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Geschäftsführer Stephan Zwiehoff (r.) mit seinem Bruder Frank Zwiehoff

Geschäftsführer Stephan Zwiehoff (r.) mit seinem Bruder Frank Zwiehoff

© G. Zwiehoff

Global Player mit 33 Mitarbeitern

G. Zwiehoff hat sich als Premiumhersteller von Zweiwegefahrzeugen etabliert. Mit strategischen Partnern ist das Unternehmen in internationalen Märkten unterwegs.

Von Stefan Bottler, IHK-Magazin 4/2026

Rückläufige Umsätze und Gewinne, weil Kundenaufträge ausbleiben? An Fahrzeugherstellern, die mit solchen Problemen zu kämpfen haben, herrscht aktuell kein Mangel. Der Branchentrend kann das Familienunternehmen G. Zwiehoff GmbH in Rosenheim kaltlassen.

„Wir wachsen konstant“, sagt Stephan Zwiehoff (43), seit 2017 alleiniger Geschäftsführer in 2. Generation. Während der vergangenen Jahre hat der Spezialist für Zweiwegefahrzeuge, die auf Straße wie Schiene eingesetzt werden können, seine Produktion kontinuierlich hochgefahren und die Beschäftigtenzahl auf aktuell 33 erhöht. Heute liefert das Familienunternehmen in die ganze Welt aus und ist bei einem Umsatz von nicht einmal 10 Millionen Euro international unterwegs. Wie ist dem Nischenanbieter das gelungen?

Von der Straße auf die Schiene

Mithilfe der Daimler Truck AG und anderer Industriepartner hat das Mittelstandsunternehmen einen attraktiven Markt erschlossen. Zweiwegefahrzeuge sind unverzichtbar für Bauarbeiten, Wartungen, Rangierdienste und andere Gleisarbeiten. Ohne diese Nutzfahrzeuge, die mit besonderen Fahr- und Aufgleistechnologien schnell und unkompliziert auf die Schiene wechseln, können Güterbahnhöfe, Containerterminals, Häfen und andere Standorte mit Gleisanschlüssen wichtige Arbeiten nicht leisten.

Viele Anwender müssen diese fahrbaren Untersätze auf ihre individuellen Anforderungen hin konfigurieren lassen. Mit solchen Lösungen ist Zwiehoff groß geworden. „Wir haben uns in den letzten 15 Jahren vom Vertriebsdienstleister zum Komplettanbieter gewandelt“, fasst Wirtschaftsingenieur Stephan Zwiehoff den Aufstieg zusammen.

Bereits 2011 erstes E-Rangiergerät

1995 hatte sein Vater Gerd Zwiehoff ein Unternehmen für den Vertrieb von Zweiwegefahrzeugen gegründet. Vom Start weg kooperierte er mit Daimler: Der Automobilhersteller lieferte Klassiker wie Unimog und Sprinter, die Zwiehoff von Drittunternehmen zu Zweiwegefahrzeugen umbauen ließ. 2011 überraschte der Senior den Markt mit einem eigenen Fahrzeug: Das Rangiergerät Rotrac E2 zog bis zu 250 Tonnen schwere Lasten und nutzte hierfür einen emissionsfreien Elektroantrieb.

Ein gelbes Rotrac E2 Elektro-Rangiergerät von Zwiehoff bewegt Güterwaggons auf Gleisen im Außenbereich eines Werksgeländes.

Schließen Marktlücke – die Fahrzeuge rangieren mit Elektroantrieb

„Wir hatten eine Marktlücke entdeckt“, freut sich Zwiehoff junior. Der Wettbewerb hatte ausschließlich Fahrzeuge mit Dieselantrieben hergestellt beziehungsweise umgerüstet. Viele Anwender wünschten jedoch emissionsarme Elektroantriebe, weil sie mit solchen Technologien bereits in ihren Lagern und Produktionsstätten arbeiteten. Mit der Linde Material Handling GmbH (LMH) fand Zwiehoff einen geeigneten Partner für solche Lösungen. Der Flurförderfahrzeughersteller hatte langjährige Erfahrungen mit Elektrostaplern und steuerte den Antrieb für das Pionierfahrzeug Rotrac E2 bei.

