Freiwillige Instrumente nutzen

„Nachhaltigkeit verschwindet nicht, nur weil die gesetzliche Berichtspflicht entfällt“, sagt Susanne Kneißl-Heinevetter, Leiterin der EMAS-Registrierungsstelle der IHK für München und Oberbayern. „Die Unternehmen sehen: Sie hilft, Kosten zu senken, Risiken zu identifizieren und zu reduzieren und die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.“

Dabei sei es grundsätzlich sinnvoll, Berichtsformate oder Managementsysteme zu nutzen. Anbieten würden sich etwa der freiwillige EU-Berichtsstandard VSME für kleine und mittlere Firmen oder das Umweltmanagementsystem EMAS (Eco Management and Audit Scheme). „Sie sind professionelle Werkzeuge – strukturiert und wirkungsvoll, dabei weniger komplex als etwa die CSRD“, so Kneißl-Heinevetter. „Mit ihrer Hilfe lassen sich Nachhaltigkeitsziele konsequent umsetzen und zugleich Kosteneinsparungen, höhere Planungssicherheit, Vorteile bei Partnern und Kunden in den Lieferketten oder mehr Resilienz erzielen.“

Diese 3 Mittelständler aus Oberbayern zeigen, wie sie vorgehen.

LaSelva Toskana Feinkost Vertriebs GmbH, Gräfelfing
„Wir werden resilienter“

Für das Feinkostunternehmen LaSelva Toskana ist nachhaltiges Wirtschaften im wahrsten Sinne des Wortes existenziell. Seit 1980 baut das deutsch-italienische Unternehmen mit insgesamt 290 Mitarbeitenden auf seinem eigenen Bio-Landgut Gemüse, Obst und Weintrauben an, produziert daraus Bio-Spezialitäten und vertreibt diese zentral von Gräfelfing aus.

„Der Klimawandel, Starkregen oder Dürren setzen uns schon jetzt zu“, sagt die Umweltmanagementbeauftragte Julia Gobs. „Wir sind auf intakte Böden und ein gesundes Klima angewiesen. Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Biodiversität sind für uns daher nicht nur grundsätzliche Werte, sie sichern unser Überleben.“ Bereits seit der Gründung 1980 setzt LaSelva diese Werte bewusst um, nutzt dafür freiwillige Nachhaltigkeitsinstrumente.

Roter Faden durch EMAS

Da der Firmengründer Karl Egger zugleich Mitgründer des Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V. war, ist der LaSelva-Anbau von Anfang an Naturland- und inzwischen auch Naturland-Fair-zertifiziert.

Mitarbeitende von LaSelva Bio-Feinkost halten gemeinsam das EMAS-Zertifikat vor dem Firmengebäude.

LaSelva-Team erhält EMAS-Validierung, überreicht von Susanne Kneißl-Heinevetter, EMAS-Zuständige der IHK (3. v. li.)

Das Unternehmen schreibt seit 2017 Nachhaltigkeitsberichte und will nun nach VSME berichten. „Seit August 2025 sind wir zudem EMAS-validiert“, freut sich Gobs.

„EMAS gibt uns den roten Faden für die Praxis und hilft uns bei unseren Zielsetzungen und Maßnahmen.“ Es wurden ein Team, Prozesse, Strukturen aufgebaut, eine Umweltpolitik verankert, alle Abteilungen und Partner eingebunden und geschult. „Über die ganze Wertschöpfungskette weiß so jeder seinen Beitrag zu leisten, alle ziehen an einem Strang.“

Scope-3-Emissionen weiter senken

Auf diese Weise hat LaSelva einiges erreicht: An den deutschen Standorten kommt der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, dabei im Lager zu rund 50 Prozent aus der eigenen Photovoltaikanlage. Für die Wärmeversorgung wird Biogas genutzt. Der Fuhrpark ist bereits zur Hälfte auf Elektromobilität umgestellt. „Das alles spart erheblich CO2“, betont Gobs. Der nächste Schritt sei, die nicht direkt vom Unternehmen verursachten Treibhausgase, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen (Scope-3-Emissionen), weiter zu senken.

