„Die bayerischen Industrieunternehmen fahren seit fast drei Jahren bei den Inlandsinvestitionen im Rückwärtsgang. Zugleich erleben wir weiterhin eine Verlagerung ins Ausland“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl unter Verweis auf eine Sonderauswertung der Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) vom Jahresbeginn 2026 unter 3.500 Unternehmen. „Wir sehen in diesen Tagen erneut, wie internationale Konflikte Verunsicherung schüren und auch unsere Wirtschaft unmittelbar treffen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Unternehmen am Standort Deutschland unter besseren Rahmenbedingungen wirtschaften können - und vor allem zu Investitionen ermutigt werden.“
Wie die BIHK-Umfrage zeigt, ist die inländische Investitionsbereitschaft in der Industrie mit minus 13 Punkten besonders schwach ausgeprägt. Über alle Wirtschaftszweige liegt der Wert bei null Punkten. Der Saldenwert ist die Differenz der Prozentanteile der befragten Unternehmen, die Investitionen ausweiten bzw. kürzen wollen. Ein negativer Wert gibt an, dass es mehr Betriebe gibt, die Investitionen kürzen, als Betriebe, die Investitionen ausweiten.
Dass die bayerische Industrie grundsätzlich investitionsbereit ist, zeigt sich bei ihren Auslandsinvestitionen: Seit dem Corona-Tief im Jahr 2020 sind diese durchgehend positiv und liegen aktuell mit 8 Punkten etwa im langjährigen Durchschnitt. Inlands- und Auslandsinvestitionen der Industrie gehen dabei aktuell wie eine Schere auseinander, der Abstand ist mit derzeit 21 Punkten so hoch wie nie zuvor.
Knapp ein Drittel der im Ausland investierenden Industrieunternehmen plant in diesem Zug eine Verlagerung von Inlandskapazitäten. Dagegen spielen Erweiterungen von Kapazitäten bei Inlandsinvestitionen eine immer kleinere Rolle und erreichen Tiefstwerte. Selbst im Baugewerbe, das als potenzieller Gewinner der Infrastrukturoffensive gilt, bleibt das Investitionsmotiv Kapazitätserweiterung niedrig.
„Allen muss klar sein: Ohne eine Trendwende bei Betriebsinvestitionen im Inland wird das langfristige Wirtschaftswachstum in Deutschland niedrig bleiben. Zunehmen werden dagegen die Probleme am Arbeitsmarkt und damit in den Sozialsystemen, weil die Unternehmen ihre Beschäftigungspläne auch auf Abbau ausrichten. Die Liste der Ursachen für die schon chronische Investitionsschwäche am Standort ist lang und an vielen Stellen politisch hausgemacht. Wir brauchen dringend die lang ersehnte Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik auf mehr Arbeits- und Investitionsanreize sowie höhere Produktivität“, so Gößl weiter.
Die Wirtschaftspolitik nennen 75 Prozent der befragten Unternehmen aus allen Branchen als zentrales Hemmnis für Investitionen, gefolgt von hohen Arbeitskosten (72 Prozent), Steuerlast (64 Prozent), fehlender Nachfrage (63 Prozent), Energiepreisen (57 Prozent), Regulierungsniveau und Arbeitskräftemangel (je 55 Prozent). „Die gute Nachricht: Die großen Hebel zur Verbesserung der Lage hat die Politik auf Bundesebene damit selbst in der Hand“, sagt der BIHK-Chef.