Von Josef Stelzer, IHK-Magazin 4/2026
Viele Unternehmen sind bereit, für die Umwelt mehr Verantwortung zu übernehmen. Manche können auch konkret von der Umweltpolitik profitieren. Gleichzeitig beeinflussen die vielen Gesetze und Verordnungen auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene massiv das Tagesgeschäft der Betriebe. Unternehmen müssen inzwischen eine Vielzahl von Umweltvorgaben erfüllen. Das Spektrum reicht vom Immissions-, Boden- oder Gewässerschutz über das Chemikalienrecht und die Abfall-/Kreislaufwirtschaft bis hin zu produktspezifischen Regulierungen, beispielsweise zu Verpackungen.
Das neue IHK-Umweltbarometer, das 2025 erstmals erhoben wurde, beschäftigt sich grundsätzlich mit den Auswirkungen der komplexen Regulatorik. Welche konkreten Folgen bringt sie für die Wirtschaft mit sich? Welche Verbesserungen wünschen sich die Firmen? Befragt wurden Unternehmen deutschlandweit. Aus Bayern nahmen 312 Betriebe teil, vorwiegend aus dem verarbeitenden Gewerbe, der Baubranche, dem Handel sowie dem Dienstleistungssektor. Etwa ein Drittel von ihnen beschäftigt mehr als 250 Mitarbeitende.
Negative Tendenz
Das Gesamturteil der Firmen fällt in der Umfrage mäßig aus: Insgesamt bewerten die bayerischen Unternehmen die gesetzlichen Vorgaben mit „leicht negativ“. Ein weiteres wesentliches Ergebnis: Rund ein Drittel der Befragten, vorwiegend aus dem verarbeitenden Gewerbe, der Baubranche und dem Handel, sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Regulatorik geschwächt.
Woran das liegt, zeigen Beispiele aus der Praxis. So verursachen die Vorgaben in den Betrieben oft erhebliche Kosten. Anton Lechner (61), Leiter Umwelt- und Energiemanagement der himolla Polstermöbel GmbH in Taufkirchen (Vils), hat nachgerechnet: „Unsere Produkte werden durch den Aufwand, den die Regulatorik mit sich bringt, um etwa 5 Prozent teurer.“ Dadurch ergebe sich gegenüber ausländischen Wettbewerbern ein spürbarer Nachteil. Und zwar nicht nur im Vergleich zu Anbietern aus Asien.
Im Preiswettbewerb das Nachsehen
Nach Lechners Erfahrungen gehen auch manche Hersteller aus dem EU-Ausland mit den diversen Umweltvorgaben „ziemlich sorglos“ um. So würden sie Vorteile im Preiswettbewerb erlangen. „Letztlich wird unsere Wettbewerbsfähigkeit durch die fehlerhafte Umweltregulierung deutlich eingeschränkt“, ärgert sich der Umweltmanager.
Der mittelständische Möbelhersteller bemängelt zudem die fehlende Planungssicherheit. Als Beispiel nennt Lechner die EU-Entwaldungsverordnung. Das Regelwerk soll einen Beitrag zur weltweiten Reduzierung von Entwaldung und Waldschädigung leisten. „Die Verordnung ist grundsätzlich gut und richtig“, betont der Umweltmanager. „Sie war aber in ihrer ursprünglichen Fassung schlichtweg dilettantisch und wurde mittlerweile zweimal nachgebessert und damit deutlich abgeschwächt.“
100.000 Euro umsonst investiert
Was das für das Unternehmen bedeutet? Der Polstermöbelhersteller musste für eine spezielle Software, die für die Umsetzung der ursprünglichen Regelung erforderlich war, rund 25.000 Euro allein für die Implementierung investieren. Hinzu kommen jährliche Lizenzgebühren in gleicher Höhe sowie rund hundert Stunden Arbeitszeit. Der Gesamtaufwand summiert sich auf gut 100.000 Euro. „Wir hätten uns den ganzen Aufwand komplett sparen können, wenn die Entwaldungsverordnung von Anfang an in der jetzigen Form erlassen worden wäre“, ist Lechner überzeugt.
Aber auch andere Regularien verursachen derzeit erheblichen bürokratischen Aufwand. Der himolla-Manager nennt einige Beispiele, „etwa die EU-Verpackungsverordnung PPWR, das Lieferkettengesetz LkSG, die Verpflichtung zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten CSRD sowie – nicht zu vergessen – die großen Herausforderungen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft“.
8 Wochenstunden für Dokumentation
Wie hoch der Aufwand vieler Unternehmen ist, zeigt das IHK-Umweltbarometer. So ist gut ein Viertel der befragten Unternehmen mehr als 8 Arbeitsstunden pro Woche mit der Erstellung von Dokumentationen beschäftigt, vor allem für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Je größer die Unternehmen sind, desto höher fällt der Dokumentationsaufwand aus.
Die Firmen müssen im Grunde permanent über Änderungen der diversen Regulierungen informiert sein, die geänderten Anforderungen erfassen und umsetzen. Überdies haben sie eine zunehmende Komplexität zu bewältigen, die durch ähnliche, im Detail aber voneinander abweichende Bestimmungen, unterschiedliche Fristen und nicht aufeinander abgestimmte Berichtsformen an unterschiedliche Genehmigungsbehörden entsteht.