IHK Ratgeber

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Pandemie-Geschichten: Wie Unternehmerinnen durch die Corona-Zeit kommen

Die aktuellen Zeiten stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Wir möchten in einer kleinen Serie zeigen, wie sich engagierte Unternehmerinnen diesen Herausforderungen stellen, wie sie mutig Veränderungen angehen, neue Wege erproben, ihre Ziele verfolgen. Wir haben über die IHK-Facebookgruppe "Unternehmerinnen digital" zu dieser Aktion aufgerufen und werden in den kommenden Wochen immer neue Geschichten ergänzen. Wer sich noch beteiligen möchte, melde sich bitte bei Sarah Gass (sarah.gass@muenchen.ihk.de) oder Dr. Gabriele Lüke (gabriele.lueke@muenchen.ihk.de). Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmerinnen, die uns ihre Geschichten erzählt haben, ihre Erfahrungen teilen und darüber ermutigen.

Rechtzeitig nach Veränderungen gesucht

Managerin und Hotelierin Sina Fingerhut
© Wolf Heider-Sawall

Zupackend – diese Vokabel beschreibt die Gastronomin und Hotelière Sina Fingerhut bestens. Ebenso wie die Adjektive: begeistert, mitreißend und konsequent. Wenn die Chefin des
Seminar- und Kongresshotels Kapuzinerhof mit dem dazugehörigen Restaurant Klosterstuben sich für eine Idee begeistert und inspiriert ist, setzt sie sie konsequent um und holt mit ihrer Freude und ihrem Spaß daran alle anderen mit ins Boot. Diese Eigenschaften machen sie außerdem mutig, nehmen ihr und ihrem Team Angst vor Veränderungen, erleichtern Aufbruch und Wandel. Zwar wurde auch Sina Fingerhut von der Corona-Krise gebeutelt, wie andere auch, aber ihre Art, mit den Dingen umzugehen, ließ sie eben nicht verzweifeln. Sie nutzte die unfreiwillige Ruhe durch die Krise einfach dafür, Ideen wiederaufzunehmen, die sie schon vor der Pandemie interessant fand, beziehungsweise ganz neue Ideen zu kreieren. So wurde die Krise bei allem, was sie ihr abforderte, auch zur Chance. „Ich habe immer bewusst und rechtzeitig nach Veränderungen gesucht – das habe in der Pandemie auch so gehalten. Aufgeben wäre für mich nie eine Option gewesen, auch früher nicht.“

IM KLOSTERGARTEN NEUE IDEEN GEFUNDEN

Sina Fingerhut ist Gastronomin und Hotelière aus Überzeugung und mit viel Herzblut. Seit 40 Jahren – ihr ganzes bisheriges Berufsleben – arbeitet sie in dieser Branche. Ihre abschließende Bestimmung fand sie mit dem Kapuzinerhof in Laufen. Vor rund 13 Jahren wollte sie sich noch einmal verändern, sichtete mögliche Lokalitäten und fand das alte Kloster. „Besonders angetan hatte es mir der Klostergarten mit all seinen alten Bäumen und Sträuchern, den alten Sorten, die die Menschen aus dem Supermarkt gar nicht mehr kennen“, erklärt sie. „Ob es der göttliche Funke war - auf jeden Fall war mir sofort klar, dass der Kapuzinerhof ein nachhaltiges, regionales und saisonales Angebot machen würde – mit Gemüse und Obst aus dem eigenen Klostergarten und von Bio-Bauern sowie mit Fleisch von Landmetzgern aus der Region, denen Tierwohl wichtig ist.“

Dabei ist die nachhaltige Einkaufsliste nur das eine. Fingerhut erläutert ihren Gästen auch, warum sie was wann auf den Tisch bringt. „Wir erklären auf schön gestalteten Handzetteln, die wir auf den Tischen auslegen, dass Rucola schon im Mittelalter unter dem alten Namen Rauke genutzt wurde, dass heimischer Saibling die bessere Alternative zu importiertem Zuchtlachs ist oder Wirsing es mit jedem Superfood aufnehmen kann.“ Das sei vielleicht ein bisschen didaktisch, „aber so schmeckt es unseren Gästen nicht nur, sie lernen auch noch etwas.“

Das Konzept ist auf jeden Fall auf aufgegangen, die Gäste wissen den Ansatz zu schätzen. Zugleich ist die Nachhaltigkeit auch weiterhin einer von Fingerhuts wichtigsten Treibern. Sie bezieht sie nicht nur auf Natur und Umwelt, sondern engagiert sich zudem auch sozial. Unter anderem setzt sie sich intensiv für eine gute Ausbildung ein. „Als ich vor 13 Jahren das Thema Nachhaltigkeit anging, gehörte ich in der Gastronomie eher noch zu Pionieren, heute ist es natürlich schon viel verbreiteter.“

PFIFFIGE IDEEN IM ERSTEN LOCKDOWN ENTWICKELT

Im ersten Lockdown bereiteten ihre Nachhaltigkeitsideen dann auch die Antwort auf die Krise vor. „Ich war schon eine ganze Weile der Meinung, dass es gerade im Fastfood-Bereich zu wenig nachhaltige, also vor allem regionale und saisonale Angebote gibt.“ Ein paar Jahre zuvor hatte sie mehrere Foodtrucks betrieben, so dass Erfahrung im Fast-Food- und To-Go-Bereich bereits gegeben war. „Dann erfuhr ich von zwei freien Ladenlokalen in Freilassing, sah meine Chance und griff zu“, erklärt sie.

MIT IDEEN AUS DEM ERSTEN DEN ZWEITEN LOCKDOWN ÜBERLEBT

Sie übernahm die Ladenlokale und eröffnete ein Café und einen Burger-Laden. Der Burger-Laden bietet Burger mit Bio-Fleisch und Gemüse aus der Region an. Zum Ende des ersten Lockdowns war alles soweit vorbereitet, der Verkauf konnte starten. In den Sommermonaten 2020 hieß das viel Arbeit: Der Kapuzinerhof arbeitete wieder, Café und Burger-Lokal mussten sich etablieren - aber es funktionierte. „Wir haben alle die Ärmel hochgekrempelt und zusammengehalten, wir fühlten uns bei aller Begeisterung oft auch wie im Hamsterrad.“ Aber es verschaffte ihr und ihrem Unternehmen auch die Basis, den zweiten Lockdown besser zu überstehen. „Insbesondere der Burger-Laden kann mit seinem Außer-Haus-Verkauf offen bleiben. Zudem dürfen unsere Kapuzinerhof-Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis im Burger-Laden mitarbeiten und leiden so weniger unter der Kurzarbeit im Kapuzinerhof.“

DIE NACHHALTIGKEITSSCHRAUBE WEITERGEDREHT

Doch hat die unfreiwillige Ruhe der Lockdowns bei Sina Fingerhut noch weitere Ideen entstehen lassen. Auch hier knüpft sie an ihre Nachhaltigkeitsüberzeugung an.

Zum einen wird sie nun das Prinzip "From Nose to Tail, from Leaf to Root - von der Nase bis zum Schwanz, vom Blatt bis zur Wurzel" etablieren. Das heißt, sie wird in Zukunft für ihre Speisekarte nicht mehr nur ausgewählte Fleischstücke beim Metzger ihres Vertrauens kaufen. „Noch nachhaltiger ist, gleich das ganze Rind oder Schwein zu kaufen – und dann komplett zu verwerten.“ Aber auch vom Gemüse wird sie soweit möglich alles nutzen. Beispiel Möhre: Die Möhre an sich bleibt Hauptkomponente für diverse Gerichte - sei es Suppe oder Beilage -, die Möhrenschale wird frittiert, das Möhrengrün zum Pesto. Sie erklärt: „Damit steht auf der Karte zudem eine noch höhere Vielfalt an Speisen, bis das ganze Tier und Gemüse aufgegessen sind.“ Ihr Ziel: „Wir verwerten alles und verschwenden nichts mehr.“

Zum anderen will sie ihre Mitarbeiter anders, gleichraginger ins Unternehmen einbinden. „Wir haben in der Krise noch einmal sehr deutlich gemerkt, wie wichtig Zusammenhalt ist und was wir uns gegenseitig bedeuten beziehungsweise was uns auch das Unternehmen bedeutet. Wir haben uns wie eine Familie gefühlt – und so gehandelt.“ Daraus hat sie nun ein paar neue Ansätze abgeleitet. „In den Familienbetrieben früherer Jahre hat jeder alles gemacht, jeder hat dort angepackt, wo es gerade nötig war“, erklärt sie. „Ich lasse alle meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wollen und wo es möglich ist, nun übergreifender arbeiten, weniger spezialisiert. Sie sind nicht nur im Service im Restaurant, sondern arbeiten auch im Hotel mit – was eben jeweils ansteht. Das reißt sie aus ihren gängigen Routinen, macht mehr Spaß, sie lernen nebenbei Neues und erweitern ihre Kenntnisse, setzen auch ihre Talente neu ein.“ Außerdem entstehen viele neue Ideen, wenn Menschen, die auf andere Dinge spezialisiert waren, eine bislang eher unbekannte Aufgabe angehen. „So entwickelt sich auch unser Betrieb weiter.“ Und natürlich wachsen Fingerhut und ihr Team noch weiter zusammen und agieren eben mehr auf Augenhöhe als vorher. „Damit ein Unternehmen funktioniert und erfolgreich ist, ist jeder und jedes Talent wichtig – das leben wir in dem neuen Konzept nun ganz intensiv.“

AUSZEIT, UM DANACH MEHR ZU BEWIRKEN

Monika Fraundorfer
© Sabine Gassner Monika Frauendorfer

Die Krise habe für sie viele Werte und Positionen verschoben, fasst Monika Frauendorfer zusammen. „Ich habe mich im Laufe der Pandemie und des Lockdowns immer wieder gefragt, was ich denn eigentlich wirklich bewegen und bewirken will - für mich und die Welt draußen?“ Mittlerweile ist die Antwort klar: Sie wird als Sparringspartnerin Gründerinnen und selbstständige Frauen – insbesondere Mütter – nicht nur wie bisher durch den Positionierungsprozess begleiten, sondern auch danach an ihrer Seite bleiben. „Um geschäftlich erfolgreich zu sein, braucht es nicht nur eine gelungene Gründung, Geschäftserfolg ergibt sich nicht in kürzester Zeit. Es braucht ein dauerhaftes Coaching, auch über die eigentliche Gründung hinaus, um den Erfolg zu erreichen und zu sichern.“