66 Unimogs für Kasachstan

„Die Entscheidung für eine eigene Produktion war über Jahre gewachsen“, blickt Stephan Zwiehoff zurück. Vor allem der erfolgreiche Einstieg in Auslandsmärkte gab diesen Plänen Auftrieb. 2007 akquirierte das Rosenheimer Unternehmen in Kasachstan einen Großauftrag über 66 Unimog-Fahrzeuge. „Als Produzent können wir Änderungs- und Anpassungswünsche unserer Kunden sofort umsetzen“, hebt Zwiehoff den Vorteil des neuen Geschäftsfelds hervor.

Das Ziel war die Entwicklung von Premiumfahrzeugen, was das kleine Unternehmen mit den Partnern Daimler und LMH glaubhaft unterstreichen konnte. Beide sehen sich in ihren Märkten ebenfalls als Qualitätsführer. Es folgten weitere Rotrac-Modelle. Vor allem für Lasten bis zu 500 Tonnen erweisen sich die LMH-Elektroantriebe als gut geeignet. Für höhere Lasten bleibt der Unimog ein bewährtes Basisfahrzeug.

Produktion in Riedering, Instandhaltung in Steinach

Als Folge des neuen Geschäftsfelds expandierte Zwiehoff ins Rosenheimer Umland. In Riedering errichtete das Unternehmen einen Produktionsstandort, den Frank Zwiehoff, der Bruder des Geschäftsführers, leitet. In Steinach entstand ein weiterer Standort für Service- und Instandhaltungsarbeiten.

Weil die Zwiehoff-Ingenieure und -Techniker immer mehr Komponenten selbst entwickeln, baute das Unternehmen ein weltweites Servicenetzwerk auf und nutzt hierfür Stützpunkte der Partner Daimler, LMH und Mol CY, eines Fahrzeugherstellers in Belgien. Mit ihm hat Zwiehoff die Baureihe Rotrac RR entwickelt, die bis zu 4.000 Tonnen zieht, wahlweise mit Elektro- oder Dieselantrieb ausgerüstet werden kann und beinahe so groß wie eine Rangierlokomotive ist.

Zulassungsservice inklusive

Zum Service gehört auch die Betreuung der aufwendigen Zulassungsverfahren durch nationale und internationale Behörden. „Für jede Fahrzeugänderung muss eine neue Zulassung beantragt werden“, erläutert Zwiehoff. Weil diese Verfahren sich über Jahre hinziehen können, hat Daimler Truck sie an die Rosenheimer outgesourct.

Mit dem Lkw-Hersteller baut Zwiehoff die langjährige strategische Partnerschaft weiter aus: 2024 hat sich das Unternehmen zum „Unimog ExpertPartner“ zertifizieren lassen. „Daimler liefert die Basisfahrzeuge und wir entwickeln die Schienenführungssysteme und die Bremsanlagen“, erläutert Zwiehoff die Arbeitsteilung. Bei den Bremsen kooperieren die Rosenheimer mit dem Weltmarktführer für Bremssysteme Knorr-Bremse AG.

Technische Innovationen in der Pipeline

Für die Zukunft hat Zwiehoff einiges vor. Über mechanische Komponenten hinaus bauen die Rosenheimer IT-gestützte Steuerungs- und Überwachungssysteme in die Fahrzeuge ein. Mit Schienenfahrzeugexperten der TU Dresden und der RWTH Aachen entwickeln sie neue Produkte und Prozesse und konnten bereits einige Fahrzeuginnovationen realisieren. Auf der Branchenmesse transport logistic 2025 in München stellten sie das mit einer LMH-Batterie betriebene Kleinfahrzeug Rotrac E1 vor, das unter aufgeständerte Schienenwaggons fahren kann.

Langfristig hält Zwiehoff sogar autonome Fahrlösungen für denkbar. „Was technisch möglich ist, muss jedoch nicht unbedingt zulassungsfähig sein“, erinnert er an die hohen Behördenanforderungen für die Genehmigung neuer Fahrzeuge.