IHK Ratgeber

Unternehmerinnen

045_unternehmerinnentag_2018

Inhaltsnavigation

  • Einleitung
  • Zahlen und Fakten
  • Gründerinnen
  • Nachfolgerinnen
  • Noch viel Luft nach oben
  • Die IHK macht Unternehmerinnen sichtbar
    • IHK-Unternehmerinnentag
    • IHK-Facebook-Gruppe „unternehmerinnen.digital“
    • Girls‘ Day oder „Ich werde Chefin!“
    • „Unternehmerinnen in Schulen“
    • Kooperationen mit Hochschulen
    • Unternehmerinnen-Sonderhefte
    • Veranstaltungsreihe „Unternehmerinnen im Gespräch“
    • Karrieremesse herCAREER
    • Unterstützung des Mentoringprogramms „TWIN–TwoWomenWin“ der Käte Ahlmann Stiftung
    • Besondere Angebote für Solopreneurinnen und Kleinunternehmerinnen
    • Bundesweite Initiative „Frauen unternehmen“
    • Angebote zu Chancengerechtigkeit und Familienfreundlichkeit

Einleitung

Die IHK für München und Oberbayern setzt sich dafür ein, dass mehr Frauen Unternehmen gründen oder übernehmen. Mehr Frauen als Firmeninhaberinnen sollen das nach wie vor überwiegend männlich geprägte Unternehmertum um ein Unternehmerinnentum bereichern. Um dies zu erreichen, präsentiert die IHK Unternehmerinnen, macht Unternehmerinnen als Role-Models sichtbar, erarbeitet Ansatzpunkte für mehr weibliches Unternehmertum, vernetzt Unternehmerinnen über vielfältige Angebote und vertritt ihre Interessen gegenüber der Politik.

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Zahlen und Fakten

Etwa 30 Prozent der rund 400.000 IHK-Mitgliedsunternehmen in Oberbayern werden aktuell von Frauen geführt oder mitgeführt. Bei den in das Handelsregister eingetragenen Unternehmen sind es 17, bei den Kleingewerbetreibenden 35 Prozent. Auffällig ist, dass in Oberbayern nur 4 Prozent der großen (mit mehr als 1000 MitarbeiterInnen) beziehungsweise 13 Prozent der industriellen Unternehmen von Frauen geführt werden. Unter den Gründungen der vergangenen zwei Jahre lag der Anteil der Frauen bei den Kleingewerbetreibenden bei 32 Prozent, bei den Handelsregisterunternehmen bei 12 Prozent. Insbesondere bei technologie-orientierten Startups ist der Anteil der Gründerinnen noch sehr gering.
Die oberbayerischen Zahlen korrelieren mit den bundesweiten: Erhebungen zeigen, dass rund ein Drittel der Selbstständigen Frauen sind. Dabei geht die Zahl der von Frauen geführten Unternehmen – laut Angaben der Förderbank KfW – derzeit nach zweijährigem Rückgang wieder leicht nach oben. Wie auch in Oberbayern, führen Frauen bundesweit vor allem kleine und mittelständische Firmen. Viele sind freiberuflich tätig und arbeiten zu einem Großteil allein. Die in der öffentlichen Wahrnehmung besonders präsenten Unternehmen werden noch immer vorwiegend von Männern geleitet.