FOKUS AUF SELBSTSTÄNDIGE MÜTTER

Zunächst ein kurzer Blick zurück. Nach vielen Jahren in exponierten Marketingpositionen bei angesehenen Arbeitgebern kehrte Monika Frauendorfer dem Angestelltenleben vor rund sieben Jahren den Rücken und machte sich als Markenberaterin selbstständig. Einige ihrer Freundinnen hatten sich in den Jahren zuvor auch schon für die Selbstständigkeit entschieden – und Frauendorfer dabei stets um Rat gefragt, wenn es um die Entwicklung der Geschäftsidee, die Website oder den Social-Media-Auftritt ging. „Das Schönste für mich war zu spüren, wie unsere Gespräche meine Freundinnen nach und nach von Ballast befreiten und sie plötzlich ganz klar ihre Positionierung vor Augen hatten. Die Arbeit mit ihnen hat mir gezeigt, wo ich hingehöre. Und so habe auch ich mich selbstständig gemacht.“ In ihrer Markenberatung half sie ihren Kund*innen seitdem während des Gründungsprozesses bei Positionierung, Markenaufbau, strategischer Kommunikation – vom klassischen bis zum Social-Media-Marketing. Ihre Zielgruppe blieben vor allem Frauen und Mütter. „Denn meine Mission war und ist, klugen und kreativen Frauen und Müttern, das beste Fundament für das eigene Business zu geben, sie sichtbar zu machen und zu vernetzen. “

FESTPLATTE FREISCHAUFELN

Das funktionierte gut. Doch dann kam die Coronakrise und warf plötzlich ganz neue Fragen auf. „Es ging vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich habe zwei Kinder, die Betreuungsmöglichkeiten brachen weg.“ Vielen ihrer Kundinnen ging das ähnlich, sie fuhren ihr Geschäft zurück, was sich wiederum auch auf Frauendorfers Beratung auswirkte. Sie und ihre Familie gingen in die Diskussion. „Ich beschloss, dass ich die Krise für eine Auszeit nutze und die Familie in den Mittelpunkt stelle – auch wenn Familienarbeit leider eine gesellschaftlich nach wie vor nicht besonders anerkannte Arbeit ist, in dem Moment war es für mich, für uns richtig.“ Für ihre Kundinnen und ihre Community bot sie noch kostenlose Notfall-Coachings beziehungsweise Gruppenberatungen an. Vor allem aber kümmerte sie sich um Familie und Gesundheit. „Ich habe bewusst meine eigenen Bedürfnisse und die meiner Familie in den Blick genommen und vorgezogen.“ Manchmal auch mit schlaflosen Nächten, gibt sie zu. „Ich wollte ja auch gleichzeitig nicht vom Markt verschwinden, wollte für meine Kundinnen da sein. Zumal ich begeisterte Unternehmerin bin.“ Sie betont: „Der Wunsch nach einer Auszeit und damit letztendlich auch nach einer persönlichen und geschäftlichen Positionsbestimmung stellte sich aber als größer heraus.“ So blieb sie konsequent, gönnte sich ein paar Monate ohne Geschäft, tankte Kraft, „machte Arbeitsspeicher auf der Festplatte frei“.

NEUE FOKUSSIERUNG

Es hat ihr gut getan, bestätigt sie. Und der neue Fokus für ihre geschäftliche Tätigkeit fand sich auch. „Ich habe eine kritische Bestandsaufnahme gemacht, mir überlegt, was bislang gut gelaufen war, was ich gut konnte, was ich wirklich möchte.“ So entstand die Idee, Gründerinnen beziehungsweise Geschäftsfrauen dauerhaft als Coach zu begleiten. Diese Fokussierung ergab sich folgerichtig aus dem vorherigen Geschäftsmodell. „Bislang hatte ich meine Kundinnen ja vor allem in den ersten Wochen begleitet, habe sie in der Anfangsphase des Geschäfts- und Markenaufbaus unterstützt. Damit ein Geschäft wirklich erfolgreich wird, braucht es aber eben mehr als sechs oder acht Wochen. Geschäftlicher Erfolg ist ein Dauerthema, braucht stetige Veränderung und daher auch dauerhafte Begleitung, eine kontinuierliche Sparringspartnerin.“ Eine solche zu sein, darin sieht Monika Frauendorfer heute vor allem ihr Ziel. „Damit schwimme ich ein wenig gegen den Strom der Beschleunigung, der uns dazu bringt, alle Ziele innerhalb kürzester Zeit im Turbogang zu erreichen. Sich die nötige Zeit zu nehmen – ohne Dinge zu verzögern –, Veränderungen anzunehmen und anzugehen, Ziele zu korrigieren ist eine andere Haltung, aber auch der nachhaltigere Weg“, ist sie überzeugt. Und damit beantwortet sie auch die Frage, was sie denn für sich und draußen in der Welt bewirken möchte: „Frauen und Müttern in ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Souveränität und Kraft zu stärken und ihnen zu helfen, ihr Geschäft druckfrei erfolgreich zu machen. Dazu gibt es übrigens auch den neuen Hashtag #druckfreisein.“

BASIS VEBREITERT

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© Sabrina Behnisch

Sabrina Behnisch ist eine vielbeschäftigte Frau. In Teilzeit angestellt, zudem seit sechs Jahren im Nebenerwerb als freiberufliche Grafikdesignerin mit ihrem eigenen Unternehmen Behnisch Design selbstständig, Mutter eines dreijährigen Sohns – ihre Tage und Wochen sind gut gefüllt. „Und tatsächlich oft schwer planbar“, ergänzt sie. „Alle meine Aufgaben machen mir Spaß, aber wenn dann das Kind krank ist oder etwas anderes Unvorhergesehenes passiert, gerät oft der ganze Zeitplan durcheinander, denn es gilt, sich ums Kind zu kümmern, das Problem zu lösen, zugleich den Arbeitgeber und meine freiberuflichen Kunden zu bedienen.“ Auch sei es nicht selten, dass Projekte im Marketing einfach länger dauern, Kunden ihre Vorstellungen und Ideen ändern. Auch das erhöhe die Unkalkulierbarkeit. „Ich fühlte mich von den vielen verschiedenen Baustellen auch sehr getrieben.“

PLANBARKEIT IM LOCKDOWN KOMPLETT AUF DER STRECKE

Im ersten Lockdown wurde die Situation dann noch verschärft. Behnisch hatte viele Aufträge abzuarbeiten, zugleich war der kleine Sohn ohne externe Betreuungsmöglichkeit zu Hause „Mein familiärer und beruflicher Alltag waren nun noch weniger planbar. Ich wollte nicht, dass irgendwann alles aus dem Ruder läuft.“ Hatte sie die Notwendigkeit, konkret etwas zu ändern, bislang noch verdrängt – durch die Coronakrise wurde es immer offensichtlicher, dass etwas passieren musste. „Zugleich wusste ich, dass ich auf keinen Fall meine nebenberufliche Selbstständigkeit aufgeben würde – ich bin sehr gerne unternehmerisch tätig und habe außerdem einen festen Kundenstamm.“

BLICK ÜBER DEN TELLERRAND

Behnisch nahm sich Zeit, ging in sich und erlaubte sich dabei, über den Tellerrand zu denken. „Ich habe immer gern mein Wissen weitergegeben, denn ich bin gut darin, anderen mein Metier zu erklären. Ich fragte mich, ob hier eine Alternative liegen könnte, ob ich Kurse anbieten könnte. Die wären auf jeden Fall planbarer.“ Sie besprach ihre Idee mit einer Kooperationspartnerin und wurde sich immer sicherer, dass die Kursidee die richtige für sie sein könnte.

MARKTANALYSE UND ANGEBOTSENTWICKLUNG

„Nun galt es den Wunsch an der Wirklichkeit zu überprüfen und festzustellen, ob mein Angebot auch einen Markt haben würde.“ Behnisch unternahm die ersten vorbereitenden Schritte und analysierte mögliche Zielgruppen: „Die technischen Entwicklungen und Möglichkeiten in der Mediengestaltung sind sehr schnell, wenn jemand in der Elternzeit länger nicht gearbeitet hat, ist es gut, einen Auffrischungskurs zu machen. Aber auch Schüler oder Azubis brauchen oft Unterstützung.“ Es erschien ihr also sinnvoll, sich auf Schüler*innen, Azubis und Wiedereinsteiger*innen als Zielgruppe zu konzentrieren. In ihrem privaten und beruflichen Netzwerk sprach sie diese Gruppen an, checkte ihr Angebot gegenüber potenziellen Kund*innen. Und war schließlich überzeugt: „Nachfrage besteht in diesen Gruppen ausreichend.“ So wird Behnisch sie nun mit Bewerbungscoachings beziehungsweise Einführungs- und Vertiefungskursen im Bereich Mediengestaltung unterstützen. Sie betont: „Schüler und Mütter, die wieder in den Beruf einsteigen, liegen mir darüber hinaus am Herzen – ich bin selbst Mutter, habe ein Kind und freue mich schon auf die Arbeit mit ihnen.“

Mittlerweile ist sie schon in die Umsetzung ihrer Behnisch Design Talentschmiede – so der offizielle Name des neuen Angebots – gestartet. „Ich habe online einen Ausbilderschein gemacht, um mir Grundlagenkenntnisse in der Ausbildungspädagogik anzueignen, und habe begonnen, die neuen Kurse zu entwickeln.“ Sie schreibt am Marketingplan, um ihr Angebot über Schulen und die Social Media zu streuen, die ersten Bewerbungsposts sind in den einschlägigen Portalen schon online. Für die Azubis baut sie eine eigene Facebook-Gruppe für den Austausch mit ihr und untereinander auf. Ihre Tätigkeit als freiberufliche Designerin wird sie, wenn das neue Angebot ausreichend läuft, reduzieren, aber auf jeden Fall beibehalten. „So wird mein Arbeitsalltag durch die festen Kurstermine planbarer – wie ich es mir gewünscht habe. Insofern war die Krise für mich ein wichtiger Katalysator.“ Sie rekapituliert: „Ich bin total motiviert, mit diesem Thema weiter zu machen. Und ich glaube wirklich, dass ich das alles nicht gemacht hätte, wenn die Pandemie nicht gewesen wäre. Denn erst durch die Pandemie habe ich mir die Zeit genommen, zu reflektieren.“

Doch zieht Behnisch noch einen weiteren Vorteil aus der krisenbedingten Veränderung: „Corona ist sicherlich nicht die letzte Krise. Diesmal war es eine Gesundheitskrise, die nächste Krise kann wieder eine Finanzkrise sein. Ich fühle mich mit dem neuen zweiten Standbein der Selbstständigkeit nun auch widerstandsfähiger. Insofern konnte ich die Krise nutzen und meine Basis für das, was noch kommt, gut verbreitern.“

MIT NEUEM FOKUS DURCH DIE KRISE

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© Suza Schlecht

„Die Zeit war reif, mein Wissen und Können eigenständig als Unternehmerin anzubieten.“ Mit diesen Worten bringt Katja Schlecht die mutige Entscheidung auf den Punkt, sich nach vielen erfolgreichen Jahren von der Festanstellung zu verabschieden und in die Selbstständigkeit zu gehen. Das war 2015. Ihrer beruflichen Heimat, der Werbebranche, ist sie auch als Solopreneurin treu geblieben: Ihr Unternehmen Tiger Vision unterstützt branchenübergreifend kleine und mittelständische Unternehmen sowie Start-ups beim Marketing, begleitet sie vom Corporate Design über die Website bis zum umfassenden Markenrelaunch. „Ich möchte mit ganzheitlichen Designkonzepten die Sichtbarkeit meiner Kunden steigern, damit sie ihr Produkt und ihre Botschaft überzeugend in die Welt bringen können.“

Mit viel Weitblick und Gespür für die Entwicklung ihres Marktes wird Katja Schlecht schon recht bald klar, dass ihre Kunden neben dem klassischen Marketing vor allem auch eine bessere, eine nachhaltigere Positionierung ihrer Marken brauchen. „Wie wichtig es für die Kunden ist, den Kern ihrer Marke herauszuarbeiten, rückte immer öfter in den Fokus unserer Gespräche. Eine solche Spezialisierung reizte mich – markt- und zielgruppengerechte Markenkonzepte in Text und Bild zu entwickeln und mich so neu auszurichten“, erzählt sie. So begann sie, auf Basis ihrer langjährigen Berufserfahrung gezielt ihre Markenberatung aufzubauen. Die Idee war, Workshops zur Markenbildung anzubieten. 2019 startete sie mit der Umsetzung, holte zwei Partnerinnen an Bord. Bereits Anfang 2020 lag das Konzept so gut wie fertig vor.

