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Neue Karriere nach dem Wiedereinstieg – Projektleiterin Viktoria Hufnagel und Personalmanager Thorsten Kolwe

Neue Karriere nach dem Wiedereinstieg – Projektleiterin Viktoria Hufnagel und Personalmanager Thorsten Kolwe

© Thorsten Jochim

Wieder neu durchstarten

Die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer Krankheit kann zum Aufbruch werden, mit neuen Zielen und Erfolgen. Wie Unternehmen die Voraussetzungen dafür schaffen.

Von Natascha Plankermann, IHK-Magazin 3/2026

Ich habe absolut im Hamsterrad gelebt – für mich galt: schneller, höher, weiter – Viktoria Hufnagel sagt das mit einer Ruhe, die sie vor rund 5 Jahren nicht kannte. Am Tag 10 Stunden Arbeit, am Wochenende noch das Masterstudium, selbst gewählt und gewollt. Bis zu dem Tag, an dem sie die Diagnose Krebs bekam, da war sie gerade einmal 28 Jahre alt. „Erst spürte ich eine große Leere. Dann entschied ich: Ich will ein Leben, das Freude macht.“

Heute steht Hufnagel wieder voll im Berufsleben. Sie ist Projektleiterin für große KI-Projekte bei der metafinanz Informationssysteme GmbH, einer Business- und IT-Beratung in München. Sie sieht sich erfolgreicher denn je – aber mit einer anderen Haltung: „In einer Welt, in der KI und Digitalisierung immer mehr Raum einnehmen, ist Menschlichkeit entscheidend. So kann sich ein Schicksalsschlag in einen Neubeginn verwandeln.“ Das gilt für sie auch privat: Hufnagel ist Kandidatin für die Miss-Germany-Wahl 2026.

Individuell abgestimmt und stufenweise

Den Wandel verdankt Viktoria Hufnagel vor allem ihrer eigenen Stärke, aber auch der Haltung ihres Arbeitgebers. „Ich wurde nicht erst bei meiner Rückkehr, sondern während der gesamten Krankheit unterstützt. Von Anfang an gab es das Signal: Du musst jetzt nichts leisten, du darfst gesund werden – und dein Platz ist sicher.“ Für die junge Frau war das entscheidend.

Ihre Kollegen nahmen behutsam Kontakt mit ihr auf und meldeten sich regelmäßig. Und als Hufnagel nach 7 Monaten langsam wieder in den Job einstieg, zählten Flexibilität und Vertrauen: ein individuell abgestimmtes, stufenweises Zurückkommen. Währenddessen war es ihr möglich, offen zu sagen, wenn etwas (noch) nicht ging. „Die Mischung aus Struktur und Entgegenkommen hat mir enorme Sicherheit gegeben.“

Wandel der Arbeitswelt mitdenken

Solche Wiedereingliederungen nach einer längeren krankheitsbedingten Auszeit werden in Unternehmen perspektivisch zunehmen. Denn die Arbeitswelt wandelt sich spürbar. Bis 2035 wird die Zahl der Erwerbstätigen laut Statistischem Bundesamt um rund 7 Millionen sinken. Gleichzeitig erhöht sich der Anteil der über 55-Jährigen deutlich – heute bilden sie schon mehr als ein Viertel der Beschäftigten.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Lebensarbeitszeit ihrer Beschäftigten verlängert sich und gesundheitliche Herausforderungen nehmen zu. Personalverantwortliche müssen sich darauf einstellen.

Teams bei Lösungen einbinden

Bei Hufnagels Arbeitgeber metafinanz liegt diese Aufgabe bei Staff Development Manager Thorsten Kolwe. Er beschreibt seine Rolle so: „Ich beschäftige mich mit den Lebenssituationen von Mitarbeitenden und finde individuelle Lösungen.“ Eine solche zeigt sich für ihn etwa in einem Tandem-Modell beim Wiedereinstieg, bei dem die Verantwortung für bestimmte Aufgaben auf mehreren Schultern liegt. So konnte auch Hufnagel erst 4 Stunden arbeiten und sich langsam steigern auf 6, dann 8 Stunden Arbeit pro Tag.

