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Hier wird gebaut! Lieferanten und Kunden müssen in München häufig Ausweichrouten suchen

Hier wird gebaut! Lieferanten und Kunden müssen in München häufig Ausweichrouten suchen

© Peter Atkins/Adobe Stock

Hürden nehmen

Viele Großbaustellen beeinträchtigen derzeit in München Verkehr und Wirtschaft erheblich. Wie lassen sich die Folgen für Unternehmen zumindest lindern?

Von Josef Stelzer, IHK-Magazin 5-6/2026

Kilometerlange Staus, zeitraubende Umleitungen, Verspätungen bei der Warenauslieferung und verärgerte Kunden – die zahlreichen Baustellen im Münchner Straßen- und Schienennetz führen zu massiven Behinderungen für den Wirtschaftsverkehr. Durch neue Großbaustellen dürfte sich die Lage in den nächsten Jahren noch weiter zuspitzen.

Beeinträchtigungen durch Baustellen zeigen sich im Münchner Straßennetz derzeit an vielen Stellen. Mitte März 2024 starteten in der Münchner Innenstadt die Arbeiten zum Neubau der Eisenbahnunterführung Lindwurmstraße. Zudem werden aufwendige, aber notwendige Brücken- und Tunnelsanierungen sowie die Arbeiten der Deutschen Bahn an der zweiten S-Bahn-Stammstrecke auch künftig zu Verzögerungen im Wirtschaftsverkehr führen.

Komplettsperrung wegen Brandschadens

In der Fürstenrieder Straße wird an der Tram-Westtangente gebaut. Und im Juli 2026 wird die Oströhre des Luise-Kiesselbach-Tunnels in nördlicher Fahrtrichtung komplett gesperrt, um einen Brandschaden zu beheben. Überdies steht in den kommenden Jahren die umfassende Sanierung des Allacher Tunnels an der Autobahn A 99 bevor.

Stichwort: Knotenpunkt Allacher Tunnel – Sanierung ab 2027

Für den Tunnel Allach auf der A 99 im Münchner Nordwesten plant die Autobahn GmbH in den nächsten Jahren umfassende Arbeiten. Für Unternehmen in der Region kann dies erhebliche Störungen für Lieferwege und Logistik bedeuten – zumal sich der Tunnel bereits jetzt als Nadelöhr mit häufigen Staus erweist.

Die Sanierung des 1998 in Betrieb genommenen Tunnels, der mit einem Verkehrsaufkommen von täglich mehr als 130.000 Fahrzeugen zu den wichtigsten Verkehrsadern in Bayern gehört, wird voraussichtlich in 2 Bauphasen erfolgen.

  • In der ersten Phase (2027–2029) sollen Sanierungsarbeiten außerhalb der Tunnelröhren stattfinden. Baubedingte Verkehrsstörungen sind nicht zu erwarten.
  • In Bauphase 2 (2030–2035) erfolgt die technische Sanierung, bei der jeweils eine der beiden Tunnelröhren gesperrt wird. Dann muss der gesamte Verkehr durch eine verbleibende Röhre fahren.

Während der Sanierungsarbeiten sollen die Folgen für Wirtschaft, Bevölkerung und Durchzugsverkehr so gering wie möglich bleiben. Dazu hat die Landeshauptstadt mit den umliegenden Landkreisen, dem Freistaat Bayern und der Autobahn GmbH in der Mobilitätsallianz MZM und Region ein Maßnahmenpaket entwickelt.

Baustellenkarte mit 6 Wochen-Vorschau

Solche Baustellen behindern oft Logistik und Kundenverkehr von Unternehmen, doch die Auswirkungen lassen sich mildern. Hilfreiche Informationen bietet zum Beispiel die städtische Baustellenkarte der Landeshauptstadt München mit einer Vorausschau von bis zu 6 Wochen, insbesondere für die Hauptverkehrsstraßen. Damit können Unternehmen zum Beispiel Fahrtrouten und Liefertermine frühzeitig anpassen.

Eine wichtige Rolle in der Koordinierung großer Baumaßnahmen spielt das Baustellenmanagement im städtischen Mobilitätsreferat. Es wurde 2022 eingerichtet, um große, verkehrsrelevante öffentliche Baumaßnahmen zu koordinieren und die Einschränkungen insbesondere durch eine zeitlich sowie verkehrlich sinnvolle Steuerung zu minimieren.