KOLLEKTIVES UMDENKEN

Inzwischen hatte sich jedoch die erste Corona-Welle ausgebreitet. „Wir wollten eigentlich mit Präsenzseminaren durchstarten, im Laufe des Jahres sollte dann auch auf online umgestellt werden“, beschreibt Katja Schlecht, was sie erlebte. „Daraus wurde erst einmal nichts, an Präsenzseminare war nicht zu denken.“ Grundsätzlich lief das Tagesgeschäft aber weiter, nur wenige Kunden verfielen in eine Schockstarre. Zugleich wurde so gut wie allen Kunden nach einer kurzen Orientierungsphase klar: Wenn externe Präsentationsmöglichkeiten auf Messen oder Events, bei Meetings oder persönlichem Networking langfristig eingeschränkt bleiben, leidet die Sichtbarkeit und später die geschäftliche Basis. „Es setzte ein kollektives Um- und Vorwärtsdenken in allen Branchen ein, und plötzlich waren wir als Markenberatung gefragter denn je. Denn das, was es jetzt umso mehr brauchte, war eine gut positionierte Marke, eine klare Markenidentität und insbesondere eine gesteigerte Sichtbarkeit“, erklärt Katja Schlecht. „Viele Unternehmen haben sich in der Zeit der Krise tatsächlich das erste Mal intensiv mit ihrer Markenidentität beschäftigt. Da sind viele spannende Umbrüche entstanden.“

Zu diesem Zeitpunkt hatte Katja Schlecht die geplanten Präsenzseminare zur Markenbildung bereits auf ein Onlinekonzept umgestellt. Der Digitalisierungsshift gibt ihr Rückenwind, das Unternehmen konnte die Anfragen der Kunden nun vermehrt digital bedienen. Das Auftragsvolumen bei Tiger Vision schnellte rasant in die Höhe. Letztendlich war die Krise ein Katalysator für das Unternehmen.

RICHTIGES ANGEBOT ZUR RICHTIGEN ZEIT

„Ich habe die Entwicklung meines Marktes und die Bedürfnisse der Kunden auch vor der Krise immer wieder genau beobachtet, das Angebot fokussiert und angepasst, so die stetige Weiterentwicklung meines Unternehmens vorangetrieben“, rekapituliert sie. „Deswegen habe ich unter anderem in der Krise davon profitiert. Ich gewann immer mehr Kunden hinzu.“ Sie ergänzt: „Und auch das bereits lange bestehende, gut eingespielte Netzwerk im Hintergrund, die daraus entstandenen gegenseitigen Synergien haben dafür gesorgt, dass ich auf die Veränderung durch die Pandemie recht reibungslos reagieren konnte.“

Ausruhen ist also nicht angesagt, denn die Auftragsbücher sind voll. Mit virtueller Assistenz und erweitertem Team möchte Katja Schlecht die Schubkraft aus der Krise nutzen: „Ich war bislang als Solopreneurin unterwegs, nun baue ich das Unternehmen personell aus.“ Und noch ein weiteres Angebot hat sie bereits am Start: „Wir haben einen Selbstlern-Online-Kurs zur Markenidentität kreiert – der hilft den Unternehmen, sich zu orientieren und ihre Marke erfolgreich auszubauen.“

STRUKTUREN OPTIMIERT

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© machineering GmbH & Co. KG Beate Freyer

Als Corona kam, blickt der Münchner Simulationssoftwarehersteller machineering bereits auf eine erfolgreiche Firmengeschichte zurück. Alles war im „Flow“, und dann der Schock. Aber dadurch wurde auch manches besser, anders. Jetzt sind sie bereit für die Zeit „danach“.

EIN KURZER RÜCKBLICK

Es begann quasi spielerisch ... Als sich vor rund zwölf Jahren die Computerspielewelt revolutionierte, konnten die Spielefreaks plötzlich auch Wände einstürzen, Splitter durch die Luft fliegen lassen und vieles mehr. Beate Maria Freyer und ihr Lebenspartner Dr. Georg Wünsch – sie Betriebswirtin, er Ingenieur – waren davon fasziniert. Aber nicht, weil sie passionierte Computerspielefans waren. Nein, sie erkannten, dass sich die neuen Möglichkeiten aus der Spielewelt in die Ingenieurwissenschaften übertragen lassen würden, dass es nun viel leichter wäre, die Inbetriebnahme von mechatronischen Anlagen oder Robotern virtuell zu simulieren. Die Computerspielerevolution war damit der Startschuss für Freyers Selbstständigkeit. 2009 gründeten sie und Georg Wünsch in München ihr Unternehmen machineering und entwickelten gemeinsam die 3D-Simulationssoftware iPhysics. „Durch unsere Software wird die Inbetriebnahme solcher Anlagen beschleunigt, Fehler etwa beim Materialfluss oder der Steuerung fallen durch die Simulation und die virtuelle Inbetriebnahme schon im Vorfeld auf und können so mit nur wenigen Klicks vorab bereinigt werden. So steigen Qualität und die Effizienz der Maschinen und gleichzeitig sinken die Kosten“, erklärt Beate Freyer stolz. „Die komplexen Systeme von Produktionsanlagen vorab digital abzubilden, zählt tatsächlich zu den größten Effizienzreserven im Maschinen- und Anlagenbau.“

Das Geschäft lief gut an. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen 15 fest angestellte Mitarbeiter und einen größeren Stamm an freiberuflichen Kollegen. Es gibt neben dem Hauptsitz in München noch Vertriebsstandorte in Österreich, Italien und Taiwan. Und dann kam die Corona-Krise. „Neue Maschinen und Anlagen sind immer eine große Investition. In der Krise haben unsere Kunden die Investitionen daher erst einmal zurückgefahren, unsere Produkte und Lizenzen verkauften sich kaum noch“, erzählt Freyer. „Das war natürlich ein Schock. Aber wir sind begeisterte Unternehmer, lieben unser Produkt. Das Unternehmen ist die Existenzgrundlage unserer Familie und der Familien unserer Mitarbeiter – Kapitulieren war einfach keine Option.“ Zumal klar schien: „Nach Corona wird es einen Investitionsschub geben müssen, von dem wir profitieren können – egal wie hart die Zeiten jetzt erst einmal werden.“

ZUKUNFT VORBEREITET

So hat machineering die Zeit genutzt und sich für die Zukunft aufgestellt. „Dabei haben wir alle Mitarbeiter ohne Kurzarbeit an Bord gehalten, es sei denn, sie wollten selbst gehen. Das war uns wichtig, denn die Mitarbeiter haben unser Unternehmen ja auch mit aufgebaut. Wir sind uns wechselseitig verpflichtet.“

FÜNF PRAKTISCHE SCHRITTE

  • Der erste Schritt in die Zukunft war die Homeoffice-Fähigkeit – und zwar im doppelten Sinne. Zum einen wurden die Mitarbeiter homeoffice-fähig gemacht, unter anderem durch die Anschaffung entsprechender Technik für die Büros zu Hause, die bislang nur am Firmensitz vorhanden war. Zum anderen wurden auch die Angebote fit für das Homeoffice gemacht: „Unsere Kunden müssen zu Beginn im Umgang mit unserer Software geschult werden, das machen wir normalerweise vor Ort. Nun geht das auch online.“ Das wird das Unternehmen auch nach der Krise beibehalten.
  • Doch nicht nur die Kundenschulungen, auch die weiteren Angebote wurden – Schritt zwei – angepasst: „ Wir können Gesamtpakete liefern, mehr und mehr aber wollten die Kunden eine Basissoftware und dazu dann Module für ihre individuellen Anforderungen. Diesen Trend haben wir bereits vor Corona erkannt. Nun haben wir unsere Produktpalette entsprechend auf diese Anfragen abgestimmt und unser ganzes Angebot angepasst“. Kunden können nun je nach Bedarf einzelne Module dazu kaufen oder zeitweise mieten. iPhysics ist der Sockel, auf dem alles basiert.
  • Der dritte Schritt war die Optimierung der internen Prozesse und Strukturen: „Wir haben in den ersten Jahren viel auf Zuruf gemacht, das funktioniert in einem kleineren Team auch ganz gut. Nun haben wir die Corona-Zeit genutzt, zu schauen, wo wir systematischer und damit effizienter werden können.“ Eine von mehreren Lösungen sah so aus: „Wir haben unsere Support-Mitarbeiter noch besser geschult – früher mussten sie bei komplexeren Fragen die Entwickler fragen, nun wird jede Woche in Online-Schulungen ein Spezialthema diskutiert. Die Support-Mitarbeiter werden in diesen Schulungen auch für schwierigere Fragestellungen fit gemacht und können gegenüber dem Kunden so viel selbstständiger und schneller agieren.“ Dazu entwickelte das Unternehmen eine Wissenslandkarte, deren weiße Flecken jetzt schon immer kleiner werden.
  • Der vierte Schritt bestand in der Optimierung der Website mit ersten Ansätzen zum E-Commerce. „Wir haben die Website komplett umgebaut, neu organisiert und für unsere Kunden noch anwenderfreundlicher gemacht“, sagt Freyer.
  • Und fünftens und nicht zuletzt ging es um die Mitarbeiter. „Sie homeoffice-fähig zu machen, ist das eine – aber es ging ja viel mehr auch darum, sie in diesen schwierigen Zeiten mit all den Doppelbelastungen durch Gesundheitsgefahren und Homeschooling motiviert und begeistert zu halten. Wir machen jeden Morgen eine Onlinekonferenz, tauschen uns aus, setzen regelmäßige Mitarbeitergespräche an, sind als Geschäftsführer auch für persönliche Fragen ansprechbar.“

So fühlt sich Freyer auch für die Nach-Corona-Zeit gerüstet. „Wir haben versucht, die Krise so gut wie möglich zu nutzen.“ Sie ist froh: „Glücklicherweise beginnen die Kunden sich wieder zu melden, die Schockstarre scheint einigermaßen überwunden. Wir blicken optimistisch nach vorn.“

SPRACHLICH HÖCHST ERFOLGREICH - AUCH DIGITAL

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© Thorsten Jochim Marion Kerner, Michaela Hueber und Sylvia Tobias (v.l.)

Der Münchner Hueber Verlag ist bei Lernmaterialien für Deutsch als Fremdsprache weltweit führend. Doch die Pandemie beeinträchtigt das Geschäft spürbar. So will das Unternehmen gegensteuern.

