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Wie viele Ladesäulen gibt es rund um den Königssee? Wie beständig war das Wetter in den vergangenen Jahren in der Region? Das neue Digital-Tool liefert mehr als nur Tourismusdaten zu beliebten Reisezielen in Bayern

Wie viele Ladesäulen gibt es rund um den Königssee? Wie beständig war das Wetter in den vergangenen Jahren in der Region? Das neue Digital-Tool liefert mehr als nur Tourismusdaten zu beliebten Reisezielen in Bayern

© André Beer/Pixabay

Was kann der Tourismusmonitor?

Von Einkommen über E-Ladesäulen bis Wetterdaten – die neue Plattform bietet ein vielseitiges Bündel an Informationen. So können Tourismusbetriebe die Daten einsetzen.

Von Daniel Boss, IHK-Magazin 4/2026

„Daten sind das neue Öl.“ Auch wem dieses berühmte Zitat schon etwas abgedroschen in den Ohren klingen mag, der wird zugeben müssen: Ein erfolgreiches Wirtschaften ohne moderne Datenbasis ist künftig kaum mehr möglich. Dies gilt für alle Wirtschaftsbereiche, also auch für den Tourismus.

Vor diesem Hintergrund hat die Bayern Tourismus Marketing GmbH (BayTM) ein neues digitales Werkzeug geschaffen, den Tourismusmonitor Bayern. Er soll den wachsenden Bedarf an einer fundierten, ganzheitlichen Datengrundlage für Entscheidungen im Tourismus befriedigen.

Nicht nur Datenklassiker

„Unsere Partner – Kommunen, Städte, touristische Akteure und Betriebe – stehen vor komplexen Herausforderungen. Dazu zählen Fachkräftemangel, Wohnraummangel oder Fragen der Infrastruktur und Akzeptanz“, sagt Wolfgang Wagner, Bereichsleiter Strategische Entwicklung bei der Landestourismusorganisation des Freistaats. „Tourismus ist Teil unserer Lebens- und Wirtschaftsräume. Er prägt sie und wird zugleich von ihnen geprägt. Wer ihn verstehen und steuern will, muss daher über klassische touristische Kennzahlen hinausblicken.“ Der neue Monitor soll vor allem datenbasierte Entscheidungsprozesse unterstützen.

Bildschirmansicht des Tourismusmonitors mit einer Bayern-Karte, die Übernachtungszahlen nach Regionen farblich darstellt.

Ganz Bayern im Blick – zum Beispiel die Verteilung der Übernachtungen

Es handelt sich im Kern um eine Statistikplattform. Sie stellt auf Basis der 96 Städte und Landkreise im Freistaat touristische und tourismusrelevante Kennzahlen gebündelt dar. Es gibt 6 Hauptkategorien: Tourismus, Demografie, Wirtschaft, Wetter, Infrastruktur und Umwelt. Neu ist dabei der 360-Grad-Blick: Neben Übernachtungen und Ankünften – sozusagen den Datenklassikern im Tourismus – fließen weitere Daten ein, die bislang nicht automatisch mit Tourismus in Verbindung gesetzt wurden.

Offizielle Zahlen bilden Basis

Mehr als 30 Indikatoren liefern Einblicke in Themen wie Herkunft und Zufriedenheit der Gäste, Tourismusintensität und Beherbergungskapazitäten, aber auch Arbeitslosigkeit oder Einkommenssituation im jeweiligen Gebiet. Abrufbar sind etwa Fakten zur Entwicklung der Ladesäulen-Infrastruktur zwischen 2017 und 2024 oder Kaufkraft-Indizes für 2025. Die Basis bilden ausschließlich offiziell erhobene, verlässliche Daten – etwa von dem Bayerischen Landesamt für Statistik, dem Statistischen Bundesamt, der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung sowie von Wetter.com und der Bewertungsplattform TrustYou.

Eine einheitliche geografische Ebene gewährleistet Vergleichbarkeit. „Die Daten sind frei zugänglich, grafisch aufbereitet und stehen zum Download zur Verfügung“, sagt Wagner. „Es entsteht erstmals ein integrierter, langfristig angelegter Datenpool für den bayerischen Tourismus.“ Unternehmen erhielten so eine gebündelte Übersicht relevanter Standortdaten, „die bislang oft nur mit erheblichem Rechercheaufwand zugänglich waren“.