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Gründerinnen

Die Unternehmerinnenrolle ist in unserer gesellschaftlichen Vorstellung weniger klar modelliert und verankert – im Gegensatz zu der des Unternehmers. In der Folge beschäftigen sich Frauen auch weniger häufig mit der Option, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Bis heute fehlt es an weiblichen Vorbildern. Dies gilt insbesondere für den technologieorientierten Startup-Bereich.
Viele Frauen erleben die Rahmenbedingungen einer Gründung nicht immer als förderlich: So kritisieren sie die Finanzierung zu Anfang der Gründung als bürokratisch und aufwändig. Sie vermissen eine kompetente Finanzberatung. Auch bei der Investorensuche fehlt ihnen Unterstützung. Gerade bei Förderprogrammen im Technologiebereich fühlen sie sich häufig nicht angesprochen. Zugleich vermissen Frauen im Gründungsprozess eine längere sowie eine spezifischere und persönlichere Begleitung. Da Frauen stärker beziehungsorientiert arbeiten, sind ihnen Netzwerke zum Wissensaustausch sehr wichtig. Sie wollen aus den Erfahrungen anderer lernen. Darüber hinaus haben Gründerinnen und Unternehmerinnen neben der Gründung oft auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu managen. Mit speziellem Blick auf die Startups: Der Anteil weiblicher Startups ist zwar in den letzten Jahren gestiegen, liegt aber mit aktuell 15,1 % weit hinter den männlichen Startup-Gründungen zurück. Die technische Qualifikation von Frauen kann dafür nur bedingt als Erklärung dienen. Der Anteil der Frauen unter den Studienbeginnern liegt derzeit bis auf die Ingenieurwissenschaften in allen Fächern bei rund 50 %. Startups lassen durch ihre technologische Ausrichtung Nebenerwerbsgründungen eher nicht zu und fordern mehr Gründungskapital. Typisch ist gerade im Startup-Bereich die Nutzung von Venture Capital (VC). Hier gibt es nur erste speziell auf Frauen abgestimmte Ansätze. Zudem sind im Venture-Capital-Bereich Frauen als Investorinnen/Business Angels deutlich weniger vertreten als Männer. Zahlen aus den Vereinigten Staaten legen nahe, dass zwischen der Menge an weiblichen technologieorientierten Startup-Gründungen und weiblichen Business Angels ein Zusammenhang besteht. Der Mangel an weiblichen Business Angels könnte sich im Startup-Bereich sowohl bezüglich der Begleitung als auch der Finanzierung gründungserschwerend auswirken, zumal weibliche Business Angels die typisch weibliche Herangehensweise besser nachvollziehen können und bei ihrer Begleitung berücksichtigen. (Die Einschätzungen dieses Kapitels entstammen verschiedenen Quellen, unter anderem der IHK-Studie „Unternehmerinnen in Oberbayern“.)

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Nachfolgerinnen

In den kommenden Jahren rollt eine große Welle von Unternehmensnachfolgen auf Deutschland zu. Allein in Bayern stehen zwischen 2017 und 2021 nahezu 30.000 Betriebe mit rund 500.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vor einem Generationswechsel. Durch den derzeitigen hohen Druck im Übergabemarkt werden die Chancen für Töchter oder Käuferinnen (MBO/MBI) die Nachfolge anzutreten, immer besser.
Es ist mittlerweile schon fast selbstverständlich geworden, dass Frauen Unternehmen kaufen oder als Töchter übernehmen, dass also leistungs- und nicht geschlechtsbezogen über die Nachfolge entschieden wird. Waren vor rund zehn Jahren Töchter noch deutlich die sogenannte „zweite Wahl“, sind Frauen heute immer seltener die Notlösung mangels männlicher Interessenten. Dennoch spielt das Geschlecht bei der Nachfolgewahl nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Rolle. Frauen haben trotz vieler gesellschaftlicher Fortschritte schwierigere Nachfolgevoraussetzungen und -strukturen. Schon allein, weil sie aufgrund gesellschaftlicher Rollenmuster für sich nach wie vor tendenziell weniger die Option zur Selbständigkeit sehen.
Bei innerfamiliären Übergaben wünschen sich 70 % der Übergebenden nach wie vor die Übergabe an einen Sohn. Nach Geschlecht differenziert bevorzugen 73 % der Seniorunternehmer und 45 % der Seniorunternehmerinnen Söhne. Nachfolgerinnen führen im Gegensatz zu den männlichen Nachfolgern Unternehmen mit weniger MitarbeiterInnen, also kleinere Unternehmen. So lenken 33 % der Nachfolger, aber lediglich 20 % der Nachfolgerinnen Unternehmen mit mehr als 500 MitarbeiterInnen. Nachfolgerinnen leiten zudem jüngere Unternehmen, was zum Teil mit der Größe einhergeht. So führen ab der vierten Generation nur 11 % der Nachfolgerinnen, aber noch 20 % der Nachfolger die Familienunternehmen.
Nachfolgerinnen übernehmen 63 % der Familienaufgaben (Haushalt und Kinder). Diese Doppelrolle stellt eine erhebliche Belastung für Nachfolgerinnen dar. Auch streben Frauen, die Familie und Beruf vereinbaren müssen, seltener eine Nachfolge an. Die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen hält Frauen somit tendenziell am stärksten von der Nachfolge ab. Zudem wünschen sich Frauen mehr Beratungsangebote und Coachings zur Selbständigkeit. (Die Zahlen entstammen verschiedenen Quellen: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, bundesweite gründerinnnenagentur, Wittener Institut für FamilienUnternehmen, Institut für Mittelstandsforschung.)

