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Geschäftsführer-Duo – Monja Mühling und Florian Schimandl

Geschäftsführer-Duo – Monja Mühling und Florian Schimandl

© Smartlane

Optimale Touren für Lkw

Das Münchner Unternehmen Smartlane automatisiert mit künstlicher Intelligenz Disposition und Tourenplanung – damit Logistik immer effizienter wird.

Von Stefan Bottler, IHK-Magazin 5-6/2026

Transportaufträge aufnehmen und auf die Fahrzeugflotte verteilen, Fahrereinsätze und Touren planen und alle Prozesse bis zum Sendungsempfänger steuern – das ist Aufgabe der Disponenten. Sie sind für die optimale Auslastung der vorhandenen Personalressourcen und Transportkapazitäten verantwortlich. Sie sorgen für zufriedene Kunden, indem sie kurze und kostensparende Transportwege austüfteln und mögliche Einschränkungen berücksichtigen. So können Lenk- und Ruhezeiten, besondere Fahrerqualifikationen und Fahrzeugausrüstungen oder Baustellen und andere Staufallen die Tourenplanung erschweren.

„Ein solches Aufgabenbündel kann mit einer Digitalisierung am besten gelöst werden“, ist Monja Mühling überzeugt. Die Betriebswirtin ist Geschäftsführerin des Münchner IT-Unternehmens Smartlane GmbH und hat die Firma 2015 gemeinsam mit den Informatikern Mathias Baur und Florian Schimandl gegründet.

Alternativroute im Minutentakt

Alle 3 haben an der Technischen Universität München (TUM) studiert und mit Smartlane Forschungsergebnisse des Lehrstuhls für Verkehrstechnik umgesetzt: Sie entwickelten eine cloudbasierte Software, die Disposition und Tourenplanung vollständig automatisiert. Mit diesem Programm erhalten Anwender in wenigen Minuten eine Lösung, wie sie Sendungen unter Berücksichtigung von Planungsanforderungen und Kundenwünschen optimal zusammenstellen und ausliefern – mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI).

Die Software lernt selbstständig, wie sie vorhandene Lösungen noch besser macht und neue Einflussfaktoren unmittelbar verarbeitet. „Die KI ist kein Selbstzweck“, versichert Mühling. „Sie hilft dem Anwender, mit vielen Faktoren in der Disposition optimal umzugehen und die Datenqualität in laufenden Prozessen zu verbessern. So entstehen Touren, die nicht nur auf dem Papier gut aussehen, sondern auch im Alltag wirklich funktionieren.“ Die Smartlane-Macher verfolgen den Anspruch, dass Disponenten bis zu 95 Prozent der Software-Vorschläge übernehmen können und lediglich minimale Anpassungen vornehmen müssen.

Arbeitszeit um bis zu 5 Stunden kürzer

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das Programm den Arbeitsaufwand drastisch verkürzen kann. So berichtet zum Beispiel eine westfälische Spedition von bis zu 5 Stunden weniger Arbeit pro Tag. Die Folge: Die Disponenten müssen ihre Arbeit nicht mehr mitten in der Nacht beginnen, um Touren zu planen. „Solche Erfolge erleichtern auch die Anwerbung neuer Fachkräfte“, ist Mühling überzeugt.

Auch unerwartete Zwischenfälle kann die Software gut verarbeiten. Wenn beispielsweise ein Lkw-Fahrer von einem Kunden aufgehalten wird oder in einen unvorhersehbaren Stau gerät, berechnet sie die Ankunftszeiten bei den nachfolgenden Kunden neu.

Aha-Effekt lockt Großinvestoren

Solche Aha-Effekte bescherten dem Unternehmen über viele Jahre hinweg einen Vorsprung vor zahlreichen Konkurrenten und lockten bekannte Investoren an. In der Seedphase stieg zum Beispiel der Technologiekonzern Siemens ein, später flossen Mittel aus dem europäischen Innovationsförderprogramm. Mittlerweile betrachten die Smartlane-Gründer die Start-up-Phase als abgeschlossen. Mit knapp 20 Beschäftigten erzielen sie einen 7-stelligen Umsatz.

„Wir wollen unseren Ruf als Pionier für KI-gestützte Tourenplanung nutzen“, sagt Mühling auch mit Blick auf die Konkurrenz. Viele Wettbewerber, darunter einige jahrzehntealte IT-Häuser, reichern ihre Software neuerdings ebenfalls mit KI-Tools an.

Allerdings hat Smartlane zwischenzeitlich in einer Zielgruppe Fuß gefasst, die ein besonderes Interesse an anspruchsvoller Tourenplanung hat. Die Anbieter von Stückguttransporten und regionalen Verteilerverkehren fahren auf ihren Touren zahlreiche Stationen an und wünschen deshalb eine Software, die mit überdurchschnittlich vielen Daten arbeiten kann. Für nahezu jeden Empfänger müssen eigene Öffnungszeiten, Zeitfenster, Stellplätze, Rampenausrüstungen und sonstige Besonderheiten berücksichtigt werden.

Selbstlernende Software

Viele Informationen fehlen jedoch oder sind unvollständig. Genau hier will das Münchner Unternehmen seine Stärken ausspielen. Seine Lösung lernt dank KI immer aus früheren oder vergleichbaren Touren. Seit 2020 arbeiten Partner der nationalen Stückgutkooperation CargoLine mit Smartlane, später sind die internationale Spedition Emons und andere nationale Branchenunternehmen hinzugekommen.

Auch außerhalb der Logistikbranche findet Smartlane Kunden. So planen mittlerweile ein Großhändler für italienische Lebensmittel und ein Außendienst mit mehr als 100 Vertriebsmitarbeitern Touren mit der Münchner Software.

Auf Neukunden- und Partnersuche

Kernzielgruppe bleiben jedoch Stückgut- und Sammelgutdienstleister, wie Mühling versichert. „Wir entwickeln unsere Software mit unseren Kunden kontinuierlich weiter.“ Gleichzeitig werben sie und ihr Co-Geschäftsführer Schimandl – Mitgründer Baur schied 2023 aus dem operativen Geschäft aus – um Neukunden und wollen diese über Partnerschaften mit anderen Softwareunternehmen ansprechen. Vor allem Anbieter von Transportmanagementsystemen (TMS) kommen für solche Kooperationen infrage: Ihre Produkte können zwar Transportaufträge verwalten und abrechnen sowie deren Zustellung verfolgen, aber sie beherrschen keine Tourenplanung.

Smartlane bietet daher die Anbindung über eine standardisierte Schnittstelle an. „Smartlane muss lediglich Sendungs- und Fahrzeugdaten inklusive der im System hinterlegten Attribute abrufen und übernimmt die intelligente Konfiguration und Verknüpfung“, sagt Schimandl. Der große Vorteil: Anwender müssen dann nur noch mit einem System arbeiten.

Serie „Die Problemlöser": Clevere Ideen für große Herausforderungen

Energieversorgung, Fachkräftemangel, Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit – das sind nur einige der gewaltigen Probleme, vor denen wir gerade stehen. In Oberbayern gibt es zahlreiche Unternehmen, die diese Herausforderung annehmen: Sie entwickeln kluge Lösungen für die drängenden Aufgaben unserer Zeit. Das IHK-Magazin stellt diese Problemlöser in einer lockeren Serie vor.

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