Gößl: „Schlechtes Umfeld bremst die Unternehmen weiter aus“
„Ausbleibende Reformen und ein neuerlicher Energiepreisschock würgen das Wachstum ab“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Die Geschäftserwartungen sind in allen Branchen gefallen und liegen im Saldo erstmals seit Jahresbeginn 2025 wieder im negativen Bereich. Die aktuelle Geschäftslage bleibt insgesamt schwach. Rasant steigende Betriebskosten treffen alle Branchen.
Bei Dienstleistern und in Teilen des Baugewerbes überwiegen noch die positiven Lageeinschätzungen. In der Industrie laufen die Geschäfte gegenüber dem Jahresbeginn stabil. Handel und Tourismus leiden dagegen weiterhin am stärksten unter der schwachen Konsumnachfrage.
Als größte Risiken sehen die Unternehmen die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise, die von 65 Prozent der Befragten genannt werden – ein sprunghafter Anstieg. Hinzu kommen unattraktive wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (64 Prozent), schwache Inlandsnachfrage (62 Prozent) und weiterhin hohe Arbeitskosten (58 Prozent), ein Wert auf Rekordniveau.
Diese Risiken schlagen sich deutlich im Investitionsverhalten nieder: Die Unternehmen bleiben bei Inlandsinvestitionen auf der Bremse. Auch am Arbeitsmarkt verschlechtert sich die Lage weiter: Der Beschäftigungssaldo ist klar negativ. Alle Branchen planen Stellenabbau, besonders die bayerische Industrie muss Arbeitsplätze abbauen.
„Für die kommenden Monate erwarten die Unternehmen keine schnelle Verbesserung. Das schlechte Umfeld bremst die Wirtschaft weiter aus. Die Preisentwicklung an den Tankstellen ist nur der Vorbote für weiter steigende Preise in der Breite, die nach und nach entlang der Lieferketten bei den Kunden und Verbrauchern ankommen werden“, sagt BIHK-Chef Gößl.
Er kritisiert, dass die Bundesregierung in ihrem ersten Jahr die Chance auf einen Neuanfang vertan hat. „Strukturreformen wurden viele Jahre politisch geleugnet und aufgeschoben, nun sind sie so dringend wie nie. Die Unsicherheit in der deutschen und bayerischen Wirtschaft ist so groß, dass nur noch ein großer Reformaufschlag bei Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau helfen kann. Der jetzt beschlossene Strategiewechsel weg von Reformen in Einzelteilen hin zu einem gebündelten Reformpaket bis Anfang Juli ist richtig. Damit das funktionieren kann, müssen sich aber alle Seiten – Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften – in ihren Positionen bewegen und den Gesprächsmodus auf Vertraulichkeit und Augenhöhe ausrichten statt auf öffentlichen Streit und Polarisierung. Es kann nur ein Ziel geben: gemeinsam gute Kompromisse finden“, sagt Gößl.