Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 4/2026
Reisen bildet. Vielleicht nicht unbedingt das Trinkgelage am Ballermann. Aber auf jeden Fall, wenn man mit dem Reiseveranstalter Studiosus Reisen München GmbH auf Fahrt geht. Die Firma bietet vor allem Studienreisen an. „Unsere Gäste erleben mehr als einen Strandurlaub, nämlich die Kultur, Land und Leute, die Lebensart der Menschen vor Ort. Sie kehren mit neuen Eindrücken und Erfahrungen zurück“, verspricht Geschäftsführer Peter-Mario Kubsch.
Das Prinzip Studienreise trägt den Reiseanbieter seit Mitte der 1950er-Jahre. Dabei muss sich das Unternehmen immer wieder auf rasch wechselnde Vorlieben der Reisenden einstellen und politischen Krisenherden aus dem Weg gehen. Dass dies offenbar recht gut gelingt, zeigen die aktuellen Zahlen: Im vergangenen Jahr verreisten 75.800 Gäste mit dem Anbieter, 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg auf knapp 280 Millionen Euro – ein Plus von 9 Prozent.
Expansion durch Zukauf
Darin enthalten sind auch die Teilnehmerzahlen und Umsätze der vor einigen Jahren integrierten Marke Marco Polo Reisen sowie der 2024 übernommenen Hauser Exkursionen. Der Inhaber des Outdoor-Reisespezialisten wollte sein Unternehmen aus Altersgründen abgeben. „Wir Touristiker kennen uns untereinander“, sagt Kubsch. „Also fragte er mich, ob ich die Firma übernehmen möchte.“ Da sie gut zum Portfolio passt, schlug der Studiosus-Chef ein. Seine Gruppe ist mittlerweile ein wichtiger Player innerhalb der Tourismusbranche mit etwa 360 Mitarbeitern und 500 Reiseführern weltweit.
Die Anfänge des Unternehmens liegen rund 70 Jahre zurück. Der Vater des heutigen Firmenchefs, Werner Kubsch, studierte noch, als er seine Firma 1954 gründete – als Austauschprogramm für Kommilitonen. Die ersten Reisen gingen unter anderem nach Italien. Weil sich die Studenten kein Bahnticket leisten konnten, fuhren sie mit dem Fahrrad nach Mailand und nächtigten dort bei Kommilitonen auf der Couch. Im ersten Geschäftsjahr hatte Studiosus rund 500 Kunden – zunächst fast ausschließlich Studenten, daher auch der Name Studiosus.
Lieber abseits der Hauptrouten
Als der Gründer 1992 starb, war sein Sohn Peter-Mario schon lange im Unternehmen tätig. Seither hat sich viel verändert – vor allem die Interessen der Reisenden. Früher konnten sie gar nicht genug von der Kultur, der Architektur an ihren Zielen aufsaugen. Heute möchten sie zwar immer noch die bekanntesten Sehenswürdigkeiten besuchen, aber mehr und mehr auch abseits der Hauptrouten Neues entdecken, sagt Kubsch. „Sie wollen die Lebensart der Menschen vor Ort kennenlernen, durch die Stadt bummeln, gemeinsam gut essen.“
Die Präferenzen bei den Destinationen variieren ebenfalls laufend. Aktuell sind die USA nicht sehr beliebt. Seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump sind die Buchungen um 1 Drittel eingebrochen. Stattdessen boomt Kanada als Reiseziel. Einen absoluten Hype erlebt gerade Japan, es ist laut Kubsch derzeit das beliebteste Fernreiseziel.
„Coolcation“ statt „Hot Spots“
Innerhalb Europas zeichnet sich ein größeres Interesse an den Staaten im Norden ab, insbesondere Skandinavien. „Coolcation“ nennt sich dieser Trend – ausgelöst durch den Klimawandel, die steigenden Temperaturen. Damit einher gehen auch vermehrt Reisetermine im frühen Frühling oder späten Herbst, wenn es in Südeuropa, auf der Beliebtheitsskala immer noch ganz oben, nicht ganz so heiß ist.
Dass Länder seltener oder gar nicht mehr gebucht werden, ist vor allem Folge einer schlechten Sicherheitslage dort. Darauf reagiert das Unternehmen auch von sich aus. Das betrifft natürlich die nächsten geplanten Touren in den Nahen Osten, die das Unternehmen wegen des Kriegs dort abgesagt hat.
Studiosus bietet ebenso Reisen nach Myanmar derzeit nicht an. Manchmal werden lediglich die Reiserouten verlegt, so wie aktuell zum Beispiel in Thailand und Kambodscha wegen des neu eskalierten Grenzkonflikts.
Ü 50 bleibt Kernzielgruppe
Nahezu unverändert seit Jahrzehnten ist die Kernzielgruppe: Reisende im Alter von 55 plus. „Die Menschen verreisen mit uns, wenn die Kinder aus dem Haus sind“, sagt Kubsch und findet, dass das höhere Alter kein Grund zur Sorge sei. Nicht bei „25 Prozent Neukunden jedes Jahr“, wie er anfügt.