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Leben ihren Traum von Wolle und Farben – die Unternehmerinnen Michaela Kaiser (l.) und Edith Bauer

Leben ihren Traum von Wolle und Farben – die Unternehmerinnen Michaela Kaiser (l.) und Edith Bauer

© Das Ridikül

Mit Maschen zum Erfolg

Stricken ist wieder im Trend: Seit 2 Jahren sind Edith Bauer und Michaela Kaiser mit ihrem Wollgeschäft „Das Ridikül“ über Dachau hinaus erfolgreich. Sie haben noch viel vor.

Von Margrit Amelunxen, 3/2026

„Als ich hörte, dass die ‚Garnliebe‘ einen Nachfolger sucht, fing es an, in mir zu rattern“, erzählt Michaela Kaiser. Sie konnte sich schnell vorstellen, die Nachfolge anzutreten. Aber allein wollte sie das Geschäft nicht übernehmen. Eine Angestellte des Ladens stellte daraufhin den Kontakt zu Edith Bauer her.

Die beiden Frauen tickten von Anfang an gleich und gingen das Projekt gemeinsam an. „Wir träumten von Wolle und Farben“, so Kaiser. Dabei planten sie einen radikalen Schnitt, beließen es nicht bei einem Facelifting des ursprünglichen Ladens. Im November 2023 meldeten sie ihre GbR an. Am 19. Januar 2024 eröffneten sie dann mit neuem Namen und Ambiente sowie einem hochwertigen Sortiment an Naturgarnen neu.

Name macht neugierig

Beratung zu ihrer Selbstständigkeit bekamen sie gleich von mehreren Seiten: Eine Branchenexpertin riet, zunächst etwa 20.000 bis 25.000 Euro in Garne und etwa 6.000 Euro in Nadeln und Zubehör zu investieren. Das Muster für den Finanzplan lieferten die Aktivsenioren Dachau. Kaisers Mann bestand auf einem Businessplan und definierte einen Break-even. Schließlich gaben sich Bauer und Kaiser 2 Jahre, in denen sie sich aus Eigenmitteln finanzieren wollten. Steter Zuwachs sorgte dafür, dass der Break-even inzwischen bereits überschritten ist und die beiden „total happy“ mit ihrer Gründung sind.

Und wie fanden Kaiser und Bauer den ungewöhnlichen Namen? Eine „Wolltruhe“ wollten sie nicht, auch keine englische Bezeichnung – viele Namen und Domains waren sowieso vergeben. So entstand die Idee: Warum nicht etwas Bayerisches? Der zu Rat gezogene Mundartforscher Ludwig Zehetner, Honorarprofessor für Bairische Dialektologie an der Universität Regensburg, antwortete prompt: Ridikül! So bezeichnete man vor allem im 18. und 19. Jahrhundert einen Handarbeitsbeutel. Der Name kam vom lateinischen Reticulum – kleinmaschiges Netz – über das Französische ins Bayerische.

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2-jähriges Firmenjubiläum im Januar 2026 für das Ridikül von Michaela Kaiser und Edith Bauer

Feine Auswahl an Naturgarnen

Mit Qualitätsanspruch und einer breiten Palette an Marken hat sich das „Ridikül“ einen Namen gemacht. Wandregale vollgestopft mit bunten Kunstfaser-Knäueln gibt es hier keine. Dafür eine große Auswahl an ausgesuchten Naturgarnen aus nachhaltiger Produktion sowie ergänzende Produkte, liebevoll präsentiert nach dem Motto weniger ist mehr.

Was dem Laden auch entgegenkommt: Das Stricken hat – nicht zuletzt durch Influencerinnen auf Social Media – längst sein angestaubtes Image verloren. So generierte das „Ridikül“ schnell Reichweite. Wie fix das ging, darüber sind die Inhaberinnen selbst erstaunt. Ihre Kunden kommen nicht nur aus Dachau und München, sondern aus Ingolstadt, Stuttgart oder sogar Bayreuth. Darunter viele junge Strickanfänger, die weg vom Handy und hin zu mehr Kreativität wollen.

Probestricken im Laden

Fachkundige Beratung steht an erster Stelle für das Duo im „Ridikül“, das jedes seiner Garne mindestens durch Maschenproben kennt. Bei Zweifeln, ob Garn und Projekt zusammenpassen, raten sie zum Probestricken direkt im Laden. Am ovalen Tisch mit Büchern und Magazinen kann man sich zudem bei einem Kaffee Inspirationen holen.

Workshops mit Strickfluencerinnen

Durch Newsletter, den Aufbau einer Community auf Instagram oder über die wöchentlichen Stricktreffs bleibt das „Ridikül“ im Gespräch. Workshops mit bekannten Strickfluencerinnen sind teilweise in wenigen Stunden ausgebucht.

Erweiterung geplant

Auf die Frage, was außer dem geplanten Onlineshop (Click & Collect) noch für 2026 ansteht, fangen die beiden an zu lachen. „Als wir den Mietvertrag unterschrieben hatten, hat Michaela geträumt, dass wir den Laden nebenan mit dazunehmen“, so Bauer. Tatsächlich steht dieser nun leer. Den Platz können sie gut gebrauchen, mit ihrem Vermieter sind sie sich über den Umbau einig. Und so darf man dem „Ridikül“ demnächst im doppelten Sinne zum Durchbruch gratulieren.