Eigentlich sollte ihr Bruder die Nachfolge im Familienunternehmen, der heutigen Hueber Verlag GmbH & Co. KG, antreten. Michaela Hueber (61) - gesprochen mit stummem [e] und langem [u] -, entschied sich daher nach dem Abitur für ein Jurastudium. Doch dann schlug ihr Bruder doch noch einen anderen Berufsweg ein – und Schwester Michaela startete mit 29 Jahren und dem ersten Staatsexamen als Verlegerin und geschäftsführende Gesellschafterin. »Das Verlagswesen kannte ich schon seit meiner Kindheit, da viele Termine mit Autoren und Geschäftspartnern bei uns zu Hause stattfanden«, sagt Hueber.

Lesen Sie die Geschichte weiter im IHK-Magazin "Wirtschaft" unter: https://magazin.ihk-muenchen.de/artikel/sprachlich-hoechst-erfolgreich

ANALOG WIRD DIGITAL: MUTIG NEUE WEGE GEHEN

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© Michael Kayser Synthia Demetriou

„Die Welt nach München und München in die Welt bringen“ – dabei frei, kreativ und interaktiv arbeiten: Das war der Antrieb, der Synthia Demetriou und ihren Geschäftspartner Tobias Röckl vor gut drei Jahren in die Selbständigkeit gehen ließ. Die Marketingexpertin und der Grafikdesigner kehrten dem Agenturalltag den Rücken zu. Seitdem stehen sie mit ihrem Business auf eigenen Beinen und bieten Stadtführungen und kulinarische Touren auf Deutsch, Englisch und in weiteren Sprachen an.

Die beiden Gründer haben viel von der Welt gesehen und wissen gut, welche Herausforderungen ein neuer Ort mit sich bringt. Deshalb ist es ihnen ein besonderes Anliegen, dass die Teilnehmer ihrer Touren das Gefühl vom „Gast in der Fremde“ schnell hinter sich lassen können und direkt in Stadt und Kultur eintauchen und diese erleben. „Bloß keine langatmige, trockene Aufzählung von Jahreszahlen. Unsere Touren sollen sich wie ein kurzweiliger Spaziergang durch lebendige Geschichte anfühlen mit möglichst vielen Ohs und Ahs“, erzählt Synthia Demetriou.
Nach zwei Jahren Arbeit als Stadtführer fiel die Entscheidung, ein neues Angebot für Stadtführungen und kulinarische Touren auf die Beine zu stellen. Gesagt – getan. Anfang Januar 2020 stand die neue Marke „Ludwig & Lola“ in den Startlöchern. Von der Homepage bis zum Flyer war alles vorbereitet. Das kam gut an, die Touren wurden fleißig gebucht, obwohl der Winter nicht die Hauptsaison ist.

PANDEMIE ERSCHIEN ZUNÄCHST NICHT REAL

Zur gleichen Zeit kursierte auch „Corona“ erstmalig durch die Welt, allerdings weit weg in China und zunächst ohne Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Das änderte sich dann schlagartig und führte zur ersten Corona-Zwangspause im März. „Wirklich ernst nehmen müssen wir das nicht, bis zur Hauptsaison wird es schon wieder laufen“, war die erste Reaktion von Synthia Demetriou. Mit den Verlängerungen des Lockdown und den damit eingehenden Stornierungen wurden die Auswirkungen des Virus‘ für ihre Agentur dann aber real. „Dennoch konnte man damals noch nicht absehen, was das für die Zukunft der bisher florierenden Tourismusbranche wirklich bedeuten würde“, so die Unternehmerin.

UNRUHE NAHM ZU

Um dem ersten Anflug von Panik und dem Gefühl von Stagnation zu entgegnen war erst einmal „kreativ und aktiv werden“ angesagt. Zumal ja viel Tatendrang und viele neue Ideen in der Pipeline waren. „Stillstand kam für uns nicht in Frage. So sind wir kurzerhand mit unseren Handys und Selfiesticks bewaffnet in die Stadt gefahren und haben dort Live-Videos vor den Sehenswürdigkeiten gedreht“, erinnert sich Demetriou. Das Bild war teilweise wackelig, der Stream brach ab und an zusammen. Was zunächst manchmal unbeholfen wirkte, waren jedoch wichtige Learnings. „Hauptsache machen und nicht unterkriegen lassen“, lautete die Devise. Wie wertvoll diese spielerische Herangehensweise war, würde sich in den folgenden Monaten noch zeigen.

Der 30. Mai nahte und damit das langeersehnte Ende des ersten Lockdowns und der Durststrecke. Steigende Temperaturen und die beginnende Urlaubszeit sollten die Gäste zurück nach München bringen. Mit den Pfingstferien kam jedoch auch die Enttäuschung, denn die Touristen blieben aus. Die Verunsicherung war zu groß, reihenweise wurden Reisen aus Übersee storniert und auch die europäischen Touristen waren sehr zurückhaltend. Was tun? Synthia Demetriou und ihr Geschäftspartner griffen die Video-Stream-Versuche des Frühlings wieder auf und boten den Kunden damit eine Alternative frei nach dem Motto: „Wenn ihr nicht zu uns kommt, kommen wir zu euch.“ Das Angebot wurde dankbar und begeistert angenommen. Die Kunden freuten sich über einen kleinen Trost für die vielen geplatzten Urlaube. Generell ging es darum, den Sommer zu überstehen. Zugleich wurde immer klarer, dass dem Ruckeln in der ersten Jahreshälfte ein einschneidender Umbruch folgen würde.

LEICHTE ENTSPANNUNG IM SOMMER

Die andauernde Ungewissheit und die viele Rückschläge zehrten auch bei Synthia Demetriou spürbar an den Nerven und Kräften. Dann gaben die Aktionen „Sommer in der Stadt“ und die „Wirtshaus-Wiesn“ der Stadt München neuen Elan. Das gute Wetter und entdeckungsfreudige Reisende, die dem Trend „Urlaub in Deutschland“ folgten, ließen in manchen Momenten sogar ein wenig Normalität einkehren.

NICHTS GEHT MEHR ...

Doch ab Ende Oktober ging wieder nichts mehr. Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen brachten die bereits ausverkaufte Wiesn-Tour mit „Ludwig & Lola“ zu Fall, die gedruckten Flyer samt Werbematerialien und damit ein weiterer Teil der Ersparnisse landeten, mal wieder, im Müll. Mit einem Mal waren der geschäftliche und auch der persönliche Tiefpunkt erreicht. Für die nächsten Wochen ging gar nichts mehr, die Arbeit stand still, die Kraft- und Motivationsreserven waren verbraucht. „Wir haben 2020 so viel gearbeitet wie noch nie, haben über immer neue Konzepte nachgedacht und diese ausgearbeitet – viele von ihnen haben wir mit den immer wieder neuen Hygiene- und Lockdownregeln dann gleich wieder einstampfen müssen“, lässt Demetriou Revue passieren. Ein zermürbender Kreislauf. „Das ständige Hoffen und zugleich die viele Unsicherheit, die uns im Nacken saßen, ließen uns nicht zur Ruhe kommen. Irgendwann konnten wir dann nicht mehr“, rekapituliert sie.

DER KAMPFGEIST KEHRT ZURÜCK

Und doch raffte sich das Team Demetriou/Röckl wieder auf: „Denn trotz aller Hoffnungslosigkeit war da immer noch ein kleines Flämmchen, eine innere Stimme, die uns gegen alle Logik nicht aufgeben ließ“, fährt Demetriou fort. Ohne zu wissen, wo die Reise hinführt, wollten auch an den tristen Novembertagen das Gefühl und der feste Glaube nicht weichen, dass es richtig ist, jetzt weiterzumachen. Mit dieser Überzeugung kehrte der Kampfgeist zurück, und damit auch der Entschluss: „Wir halten an dem virtuellem Konzept fest.“

Es kostete zwar erstmal Überwindung, genau an dem Punkt, an dem sie im Frühjahr ihre ersten virtuellen Schritte gegangen waren, noch einmal und mit unverstelltem Blick neu anzufangen. „Aber es hat sich einfach richtig angefühlt.“ Mit Kamera und dem eigenen Equipment, aber um einiges erfahrener im Umgang mit der Technik und den digitalen Formaten, drehten die beiden im vermeintlichen Selbstgespräch ihre Runden um die Highlights der Stadt.

Es lohnte sich: Die virtuelle Werbetrommel wurde kräftig gerührt. Und so wurde das Highlight so mancher Online-Konferenz oder betrieblichen Weihnachtsfeier im In- oder Ausland eine Live-Stadtführung durch München inklusive traditioneller Weihnachtslieder und Spezialitätenexkurs! Das traf den Nerv. Unternehmen wollten ihren Angestellten nach einem außergewöhnlichen und extremen Jahr etwas Gutes tun und die Stimmung halten. Eine Geschichte bleibt dabei besonders in Erinnerung: Eine vermeintlich eher spaßbefreite Truppe von Ingenieuren wurde von ihrer zuständigen Personalabteilung zur Weihnachtsfeier-Tour angekündigt. Es wurde schließlich eine der besten Touren überhaupt. „Das Eis war schnell gebrochen, die Gruppe lief sich in kürzester Zeit warm, alle sangen lauthals Weihnachtslieder“, schmunzelt Synthia Demetriou. „Man hat richtig gemerkt, wie den Menschen die gemeinsamen Erlebnisse und das Beisammensein fehlen.“

VIRTUELLE ZUKUNFTSPLÄNE

Hybride Stadtführungen und das virtuelle Erkunden von Orten wird die Zukunft sein, daran glaubt Demetriou fest. Zudem eröffnen sie Angebote, die vorher viel komplizierter umzusetzen waren. Menschen mit Gehbehinderung oder ältere Menschen können nun Orte hautnah entdecken, die ihnen sonst verwehrt gewesen wären: Sie können virtuell dabei sei. Zumal auch die Technik durch den digitalen Crashkurs 2020 selbst für die ältere Generation kein allzu großes Hindernis mehr darstellt. Eines der letzten Highlights war eine Führung in Gebärdensprache. Ein komplett neues inklusives Feld hat sich damit geöffnet. Nicht zu vergessen der Bereich der Bildung: Schulklassen können mit wenig Aufwand und kostengünstig fremde Orte live bereisen und Geschichte wird auf neue Weise zum Leben erweckt. Auch Familie, Freunden und Kollegen in der Ferne kann man mit wenigen Klicks die Heimat wieder näher bringen und realistische Einblicke vermitteln. „90 Prozent der Anfragen kommen allerdings gerade aus dem B2B-Bereich, Schulen mit eingerechnet, der Rest sind private Anfragen. Unser Tätigkeitsfeld wurde komplett auf den Kopf gestellt“, freut sich Demetriou.