Wie wichtig eine lebensphasenbewusste Personalpolitik ist, weiß Jutta Rump. Sie ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (BWL) mit Fokus auf Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigsburg (HWG) und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE). Aus ihrer Sicht gibt es für die Phase der Rückkehr nach einer Krankheit einige wesentliche Aspekte, damit die Eingliederung für Mitarbeitende und Unternehmen gelingt: Aufgaben flexibel anpassen, das Team mitnehmen und Führung als Dialog verstehen.

Im Dialog mit Rückkehrern bleiben

Die Expertin rät: Vor dem Wiedereinstieg sollten Unternehmen den Betreffenden um einen Gesprächstermin bitten und fragen: „Wie ist die Situation? Was wünschen Sie sich?“ Zum Start können solche Unterhaltungen fortgesetzt werden – anfangs wöchentlich, dann seltener, wenn es läuft.

Ohnehin gilt: Wenn eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit mehr als 6 Wochen innerhalb eines Jahres betrug, müssen Arbeitgeber beim Wiedereinstieg ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten (siehe Kasten unten).

„Wir wollen Sie auffangen“

Janine Altendorfer und Doris Tietze von ARCA-Consult im Gespräch am Konferenztisch, Bildschirm mit Firmenlogo im Hintergrund.

Positive Erfahrungen – Janine Altendorfer (r.), Geschäftsführerin von ARCA-Consult, mit ihrer Mutter und Firmengründerin Doris Tietze

Dass ein guter Wiedereinstieg nicht nur in großen Unternehmen gelingt, zeigt die ARCA-Consult GmbH mit Sitz in Pfaffenhofen a. d. Ilm. Janine Altendorfer führt das 25-köpfige Beratungsunternehmen, das bereits als familienfreundlich ausgezeichnet wurde. Als eine Mitarbeiterin erkrankte, war klar: „Wir wollen sie auffangen. Eine Möglichkeit eröffnete sich durch regelmäßige Teams-Meetings auch während der Erkrankung – auf ausdrücklichen Wunsch der Kollegin –, damit sie informiert bleibt und sich nicht ausgeschlossen fühlt.“

Die Rückkehr feiern

Für Unternehmerin Altendorfer ist Kommunikation das Schlüsselwort – natürlich nur, wenn die Betroffenen einwilligen. Im Fall der Mitarbeiterin war allen bekannt, was los war. Es gab keine Tabus. Die Rückkehr der Kollegin feierte die gesamte Belegschaft und überreichte einen großen Blumenstrauß. Doch die Firmenchefin weiß, dass noch weit mehr dazugehört: „Das kann von besonderem Equipment bis hin zu flexiblen Arbeitszeiten und der Abstimmung bei Therapie- und Arztterminen reichen.“

Zeit lassen, Sicherheit geben

Im Fall der erkrankten Mitarbeitenden spielte es eine besondere Rolle, dass das Unternehmen ihr Zeit gab, sich wieder einzufinden. „Das hat Kraft zurückgebracht – und nahm ihr das Gefühl, dass sie eine Last sein könnte.“

Im Hinblick auf die zentrale Frage von Unternehmen „Wie halten wir Menschen im Beruf?“ zeigen die geschilderten Beispiele, wie hilfreich schon kleine Schritte sein können: Sicherheit geben, zuhören, flexibel sein. Dann kann wie bei Viktoria Hufnagel der Neustart nach der Krankheit nicht nur eine Rückkehr, sondern ein Aufbruch werden.

IHK-Info: Unterstützung und Netzwerke für den Wiedereinstieg

Wie organisieren Unternehmen den Wiedereinstieg von Mitarbeitern am besten? Informationen gibt es unter anderem hier: