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„Die Initiative ist voll aufgegangen“ – Martina Brunner (oben l.), Leiterin Ausbildung bei BRUNATA-METRONA, mit Kollegin Nathalie Ploner (r.) und allen aktiven AusbildungsScouts

„Die Initiative ist voll aufgegangen“ – Martina Brunner (oben l.), Leiterin Ausbildung bei BRUNATA-METRONA, mit Kollegin Nathalie Ploner (r.) und allen aktiven AusbildungsScouts

© BRUNATA

Auf Augenhöhe

Die IHK AusbildungsScouts werben seit rund 10 Jahren in Schulen für die duale Ausbildung. Wie das Projekt funktioniert und was es bewirkt.

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 4/2026

Matthias Fronauer (24) weiß, was Vorbilder in Gang setzen können. Sein ehemaliger Ausbilder bei der Herrmann CNC-Drehtechnik GmbH hat großen Anteil daran, dass Fronauer heute selbst stellvertretender Ausbildungsleiter ist. Und nicht nur das: Fronauer wollte schon vorher selbst ein Role-Model sein und etwas bewegen. Deshalb wurde er 2019 der erste AusbildungsScout in dem Hohenlindener Mittelstandsunternehmen.

Gut 1 Jahr lang gab er als angehender Zerspanungsmechaniker vor Schulklassen Einblicke in seinen Beruf und die Firma. „Die Schüler waren damals nur ein paar Jahre jünger als ich“, sagt er. „Deshalb waren die Vorträge auf Augenhöhe.“ Er ist überzeugt, dass der geringe Altersunterschied den Erfolg des Formats ausmacht: „Würde ein 40-Jähriger den Schülern berichten, wäre es genauso, als ob der Lehrer vor ihnen stehen würde.“

„Ausbildung bekommt ein Gesicht“

Auszubildende gewinnen Auszubildende auf Augenhöhe – so könnte man das Projekt AusbildungsScouts zusammenfassen. 2015 riefen es die bayerischen IHKs (BIHK) zur besseren Berufsorientierung und -vorbereitung ins Leben. Die Idee: Junge Menschen, die selbst vor Kurzem noch auf der Schulbank saßen und nun Auszubildende sind, gehen als eine Art Werbebotschafter für die Ausbildung in die Schulklassen. Das Konzept funktioniert.

„Das Matching ist der Schlüssel“, sagt BIHK-Berufsbildungsreferentin Angelika Mayer. „Wo Scouts und Zielgruppe wirklich zusammenpassen, entsteht mehr als Information: Es entsteht ein Erlebnis. Und Ausbildung bekommt ein Gesicht.“ Die AusbildungsScouts zeigen, wie eine Ausbildung im Betrieb tatsächlich abläuft, wie viel Freude praktische Arbeit macht, welche Entwicklungs- und Aufstiegschancen sich den Azubis bieten.

rei AusbildungsScouts präsentieren vor einer Schulklasse, im Hintergrund eine Projektion mit dem IHK-Logo und dem Motto der Initiative.

Authentische Botschafter – AusbildungsScouts berichten in Schulen von ihrem Beruf

Bayernweit rund 245.000 Schülerbesuche

Bisher besuchten die AusbildungsScouts insgesamt fast 90.000 Schüler im Kammerbezirk München und Oberbayern, in ganz Bayern waren es rund 245.000. Wie erfolgreich sie dabei waren, zeigen die Rückmeldungen der Unternehmen, die bislang teilgenommen haben. „Das Konzept ist super“, meint Edith Herrmann, Assistentin der Geschäftsleitung und verantwortlich für Personalwesen und Ausbildung bei Herrmann CNC-Drehtechnik. „Azubis, die selbst gerade den Beruf erlernen, können ihn den Schülern aus einer einzigartigen, nämlich der eigenen Perspektive heraus näherbringen.“ Außerdem würden sich die Schüler in diesem Rahmen eher trauen, Fragen zu stellen.

Das Unternehmen beteiligt sich seit 2019 jährlich mit stets neuen Auszubildenden. „Vergangenes Jahr im November haben wieder 2 junge Menschen aus unserem Betrieb das Vorbereitungsseminar durchlaufen. Sie warten auf den ersten Einsatz“, sagt Herrmann. Der letzte Punkt ist nicht unwichtig: Kein Azubi wird ins kalte Wasser geworfen. In von der IHK durchgeführten Schulungen erhalten die jungen Menschen Tipps, was zu einer guten Präsentation gehört. Auch viele Unternehmen unterstützen ihre Scouts.

Generalprobe inhouse

Herrmann zum Beispiel stellte seinem damaligen AusbildungsScout Matthias Fronauer für die Präsentation in den Schulen das Imagevideo der Firma mit kurzen Clips zur Verfügung. „Wir haben auch eine Art Generalprobe gemacht, in der Scouts die Präsentation das erste Mal intern vor der gesamten Azubigruppe vortragen durften. Die Azubis spielten die Schüler, stellten Fragen und gaben anschließend Feedback.“

Mit Erfolg. „Anfangs war ich noch etwas zögerlich“, erinnert sich Fronauer, „doch dann wurde ich immer selbstsicherer.“ Dies ist ein nicht zu unterschätzender Nebenaspekt, den viele Firmen an dem Projekt hervorheben: Die Auszubildenden lernen selbst eine Menge bei ihren Einsätzen. Sie gewinnen an Selbstvertrauen.

Selbstsicherer durch Aufgabe als Scout

Mehr Sicherheit im Auftreten bei den eigenen Auszubildenden beobachtet auch Martina Brunner (56), Leiterin Ausbildung bei der BRUNATA-METRONA GmbH & Co. KG in München. Das Unternehmen für Mess- und Energiedienstleistungen beteiligt sich fast seit Beginn an dem Projekt. Seine angehenden Kaufleute für Büromanagement sowie Fachinformatiker gehen in die Vorabgangsklassen der Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen, um für die duale Ausbildung zu werben.

Mehr eingehende Bewerbungen nach Scout-Besuchen

„Die AusbildungsScouts zeigen den Schülern, dass wir ein modernes Unternehmen sind, das Themen wie Digitalisierung, Klimawandel und Energiewende im Fokus hat“, sagt Brunner. Ihre Erfahrungen nach fast 1 Jahrzehnt: „Durch das Projekt AusbildungsScouts erhalten wir immer wieder Bewerbungen für Praktika oder Ausbildungsstellen.“ Das ist keine Ausnahme. Insgesamt berichtet mehr als jedes 5. Unternehmen von eingehenden Bewerbungen nach den Scout-Besuchen.

Informierte Azubis, mehr Vertragsabschlüsse

Das Hauptanliegen der Initiative sei „voll aufgegangen“, findet Ausbildungsleiterin Brunner. Die Interessenten für Ausbildungsplätze seien außerdem viel informierter, wegen der Veranstaltungen in den Schulen und „weil unsere Azubis aus ihrem Alltag erzählen“. Die Bilanz daraus – und aufgrund der Expansion des Unternehmens: 2025 hat BRUNATA-METRONA in München 15 Auszubildende eingestellt. In diesem Jahr werden es voraussichtlich sogar 22 sein.

IHK-Info: AusbildungsScouts Bayern

Gebündelte Infos zu den AusbildungsScouts Bayern sind auf der BIHK-Website verfügbar.