Keine Frage, Corona hat den Tourismus, so wie viele andere Branchen hart getroffen, doch eine Botschaft ist Synthia Demetriou besonders wichtig: „Es gibt immer eine Lösung.“ Egal in welche Richtung, ob weitermachen oder umorientieren. Es hat viel Kraft und eine Krise gekostet um zu erkennen, dass es sich auszahlt, auf seine innere Stimme zu hören und mutig zu bleiben. Ihr Fazit: „Manchmal gehört ein gewisser Abstand dazu, um die Möglichkeiten klarer abwägen zu können. Aber dann, wenn die Entscheidung gefallen ist, gelingt es auch, sich auch aus eigener Kraft aufzurichten und wenn nötig, sich und sein Business neu zu erfinden.“

MIT MUT UND HERZBLUT DURCH DIE KRISE

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© Sung Hee Seewald Natascha Hoffner

Sie ist in Frauen- und Personaler-Kreisen einfach ein Muss: Erst 2015 entstanden setzte sich die Frauen-Karriere-Messe herCAREER gleich durch und wurde zur Institution. Auch weil hinter der Messe eine engagierte und konzeptionsstarke, erfahrene und gut vernetzte Persönlichkeit steht: Natascha Hoffner hatte schon lange gestört, dass es Frauen schwerer als Männer haben, Karriere zu machen. Die Messefachfrau Hoffner entschied sich etwas dagegen zu unternehmen. Sie gründete die messe.rocks GmbH und kreierte eine eigene Karrieremesse speziell für Frauen - und hatte das richtige unternehmerische Gespür: Die herCAREER, die normalerweise jedes Jahr Anfang Oktober stattfindet, kam, sah, siegte – und wuchs. Waren es 2015 noch 73 Aussteller, fanden sich 2019 schon 220 ein; startete die Messe in 1,5 Hallen, waren es zuletzt fünf Hallen; mehr als 6000 Besucher*innen kamen 2019 und ließen sich inspirieren. Das ebenfalls hochgradig motivierte und engagierte Team war schließlich auf fünf Personen angewachsen. „Frauen und ihre Kompetenzen und Talente sichtbar zu machen, ihre Karrierechancen zu verbessern, ist mir eine echte Herzensangelegenheit“, sagt Natascha Hoffner – und meint es genau so. Sie brennt für diese Messe, in ihr liegt all ihr Herzblut. Und viel Geld, denn eine solche Messe aufzubauen, bedeutet auch zu investieren. „Wir haben von vornherein größer gedacht“, sagt Hoffner. „Wir wollten eine große Reichweite.“

PANDEMIE VERÄNDERT BEDINGUNGEN

Und dann änderte das Coronavirus die Vorzeichen. Die herCAREER 2020 war schon durchgeplant, sie wäre wieder gewachsen, die Bewerbung hatte schon begonnen. „Der erste Lockdown im März hat uns komplett geschockt, wir konnten ja überhaupt nicht absehen, wie sich die Lage weiterentwickeln würde“, erzählt Hoffner. „Das Coronavirus traf uns also ins Mark.“ So war die naheliegendste erste Reaktion, auf ein schnelles Verschwinden des Virus‘ zu hoffen, für alle Fälle aber natürlich auch über ein angemessenes Hygienekonzept nachzudenken, eine Location zu suchen, die eine Verteilung der Messestände mit mehr Abstand ermöglichen würde.
Als dann absehbar war, dass das Virus erst einmal bleiben würde, haben wir mit allen unseren Ausstellern gesprochen und die Messe abgesagt – es wäre im Herbst 2020 einfach noch zu riskant gewesen. Wir wollten auf keinen Fall ein Hotspot werden.“ Auch die Messe alternativ auf ein virtuelles Format umzustellen, verwarf Hoffner: „Die herCAREER lebt von direkten Kontakten, vom Austausch, von der gemeinsame Begeisterung, sie braucht virtuelle Unterstützung und Tools – aber sie komplett auf ein Onlineformat umzustellen, das hätte nicht funktioniert.“

Die Entscheidung steckt Natascha Hoffner immer noch in den Knochen: „Sie war richtig, aber es war auch ein ungeheurer Kraftakt. Wir haben nach Alternativen gesucht, Geld verloren, um unsere Existenz gebangt, Tränen vergossen, waren zwischendurch wirklich am Rande der Verzweiflung.“ Sie sagt: „Wir hatten ein Produkt, einmal im Jahr – und das fiel nun aus.“

WEITERES STRATEGISCHES STANDBEIN

Doch Natascha Hoffner ist keine, die sich unterkriegen lässt. Sie ist eine Kämpfernatur, eine begeisterte Unternehmerin und eine Überzeugungstäterin. So behielt sie alles im Blick, damit die herCAREER im Spätsommer 2021, also etwas früher im Jahr als sonst und so weniger pandemiegefährdet, wieder durchstarten kann. Sie sicherte ihr Unternehmen finanziell ab und sie nahm einen Gedanken auf, der sie ohnehin schon länger umtrieb.

„Karrierefragen stellen sich Frauen schließlich nicht nur im Oktober auf meiner Messe“, schmunzelt sie. „Ich bin schon lange der Meinung, dass es für die Jobsuche ein virtuelles Tool braucht, das berücksichtigt, dass Frauen anders nach Stellen suchen und ihre Karriere planen als Männer, das also mit anderen, frauenspezifischeren Kategorien arbeitet als klassische Jobbörsen.“ Ein solches Tool, dachte sie sich, könnte zudem ein sinnvolles zweites Standbein für ihr Unternehmen werden.
Sie machte sich an die Arbeit. Zur Hilfe kam ihr, dass sie für die Messetage bereits ein innovatives digitales Matchingtool aufgebaut hatte, dass Besucher*innen auf Basis ihrer Interessen gezielt zu passenden Angeboten und Ausstellern lotst. Für dieses Tool wurde Hoffner 2020 von der ehemaligen Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries mit dem Deutschen Exzellenz Preis ausgezeichnet.

VIRTUELLES, FRAUENSPEZIFISCHES KARRIERETOOL IN VORBEREITUNG

Das neue, darauf aufbauende Produkt - www.herCAREER-Jobmatch.com - wird aber nicht eine weitere Jobbörse. Das ist Natascha Hoffner wichtig. Das Tool hilft zwar auch, Arbeitgeber beziehungsweise Mitarbeiterinnen zu suchen und zu finden. Aber es berücksichtigt dabei eben, wie Frauen vorgehen. „Frauen lesen Stellenanzeigen anders, sie wollen Anforderungen immer zu 100 Prozent übererfüllen, ihre Karrieren sind weniger gradlinig. Wenn wir solche Dinge in das Matching zwischen beiden Seiten einfließen lassen, finden sich die, die zueinander passen, viel leichter: Wir fragen also nicht nur Bildungsabschlüsse und Erfahrung ab, sondern vor allem Kompetenzen. Dabei spielen auch außerberufliche Talente oder Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle.“ Das wäre ein anderes Matching, „das eine genauere Übereinstimmung und mehr Zufriedenheit erzielen dürfte, aber auch Quereinstiege möglich macht.“

Natascha Hoffner hat nach den anstrengenden Coronawirren ihre Begeisterung zurück: „Wenn das neue Tool durchstartet, brächte es uns ein zweites Standbein und wäre darüber hinaus die konsequente Fortsetzung meiner Idee, Frauen zu stärken und zu Karrieren zu ermutigen. Wir kommen gut voran.“

VON 0 AUF 100 - MIT TURBO DURCH DIE KRISE

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© photography anna drabinski Simone Schönfeld (links) und Dr. Nadja Tschirner

Cross Consult ist eine Münchner Unternehmensberatung für nachhaltiges Talentmanagement und Genderbalance. Seit 20 Jahren bieten wir neben regionalen Cross-Mentoring Programmen zur Förderung von Talenten und Führungskräften diverse unternehmensübergreifende Formate sowohl zur persönlichen Weiterentwicklung als auch zur Organisationsentwicklung an.

20 Jahre Erfahrung bedeutet einerseits einen soliden Kundenstamm und andererseits ein nachhaltiges und tragfähiges Konzept, aber eben auch ein Wissen, dass es immer anders kommen kann, als man denkt. Die Finanzkrise hatte uns schon vor mehr als zehn Jahren gezeigt, dass Unternehmen mit Krisen ganz unterschiedlich umgehen. Davon durften auch wir profitieren. Und dennoch ist jede Krise anders und bietet wieder neue, unkalkulierbare Herausforderungen, die bewältigt werden wollen.

MÄRZ 2020: DER ADRENALINSCHUB WAR GEWALTIG

Lockdown mit ungewissem Ausgang und völlig unklarer Zeitperspektive. Adrenalin schiebt an und das tat es mit großer Wucht. Während die einen noch glaubten, der Spuk sei im April vorbei, hat sich Cross Consult von Anfang an auf die Perspektive 1,5 Jahre eingestellt. Die größte Herausforderung war dabei nicht die Veränderung als solche, sondern dass sich bei vielen Menschen genau dies nicht einstellen wollte, ein nicht pessimistischer, sondern realistischer Umgang mit den neuen Möglichkeiten, eine Abkehr vom Bewährten, Gewohnten, Liebgewonnenen, und ein mutiges Erkunden neuer Möglichkeiten. Bei Cross Consult hieß es von einem Tag auf den anderen, das komplette Business auf Online umzustellen. Cross-Mentoring Programme in vier Städten standen vor dem Start, große Veranstaltungen mussten in Präsenz abgesagt und virtuell neu konzipiert werden, Menschen dabei mitgenommen werden. Sechs Mitarbeiterinnen und zwei Geschäftsführerinnen, sowie zahlreiche Trainer*innen mussten schnell umdenken, Formate verwerfen, in die sie viel Arbeit gesteckt hatten, und bei vielem wieder von vorne anfangen.

HERAUSFORDERUNG TECHNIK

Die größten Herausforderungen waren dabei die beschränkten technischen Möglichkeiten, die ein unternehmensübergreifendes Arbeiten möglich gemacht hätten. Während die einen Kunden mit Teams bereits Erfahrungen gesammelt hatten, die anderen lieber Zoom verwendeten und wieder andere nur Webex einsetzen durften, hatten wieder andere nicht einmal Kameras oder Headsets, um an virtuellen Veranstaltungen, Workshops, Seminaren, Austauschrunden und vielem mehr teilnehmen zu können. Plötzlich waren nicht mehr nur unsere Organisations- und Trainingskompetenz gefragt, sondern eine intensive Begleitung der Kunden auf dem Weg in die digitale Welt. Und dies, obwohl auch für uns alles Neuland war.

MUTIG VORAN

Und da passierte es: Es fühlte sich an wie ein Zurückbeamen in die Gründungsphase vor 20 Jahren. Nichts war damals selbstverständlich, in der Phase des Unternehmensaufbaus. So wie damals hieß es auch jetzt, mutig voranschreiten, Unsicherheiten aushalten, Zweifel ansprechen, das Unperfekte in die Welt bringen. Und schon taten wir etwas, was bei vielen Unternehmen seit Jahren auf der Agenda steht: agiles Arbeiten und iteratives Vorgehen. Das heißt, keinen Plan ausarbeiten, der für die nächsten Jahre trägt, sondern einen Schritt machen und sofort evaluieren, ob der Schritt in die richtige Richtung geht. Wenn ja, unter Umständen nachjustieren, wo nötig. Wenn nein, Richtung mitunter radikal ändern, dies aber stets im Kontakt mit denen, die mitgehen sollen. Ein Satz eines Personalers hat es uns so richtig vor Augen geführt: „Danke, dass Sie so mutig sind. Sie schreiten voran, informieren uns und binden uns als Entscheider ein. Die anderen fragen uns dagegen ständig, was der nächste Schritt sein könnte. Woher sollen wir das denn gerade wissen?“ Das wiederum hat uns natürlich ermutigt, vor allem in Zeiten, als das Adrenalin wieder abgebaut war und es hieß, Menschen mitzunehmen, die tagtäglich ein bisschen mehr die Hoffnung verloren. Wie konnte man dauerhaft die Motivation in so schwierigen Zeiten aufrechterhalten, ohne in blindem Aktionismus weiterzumachen, weiter in gutem Kontakt auch mit denen zu sein, die nicht ganz so viel Resilienz mitbrachten, und selbst nicht ins Burnout zu fallen?