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Noch viel Luft nach oben

Unterm Strich liegt also noch zu viel weibliches Gründungs-, Nachfolge- und damit unternehmerisches Potenzial brach – insbesondere im Technologiebereich. Es ist noch viel Luft nach oben.
Innerhalb von Unternehmen bewähren sich gemischte Teams, weil kluge Köpfe mit unterschiedlichen Hintergründen ihre Stärken, Talente und Ideen zusammenbringen und so innovativer und stärker sind. Das gleiche gilt auch für die Unternehmerschaft insgesamt. Frauen führen und arbeiten anders, setzen andere Schwerpunkte, betrachten Dinge anders. Das bereichert auch einen Standort und bringt die Wirtschaft insgesamt voran. Damit das aber gelingt und sich multipliziert, müssen Unternehmerinnen als Rollenvorbilder sichtbarer werden. Und dazu trägt die IHK für München und Oberbayern ihren Teil bei. Damit das Potenzial der Frauen in der Wirtschaft sichtbarer wird, andere Frauen ermutigt werden, zu gründen oder die Nachfolge anzutreten, die politischen Interessen von Unternehmerinnen besser vertreten werden, hat die IHK für München und Oberbayern zahlreichen Aktivitäten und Initiativen ergriffen.

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IHK macht Unternehmerinnen sichtbar

Arbeitskreis „Frauen in der Wirtschaft“
Der AK besteht aus rund 50 Unternehmerinnen. Seine Ziele sind vor allem, Frauen und ihre Bedeutung für die Wirtschaft sichtbar zu machen. Alle Frauenaktivitäten der IHK – die zum Teil schon vor der Gründung des Arbeitskreises begonnen haben – versammeln sich nun unter der Flagge des AK Frauen. Zudem beteiligt sich der AK durch die Verabschiedung von Positionen an der politischen Meinungsbildung und damit an der Interessenvertretung durch die IHK. Er verleiht den Positionen von Frauen in der Wirtschaft auch in der Vollversammlung Gewicht.
IHK-Arbeitskreise

IHK-Unternehmerinnentag
Seit 2013 lädt die IHK für München und Oberbayern in jedem Sommer zum großen Unternehmerinnentag. Mehr als 250 Frauen – von der Solopreneurin über die Mittelständlerin bis zu Konzernmanagerin – folgen der Einladung. Das Programm punktet mit einer spannenden Keynote, zum Abschluss setzt jeweils eine Kabarettistin humoristische Akzente.
Unternehmerinnentag 2020

IHK-Facebook-Gruppe „unternehmerinnen.digital“
Die IHK-Facebook-Gruppe „unternehmerinnen.digital“ ist eine geschlossene Gruppe ausschließlich für Unternehmerinnen. Mittlerweile hat sie fast 900 Mitglieder. Die Mitglieder erhalten Informationen, können sich austauschen und vernetzen und sie unterstützen die IHK bei der Interessenvertretung. Denn über regelmäßige Umfragen in der Gruppe findet die IHK auch heraus, wo bei den Unternehmerinnen der Schuh drückt. Mittlerweile gibt es auch zusätzliche Offline-Angebote. Regelmäßig treffen sich Mitglieder, um „Inspirationen zum Frühstück“ zu erhalten.
IHK-Facebook-Gruppe "unternehmerinnen.digital"

