IHK Umfrage (Herbst 2021)

Fachkräftemangel

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63 % aller bayerischen Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko. Die Personalknappheit ist in der Wahnehmung der Unternehmen in der IHK-Konjunkturbefragung im Herbst 2021 das größte Geschäftsrisiko überhaupt. Mit 84 % sieht sich das Baugewerbe am stärksten vom Fachkräftemangel bedroht, gefolgt vom Tourismus mit 73 %.

Inhalt

Das sind Kernergebnisse einer bayernweiten Befragung im Herbst 2021, bei der sich rund 3.700 Unternehmen beteiligten.

Gegenüber dem Vorjahr ist über alle Branchen die Sorge vor dem Fachkräftemangel deutlich gestiegen. Besonders dramatisch ist der Sprung im Tourismus von 38 % im Herbst 2020 auf 73 % im Herbst 2021.

Insbesondere im Tourismus (63 %) und im Baugewerbe (48 %) setzen die befragten Unternehmen stark auf die Rekrutierung im Ausland. Die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität und verstärkte Anstrengungen in der Ausbildung werden branchenübergreifend als weitere wichtige Werkzeuge angesehen.

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Der Fachkräftemangel ist das größte gesamtwirtschaftliche Geschäftsrisiko

63 % der befragten bayerischen Betriebe sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihr eigenes Geschäft. Die Personalknappheit ist in der Wahrnehmung der Unternehmen in der IHK-Konjunkturumfrage im Herbst 2021 das hierbei größte Geschäftsrisiko überhaupt.

Während im Vorjahr die Sorgen um die Inlandsnachfrage (65 %) sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (49 %) das Risiko Fachkräftemangel (41 %) noch überlagerten, tritt bei vielen Unternehmen die Personalnot nun wieder in den Vordergrund.

Mittelfristig wird sich das Problem sogar weiter verschärfen: Demografiebedingt wird das Angebot an Fachkräften in Bayern bis 2030 um fast eine Million zurückgehen.

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Fachkräftemangel in den einzelnen Branchen

Mit 84 % sieht sich im Herbst 2021 das Baugewerbe am stärksten vom Fachkräftemangel bedroht, gefolgt vom Tourismus mit 73 %. Auch inder Informationswirtschaft (64 %), bei den Dienstleistungsbetrieben (64 %) sowie dem Handel (58 %) ist der Fachkräftemangel sehr ausgeprägt. Auffällig in der Industrie sind die Zahlen des Fahrzeugbaus (42 %), die sich deutlich von jenen der Gesamtbranche (56 %) unterscheiden.

Über alle Branchen hinweg ist die Sorge vor dem Fachkräftemangel gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Besonders dramatisch ist der Sprung im Tourismus von 38 % im Herbst 2020 auf 73 % im Herbst 2021. Hier zeigt sich deutlich, wie Corona den Fachkräftemangel nur temporärüberlagern konnte. Viele Unternehmen der Branche haben in der langen Phase des Lockdowns dauerhaft Mitarbeiter verloren, so dass das Problemdes fehlenden Personals nun sogar noch verstärkt auftritt.

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Das Risiko Fachkräftemangel im regionalen Vergleich in Oberbayern

Der Anteil der Unternehmen, der eine wirtschaftliche Beeinträchtigung durch fehlende Fachkräfte befürchtet, liegt in Oberbayern mit 63 % genau im gesamtbayerischen Durchschnitt. Gegenüber dem Vorjahr (41 %) ist die Anzahl stark angestiegen. Dies zeigt, dass auch in Oberbayern im Herbst 2021 die Personalsorgen zunehmend in den Mittelpunkt gerückt sind.

Innerhalb Oberbayerns wird das Risiko durch den Fachkräftemangel ebenfalls relativ ähnlich eingeschätzt. Die Regionen München (63 %), Ingolstadt (63 %) und Südostoberbayern (64 %) unterscheiden sich nur marginal. Lediglich im Oberland ist die Sorge vor dem Fachkräftemangel mit 55 % im Vergleich etwas geringer ausgeprägt – wenn auch ebenfalls auf hohem Niveau.

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Die längerfristige Besetzung offener Stellen bleibt problematisch

56 % der bayerischen Betriebe gaben im Herbst 2021 an, offene Stellen längerfristig nicht besetzen zu können. An erster Stelle steht erneut das Baugewerbe, in dem 74 % der Unternehmen Schwierigkeiten beim Besetzen von Stellen haben, gefolgt vom Tourismus mit 68 % und den Dienstleistungen (56 %). In allen Branchen ist der Anteil der Unternehmen mit Problemen bei der Stellenbesetzung gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen.

Im regionalen Vergleich ist der Anteil der Unternehmen in Oberbayern, die Probleme bei der Stellenbesetzung haben, gegenüber dem Vorjahr von 38 % auf 58 % ebenfalls deutlich angestiegen. Am häufigsten haben die Unternehmen in der Region Ingolstadt (66 %) mit der Besetzung vonStellen zu kämpfen. Dort ist auch der Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 33 Prozentpunkten besonders hoch.

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Welche Qualifikationsniveaus suchen die Unternehmen?

Die längerfristige Besetzung von Stellen in den bayerischen Unternehmen erweist sich über alle Branchen hinweg als problematisch. Dabei bestehen jedoch große Unterschiede hinsichtlich des gesuchten Qualifikationsniveaus.

Während in der Informationswirtschaft insbesondere Stellen mit Hochschulabschluss nicht besetzt werden können (80 %), fehlt in der Tourismuswirtschaft geringer qualifiziertes Personal. 70 % der Unternehmen dieser Branche geben an, dass sie vergeblich Hilfspersonal ohne abgeschlossene Berufsausbildung suchen. 59 % suchen zudem Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung.

Im Baugewerbe, dem Handel, der Industrie und den Dienstleistungen bestehen die größten Probleme bei der Besetzung von Stellen mit Berufsausbildung. Sowohl Arbeitsplätze für Fachkräfte mit dualer Ausbildung, als auch solche für Fachkräfte mit Weiterbildungsabschlüssen wie etwa Meister oder Fachwirt können rund 50 % der Unternehmen in diesen Branchen nicht adäquat besetzen.

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Maßnahmen der Unternehmen gegen den Fachkräftemangel

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Quelle: IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2019

Auch die Maßnahmen, mit denen die bayerischen Unternehmen auf die Probleme bei der Stellenbesetzung reagieren, unterscheiden sich über dieBranchen hinweg.

Insbesondere im Tourismus (63 %) und im Baugewerbe (48 %) setzen die befragten Unternehmen stark auf die Rekrutierung im Ausland. Die Stärkung der Digitalkompetenz ihrer Mitarbeiter wollen v.a. viele Unternehmen im Handel (30 %), im Dienstleistungssektor (40 %) und in der Industrie (38 %) angehen. Folgerichtig liegt in diesen Branchen auch ein starker Fokus auf Weiterbildung. Für die Tourismusunternehmen spielt diese hingegen nureine untergeordnete Rolle (19 %).

Technische Lösungen als Ersatz für Arbeitskräfte kommen insbesondere in der Industrie in Frage (40 %), wohingegen die Tourismuswirtschaft stärker als andere Branchen auch auf ältere Mitarbeiter setzt. Die Steigerung der eigenen Arbeitgeberattraktivität und verstärkte Anstrengungen in der Ausbildungwerden branchenübergreifend als weitere wichtige Werkzeuge angesehen.

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