Denn eines war klar. Während auf allen Social Media Kanälen immer Menschen davon berichteten, wie entspannt die Zeit jetzt für sie sei und dass sie jetzt endlich mal zur Ruhe kommen könnten, sah unser Leben und das unserer Kund*innen ganz anders aus. Pandemiestäbe, Führungskräfte, die als Singles im Homeoffice vereinsamten, Eltern im Homeschooling, 11-stündige Videokonferenzen, viele Themen, die uns tagtäglich über die Teilnehmer*innen in unseren Programmen erreichten.

MOTIVATION DURCH MITEINANDER

Wer sollte da nicht mitfühlen. Erleichterung aber darüber, dass wir unsere Mitarbeiterinnen nicht in Kurzarbeit schicken mussten, dass sie trotz Homeschooling und anderer privater Herausforderungen hochmotiviert blieben und bereitwillig jede Neuerung mittrugen oder sie selbst anstießen. Und wenn die eigene Motivation zu sinken drohte, nach neuen Motivationsquellen Ausschau halten. Der Cross Consult Motivationsadventskalender, für den uns Kund*innen, Kooperationspartner*innen, Speaker*innen kurze Videos schickten, wie sie gut durch den Corona-Winter kommen, hat nicht nur unsere Kund*innen motiviert, sondern uns selbst Kraft gegeben, mit guter Laune auch dem nächsten Lockdown zu begegnen.

LEARNING: ENTTÄUSCHUNGSRESILIENZ

Denn eines haben wir gelernt und das wird uns dauerhaft begleiten: Neben Frustrationstoleranz, die wir schon als Kinder lernen, braucht es so etwas wie Enttäuschungsresilienz. Diese wird gestärkt, in dem man nicht verdrängt, sondern als Team gemeinsam die Enttäuschung wahrnimmt, zulässt, beweint und dann aber auch gemeinsam nach neuen Wegen sucht. Jede Enttäuschung macht uns dann resilienter für die weiteren Herausforderungen und lässt uns mutig mit Turbo in die Zukunft schreiten.

MEINE CORONA-GESCHICHTE 2020

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© Antonia Buchner

Anfang März 2020 waren die ersten 500 Tage meiner Selbständigkeit als Abschiedscoach um. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland die ersten Corona-Fälle, die ersten Hamsterkäufe und leider auch den ersten Corona-Toten.

Als Beraterin und Begleiterin für Menschen in Krisen wurde ich von einem Tag auf den anderen ausgebremst. Workshops und Seminare durften wegen des Lockdowns nicht mehr durchgeführt werden. Kunden haben Beratungen und Supervisionen storniert, und meine Zielgruppe hatte, obwohl ich Spezialisten für Krisen bin, keine Zeit für jegliche Art von Akquisitionsaktivitäten.
Das fühlte sich sehr schockierend an, in einer Situation festzustecken, die gefühlt nicht mehr kontrollierbar war. Diese weltweit unberechenbare Pandemie betraf mich selbst in allen Lebensbereichen. Unsicherheit entstand ja nicht nur aufgrund der veränderten beruflichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern besonders auch in der Sorge um Angehörige, die eigene Gesundheit, dem Umgang mit Homeschooling und dem Spagat um adäquates Verhalten, um nicht als Überträger des Virus zu fungieren, aber dennoch seine eigene Freiheit beizubehalten.

NEUE PROJEKTE UND VERNETZUNG

Mir persönlich hat es sehr geholfen, dass jeder Einzelne von dieser Pandemie in irgendeiner Art und Weise betroffen war. So ausweglos die Situation schien, haben sich Tag für Tag kleine wundervolle Projekte entwickelt. Von der Nachbarschaftshilfe an meinem Wohnort bis zur ehrenamtlichen Arbeit für die Plattform für Hilfesuchende www.wir4euch.at, über die Therapeuten, Mediatoren und Coaches schnell, effizient und kostenfrei Hilfe anbieten. Es sind Kooperationen unter Kollegen entstanden, und man ist trotz „Abstandsregelungen“ näher zusammengerückt. In dieser Zeit habe ich sehr viele intensive Gespräche (besonders mit meinen Töchtern) geführt, und wir haben entdeckt, wie wir voneinander lernen und uns unterstützen können.

VERÄNDERUNGEN ANGEHEN

Diese Monate konnte ich auch nutzen, um über mich in meiner Rolle als Unternehmerin und mein Angebot nachzudenken. So habe ich anfangs hektisch überlegt, wie ich meine Kurse und Begleitungen in Webinare oder Onlinekurse packen kann, um mich den Veränderungen anzupassen und Kunden zu generieren. Nach intensivem Nachdenken und Spüren erkannte und erlaubte ich mir, dass ich das nicht möchte! Meine Stärke liegt in der persönlichen Beziehung zu den Menschen, wo Ruhe und Bodenständigkeit zu spüren ist, und das kann ich schwer über einen für mich anonymen Beitrag vermitteln. Trotzdem sind neue Formate entstanden. Meine Tagesworkshops habe ich verkürzt und jeweils mit einer Person durchgeführt. Es gestaltete sich zwar für mich etwas aufwendiger, aber die Ergebnisse waren sehr intensiv. Als Nächstes wurde die Idee einer Jahresbegleitung geboren, die aus einer Kombination von schriftlichen Monatsimpulsen mit Anleitungen und persönlichen Coachingeinheiten bestand. Im täglichen Tun erkannte ich, dass ich telefonisch sehr gut begleiten kann. Der Vorteil dabei ist, dass meine Klienten sich schneller und tiefer öffnen, weil gerade die fehlende Sichtbarkeit Schutz bietet.

Die von Corona erzwungene Auszeit hat mir Chancen und Möglichkeiten gezeigt, die ich vorher nie erkannt hätte. Ich mache jetzt vermehrt die Dinge, die mich glücklich machen; nicht zu wissen, was die Zukunft bringt, ist eine Herausforderung, die ich angenommen und auch in meine Arbeit integriert habe.

Heute lebe ich bewusster und intensiver, davon profitieren auch die Menschen in meinem Umfeld und besonders die, mit denen ich zusammenarbeite. Außerdem erlaube ich mir auch Nein zu sagen, wenn es nötig ist. Denn ein klares NEIN bedeutet immer ein JA an mich.

Einleitung

Die IHK für München und Oberbayern setzt sich dafür ein, dass mehr Frauen Unternehmen gründen oder übernehmen. Mehr Frauen als Firmeninhaberinnen sollen das nach wie vor überwiegend männlich geprägte Unternehmertum um ein Unternehmerinnentum bereichern. Um dies zu erreichen, präsentiert die IHK Unternehmerinnen, macht Unternehmerinnen als Role-Models sichtbar, erarbeitet Ansatzpunkte für mehr weibliches Unternehmertum, vernetzt Unternehmerinnen über vielfältige Angebote und vertritt ihre Interessen gegenüber der Politik.

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Zahlen und Fakten

Etwa 30 Prozent der rund 400.000 IHK-Mitgliedsunternehmen in Oberbayern werden aktuell von Frauen geführt oder mitgeführt. Bei den in das Handelsregister eingetragenen Unternehmen sind es 17, bei den Kleingewerbetreibenden 35 Prozent. Auffällig ist, dass in Oberbayern nur 4 Prozent der großen (mit mehr als 1000 MitarbeiterInnen) beziehungsweise 13 Prozent der industriellen Unternehmen von Frauen geführt werden. Unter den Gründungen der vergangenen zwei Jahre lag der Anteil der Frauen bei den Kleingewerbetreibenden bei 32 Prozent, bei den Handelsregisterunternehmen bei 12 Prozent. Insbesondere bei technologie-orientierten Startups ist der Anteil der Gründerinnen noch sehr gering.
Die oberbayerischen Zahlen korrelieren mit den bundesweiten: Erhebungen zeigen, dass rund ein Drittel der Selbstständigen Frauen sind. Dabei geht die Zahl der von Frauen geführten Unternehmen – laut Angaben der Förderbank KfW – derzeit nach zweijährigem Rückgang wieder leicht nach oben. Wie auch in Oberbayern, führen Frauen bundesweit vor allem kleine und mittelständische Firmen. Viele sind freiberuflich tätig und arbeiten zu einem Großteil allein. Die in der öffentlichen Wahrnehmung besonders präsenten Unternehmen werden noch immer vorwiegend von Männern geleitet.

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Gründerinnen

Die Unternehmerinnenrolle ist in unserer gesellschaftlichen Vorstellung weniger klar modelliert und verankert – im Gegensatz zu der des Unternehmers. In der Folge beschäftigen sich Frauen auch weniger häufig mit der Option, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Bis heute fehlt es an weiblichen Vorbildern. Dies gilt insbesondere für den technologieorientierten Startup-Bereich.
Viele Frauen erleben die Rahmenbedingungen einer Gründung nicht immer als förderlich: So kritisieren sie die Finanzierung zu Anfang der Gründung als bürokratisch und aufwändig. Sie vermissen eine kompetente Finanzberatung. Auch bei der Investorensuche fehlt ihnen Unterstützung. Gerade bei Förderprogrammen im Technologiebereich fühlen sie sich häufig nicht angesprochen. Zugleich vermissen Frauen im Gründungsprozess eine längere sowie eine spezifischere und persönlichere Begleitung. Da Frauen stärker beziehungsorientiert arbeiten, sind ihnen Netzwerke zum Wissensaustausch sehr wichtig. Sie wollen aus den Erfahrungen anderer lernen. Darüber hinaus haben Gründerinnen und Unternehmerinnen neben der Gründung oft auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu managen. Mit speziellem Blick auf die Startups: Der Anteil weiblicher Startups ist zwar in den letzten Jahren gestiegen, liegt aber mit aktuell 15,1 % weit hinter den männlichen Startup-Gründungen zurück. Die technische Qualifikation von Frauen kann dafür nur bedingt als Erklärung dienen. Der Anteil der Frauen unter den Studienbeginnern liegt derzeit bis auf die Ingenieurwissenschaften in allen Fächern bei rund 50 %. Startups lassen durch ihre technologische Ausrichtung Nebenerwerbsgründungen eher nicht zu und fordern mehr Gründungskapital. Typisch ist gerade im Startup-Bereich die Nutzung von Venture Capital (VC). Hier gibt es nur erste speziell auf Frauen abgestimmte Ansätze. Zudem sind im Venture-Capital-Bereich Frauen als Investorinnen/Business Angels deutlich weniger vertreten als Männer. Zahlen aus den Vereinigten Staaten legen nahe, dass zwischen der Menge an weiblichen technologieorientierten Startup-Gründungen und weiblichen Business Angels ein Zusammenhang besteht. Der Mangel an weiblichen Business Angels könnte sich im Startup-Bereich sowohl bezüglich der Begleitung als auch der Finanzierung gründungserschwerend auswirken, zumal weibliche Business Angels die typisch weibliche Herangehensweise besser nachvollziehen können und bei ihrer Begleitung berücksichtigen. (Die Einschätzungen dieses Kapitels entstammen verschiedenen Quellen, unter anderem der IHK-Studie „Unternehmerinnen in Oberbayern“.)