Girls‘ Day oder „Ich werde Chefin!“
Schon im Kindergarten, spätestens aber in der Schule und vor allem vor der Wahl des Studienfaches muss bei Kindern und jungen Erwachsenen das Interesse für die Selbständigkeit geweckt werden. Hierbei müssen insbesondere Mädchen und junge Frauen stärker für die eigene Selbständigkeit begeistert werden. Der IHK-Arbeitskreis „Frauen in der Wirtschaft“ (siehe unten) startete zum bundesweiten Girls‘ Day im März 2019 erstmals die Aktion „Ich werde Chefin!“. Schülerinnen aus dem gesamten Kammerbezirk wurden eingeladen, Unternehmerinnen in ihren Betrieben zu besuchen, ihre Unternehmen kennenzulernen und mit ihnen über das Thema Selbständigkeit zu sprechen. Insgesamt 35 Unternehmerinnen boten Gespräche an, mehr als 200 Schülerinnen nahmen das Angebot an.
Wer Gastgeberin sein möchte, melde sich bei gabriele.lueke@muenchen.ihk.de
Girls' Day 2020

„Unternehmerinnen in Schulen“
Über den IHK-Arbeitskreis „Frauen in der Wirtschaft“ startete die IHK das Projekt „Unternehmerinnen in Schulen“. An ausgewählten Schulen besuchen Unternehmerinnen den Unterricht oder laden Schülerinnen in ihre Unternehmen ein. Sie begeistern fürs Unternehmerinnentum, indem sie ihr Unternehmen vorstellen und über ihre Erfahrungen als Unternehmerinnen berichten. Wer Interesse hat, sich zu beteiligen, melde sich bei gabriele.lueke@muenchen.ihk.de

Kooperationen mit Hochschulen
Um das Unternehmerinnentum auch an die Universitäten zu tragen, steht die IHK in regelmäßigem Kontakt zu verschiedenen Münchner Hochschulen. Die weiblichen Studierenden werden zu Veranstaltungen eingeladen. Auf dem Unternehmerinnentag gibt es seit zwei Jahren Startup-Pitches – einige der vorgestellten Unternehmen sind aus Universitäten heraus entstanden.

Unternehmerinnen-Sonderhefte
Neben der digitalen Sichtbarkeit sorgt die IHK auch in klassischer Papierform dafür, dass das Potenzial von Frauen, insbesondere von Unternehmerinnen sichtbar wird. Bisher erschienen vier Frauen-Sonderhefte. Sie stehen rechts zum Download bereit. Das aktuelle Sonderheft "Unternehmerinnen: dynamisch. erfolgreich." ist frisch im November 2019 erschienen.

Veranstaltungsreihe „Unternehmerinnen im Gespräch“
Gemeinsam mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen rief die IHK im Jahr 2014 die Reihe „Unternehmerinnen im Gespräch“ ins Leben. Dreimal im Jahr besuchen wir Unternehmerinnen, die ihr Unternehmen vorstellen, aber vor allem auch ihre Beweggründe, sich selbstständig zu machen, ihre Begeisterung für die Selbstständigkeit und ihre Führungsphilosophie erklären.