Schutz für Vögel und Oktopusse

Im sozialen und kulturellen Bereich legt LaSelva Wert auf faire Lieferketten und eine gute Bezahlung der Saisonarbeiter, setzt sich für Umweltbildung und Kunst ein, finanziert Schutzgebiete für Oktopusse, realisiert Aufforstungs- und Vogelschutzmaßnahmen und Vielfalt im Landbau.

„Wir werden resilienter“

„Die mit den Zertifikaten und Berichten einhergehende Mess- und Belegbarkeit macht uns glaub- und vertrauenswürdig, stärkt unsere Marke und schlussendlich auch unsere Wettbewerbsfähigkeit“, fasst Gobs zusammen. „Wir sparen zudem Kosten, werden wie etwa in der Stromversorgung autarker und stärken unseren Anbau im Hinblick auf den Klimawandel. Wir werden resilienter.“ Sie betont: „Nachhaltigkeit lohnt sich vielfach.“

Allianz Arena Stadion GmbH, München
„Wir sind gern Vorbild“

Schon seit fast einem Vierteljahrhundert erleuchtet die Allianz Arena den Münchner Norden – seit 2015 mit LEDs und inzwischen auch zu 100 Prozent mit Ökostrom. „Diesen nachhaltigen Fortschritt verdanken wir nicht zuletzt EMAS. Wir nutzen das Audit seit Baubeginn 2002, lassen uns jedes Jahr neu validieren“, erklärt Jürgen Muth, Geschäftsführer der Allianz Arena in München und Chef von 40 Mitarbeitern.

„EMAS hilft uns, immer weiterzugehen, nicht betriebsblind zu werden, offen zu sein für Innovationen.“ Bereits beim Bau habe man auf nachhaltige Materialien geachtet, „in anderen Bereichen wie der Stromversorgung mussten wir noch fossil einsteigen, jetzt rüsten wir klimafreundlich nach“.

Photovoltaik deckt Grundstrombedarf

Von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden gelingt mit dezentralen, sich ergänzenden energiesparenden und innovativen Maßnahmen. So strahlt mittlerweile auch das Flutlicht mit LED. Den Grundstrombedarf der Arena decken seit 2019 Photovoltaikanlagen auf dem Gästeparkplatz.

Luftaufnahme der Allianz Arena in München mit deutlich sichtbaren Solarpaneelen auf den Parkplätzen zur Stromversorgung.

Solarpaneele auf dem Parkplatz – für den Grundstrombedarf der Allianz Arena

Der Rasen wird mit einer Wärmepumpe geheizt, die Gebäudeklimatisierung soll 2026 ebenfalls auf Wärmepumpe umgestellt werden. Die Spielerräume nutzen Serverabwärme. Und auch beim Catering spart die Allianz Arena fossile Ressourcen. „Wir haben uns als 1. deutsche Arena von Wegwerfplastikbechern verabschiedet und auf Mehrwegbecher umgestellt“, betont Muth.

Diversifizierung des Geschäftsmodells

Die Vorteile? „LED und Eigenenergie sind deutlich kostensparend“, sagt der Arena-Geschäftsführer. „Zugleich machen die Nachhaltigkeitsansätze uns aber auch zu einem interessanten Werbe- und Entwicklungspartner.“ Die Umstellung der Hülle auf LED ging einher mit einer Werbepartnerschaft zwischen der Arena und dem Leuchtmittelhersteller. Mit Unterstützung eines Lkw-Herstellers wurde eine E-Tankstelle für Lkws vor der Arena für etwa 500 Ladevorgänge täglich installiert. „Die E-Tankstelle diversifiziert zudem unser Geschäftsmodell“, sagt Muth.