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Nachfolgerinnen

In den kommenden Jahren rollt eine große Welle von Unternehmensnachfolgen auf Deutschland zu. Allein in Bayern stehen zwischen 2017 und 2021 nahezu 30.000 Betriebe mit rund 500.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vor einem Generationswechsel. Durch den derzeitigen hohen Druck im Übergabemarkt werden die Chancen für Töchter oder Käuferinnen (MBO/MBI) die Nachfolge anzutreten, immer besser.
Es ist mittlerweile schon fast selbstverständlich geworden, dass Frauen Unternehmen kaufen oder als Töchter übernehmen, dass also leistungs- und nicht geschlechtsbezogen über die Nachfolge entschieden wird. Waren vor rund zehn Jahren Töchter noch deutlich die sogenannte „zweite Wahl“, sind Frauen heute immer seltener die Notlösung mangels männlicher Interessenten. Dennoch spielt das Geschlecht bei der Nachfolgewahl nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Rolle. Frauen haben trotz vieler gesellschaftlicher Fortschritte schwierigere Nachfolgevoraussetzungen und -strukturen. Schon allein, weil sie aufgrund gesellschaftlicher Rollenmuster für sich nach wie vor tendenziell weniger die Option zur Selbständigkeit sehen.
Bei innerfamiliären Übergaben wünschen sich 70 % der Übergebenden nach wie vor die Übergabe an einen Sohn. Nach Geschlecht differenziert bevorzugen 73 % der Seniorunternehmer und 45 % der Seniorunternehmerinnen Söhne. Nachfolgerinnen führen im Gegensatz zu den männlichen Nachfolgern Unternehmen mit weniger MitarbeiterInnen, also kleinere Unternehmen. So lenken 33 % der Nachfolger, aber lediglich 20 % der Nachfolgerinnen Unternehmen mit mehr als 500 MitarbeiterInnen. Nachfolgerinnen leiten zudem jüngere Unternehmen, was zum Teil mit der Größe einhergeht. So führen ab der vierten Generation nur 11 % der Nachfolgerinnen, aber noch 20 % der Nachfolger die Familienunternehmen.
Nachfolgerinnen übernehmen 63 % der Familienaufgaben (Haushalt und Kinder). Diese Doppelrolle stellt eine erhebliche Belastung für Nachfolgerinnen dar. Auch streben Frauen, die Familie und Beruf vereinbaren müssen, seltener eine Nachfolge an. Die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen hält Frauen somit tendenziell am stärksten von der Nachfolge ab. Zudem wünschen sich Frauen mehr Beratungsangebote und Coachings zur Selbständigkeit. (Die Zahlen entstammen verschiedenen Quellen: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, bundesweite gründerinnnenagentur, Wittener Institut für FamilienUnternehmen, Institut für Mittelstandsforschung.)

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Noch viel Luft nach oben

Unterm Strich liegt also noch zu viel weibliches Gründungs-, Nachfolge- und damit unternehmerisches Potenzial brach – insbesondere im Technologiebereich. Es ist noch viel Luft nach oben.
Innerhalb von Unternehmen bewähren sich gemischte Teams, weil kluge Köpfe mit unterschiedlichen Hintergründen ihre Stärken, Talente und Ideen zusammenbringen und so innovativer und stärker sind. Das gleiche gilt auch für die Unternehmerschaft insgesamt. Frauen führen und arbeiten anders, setzen andere Schwerpunkte, betrachten Dinge anders. Das bereichert auch einen Standort und bringt die Wirtschaft insgesamt voran. Damit das aber gelingt und sich multipliziert, müssen Unternehmerinnen als Rollenvorbilder sichtbarer werden. Und dazu trägt die IHK für München und Oberbayern ihren Teil bei. Damit das Potenzial der Frauen in der Wirtschaft sichtbarer wird, andere Frauen ermutigt werden, zu gründen oder die Nachfolge anzutreten, die politischen Interessen von Unternehmerinnen besser vertreten werden, hat die IHK für München und Oberbayern zahlreichen Aktivitäten und Initiativen ergriffen.

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IHK macht Unternehmerinnen sichtbar

Arbeitskreis „Frauen in der Wirtschaft“
Der AK besteht aus rund 50 Unternehmerinnen. Seine Ziele sind vor allem, Frauen und ihre Bedeutung für die Wirtschaft sichtbar zu machen. Alle Frauenaktivitäten der IHK – die zum Teil schon vor der Gründung des Arbeitskreises begonnen haben – versammeln sich nun unter der Flagge des AK Frauen. Zudem beteiligt sich der AK durch die Verabschiedung von Positionen an der politischen Meinungsbildung und damit an der Interessenvertretung durch die IHK. Er verleiht den Positionen von Frauen in der Wirtschaft auch in der Vollversammlung Gewicht.
IHK-Arbeitskreise

IHK-Unternehmerinnentag
Seit 2013 lädt die IHK für München und Oberbayern in jedem Sommer zum großen Unternehmerinnentag. Mehr als 250 Frauen – von der Solopreneurin über die Mittelständlerin bis zu Konzernmanagerin – folgen der Einladung. Das Programm punktet mit einer spannenden Keynote, zum Abschluss setzt jeweils eine Kabarettistin humoristische Akzente.
Unternehmerinnentag 2020

IHK-Facebook-Gruppe „unternehmerinnen.digital“
Die IHK-Facebook-Gruppe „unternehmerinnen.digital“ ist eine geschlossene Gruppe ausschließlich für Unternehmerinnen. Mittlerweile hat sie fast 900 Mitglieder. Die Mitglieder erhalten Informationen, können sich austauschen und vernetzen und sie unterstützen die IHK bei der Interessenvertretung. Denn über regelmäßige Umfragen in der Gruppe findet die IHK auch heraus, wo bei den Unternehmerinnen der Schuh drückt. Mittlerweile gibt es auch zusätzliche Offline-Angebote. Regelmäßig treffen sich Mitglieder, um „Inspirationen zum Frühstück“ zu erhalten.
IHK-Facebook-Gruppe "unternehmerinnen.digital"

Girls‘ Day oder „Ich werde Chefin!“
Schon im Kindergarten, spätestens aber in der Schule und vor allem vor der Wahl des Studienfaches muss bei Kindern und jungen Erwachsenen das Interesse für die Selbständigkeit geweckt werden. Hierbei müssen insbesondere Mädchen und junge Frauen stärker für die eigene Selbständigkeit begeistert werden. Der IHK-Arbeitskreis „Frauen in der Wirtschaft“ (siehe unten) startete zum bundesweiten Girls‘ Day im März 2019 erstmals die Aktion „Ich werde Chefin!“. Schülerinnen aus dem gesamten Kammerbezirk wurden eingeladen, Unternehmerinnen in ihren Betrieben zu besuchen, ihre Unternehmen kennenzulernen und mit ihnen über das Thema Selbständigkeit zu sprechen. Insgesamt 35 Unternehmerinnen boten Gespräche an, mehr als 200 Schülerinnen nahmen das Angebot an.
Wer Gastgeberin sein möchte, melde sich bei gabriele.lueke@muenchen.ihk.de
Girls' Day 2020

„Unternehmerinnen in Schulen“
Über den IHK-Arbeitskreis „Frauen in der Wirtschaft“ startete die IHK das Projekt „Unternehmerinnen in Schulen“. An ausgewählten Schulen besuchen Unternehmerinnen den Unterricht oder laden Schülerinnen in ihre Unternehmen ein. Sie begeistern fürs Unternehmerinnentum, indem sie ihr Unternehmen vorstellen und über ihre Erfahrungen als Unternehmerinnen berichten. Wer Interesse hat, sich zu beteiligen, melde sich bei gabriele.lueke@muenchen.ihk.de

Kooperationen mit Hochschulen
Um das Unternehmerinnentum auch an die Universitäten zu tragen, steht die IHK in regelmäßigem Kontakt zu verschiedenen Münchner Hochschulen. Die weiblichen Studierenden werden zu Veranstaltungen eingeladen. Auf dem Unternehmerinnentag gibt es seit zwei Jahren Startup-Pitches – einige der vorgestellten Unternehmen sind aus Universitäten heraus entstanden.

Unternehmerinnen-Sonderhefte
Neben der digitalen Sichtbarkeit sorgt die IHK auch in klassischer Papierform dafür, dass das Potenzial von Frauen, insbesondere von Unternehmerinnen sichtbar wird. Bisher erschienen vier Frauen-Sonderhefte. Sie stehen rechts zum Download bereit. Das aktuelle Sonderheft "Unternehmerinnen: dynamisch. erfolgreich." ist frisch im November 2019 erschienen.

Veranstaltungsreihe „Unternehmerinnen im Gespräch“
Gemeinsam mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen rief die IHK im Jahr 2014 die Reihe „Unternehmerinnen im Gespräch“ ins Leben. Dreimal im Jahr besuchen wir Unternehmerinnen, die ihr Unternehmen vorstellen, aber vor allem auch ihre Beweggründe, sich selbstständig zu machen, ihre Begeisterung für die Selbstständigkeit und ihre Führungsphilosophie erklären.