Karrieremesse herCAREER
Von Beginn an unterstützt diese in der Region einzigartige und sehr erfolgreiche Karrieremesse für Frauen – um damit Frauen zu Karrieren, Gründungen und mehr Sichtbarkeit zu ermutigen. Wir sind mit einem Info-Stand, Meetups und einer Podiumsdiskussion präsent.
herCAREER

Unterstützung des Mentoringprogramms „TWIN–TwoWomenWin“der Käte Ahlmann Stiftung
Die Käte Ahlmann Stiftung bietet ein Mentoring-Programm speziell für Jungunternehmerinnen an. Der Verband deutscher Unternehmerinnen und die IHK für München und Oberbayern unterstützen dieses Programm. Der Ansatz sieht ein Mentoring von Unternehmerinnen für Unternehmerinnen vor. „TWIN–TwoWomenWin“ heißt das Projekt. Jungunternehmerinnen, die bereits mehr als ein Jahr am Markt sind, sowie Unternehmerinnen, die sich nach längerer Phase der Selbstständigkeit Unterstützung wünschen, sind die Zielgruppe. Sie bekommen eine erfahrene Unternehmerin als Ratgeberin zur Seite stellt.
Mentoringprogramm TWIN

Besondere Angebote für Solopreneurinnen und Kleinunternehmerinnen
Die absolute Mehrheit der Mitglieder der IHK für München und Oberbayern sind Solopreneuere oder Unternehmen mit weniger als zehn MitarbeiterInnen. Von diesen Unternehmen werden 35 Prozent von Frauen geführt. Die IHK versteht die speziellen Bedürfnisse dieser Gruppe und bietet deshalb für Solo- und KleinunternehmerInnen gezielte Informations- und Serviceleistungen an:
IHK-Angebot für Selbstständige und Kleinunternehmer
Zugleich bedient die IHK auch Gründerinnen mit vielen Informationen:
IHK-Angebot für Gründerinnen und Gründer

Bundesweite Initiative „Frauen unternehmen“
Da Frauen insbesondere als Freiberuflerinnen und in kleinen Unternehmen aktiv sind, rief das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Initiative „Frauen unternehmen“ ins Leben. Ziel der Initiative „Frauen unternehmen“ ist die Ermutigung der Frauen zur Entscheidung für die Selbstständigkeit. Dazu dienen erfahrene und erfolgreiche Vorbilder aus der Wirtschaft. Die Initiative konnte zu diesem Zweck bundesweit mehr als 100 Unternehmerinnen gewinnen. Die IHK unterstützt diese Aktion.
BMWi-Initiative "Frauen unternehmen"

Angebote zu Chancengerechtigkeit und Familienfreundlichkeit
Die IHK verliert auch die Arbeitnehmerinnen nicht aus dem Blick – zumal gemischte Teams aus Frauen und Männern Unternehmen erfolgreicher machen. Zu beiden Themen bietet sie Veranstaltungen und Publikationen. Unter anderem die jährliche Roadshow zum Thema „Fachkräftesicherung durch mehr Familienfreundlichkeit“ oder die Reihe „Digital Women“. Diese rät Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung bei der Rekrutierung von Fach-und Führungskräften ihr Augenmerk besonders auf die Frauen zu legen. Denn Frauen sind ein wichtiges Fachkräftereservoir und bringen zahlreiche Skills mit, die Unternehmen für die Digitalisierung brauchen.
Fachkräfte/Chancengerechtigkeit
Fachkräfte/Familienfreundlichkeit

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Praxisorientierte Vorschläge für mehr Unternehmerinnentum ‎

Um mehr Frauen zu (Technologie-) Gründungen, zum Kauf und zur Nachfolge zu ermutigen, sind die Option der eigenen Selbständigkeit, Vorbilder, eine passgenaue Finanzierung und bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmensführung wichtige Ansatzpunkte. Der IHK-Arbeitskreis „Frauen in der Wirtschaft“ (siehe auch oben) hat Vorschläge entwickelt, wie sich Unternehmerinnentum stärken lässt, wie sich mehr Frauen zu Gründungen, Unternehmenskäufen und Nachfolgen bewegen lassen.
Die IHK für München und Oberbayern setzt zu vielen dieser Vorschläge mit Unterstützung engagierter Unternehmerinnen eigene Initiativen um und macht zur Ermutigung Role-Models sichtbar. Kommentare und weitere Vorschläge bitte an Elfriede Kerschl, Leiterin des Referats Wirtschaftspolitik, Fachkräfte, Frauen in der Wirtschaft: elfriede.kerschl@muenchen.ihk.de

