Fachkräfte-Report 2019

Fachkräftemangel in Bayern

Der Fachkräftemangel verschärft sich. Von 2018 bis 2030 wird der Engpass bayernweit von 260.000 auf 450.000 Menschen ansteigen. Knapp zehn Prozent aller Stellen werden 2030 vakant bleiben, sofern sich die Vorzeichen bis dahin nicht ändern. Das sind die Kernergebnisse des Fachkräfte-Reports 2019. Dieser basiert auf den Daten des vom Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR betreuten IHK Fachkräftemonitors.

Inhaltsnavigation

Kernergebnisse des Fachkräftereports 2019

fk_angebot_nachfrage
Copyright: IHK München
  • 2018 fehlten der bayerischen Wirtschaft über alle Branchen hinweg rund 260.000 Fachkräfte. Bis zum Jahr 2030 steigt der Engpass auf rund 450.000 Personen an.
  • Entscheidender Treiber der Entwicklung ist die Demografie: Von 2018 bis 2030 sinkt das Fachkräfteangebot um fast 1 Million Personen.
  • In absoluten Zahlen tritt der Fachkräftemangel am stärksten bei den Anforderungsniveaus „Fachkraft“ (v. a. berufliche Ausbildung) und „Spezialist“ (z. B. Meister, Fachkräfte mit Weiterbildung oder Bachelor) auf. In diesem Segment steigt der Mangel zusammengenommen von 214.000 (2018) auf 361.000 (2030). Beim Anforderungsniveau „Experte“ (v. a. Master-, Diplom-Abschluss o. ä.) steigt der Fachkräftemangel von 50.000 (2018) auf 87.000 (2030).
  • Besonders stark betroffen sind schon heute die Branchen „beratende und wirtschaftsnahe Dienstleistungen“, „personenbezogene Dienstleistungen“ sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.

Engpass nach Qualifikationen

qualifikationen
Copyright: IHK München

Von den rund 260.000 qualifizierten Arbeitskräften, die der bayerischen Wirtschaft 2018 fehlten, entfielen 50.000 auf das Niveau Experte, 66.000 auf das Niveau Spezialist und 148.000 auf das Niveau Fachkraft.

In Relation zur Gesamtnachfrage in den einzelnen Qualifikationsniveaus wird deutlich, dass vor allem Höherqualifizierte (Akademiker sowie Meister und beruflich Qualifizierte mit Weiterbildungen) von den Unternehmen dringend gesucht werden: Ca. jede 14. Stelle auf dem Niveau Experte und jede 13. Stelle auf dem Niveau Spezialist kann schon heute nicht mehr besetzt werden. Bis 2030 erhöht sich dieser Engpass weiter: Bei den Spezialisten kann dann jede 7. Stelle und bei den Experten jede 8. Stelle nicht mehr besetzt werden.

Aktuell tritt der Fachkräftemangel bereits besonders stark bei den Berufen mit technischer Ausrichtung auf. Hier fehlen 179.000 Arbeitskräfte. Bis 2030 wird sich der Engpass jedoch insbesondere bei den kaufmännischen Berufen dramatisch verschärfen auf dann 292.000 Arbeitskräfte (jede 9. Stelle unbesetzt).

Qualifikationen: Wer ist Experte, Spezialist oder Fachkraft?

Hierunter fallen hoch komplexe Tätigkeiten (z. B. Entwicklung, Forschung, Diagnose) sowie Leitungs- und Führungsaufgaben. Meist setzt die Ausübung dieser Berufe eine mindestens vierjährige Hochschulausbildung (Master, Diplom, Staatsexamen o. ä.) oder eine entsprechende Berufserfahrung voraus.

Diese Tätigkeiten sind mit zusätzlichen Spezialkenntnissen und –fähigkeiten verbunden, die häufig im Rahmen einer beruflichen Fort- oder Weiterbildung, etwa einer Meister- oder Technikerausbildung oder eines Bachelor-Abschlusses an einer Hochschule vermittelt werden.

Für diese Tätigkeiten werden fundierte Fachkenntnisse und Fertigkeiten vorausgesetzt, die üblicherweise mit dem Abschluss einer zwei- bis dreijährigen Berufsausbildung erreicht werden.

Engpass nach Berufsgruppen

berufsgruppen
Copyright: IHK München

In absoluten Zahlen fehlten 2018 insbesondere Fachkräfte mit Berufen in Unternehmensführung und Organisation (56.000), in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (49.000) sowie in der technischen Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung (41.000).

In Relation zur jeweiligen Gesamtnachfrage sind u. a. die Berufe in der technischen Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung (ca. jede 7. Stelle unbesetzt) sowie die Maschinen- und Fahrzeugtechnik (jeweils ca. jede 8. Stelle unbesetzt) am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen.

Bis 2030 spitzt sich die Fachkräftelage in den meisten Berufsgruppen weiter zu. Besonders dramatisch verschärft sich der Fachkräftemangel in den erzieherischen und sozialen Berufen. Berufe in Verkehr und Logistik werden bis 2030 neu in die Gruppe der zehn am stärksten vom Fachkräftemangel betroffenen Berufen aufrücken, während für die Berufsgruppe Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe 2030 ein leichter Überschuss prognostiziert wird. Grund hierfür ist ein prognostizierter Rückgang der Nachfrage im Zuge der Digitalisierung.

