Die Kunsthandlung Drey galt zu ihrer Zeit als führend in Europa. Noch 1927 wurde Siegfried Drey, der auch die Titel Kommerzienrat und Handelsrichter führte, zum ersten Vorsitzenden des Verbandes des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels gewählt. Die Repressalien und die Verfolgung der NS-Zeit ab 1933 setzten der Familiengeschichte in München allerdings ein jähes Ende. Der Vortrag war Teil der Erinnerungsinitiative „Denkmal am Ort“, die am ersten Mai-Wochenende in rund einem Dutzend Veranstaltungen in München an die Verfolgten der NS-Diktatur erinnert.
Die Kunsthandlung Drey ließ sich 1911 vom damaligen Star-Architekten Gabriel von Seidl in direkter Nachbarschaft des „Hauses für Handel und Gewerbe“ (Maximiliansplatz 8) ein prächtiges Wohn- und Geschäftshaus errichten. Doch nur wenig mehr als 20 Jahre später setzte das nationalsozialistische Regime ihrem Wirken mit dem zunehmenden Terror der Judenverfolgung ein Ende: Die Familie war gezwungen, das Haus zu verkaufen.
Die Handelskammer erwarb das Gebäude der Familie Drey 1935 für 1,3 Millionen Reichsmark, wovon die NS-Finanzbehörden immense, willkürlich aufgestockte Steuerzahlungen abpressten. Siegfried Drey starb 1936 in München direkt nach einem Besuch im Finanzamt an einem Herzinfarkt. Die Kunsthandlung wurde „arisiert“, die Familie floh nach Amerika und England. Der Kunstbesitz wurde zwangsversteigert, um weitere willkürliche Steuerforderungen des Nazi-Regimes zu bedienen. Siegfried Dreys Tochter Luise Drey, in München verblieben, gehörte zu den rund 1.000 Münchner Juden, die im November 1941 nach Litauen deportiert und dort ermordet wurden.
Im Juni 1947 teilte Dr. Paul Drey, Sohn von Siegfried Drey, der Handelskammer in einem Schreiben aus New York mit, dass die Familie eine Restitution nicht verlangen werde: Die Handelskammer sei ein fairer Verhandlungspartner gewesen und habe das Haus für einen nicht unangemessenen Preis erworben. Stattdessen versuchte die Familie Drey in der Nachkriegszeit, den verlorengegangenen Kunstbesitz aus den Zwangsversteigerungen wiederzuerlangen - ein fast aussichtloses Unterfangen. Nur für etwa zehn Prozent der Versteigerungsware sei bisher eine gütliche Einigung gelungen, sagte Kunsthistorikerin Birgit Jooss.
Bildunterschriften:
Im IHK-Gebäude am 2. Mai 2026: (v.l.n.r.) IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl, Nicholas Drey aus London, Kunsthistorikerin Birgit Jooss und Marie Rolshoven, Initiatorin von „Denkmal am Ort“. (Bildnachweis: IHK München)
IHK-Gebäude mit Ansicht Seidl-Bau. (Bildnachweis: Silke Reidl)