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Bergbau – wie lassen sich Rohstoffe günstiger abbauen?

Bergbau – wie lassen sich Rohstoffe günstiger abbauen?

© Mishainik/Adobe Stock

Auf zu neuen Tiefen

Das junge Unternehmen Hades Mining will Rohstoffe in Europa fördern. Eine neuartige Bohrtechnologie soll eine neue Bergbau-Allianz begründen.

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 4/2026

Deutschland und Europa sind abhängig von Energie und Rohstoffen. Jedes Jahr importiert die EU kritische Mineralien im Wert von 100 Milliarden Euro. Das sind 97 Prozent des gesamten Bedarfs. Der überwiegende Teil wird aus Ländern mit einer schwierigen Lieferkettenbeziehung wie etwa China eingeführt. Lange Jahre wurde das nicht als besonders problematisch angesehen.

Doch das Blatt hat sich gewendet, angefangen mit der Pandemie, dann mit dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine. Es herrscht mittlerweile Konsens darüber, dass Deutschland und Europa autarker werden müssen. Die junge Münchner Hades Mining GmbH will genau dafür sorgen. „Wir wollen, dass 50 Prozent der kritischen Mineralien in Europa gefördert werden“, sagt Geschäftsführer Max Werner (35). Gelingen soll dies mit einer revolutionären Bohrtechnologie.

3 Perspektiven, 1 Vision

Werner lebte jahrelang in London, gründete dort 2018 das Start-up Wecorp, das Drohnen ans Militär liefert. Nachdem er die Firma 2021 verkauft, nochmals studiert und gearbeitet hatte, ging er Anfang 2025 zurück nach München. Mit Björn Dressler, damals beim Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace SE, und Dan Gengenbach, der beim Kernfusions-Start-up Marvel Fusion GmbH arbeitete, tauschte er sich über die „geopolitische Realität“ aus. „Wir haben von unterschiedlichen Karrieren aus mit einem kritischen Auge darauf geschaut“, sagt Werner.

Und je länger sie schauten, desto deutlicher erkannten sie eine „Business Opportunity“, das „große Marktpotenzial“. Für die 3 war klar: Europa hat Rohstoffe, nur ist die Förderung viel zu teuer. „Bei Geothermie und der In-situ-Gewinnung, kurz ISR, sind 50 bis 70 Prozent der Gesamtkosten reine Bohrkosten“, sagt Werner. Bei ISR werden Mineralien mithilfe von Flüssigkeitszirkulation umweltschonend aus tiefen Gesteinsschichten gewonnen.

Max Werner, Geschäftsführer von Hades Mining, steht mit verschränkten Armen vor neutralem Hintergrund und lächelt in die Kamera.

© Hades Mining

Wir wollen, dass 50 Prozent der kritischen Mineralien in Europa gefördert werden.

Max Werner, Geschäftsführer Hades Mining

Also suchten sie nach einer günstigeren Lösung. Sie werteten Studien über die Leistung von unterschiedlichen Bohrersystemen aus, verglichen die physikalischen Prinzipien von mechanischen mit denen von Mikrowellen-Bohrern, stießen auf Laserbohrer für den Einsatz bei Metallplatten und kamen nach 4 Wochen Recherche zu dem Schluss, dass sie einen speziellen Laserbohrer für tiefe Tiefen entwickeln wollten.

„Bergbau zurück in Europa“

Es folgte die formelle Gründung des Unternehmens. Der Name war schnell gefunden. Hades ist der griechische Gott der Unterwelt. „Die Männer haben zu ihm gebetet, bevor sie in den Steinbau gingen“, so Werner. „Mining“ kommt daher, dass das Start-up explizit „als Bergbaufirma auftreten“ möchte, nicht als Servicefirma oder Technologieprovider. „40 Jahre lang hatten wir Bergbau in Europa. Jetzt kommt er zurück“, betont der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Oberleutnant bei der Bundeswehr. Europa brauche eine Bergbau-Allianz.

Hohe Pre-Seed-Finanzierung

Hades Mining hat die finanziellen Weichen dafür schon kurz nach der Gründung gestellt – mit einer Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Zu den Investoren zählen Project A Ventures Management GmbH, Visionaries Tomorrow, Founders Factory Ltd. und die Viessmann Generations Group.

Die nächste Runde wurde im Januar geschlossen, nochmals bedeutend höher und mit deutschen Investoren, die unter anderem auch Isar Aerospace finanziert haben. So konnte das Start-up in weniger als 7 Monaten mehr als 20 Millionen Euro einsammeln. Der Weg zu schnellem Wachstum ist damit geebnet.

Geopolitik als Treiber

Hinter dem großen Investoreninteresse steht die Geopolitik: Die Industrie in der EU ist bei dringend benötigten Rohstoffen zu fast 100 Prozent abhängig von Drittstaaten. Ob Lithium, Kupfer oder Zink – aktuell gelten europaweit etwa 20 Rohstoffe als kritisch. Demnächst wird die Liste auf etwa 45 erweitert. Auch deshalb sieht der Critical Raw Materials Act der EU vor, nationale Zulassungsverfahren von Bergbauprojekten zu beschleunigen.

Offenbar punkten die Hades-Gründer aber auch technisch mit ihrem Laserbohrer. „Der von uns entwickelte Faserlaserbohrer führt Bohrungen 80- bis 90-mal schneller aus als ein herkömmlicher, mechanischer Bohrer“, verspricht der Hades-Gründer. Auch in großen Tiefen, in denen ein hoher Druck herrscht, nutze sich das Gerät nicht ab und müsse nur selten ausgetauscht werden.

Niedrige Förderkosten in Aussicht

Die neue Technologie ermöglicht es laut Werner, Rohstoff zu bedeutend niedrigeren Kosten als bisher zu fördern. So würden sich die Bohrkosten sogar in großen Tiefen von 4 Kilometern und mehr rechnen. Die meisten Mineralien lägen in etwa 500 bis 1.000 Metern Tiefe.

Noch kann Hades Mining keine konkreten Ergebnisse vorweisen. Die Münchner, mittlerweile mit 11 Mitarbeitern in Sendling ansässig, erproben ihre Technologie noch unter Laborbedingungen. Erste Testungen im Gelände sind für Ende 2026 angesetzt. Es gilt, die Ergebnisse abzuwarten, bevor ein Durchbruch vermeldet werden kann.

Rohstoffsuche läuft noch

Die spannendsten Zeiten stehen Werner, Dressler und Gengenbach also noch bevor. Auch deshalb, weil sie parallel „exploration“ betreiben, also nach förderfähigen Vorkommen forschen. „Wir wissen noch nicht genau, wo es welche Rohstoffe in Europa gibt“, sagt Werner. „Die sogenannten seltenen Rohstoffe sind gar nicht selten.“ Man müsse sie nur finden und bergen.

Aus diesem Grund setzt der Unternehmer straffe Ziele für Hades Mining: In 1 Jahr will das Start-up Bohrlöcher für die Industrie skalierbar machen. In 2 bis 3 Jahren „wollen wir erste kommerzielle Projekte umsetzen“.

IHK-Stichwort: Scale-up Council

Die IHK für München und Oberbayern unterstützt mit dem neuen Scale-up Council zusammen mit Partnern aus dem Munich Innovation Ecosystem junge, innovative und schnell wachsende Unternehmen auf ihrem Weg zum Großunternehmen. Ziel ist es, die Hidden Champions von morgen zu halten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.