Analysen zu Regionen und Zeitreihen

Der Monitor zeigt regionale Unterschiede und ermöglicht Zeitreihenanalysen sowie Vergleiche zwischen Städten und Landkreisen. „Das hilft unter anderem bei Investitionsentscheidungen oder in Gesprächen mit Politik und Finanzierungspartnern“, erläutert Wagner.

Zudem könnten Betriebe eigene Kennzahlen besser im regionalen Vergleich einordnen und strukturelle Entwicklungen wie Bevölkerungsdynamik oder die Arbeitsmarktsituation vor Ort fundierter bewerten. „Durch die Verbindung touristischer Kennzahlen mit übergeordneten Rahmenbedingungen entsteht insgesamt ein belastbares Fundament für strategische Entscheidungen“, betont Wagner.

Überzeugt vom Mehrwert des Tourismusmonitors ist auch Oswald Pehel, Geschäftsführer der Tourismus Oberbayern München (TOM) e.V., der touristischen Dachorganisation der Region: „Wir und unsere Destinationen erhalten dadurch die Möglichkeit, tourismusrelevante Entwicklungen zeitlich und räumlich zu analysieren. Beispielsweise, wie sich das Interesse von Gästen aus bestimmten Ländern in den oberbayerischen Landkreisen in den vergangenen 5 Jahren entwickelt hat.“ Daraus ließen sich wertvolle Schlüsse ziehen.

Oswald Pehel, Geschäftsführer der Tourismus Oberbayern München, im Porträt vor neutralem Hintergrund.

© Goran Gajanin/Das Kraftbild

Ein Unternehmen, das den Monitor nutzt, spart sich mitunter aufwendige Marktanalysen.

Oswald Pehel, Geschäftsführer Tourismus Oberbayern München

Ähnliches gelte für Strukturthemen, wie etwa die Bettenauslastung oder die Bewertung einer Tourismusregion durch Nutzer. Das Unternehmen, das den Monitor nutze, spare sich so mitunter aufwendige Marktanalysen.

Blick auf Wirtschaft, Demografie, Infrastruktur

Der geweitete Blick ist nach Ansicht der BayTM auch für weitere Branchen interessant: „Der Monitor bietet einen ganzheitlichen Blick auf wirtschaftliche, demografische und infrastrukturelle Entwicklungen in Bayerns Regionen. Auch wenn der Fokus auf Tourismus liegt, profitieren davon alle, die sich mit regionaler Entwicklung, Investitionen oder Marktpotenzialen befassen“, sagt Wagner. Nicht zuletzt erhofft man sich bei den Tourismusorganisationen auch, dass Zahlen, Daten, Fakten emotionale Diskussionen versachlichen, etwa wenn es um Themen wie Übertourismus oder Wohnraumnutzung geht.

Das Daten-Tool soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. „Wir prüfen fortlaufend zusätzliche Indikatoren und bauen die Darstellung touristischer Kennzahlen perspektivisch auch auf Ebene von Tourismusgebieten und -verbänden aus“, so Wagner. Darüber hinaus kooperiert die BayTM mit wissenschaftlichen Partnern, um die vorhandenen Daten künftig stärker analytisch zu nutzen – etwa um statistische Zusammenhänge zwischen einzelnen Indikatoren zu identifizieren und besser einordnen zu können.

Ausbau mit KI-Einsatz geplant

Auch TOM-Geschäftsführer Pehel sieht noch viel Potenzial, indem beispielsweise mehr Datenquellen angebunden und so noch feinere Aussagen möglich werden. Oder indem irgendwann auch Prognosen für die Entwicklung abgegeben werden können, etwa mit KI, sagt Pehel. „Wir sind aber schon heute sehr froh, auf den Tourismusmonitor zurückgreifen zu können.“

Wichtig sei natürlich – wie bei allen Statistiken –, dass die statistischen Darstellungen auch richtig interpretiert werden. Die TOM-Mitglieder jedenfalls bewerten das Tool schon kurz nach dem Start sehr positiv, so Pehel. „Das haben wir immer wieder über unsere Netzwerkveranstaltung zurückgespiegelt bekommen.“

IHK-Info: Tourismusmonitor Bayern

Der Tourismusmonitor Bayern ist kostenfrei und ohne Registrierung nutzbar.