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Innovation mit KI – Ideen schneller generieren und erproben

Innovation mit KI – Ideen schneller generieren und erproben

© insta_photos/Adobe Stock

Mit KI messbar besser

Weg vom blinden Aktionismus: Wie können Unternehmen und ihre Mitarbeiter künstliche Intelligenz in Innovationsprozessen sinnvoll einsetzen?

Von Daniel Boss, IHK-Magazin 4/2026

Künstliche Intelligenz (KI) ist zu einem entscheidenden Treiber für Innovationen in Unternehmen geworden. Das gelingt, indem sie Innovationsprozesse beschleunigt, kreative Spielräume erweitert und die Effizienz steigert. Sätze wie dieser sind häufig zu hören und zu lesen – mitunter von KI-Programmen formuliert. Doch wo genau liegt der konkrete Mehrwert für Unternehmen? Welche Rolle übernehmen die Mitarbeitenden? Und wie stellt sich die Praxis in den Firmen aktuell dar?

„Vor einiger Zeit ging es vor allem darum, überhaupt ein eigenes „Company GPT“ aufzusetzen oder Tools wie Copilot einzuführen“, sagt KI-Experte Jordin Schurer von der Münchner HYVE Innovate GmbH, die Firmen bei der Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle unterstützt. Diesen Einstieg haben inzwischen viele Unternehmen hinter sich. Was aber häufig noch fehlt, ist die volle Wertschöpfung.

„Die Werkzeuge sind vorhanden, werden im Alltag jedoch nicht konsequent und wirksam genutzt und oft nicht so in Prozesse eingebettet, dass wirklich ein nachhaltiger Vorteil entsteht“, sagt Schurer. Unternehmen wollten nun wissen, wie sie KI sinnvoll in den Arbeitsalltag integrieren können, sodass am Ende echte Entlastung und bessere Ergebnisse entstehen.

Im Fokus: Datensicherheit und Kostenoptimierung

Ähnliches beobachtet die talsen team GmbH mit Sitz in Freilassing. Sie ist spezialisiert auf KI-Lösungen und hat vor allem mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer im Blick. Die konkrete Nachfrage der Unternehmen sei sehr stark abhängig davon, „an welchem Punkt sich der Kunde in seinem KI-Adoptionsprozess gerade befindet“, sagt Geschäftsführer Hans Egermeier. Stehen Unternehmen ganz am Anfang, ist häufig die Frage nach der Datensicherheit und den regulatorischen Rahmenbedingungen ein großes Thema. Firmen, die diese Aspekte für sich schon klären konnten, schauen oft besonders auf die Kostenoptimierung bestehender Unternehmensprozesse durch den KI-Einsatz.

Hans Egermeier, Geschäftsführer der talsen team GmbH, blickt freundlich in die Kamera vor grünem Hintergrund.

KI-Einsatz hinterfragen: Hans Egermeier, talsen team, Freilassing

Hohes Interesse besteht laut Egermeier immer an konkreten praktischen Anwendungen im Tagesgeschäft. Die Herausforderung: „KI wird zwar heute schon an vielen Stellen täglich eingesetzt. Doch es wird selten hinterfragt, ob es nicht auch andere, sprich: bessere Wege gebe, sie zu nutzen. So bleibt viel Potenzial liegen“, sagt Egermeier.

Das Team befähigen, Tool-Potenziale auszuschöpfen

„Konkret geht es häufig um 2 Ebenen“, ergänzt HYVE-Experte Schurer. Es beginne mit dem Verständnis der Materie: „Viele Kunden wollen ein realistisches Bild davon, was KI leisten kann, wo Grenzen liegen und wie man Risiken im Griff behält.“

An 2. Stelle stehe die Befähigung im Team: „Unternehmen stellen Tools bereit, aber die Mitarbeitenden nutzen sie oft sehr unterschiedlich und schöpfen Potenziale nicht aus.“ Deshalb gehe es in Projekten meist darum, gute Anwendungsfälle zu identifizieren, die Nutzung in den Alltag zu integrieren und Mitarbeitende so zu schulen, dass sie die Tools wirklich produktiv einsetzen können. Kurz gesagt: weg von „Wir haben KI“ hin zu „Wir arbeiten mit KI messbar besser“.