So früh wie möglich zur Selbstständigkeit ermutigen: Bereits Schülerinnen muss die Option der Selbständigkeit und das unternehmerische Denken nahe gebracht werden. Während insbesondere MINT-Studentinnen an den Universitäten und Hochschulen durch vielfache Angebote zu technologischen Gründungen ermutigt und gezielt Gründungs-Know-how vermittelt bekommen, findet an den Schulen noch vergleichsweise wenig Motivation zur Selbständigkeit statt. Gerade hier aber gilt es, die Mädchen gezielt zu fördern und die Gründung des eigenen Unternehmens spielerisch und über Vorbilder in den Blickpunkt zu stellen. Initiativen wie z.B. die Arbeitskreise Schule – Wirtschaft, das Projekt JUNIOR oder die bundesweite Online-Plattform STARTUP TEENS leisten hier einen wichtigen Beitrag auf dem Weg in die eigene Selbständigkeit und sollten unterstützt werden. Zudem sollten aber auch ältere Frauen ermutigt werden, die Selbständigkeit als Option zu prüfen. Die IHK hat dazu ein eigenes Projekt zum Girls‘ Day und die Initiative „Unternehmerinnen in Schulen“ gestartet.

Role-Models sichtbar machen: Vorbilder werden auf mehreren Ebenen gebraucht: Unternehmerinnen, Startup-Gründerinnen, Nachfolgerinnen, Käuferinnen oder auch weibliche Business Angels müssen als Leuchttürme gezielt sichtbar gemacht werden, um attraktive Rollenvorbilder zu schaffen. Hier unterstützt die IHK mit Sonderpublikationen, dem Unternehmerinnentag und vielem mehr.

Spezifische Beratungsbedürfnisse von Frauen berücksichtigen: Bei der Beratung muss den spezifischen Bedürfnissen von Frauen nach Information und Begleitung stärker Rechnung getragen werden. Dies kann über einen Aus-/Umbau der Beratungsstrukturen geschehen, aber auch über mehr Vernetzung. Die Beratungsangebote müssen mit ausreichend Mitteln ausgestattet und auch besser beworben werden. Das Erstberatungsangebot der IHK ist entsprechend spezifisch.

Unterstützungsstrukturen ausweiten: Mentoring-/Coaching-Ansätze wie z.B. TWIN oder das HVB-Mentorinnen Programm mit erfahrenen Unternehmerinnen und Gründerinnen leisten einen wichtigen Beitrag und sollten forciert werden. Die IHK unterstützt das Mentoringangebot der Käte Ahlmann Stiftung TWIN - Two Women Win.

Frauen zum „Think bigger“ ermutigen: Frauen gründen oder übernehmen bisher eher kleinere und jüngere Unternehmen. Es gilt, sie zu ermutigen, sich auch für größere und traditionelle Unternehmen zu interessieren.

Finanzierungsstrukturen erweitern: Frauen sollten besser über Finanzierungsformen, darunter auch über verstärkt moderne Finanzierungsformen wie Crowd investing oder VC-Capital informiert werden. Spezielle Risikokapitalfonds für Frauen oder FemTech-Angebote innerhalb eines Fonds würden Frauen den Kapitalzugang erleichtern. Es braucht zudem mehr weibliche Business Angels im VC-Bereich. Gemischte VC-Gremien können den Anforderungen von Frauen in Bezug auf Unterstützung wie Finanzierung besser entgegenkommen als rein männlich besetzte Gremien. Es gilt daher, erfahrene Unternehmerinnen zu bewegen, Business Angels zu werden und vor allem Frauen zu begleiten. Organisationen wie Bay StartUP können dazu beitragen, indem sie sich besonders intensiv auch um die Rekrutierung weiblicher Business Angels bemühen, diese als Rollenvorbilder sichtbar machen und dabei die besondere Herangehensweise weiblicher Business Angels herausstellen. Zugleich müssen Frauen auch ausreichend Kredite bzw. Kreditprogramme in kleinerem Umfang zur Verfügung stehen, um so ihren Gründungsspezifika besser gerecht zu werden. Die IHK informiert über Fördermöglichkeiten.

