Von Josef Stelzer, IHK-Magazin 4/2026
In den bayerischen Unternehmen kommt die Digitalisierung nicht recht vorwärts. Vor allem Komplexität, Zeitaufwand und Kosten bremsen die digitale Transformation. Viele Unternehmen stehen zudem vor Widerständen im eigenen Haus. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen IHK Digitalisierungsumfrage, bei der Ende 2025 bayernweit 539 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen Auskunft über die Transformation in ihrem Betrieb gaben.
Das Gesamtergebnis ist ernüchternd: Bayerns Unternehmen bewerten ihren Digitalisierungsgrad mit der durchschnittlichen Schulnote von 2,7. Das ist nicht schlecht – aber eben nur geringfügig besser als im Jahr davor, als die Note bei 2,8 lag. Auch längerfristig sind nur kleine Fortschritte erkennbar. Seit 2020 haben sich die Unternehmen in ihrer Selbsteinschätzung kaum verbessert.
Fokus auf Effizienzsteigerung
In die Bewertung fließt eine Vielzahl von Digitalisierungsaspekten ein – von der Verfügbarkeit von schnellem Internet über den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) bis hin zur Datennutzung. Der Fokus der Unternehmen liegt auf der Steigerung der Effizienz. Die Firmen wollen Kosten senken, die Qualität verbessern und generell die Arbeit flexibilisieren.
Auf der anderen Seite behindern mehrere Faktoren die Anstrengungen: Da sind zum einen die hohe Komplexität der praktischen Umsetzung, der erhebliche Zeitaufwand sowie die Kosten, die im Zuge der Digitalisierung entstehen. Hinzu kommen oft interne Akzeptanzprobleme. Fast die Hälfte der Großbetriebe und ein knappes Drittel der kleinen Betriebe haben damit zu kämpfen.
Nur rund ein Drittel nutzt Gigabit-Anschlüsse
Auffallend ist, dass nur 72 Prozent der Unternehmen mit ihrer Internetverfügbarkeit zufrieden sind. Und lediglich 36 Prozent nutzen Gigabit-Anschlüsse, die Internetverbindungen mit einer Übertragungsrate von mehr als 1.000 Megabit pro Sekunde ermöglichen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Ausbauanstrengungen der IKT-Infrastruktur dem Bedarf der Unternehmen nicht ausreichend hinterherkommen.
Die Befragungsergebnisse zur künstlichen Intelligenz ergeben, dass bereits 40 Prozent der bayerischen Unternehmen KI über Large-Language-Modelle wie ChatGPT hinaus nutzen. 35 Prozent planen den Einsatz in den nächsten 3 Jahren. Knapp 3 Viertel der Unternehmen setzen generative KI für das Erstellen von Texten, Video- und Audioinhalten ein.
Hohe Produktivitätseffekte durch KI-Lösungen
Darüber hinaus wird die Technologie vor allem für die Kundenansprache sowie im Rahmen der Qualitätssicherung und der Prozessüberwachung verwendet. 37 Prozent der Befragten erkennen einen hohen Produktivitätseffekt von KI-Lösungen. Diese Chancen gilt es über die nächsten Jahre auszubauen, um über das Ausprobieren hinaus das Potenzial von KI vollständig auszuschöpfen.
Vor zusätzlichen Herausforderungen stehen die Betriebe bei der Datennutzung. Die größten Hürden sind aus Unternehmenssicht die rechtlichen Unsicherheiten, technische Hemmnisse, fehlendes Know-how und mangelnde Datenqualität. Dabei fehlt es in vielen Betrieben grundsätzlich an Wissen über die eigenen Daten.
International zu stark abhängig
Zudem zeigt sich in zentralen Technologiefeldern eine deutliche Abhängigkeit von internationalen Lieferanten und Partnern. Bei Office-Software sowie Betriebssystemen schätzen sich rund 70 Prozent der befragten Unternehmen als abhängig ein, in puncto Cloud-Anwendungen und Hardware sind es mehr als die Hälfte.
Ein wichtiges Thema bei der Digitalisierung ist die IT-Sicherheit. Jeder 5. Betrieb war im Vorjahr von mindestens einem erheblichen Sicherheitsvorfall betroffen. Die IHK-Umfrage zeigt überdies, dass die Unternehmen mit diversen Formen von Cyberangriffen konfrontiert sind: Sie erleben Datendiebstahl, Betrug, Ransomware-Attacken, Sabotage und Spionage.
IT-Notfall simulieren
Zwar gelten Sicherheitsmaßnahmen wie regelmäßige Sicherungskopien und Updates als Standard. Doch Notfallübungen gibt es in weniger als jedem 6. Betrieb. Etwa jedes 3. Unternehmen nutzt sogenannte Penetrationstests. Dabei handelt es sich um simulierte Cyberattacken auf IT-Systeme. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe führt regelmäßige Mitarbeiterschulungen zu IT-Sicherheitsthemen durch.
Transformation erfordert Gestaltungsspielraum
Wie nun lässt sich in Bayern die Digitalisierung voranbringen? Die Unternehmen haben hierzu laut IHK-Umfrage klare Forderungen an die Politik: Für eine erfolgreiche digitale Transformation der Wirtschaft braucht es nicht nur einen innovationsfreundlicheren regulatorischen Rahmen, sondern auch einen effektiven Gestaltungsraum, der den Bürokratieabbau und die Verwaltungsdigitalisierung vorantreibt, leistungsfähige Netze bereitstellt und digitale Kompetenzen und Cybersicherheit in Unternehmen stärkt.
Um im digitalen Wettbewerb nach vorn zu kommen, sind mehr Transfer von der Forschung in die Wirtschaft und bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups und Scale-ups notwendig.