First Mover und Vorbild

Stolz ist er auch auf den Multiplikatoreffekt. „Die Fans haben beispielsweise die Mehrwegbecher gut angenommen. Die Wärmepumpe für die Rasenheizung haben wir bereits anderen Stadien empfohlen.“ Ein Forschungsprojekt, gefördert durch die EU, will neue Konzepte für eine nachhaltige Mobilität entwickeln und dafür die Besucherströme zur Arena als Basis nutzen. Muth: „Wir sind gern First Mover und Vorbild. Das bringt Vorteile für uns, unsere Besucher und Impact über die Arena hinaus.“

DMC Production Germany GmbH, Ismaning
„Nachhaltigkeit rechnet sich langfristig“

„Nachhaltigkeit ist bei uns schon lange gelebte Praxis, nun sind wir auch EMAS-validiert“, freut sich Tina Siglreithmayr, Nachhaltigkeitsbeauftragte der DMC Production Germany. Die Firma mit knapp 100 Beschäftigten ist technischer Dienstleister im Mediensektor. Sie bietet unter anderem Übertragungswagen- und Remote-Produktionen sowie Live-Sport- und-Entertainment-Inszenierungen.

„Angestoßen wurde unser Umdenkprozess in Richtung Nachhaltigkeit vor allem durch unseren hohen Ressourcenbedarf. Produktionssysteme für Studio und Playout verbrauchen viel Energie, hinzu kommen Bau- und Dekorationsmaterial“, erläutert Siglreithmayr. Weitere Impulse gaben gesetzliche Vorgaben und steigende Anforderungen von Kundenseite. „Ziel war es, Vorreiter bei der Umsetzung der Green-Motion-Standards für nachhaltige Film- und Fernsehproduktionen zu sein.“

Produktionsumfeld nach „Green Motion“

Inzwischen nutzt das Unternehmen vollständig Ökostrom. Der Fuhrpark wurde reduziert und, wo es ging, auf nachhaltige Antriebe umgestellt. Am Set werden Bau- und Dekomaterialien möglichst wiederverwendet. IHK-zertifizierte „Green Consultants Film & TV“ unterstützen Kunden bei nachhaltigen Produktionen.

Gruppenfoto des DMC Production Germany Teams, das gemeinsam die EMAS-Validierung feiert und eine Urkunde präsentiert.

Stolz auf seine EMAS-Erfolge: das DMC-Team mit Nachhaltigkeitsbeauftragter Tina Siglreithmayr (vordere Reihe, 2. v. re.)

„Wir können unseren Kunden bereits ein Produktionsumfeld nach Green-Motion-Standards bieten“, sagt Siglreithmayr stolz. Mehr ist geplant, etwa die Umstellung der Studiobeleuchtung auf LED, die Stilllegung des Blockheizkraftwerks bis 2027. Bei Ersatzinvestitionen haben Energie- und Ressourceneffizienz grundsätzlich Priorität.

Alle Mitarbeitenden machen mit

EMAS ist für all das ein wichtiger Ankerpunkt. „Es bietet eine klare Struktur. Wir haben Schulungen durchgeführt, alle Mitarbeitenden eingebunden und können unsere Umweltziele nun systematisch verfolgen“, so Siglreithmayr. „Das hat auch das Umweltbewusstsein im Unternehmen weiter gestärkt.“

Nachhaltigkeit kostet Zeit und Geld

Bei aller Überzeugung geht es aber auch um die Kosten der Nachhaltigkeit. „Unternehmen müssen Strukturen schaffen, Teams qualifizieren, Budgets bereitstellen, während Fördermöglichkeiten oft begrenzt oder unübersichtlich sind“, sagt Siglreithmayr. „Wir müssen ehrlich mit uns sein. Nachhaltigkeit kostet zunächst Geld, rechnet sich oft erst langfristig. Sie ist zudem selten ein Ad-hoc-Erfolg, sondern meist kontinuierliche Arbeit.“ Ihr Fazit: „Nachhaltigkeit ist nicht nur in wirtschaftlich unruhigen Zeiten wie diesen eine Herausforderung. Von unserem nachhaltigen Weg abhalten wird uns das aber nicht.“

IHK-Info zum nachhaltigen Wirtschaften

Die IHK bietet auf ihrer Website umfangreiche Informationen für Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR).
Außerdem gibt es hier Informationen zum Umweltmanagementsystem EMAS.