Übergebende sensibilisieren: In Nachfolgeberatungen und Veranstaltungen, die sich an Übergebende richten, müssen Töchter und Käuferinnen stärker als bisher als potenzielle Nachfolgerinnen ins Bewusstsein gebracht werden. Die IHK macht dies in Veranstaltung sichtbar.

Spezifische Beratungsangebote und Coachings für Nachfolgerinnen auf- und ausbauen: Frauen, die sich zur Gründung beraten lassen, müssen verstärkt auf die Möglichkeiten von Nachfolge/Kauf hingewiesen werden. Spezifische Mediationsangeboten könnten dazu beitragen, bei Übergebenden und Nachfolgenden Konflikte zu vermeiden. Die IHK wirkt darauf hin.

Offenere Matchingkultur fördern: Es sollte mehr Transparenz und Wissen geschaffen werden über Unternehmen, die einen Nachfolger suchen. Zudem sollten Foren entstehen, auf denen sich potenzielle Übergebende und Käuferinnen und Käufer kennenlernen können. Dadurch werden Frauen sichtbarer, so können sich auch ihre Optionen als Nachfolgerinnen verbessern. Die IHK wirkt darauf hin.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern: Die Rahmenbedingungen der Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum müssen optimiert werden. Gerade Betreuungsangebote in den Randzeiten nach 17 Uhr und an Wochenenden und Ferien sind für Unternehmerinnen ohne feste Bürozeiten besonders wichtig. Zugleich wird die Politik aufgefordert, an die Väter zu appellieren, sich intensiver als bisher an der Familienarbeit zu beteiligen sowie Unternehmen und Gründer zu ermutigen, die Väter mehr als bislang in die Vereinbarkeit einzubeziehen. Selbstständige Frauen brauchen noch bessere Informationen, z.B. wie Unterstützung im Mutterschutz und die Elternzeit funktioniert. Die IHK hat dazu zahlreiche Informationsangebote und bringt zudem immer wieder das Thema Väterfreundlichkeit ins Spiel.

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Studie: Unternehmerinnen und Unternehmer agieren ähnlich

Generell ist die Meinung weit verbreitet, Frauen und Männer würden im Geschäftsleben völlig verschieden agieren. Im Rahmen der Studie „Unternehmerinnen in Oberbayern“ konnte die IHK diese Meinung jedoch als Vorurteil entlarven. So sind die Gründe, warum Männer und Frauen Unternehmen gründen, bei beiden Geschlechtern dieselben. Sie wünschen sich mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Das größte Problem stellt für Frauen und Männer gleichermaßen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf während der Gründungsphase dar. Bei den Frauen gibt es eine marginal größere Anzahl, die sich besonders in der Anfangszeit als Selbstständige weniger akzeptiert fühlen.
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Zusammenfassung

München und Oberbayern ist eine wirtschaftlich erfolgreiche Region. Damit das so bleibt, braucht es aber auch mehr Frauen an der Spitze von Unternehmen. Und da ist im Kammerbezirk weiterhin Luft nach oben.
Innerhalb von Unternehmen bewähren sich gemischte Teams, weil kluge Köpfe mit unterschiedlichen Hintergründen ihre Stärken, Talente und Ideen zusammenbringen und so innovativer und stärker sind. Das gleiche gilt auch für die Unternehmerschaft insgesamt. Frauen führen und arbeiten anders, setzen andere Schwerpunkte, betrachten Dinge anders. Das erweitert den Horizont, bereichert eine Region. Unterm Strich bringt das die Wirtschaft insgesamt voran. Damit das aber gelingt, müssen Unternehmerinnen als Rollenvorbilder sichtbarer werden. Und dazu trägt die IHK für München und Oberbayern ihren Teil bei.

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