Karrieremesse herCAREER
Von Beginn an unterstützt diese in der Region einzigartige und sehr erfolgreiche Karrieremesse für Frauen – um damit Frauen zu Karrieren, Gründungen und mehr Sichtbarkeit zu ermutigen. Wir sind mit einem Info-Stand, Meetups und einer Podiumsdiskussion präsent.
herCAREER

Unterstützung des Mentoringprogramms „TWIN–TwoWomenWin“der Käte Ahlmann Stiftung
Die Käte Ahlmann Stiftung bietet ein Mentoring-Programm speziell für Jungunternehmerinnen an. Der Verband deutscher Unternehmerinnen und die IHK für München und Oberbayern unterstützen dieses Programm. Der Ansatz sieht ein Mentoring von Unternehmerinnen für Unternehmerinnen vor. „TWIN–TwoWomenWin“ heißt das Projekt. Jungunternehmerinnen, die bereits mehr als ein Jahr am Markt sind, sowie Unternehmerinnen, die sich nach längerer Phase der Selbstständigkeit Unterstützung wünschen, sind die Zielgruppe. Sie bekommen eine erfahrene Unternehmerin als Ratgeberin zur Seite stellt.
Mentoringprogramm TWIN

Besondere Angebote für Solopreneurinnen und Kleinunternehmerinnen
Die absolute Mehrheit der Mitglieder der IHK für München und Oberbayern sind Solopreneuere oder Unternehmen mit weniger als zehn MitarbeiterInnen. Von diesen Unternehmen werden 35 Prozent von Frauen geführt. Die IHK versteht die speziellen Bedürfnisse dieser Gruppe und bietet deshalb für Solo- und KleinunternehmerInnen gezielte Informations- und Serviceleistungen an:
IHK-Angebot für Selbstständige und Kleinunternehmer
Zugleich bedient die IHK auch Gründerinnen mit vielen Informationen:
IHK-Angebot für Gründerinnen und Gründer

Bundesweite Initiative „Frauen unternehmen“
Da Frauen insbesondere als Freiberuflerinnen und in kleinen Unternehmen aktiv sind, rief das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Initiative „Frauen unternehmen“ ins Leben. Ziel der Initiative „Frauen unternehmen“ ist die Ermutigung der Frauen zur Entscheidung für die Selbstständigkeit. Dazu dienen erfahrene und erfolgreiche Vorbilder aus der Wirtschaft. Die Initiative konnte zu diesem Zweck bundesweit mehr als 100 Unternehmerinnen gewinnen. Die IHK unterstützt diese Aktion.
BMWi-Initiative "Frauen unternehmen"

Angebote zu Chancengerechtigkeit und Familienfreundlichkeit
Die IHK verliert auch die Arbeitnehmerinnen nicht aus dem Blick – zumal gemischte Teams aus Frauen und Männern Unternehmen erfolgreicher machen. Zu beiden Themen bietet sie Veranstaltungen und Publikationen. Unter anderem die jährliche Roadshow zum Thema „Fachkräftesicherung durch mehr Familienfreundlichkeit“ oder die Reihe „Digital Women“. Diese rät Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung bei der Rekrutierung von Fach-und Führungskräften ihr Augenmerk besonders auf die Frauen zu legen. Denn Frauen sind ein wichtiges Fachkräftereservoir und bringen zahlreiche Skills mit, die Unternehmen für die Digitalisierung brauchen.
Fachkräfte/Chancengerechtigkeit
Fachkräfte/Familienfreundlichkeit

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Praxisorientierte Vorschläge für mehr Unternehmerinnentum ‎

Um mehr Frauen zu (Technologie-) Gründungen, zum Kauf und zur Nachfolge zu ermutigen, sind die Option der eigenen Selbständigkeit, Vorbilder, eine passgenaue Finanzierung und bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmensführung wichtige Ansatzpunkte. Der IHK-Arbeitskreis „Frauen in der Wirtschaft“ (siehe auch oben) hat Vorschläge entwickelt, wie sich Unternehmerinnentum stärken lässt, wie sich mehr Frauen zu Gründungen, Unternehmenskäufen und Nachfolgen bewegen lassen.
Die IHK für München und Oberbayern setzt zu vielen dieser Vorschläge mit Unterstützung engagierter Unternehmerinnen eigene Initiativen um und macht zur Ermutigung Role-Models sichtbar. Kommentare und weitere Vorschläge bitte an Elfriede Kerschl, Leiterin des Referats Wirtschaftspolitik, Fachkräfte, Frauen in der Wirtschaft: elfriede.kerschl@muenchen.ihk.de

So früh wie möglich zur Selbstständigkeit ermutigen: Bereits Schülerinnen muss die Option der Selbständigkeit und das unternehmerische Denken nahe gebracht werden. Während insbesondere MINT-Studentinnen an den Universitäten und Hochschulen durch vielfache Angebote zu technologischen Gründungen ermutigt und gezielt Gründungs-Know-how vermittelt bekommen, findet an den Schulen noch vergleichsweise wenig Motivation zur Selbständigkeit statt. Gerade hier aber gilt es, die Mädchen gezielt zu fördern und die Gründung des eigenen Unternehmens spielerisch und über Vorbilder in den Blickpunkt zu stellen. Initiativen wie z.B. die Arbeitskreise Schule – Wirtschaft, das Projekt JUNIOR oder die bundesweite Online-Plattform STARTUP TEENS leisten hier einen wichtigen Beitrag auf dem Weg in die eigene Selbständigkeit und sollten unterstützt werden. Zudem sollten aber auch ältere Frauen ermutigt werden, die Selbständigkeit als Option zu prüfen. Die IHK hat dazu ein eigenes Projekt zum Girls‘ Day und die Initiative „Unternehmerinnen in Schulen“ gestartet.

Role-Models sichtbar machen: Vorbilder werden auf mehreren Ebenen gebraucht: Unternehmerinnen, Startup-Gründerinnen, Nachfolgerinnen, Käuferinnen oder auch weibliche Business Angels müssen als Leuchttürme gezielt sichtbar gemacht werden, um attraktive Rollenvorbilder zu schaffen. Hier unterstützt die IHK mit Sonderpublikationen, dem Unternehmerinnentag und vielem mehr.

Spezifische Beratungsbedürfnisse von Frauen berücksichtigen: Bei der Beratung muss den spezifischen Bedürfnissen von Frauen nach Information und Begleitung stärker Rechnung getragen werden. Dies kann über einen Aus-/Umbau der Beratungsstrukturen geschehen, aber auch über mehr Vernetzung. Die Beratungsangebote müssen mit ausreichend Mitteln ausgestattet und auch besser beworben werden. Das Erstberatungsangebot der IHK ist entsprechend spezifisch.

Unterstützungsstrukturen ausweiten: Mentoring-/Coaching-Ansätze wie z.B. TWIN oder das HVB-Mentorinnen Programm mit erfahrenen Unternehmerinnen und Gründerinnen leisten einen wichtigen Beitrag und sollten forciert werden. Die IHK unterstützt das Mentoringangebot der Käte Ahlmann Stiftung TWIN - Two Women Win.

Frauen zum „Think bigger“ ermutigen: Frauen gründen oder übernehmen bisher eher kleinere und jüngere Unternehmen. Es gilt, sie zu ermutigen, sich auch für größere und traditionelle Unternehmen zu interessieren.

Finanzierungsstrukturen erweitern: Frauen sollten besser über Finanzierungsformen, darunter auch über verstärkt moderne Finanzierungsformen wie Crowd investing oder VC-Capital informiert werden. Spezielle Risikokapitalfonds für Frauen oder FemTech-Angebote innerhalb eines Fonds würden Frauen den Kapitalzugang erleichtern. Es braucht zudem mehr weibliche Business Angels im VC-Bereich. Gemischte VC-Gremien können den Anforderungen von Frauen in Bezug auf Unterstützung wie Finanzierung besser entgegenkommen als rein männlich besetzte Gremien. Es gilt daher, erfahrene Unternehmerinnen zu bewegen, Business Angels zu werden und vor allem Frauen zu begleiten. Organisationen wie Bay StartUP können dazu beitragen, indem sie sich besonders intensiv auch um die Rekrutierung weiblicher Business Angels bemühen, diese als Rollenvorbilder sichtbar machen und dabei die besondere Herangehensweise weiblicher Business Angels herausstellen. Zugleich müssen Frauen auch ausreichend Kredite bzw. Kreditprogramme in kleinerem Umfang zur Verfügung stehen, um so ihren Gründungsspezifika besser gerecht zu werden. Die IHK informiert über Fördermöglichkeiten.

Übergebende sensibilisieren: In Nachfolgeberatungen und Veranstaltungen, die sich an Übergebende richten, müssen Töchter und Käuferinnen stärker als bisher als potenzielle Nachfolgerinnen ins Bewusstsein gebracht werden. Die IHK macht dies in Veranstaltung sichtbar.

Spezifische Beratungsangebote und Coachings für Nachfolgerinnen auf- und ausbauen: Frauen, die sich zur Gründung beraten lassen, müssen verstärkt auf die Möglichkeiten von Nachfolge/Kauf hingewiesen werden. Spezifische Mediationsangeboten könnten dazu beitragen, bei Übergebenden und Nachfolgenden Konflikte zu vermeiden. Die IHK wirkt darauf hin.

Offenere Matchingkultur fördern: Es sollte mehr Transparenz und Wissen geschaffen werden über Unternehmen, die einen Nachfolger suchen. Zudem sollten Foren entstehen, auf denen sich potenzielle Übergebende und Käuferinnen und Käufer kennenlernen können. Dadurch werden Frauen sichtbarer, so können sich auch ihre Optionen als Nachfolgerinnen verbessern. Die IHK wirkt darauf hin.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern: Die Rahmenbedingungen der Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum müssen optimiert werden. Gerade Betreuungsangebote in den Randzeiten nach 17 Uhr und an Wochenenden und Ferien sind für Unternehmerinnen ohne feste Bürozeiten besonders wichtig. Zugleich wird die Politik aufgefordert, an die Väter zu appellieren, sich intensiver als bisher an der Familienarbeit zu beteiligen sowie Unternehmen und Gründer zu ermutigen, die Väter mehr als bislang in die Vereinbarkeit einzubeziehen. Selbstständige Frauen brauchen noch bessere Informationen, z.B. wie Unterstützung im Mutterschutz und die Elternzeit funktioniert. Die IHK hat dazu zahlreiche Informationsangebote und bringt zudem immer wieder das Thema Väterfreundlichkeit ins Spiel.

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Studie: Unternehmerinnen und Unternehmer agieren ähnlich

Generell ist die Meinung weit verbreitet, Frauen und Männer würden im Geschäftsleben völlig verschieden agieren. Im Rahmen der Studie „Unternehmerinnen in Oberbayern“ konnte die IHK diese Meinung jedoch als Vorurteil entlarven. So sind die Gründe, warum Männer und Frauen Unternehmen gründen, bei beiden Geschlechtern dieselben. Sie wünschen sich mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Das größte Problem stellt für Frauen und Männer gleichermaßen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf während der Gründungsphase dar. Bei den Frauen gibt es eine marginal größere Anzahl, die sich besonders in der Anfangszeit als Selbstständige weniger akzeptiert fühlen.
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Zusammenfassung

München und Oberbayern ist eine wirtschaftlich erfolgreiche Region. Damit das so bleibt, braucht es aber auch mehr Frauen an der Spitze von Unternehmen. Und da ist im Kammerbezirk weiterhin Luft nach oben.
Innerhalb von Unternehmen bewähren sich gemischte Teams, weil kluge Köpfe mit unterschiedlichen Hintergründen ihre Stärken, Talente und Ideen zusammenbringen und so innovativer und stärker sind. Das gleiche gilt auch für die Unternehmerschaft insgesamt. Frauen führen und arbeiten anders, setzen andere Schwerpunkte, betrachten Dinge anders. Das erweitert den Horizont, bereichert eine Region. Unterm Strich bringt das die Wirtschaft insgesamt voran. Damit das aber gelingt, müssen Unternehmerinnen als Rollenvorbilder sichtbarer werden. Und dazu trägt die IHK für München und Oberbayern ihren Teil bei.

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Ingrid Obermeier-Osl ist in der Minderheit - zumindest in ihrem Job. Weil sie eine Frau ist. Sie ist Chefin eines Holzunternehmens. Schon lange engagiert sich die IHK-Vizepräsidentin für mehr Frauen in Unternehmen und Führungspositionen.

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