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Setzen wegweisende Akzente im Umgang mit KI – weibliche Führungskräfte wie Jana-Josephine Chowdhury, Daniela Rittmeier, Sirid Böhm, Begonia Vazquez Merayo und Bea Kusnitzoff (v.li.)

Setzen wegweisende Akzente im Umgang mit KI – weibliche Führungskräfte wie Jana-Josephine Chowdhury, Daniela Rittmeier, Sirid Böhm, Begonia Vazquez Merayo und Bea Kusnitzoff (v.li.)

© Melanie Scheller, Tom Kirkpatrick, Nico Kurth/IPAI Foundation, People Picture München, privat

Führung, die Firmen jetzt brauchen

Künstliche Intelligenz verändert die Anforderungen an Führungskräfte gerade deutlich – warum das für Frauen ein Vorteil ist.

Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 5-6/2026

Empathie ist der Schlüssel. Wenn die künstliche Intelligenz als Kollegin – oder Rivalin – mit in der Runde sitzt, brauchen die menschlichen Teammitglieder besonders empathische Führungskräfte. Davon ist Jana-Josephine Chowdhury überzeugt. Sie ist Gründerin der AlphaMint AI, mit der sie Führungskräfte in ihren Kundenunternehmen bei der Implementierung und Nutzung von KI unterstützt. „KI verändert alles, sie ist immer noch sehr neu, entwickelt sich zugleich sprunghaft weiter“, sagt Chowdhury. „Das verunsichert, fordert heraus, macht aber auch neugierig, braucht Lernwillen, Flexibilität und Mut – mit Empathie bringen Führungskräfte ihre Teams und Unternehmen erfolgreicher in die neue Welt.“

Jana-Josephine Chowdhury mit offenem Haar und hellem Mantel vor neutralem Hintergrund, lächelnd, im Porträtformat.

© Melanie Scheller

Empathie ist der härteste Skill, den Führung gerade braucht.

Jana-Josephine Chowdhury, Gründerin AlphaMint AI

Chowdhury versteht Führungskräfte als Übersetzer der neuen Technologie, die den Umgang mit KI am besten selbst vorleben. „Sie sollten stets dialogbereit sein, zuhören, Zweifel und Sorgen der Teammitglieder ernst nehmen, Begeisterung stärken. Zudem gilt es, zu Fortbildungen, vor allem zur KI-Anwendung zu ermuntern.“ Dafür schlägt Chowdhury „AI Gyms“ vor: „Hier können die Teammitglieder gemeinsam trainieren, sich austauschen, KI-News teilen, bei komplexen Fragen auch Schleifen drehen.“ Die Unternehmerin betont: „Empathie ist der härteste Skill, den Führung gerade braucht. Frauen bringen dafür oft die besseren Voraussetzungen mit – und genau das macht sie zu den Führungskräften, die Unternehmen jetzt benötigen.“

Der weibliche Blick auf die KI

KI verändert nicht nur unzählige Arbeitsprozesse von Grund auf, sie beeinflusst auch die Unternehmenskultur und Führung spürbar. Gefragt sind jetzt Chefs, die technologische Transformation mit menschlichen Bedürfnissen verbinden können, die Unsicherheiten auffangen und Lernen fördern. Und das sind nur einige Aspekte. Experten führen zahlreiche Argumente an, warum weibliche Führungskräfte wichtig sind, wenn Firmen die Möglichkeiten von KI ausschöpfen wollen.

Daniela Rittmeier mit lockigem blondem Haar im blauen Blazer, verschränkt die Arme und lächelt, im Außenbereich vor modernem Gebäude.

© Tom Kirkpatrick

Frauen sind in diesen Zeiten gefragte Führungskräfte. Unternehmen mit diversen Teams sind nachweislich wettbewerbsfähiger.

Daniela Rittmeier, Head of Generative AI Accelerator Capgemini

„Unternehmen arbeiten aktuell noch sehr hardwaregetrieben, geben Anweisungen und kontrollieren. Im KI-Zeitalter reicht das nicht mehr“, sagt Daniela Rittmeier, Ingenieurin und Head of Generative AI Accelerator bei der Beratungsgesellschaft Capgemini. Das Entwickeln von KI-Systemen bedürfe zum Beispiel aufgrund der inhaltlichen Verzerrungen heute und in Zukunft stets des kritischen Hinterfragens durch Menschen, so Rittmeier. „Frauen sind Meister im kritischen Denken und ständigen Hinterfragen. Das senkt im KI-Kontext messbar die Risiken“, so die Expertin.

Kritisch, kreativ, interdisziplinär

Und sie nennt weitere Pluspunkte weiblicher Führung: „Viele Frauen sind durch ihre diversen Verantwortungen in Familie, Freundeskreis, Ehrenamt und Beruf gewohnt, agil und interdisziplinär zu agieren, Menschen mit diversen Kompetenzen empathisch mitzunehmen und zu vereinen. Genau diese Rollenwechsel ermöglichen es, leichter über den Tellerrand zu blicken und die KI so kreativer einzusetzen.“

Ihr Fazit: „Frauen sind in diesen Zeiten gefragte Führungskräfte. Unternehmen mit diversen Teams sind nachweislich wettbewerbsfähiger. Deshalb können wir es uns nicht leisten, auf Frauen in der Führung zu verzichten.“

KI-Biases vielfach zu Lasten der Frauen

In der Praxis ist die Beziehung von Frauen und KI allerdings noch ambivalent. Das gilt gerade im Hinblick auf Führungspositionen: Die mit historisch verzerrten Daten trainierten Systeme vervielfältigen vielfach traditionelle Stereotype – für KI sind technisches Wissen, Führung und Macht vor allem männlich.