Städtische Stelle koordiniert

„Baustellen sind eine Notwendigkeit, aber natürlich bringen sie temporär auch Einschränkungen mit sich. Sie können sich auf den Lieferverkehr und dessen Wege ebenso auswirken wie auf die Erreichbarkeit von Geschäften“, erläutert Katrin Taffel-Kley (31), Leiterin des Baustellenmanagements bei der Stadt München. Zu den Aufgaben ihres Teams gehört es, die großen städtischen Baumaßnahmen etwa des Baureferats, der Stadtwerke oder der Verkehrsbetriebe so zu koordinieren und abzustimmen, dass wichtige Verkehrsverbindungen sowie Zufahrtsachsen möglichst funktionsfähig bleiben.

Ein Ziel ist es, den Unternehmen die vorgesehenen Baumaßnahmen transparent zu machen. Hierzu informiert sie die Wirtschaftsverbände 2-mal pro Jahr über größere geplante öffentliche Bauvorhaben im persönlichen Austausch. Den Betrieben rät Taffel-Kley, diese Informationen auch an ihre Partnerunternehmen weiterzugeben.

Infoangebote zu Bauvorhaben nutzen

„Außerdem kann es sinnvoll sein, im Rahmen umfangreicher Projekte, etwa für die Umgestaltung der Boschetsrieder oder der Augustenstraße, an einschlägigen Bürger- und Gewerbeinformationsveranstaltungen teilzunehmen.“ Wer über relevante Bauvorhaben frühzeitig Bescheid weiß, kann seine Logistikabläufe sowie Liefertermine leichter anpassen und seine Kunden über alternative Zufahrten, Umleitungsstrecken oder geänderte Wegeführungen informieren.

Porträt von Katrin Taffel-Kley vor neutralem Hintergrund, lächelnd, mit schulterlangem blondem Haar und dunkel gestreiftem Oberteil.

© privat

Das Baustellenmanagement koordiniert Maßnahmen so, dass Einschränkungen möglichst gering bleiben.

Katrin Taffel-Kley, Leiterin Baustellenmanagement Stadt München

Baustellen seien notwendig, um die Infrastruktur zu erneuern, auszubauen und einer wachsenden Stadtgesellschaft gerecht zu werden, unterstreicht Taffel-Kley und fügt hinzu: „Das Baustellenmanagement koordiniert diese Maßnahmen so, dass die unvermeidbaren Einschränkungen für Verkehr, Bevölkerung und Wirtschaft möglichst gering bleiben.“

Wirtschaftsverkehr leidet auf 8 Kilometern

Welche gravierenden Folgen Baustellen für lokale Betriebe haben können, zeigt der Bau der Tram-Westtangente, die über eine Gesamtstrecke von mehr als 8 Kilometern durch mehrere Stadtteile verlaufen wird. Die Bauarbeiten umfassen unter anderem Gleisbau, diverse Fahrbahnerneuerungen sowie teilweise Untergrundstabilisierungen, um die Tragfähigkeit für die Trambahnen zu gewährleisten. Derlei behindert den Wirtschaftsverkehr zum Teil erheblich.

Parkplätze und Haltebuchten entlang der Trasse entfallen. Den Lieferanten, aber auch den Kunden der betroffenen Einzelhändler bleibt kaum Platz zum Be- und Entladen. Außerdem erschweren Abbiegeverbote und Sperrungen von Querstraßen die Zufahrten, Ausweichrouten verlängern die Lieferzeiten, führen zu Verspätungen und steigenden Logistikaufwendungen. Laut der IHK für München und Oberbayern können in der Umgebung der Tram-Baustelle über die gesamte Strecke rund 840 Unternehmen betroffen sein, darunter mehr als 100 Einzelhändler.

Individuelle Lösung statt Rechtsstreit

Die Baustelle selbst lässt sich natürlich nicht beseitigen, kleinere Hindernisse aber oft schon. Es lohne sich, „gemeinsam mit den am Bau Beteiligten nach Lösungen zu suchen, wenn betriebliche Abläufe gestört werden“, sagt Joseph Seybold, IHK-Verkehrsexperte für Mobilität und öffentlichen Personennahverkehr. „Mitunter helfen die Bauleiter vor Ort und schaffen Abhilfe, etwa wenn Baumaschinen und Lkws die Zufahrten, Laderampen oder Parkplätze versperren. Vor allem sparen sie teure und meist aussichtslose gerichtliche Auseinandersetzungen um Entschädigungszahlungen“, so Seybold.

IHK-Info: Baustellenmanagement

Die IHK informiert auf ihrer IHK-Website zu aktuellen Baustellen und gibt Tipps für Unternehmen unter anderem zum Baustellenmanagement.