Schneller generieren, vergleichen, entwickeln

Auf welchem KI-Level sich das einzelne Unternehmen auch befindet: Das Thema hat inzwischen einen enormen Stellenwert. „Der Einfluss von KI auf kleine und große Unternehmen ist riesig. Sie beeinflusst nahezu jeden Schritt im Innovationsprozess“, betont Egermeier.

„Noch nie zuvor ging es so einfach und so schnell, aus einer initialen Idee eine konkrete erste Lösung im Sinne eines Machbarkeitsnachweises oder eines minimal funktionsfähigen Produkts abzuleiten.“ Dies gelte im Besonderen für Software, aber allgemein auch für alle anderen Produkte. „Man kann mittels KI schneller Ideen generieren, schneller Varianten vergleichen und schneller Prototypen erstellen“, sagt HYVE-Experte Schurer. „Dadurch lassen sich in derselben Zeit mehr Iterationen durchlaufen, was die Chance erhöht, tragfähige Lösungen zu finden.“

„KI ersetzt nicht das Urteilsvermögen von Menschen“

Gleichzeitig wird KI selbst zunehmend Teil neuer Angebote. „Unternehmen entwickeln Produkte oder Services, die ohne KI so nicht möglich wären. Oder sie erweitern bestehende Leistungen um intelligente Assistenzfunktionen“, sagt Schurer. Er betont dabei: „KI ersetzt nicht das Urteilsvermögen von Menschen.“ Sie könne Geschwindigkeit und Optionen erhöhen, aber Entscheidungen, Priorisierung und Verantwortung blieben menschliche Aufgaben. „Ein KI-Workflow ist nur dann wirklich wertvoll“, so der IT-Fachmann, „wenn Menschen im Fachgebiet beurteilen können, ob das Ergebnis richtig und nützlich ist.“

Jordin Schurer, KI-Experte von HYVE Innovate, trägt Brille und Anzug und lächelt vor weißem Hintergrund in die Kamera.

Plädiert dafür, frühzeitig echte Nutzer in realen Anwendungssituationen einzubinden: Jordin Schurer, KI-Experte HYVE Innovate, München

In Innovationsprozessen kann KI Mitarbeitende an vielen Stellen unterstützen, von der Recherche über die Konzeptentwicklung bis hin zu Prototyping und Tests. Entscheidend sei, dass Unternehmen echte Nutzer und reale Anwendungssituationen früh einbeziehen. „Gerade wenn neue Produkte oder Services entstehen, kann KI viel vorbereiten, aber am Ende müssen Menschen prüfen, annehmen und Vertrauen aufbauen“, so Schurer. In der Praxis bewährt sich ihm zufolge ein Vorgehen „mit klaren Anwendungsfällen, kurzen Piloten und messbaren Zielen, bevor man skaliert“.

Warnung vor „blindem Aktionismus“

Allerdings warnt der KI-Experte vor blindem Aktionismus. Klassischer Fall: „Man baut etwas mit KI, ohne dass klar ist, welches Problem damit gelöst werden soll oder wer am Ende davon profitiert.“ Er empfiehlt daher, immer zuerst zu fragen: Wo liegen heute die Engpässe? Was blockiert Abläufe, Entscheidungen oder Zusammenarbeit? Erst danach entscheidet man, ob KI wirklich der passende Hebel ist. Zur Wahrheit gehört seiner Meinung nach, dass sich nicht jedes Problem am besten mit KI lösen lässt. „In manchen Fällen ist eine klassische Automatisierung stabiler und sinnvoller.“

Ganz ohne künstliche Intelligenz geht es jedoch nicht mehr, darüber sind sich die Experten einig. „Ohne eine entsprechende KI-Unterstützung werden Unternehmen schlichtweg zu langsam und zu teuer“, sagt Egermeier. „Mit jeder neuen KI-Generation wird sich die Schere zwischen Firmen, die KI erfolgreich adaptieren und integrieren, und denen, die es nicht schaffen, weiter öffnen.“

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