Sirid Böhm mit langen blonden Haaren und schwarzem Oberteil vor hellblauem Hintergrund, leicht seitlich stehend und lächelnd.

© Nico Kurth/IPAI Foundation

Insbesondere für Führungskräfte ist es essenziell, fundierte KI-Kompetenz zu erwerben.

Sirid Böhm, Expertin Women in AI, IPAI Foundation

„Arbeiten Personalabteilungen mit KI, schlägt diese beispielsweise Frauen trotz gleicher oder besserer Qualifikation für gewisse Führungspositionen seltener vor“, sagt Sirid Böhm, Expertin für Women in AI bei der IPAI Foundation in Heilbronn. Hier brauche es qualitativ hochwertige Filter, die Voreingenommenheit (Bias) erkennen, und „eine gute KI-Kompetenz, damit es zu fairen Entscheidungen kommt“.

Führung braucht KI-Kompetenz

Frauen nutzen KI aktuell noch weniger als Männer, ermittelten Studien, zum Beispiel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg 2025. „Insbesondere für Führungskräfte ist es aber essenziell, eine fundierte KI-Kompetenz zu erwerben. Sie müssen KI anwenden und verstehen, um die Output-Qualität einordnen zu können und so potenzielle Fehler und Bias zu erkennen“, sagt Böhm.

Gleichzeitig gilt: Weil Frauen vor allem in wohlhabenden Ländern oft in administrativen Berufen mit hohem Automatisierungsrisiko arbeiten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie durch KI ersetzt werden, dreimal so hoch wie bei Männern. Das zeigte 2025 eine Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO).

„Einfach machen, Chance ergreifen“

Was heißt das konkret für die Frauen? Neugierig und mutig sein, sich fortbilden, sich mit KI-Kompetenz sichtbar machen und gezielt positionieren, um die eigene Rolle zu stärken oder neue Möglichkeiten zu erschließen.

Begonia Vazquez Merayo mit schulterlangem braunem Haar, schwarzem Blazer und rotem Lippenstift, an Tisch gelehnt vor dunklem Hintergrund.

© People Picture München

Männer haben hier keinen Vorsprung: KI ist für alle neu.

Begonia Vazquez Merayo, Gründerin Why Consult

Also „einfach machen – und diese Chance ergreifen“, ermuntert Begonia Vazquez Merayo, Gründerin der internationalen Managementberatung Why Consult in München und treibende Kraft hinter dem Frauenkarrierenetzwerk net4tec: „Für den Einstieg in KI gibt es viele, oft kostenlose Angebote – und Netzwerke, die diese Themen gemeinsam voranbringen. Frauen sind nicht allein.“ Sie betont: „Männer haben hier keinen Vorsprung: KI ist für alle neu. Je mehr Frauen sie nutzen und mitgestalten, desto eher wird Bias reduziert und werden Chancen gerechter.“

Capgemini-Expertin Rittmeier appelliert zugleich an die Firmen: „Aktuell werden weltweit Diversityprogramme zurückgefahren – das ist kontraproduktiv für unsere Wirtschaft, die Wettbewerbsfähigkeit sowie nachhaltig inklusive KI-Systeme.“

Mitarbeitende befähigen

Bea Kusnitzoff, Business Lane Lead „Digital Solutions“ & Transformation Coach bei der codecentric AG am Standort München, führt rund 150 Mitarbeitende. Ihr Unternehmen begleitet Firmen bei der Digitalisierung und nun auch bei der KI-Transformation: „Führung bedeutet für uns aktuell vor allem, alle Mitarbeitenden in das Thema KI mitzunehmen – damit diese dann wiederum die Kunden mitnehmen können.“

Bea Kusnitzoff mit blondem Pony und Pferdeschwanz, trägt dunkelblaues Oberteil, lächelt frontal vor blaugrünem Hintergrund.

© privat

Die KI bleibt uns erhalten – wir müssen gemeinsam zu ihren Gestaltern werden.

Bea Kusnitzoff, Business Lane Lead, codecentric AG

Frauen im Team speziell fördern

Für sich als Führungskraft sieht Kusnitzoff 2 Herausforderungen: „Erstens Befähigung. Nicht alle Mitarbeitenden teilen meine eigene Begeisterung für KI. Zudem bemerke ich, dass Frauen und Männer unterschiedlich an KI herangehen – Frauen wollen sie erst verstehen, Männer machen einfach.“ Und der 2. Punkt? „Aufgrund des hohen Gender Bias in der KI und der Gefahr, dass Frauen durch KI ihren Arbeitsplatz leichter verlieren können als Männer, müssen Frauen besonders gefördert werden.“

Skeptiker nicht verlieren

Sie schaut daher nun noch genauer auf jeden Einzelnen und jedes Team, ermutigt, fördert und begleitet alle individuell und versucht, KI-Skeptiker nicht zu verlieren. „Die KI bleibt uns erhalten – wir müssen gemeinsam zu ihren Gestaltern werden. Weibliche Führungskräfte haben für diesen Prozess auf jeden Fall das nötige Fingerspitzengefühl.“

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