Gößl: „Lohnnebenkosten sind zu hoch“ / Maßvolle Reform der Minijobs gefordert
Die Beschäftigungsplanung der Unternehmen liegt seit drei Jahren deutlich im Minus, das ist der längste Zeitraum seit Beginn der Erhebung im Jahr 2004. Als wesentlichen Grund nennen die Unternehmen die hohen Arbeitskosten. 58 Prozent der Betriebe sehen diese inzwischen als Geschäftsrisiko – so viele wie nie zuvor. Im Tourismus sind es sogar 70 Prozent, in der Industrie 67 Prozent.
„Der bayerische Arbeitsmarkt wirkt robuster, als er tatsächlich ist. Eine Welle von Renteneintritten verdeckt derzeit einen tiefgreifenden Beschäftigungsabbau. Es drohen weitere Stellenverluste und spürbare Wachstumsverluste, insbesondere in den industriell geprägten Regionen Bayerns“, so BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Aktuell wollen 24 Prozent der Betriebe Personal abbauen, lediglich 11 Prozent planen Zuwächse, so die Umfrageergebnisse. Besonders betroffen ist die Industrie: Dort erwartet jedes dritte Unternehmen Stellenstreichungen, während nur jedes zehnte Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen will.
„Die Unternehmen leiden unter den steigenden Lohnnebenkosten, aber auch unter der Verschiebung des Lohngefüges durch den politisch angeheizten Mindestlohn. Der Gesamtbeitrag zu den Sozialversicherungen liegt schon heute bei über 42 Prozent. Prognosen gehen von einem mittelfristigen Anstieg auf über 45 Prozent aus. Die Reformpläne der Bundesregierung werden diesen Anstieg zwar abflachen, aber nicht stoppen. Ohne eine Stabilisierung wird die Verlagerung der Produktionskapazitäten ins Ausland noch stärker zunehmen“, sagt Gößl.
Der BIHK fordert zusätzlich maßvolle Reformen beim Flexibilisierungsinstrument Minijobs statt deren Begrenzung auf Schüler, außerdem das Ende von Anreizen für Frühverrentungen, die Anpassung des Renteneintritts an die Lebenserwartung und mutigen Bürokratieabbau. „Wir brauchen grundsätzlich Vorfahrt für alle Maßnahmen, die Investitionen, Wachstum und Beschäftigung anschieben“, so Gößl weiter.