Engpass nach Wirtschaftszweigen

wirtschaftszweige
Copyright: IHK München

Der höchste Fachkräftemangel in absoluten Zahlen ist schon heute im Dienstleistungssektor zu finden. Bei den wirtschaftsnahen Dienstleistungen steigt der Fachkräftemangel von 80.000 im Jahr 2018 auf 86.000 im Jahr 2030. Jede 6. Stelle kann dann nicht mehr besetzt werden. Bei den personenbezogenen Dienstleistungen fehlen 2018 wie 2030 rund 47.000 Fachkräfte.

Besonders deutlich wird sich bis 2030 der Fachkräftemangel im Gesundheits- und Sozialwesen verschärfen: Fehlen schon heute 22.000 Arbeitskräfte, so werden 2030 89.000 Stellen – rund ein Siebtel der Gesamtnachfrage – nicht mehr besetzt werden können. Damit rückt dieser Sektor im Ranking 2030 auf den ersten Platz vor.

Wertschöpfungsverluste auf Grund fehlender Fachkräfte

wertschoepfungsverluste_1
Copyright: IHK München

Allein im Jahr 2018 summierten sich die Wertschöpfungsverluste in Folge des Fachkräftemangels über alle Branchen hinweg auf rund 23 Milliarden Euro. Für das Jahr 2030 werden Ausfälle in Höhe von 38 Milliarden Euro prognostiziert. Kumuliert ergeben sich von 2018 bis 2030 über alle Jahre hinweg Wertschöpfungsverluste von rund 300 Milliarden Euro.

Der größte Teil der Verluste entstand 2018 in den beratenden und wirtschaftsnahen Dienstleistungen, dem Fahrzeugbau, den personenbezogenen Dienstleistungen, der Informations- und Kommunikationsbranche sowie in der Elektrotechnik und dem Maschinenbau.

Zusätzliche Fachkräftepotenziale erschließen

frauen_tz
Copyright: IHK München

Rund 48 % der Frauen in Bayern arbeiten in Teilzeit. Deren durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug im Jahr 2016 20,7 Stunden.

Eine Erhöhung dieser durchschnittlichen Arbeitszeit auf 25 Stunden würde bei 1.208.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Teilzeit in Bayern rund 5,2 Millionen wöchentliche Arbeitsstunden zusätzlich bedeuten. Dies entspricht der wöchentlichen Arbeitszeit von 130.000 zusätzlichen SV-Beschäftigten in Vollzeit.

aeltere
Copyright: IHK München

Nur 85.000 von 732.000 Personen in der Altersgruppe der 63 bis 67-Jährigen gehen aktuell einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Dies entspricht einer Beschäftigungsquote von nur 11,7 %.

Würde es gelingen, diese Quote auf 20 % zu erhöhen, würden bei einer zugrunde gelegten durchschnittlichen Arbeitszeit von 35,3 Stunden pro Woche (Stand 2016) damit 54.000 SV-Beschäftigte in Vollzeit gewonnen.

ausland
Copyright: IHK München

Der Saldo der Zu- und Fortzüge Nichtdeutscher lag 2017 in Bayern bei +80.000 (258.000 - 178.000) Personen. Rund 40 % dieser Zuwanderung geschieht zu Erwerbszwecken.

Würde es gelingen, den Anteil um 20 % zu steigern, würde dies 6.400 zusätzliche Zuwanderungen zu Erwerbszwecken jährlich bedeuten. Über einen Zeitraum von 10 Jahren würde damit ein zusätzliches Potenzial von 64.000 Arbeitskräften geschaffen.

Fachkräfteengpass in Oberbayern

Der oberbayerischen Wirtschaft fehlten 2018 rund 110.000 Fachkräfte. Dies bedeutete Wertschöpfungsverluste in Höhe von rund 9 Milliarden Euro. Bis 2030 wird die Zahl fehlender Fachkräfte auf 160.000 anwachsen. Es drohen dann jährliche Wertschöpfungsverluste in Höhe von rund 14 Milliarden Euro.

Auch in Oberbayern werden Höherqualifizierte besonders dringend gesucht. 30.000 Stellen auf dem Niveau Experte sowie 27.000 Stellen auf dem Niveau Spezialist können schon heute nicht mehr besetzt werden. Bis 2030 droht auf dem Qualifikationsniveau Experte sowie Spezialist jede 8. Stelle vakant zu bleiben. Bis 2030 wird sich der Fachkräftemangel besonders bei den kaufmännischen Berufen vergrößern.

Fachkräfteengpass: Regionale Ergebnisse für Oberbayern

ingolstadt_5
Copyright: IHK München

Rund 10 % aller oberbayerischen Fachkräfte leben in der Region Ingolstadt.

2018 bestand in der Region ein Mangel von rund 14.000 qualifizierten Arbeitskräften - bis 2030 wird diese Zahl auf 19.000 steigen.

muenchen
Copyright: IHK München

Rund 67 % aller oberbayerischen Fachkräfte leben in der Region München.

Aktuell besteht in der Region ein Mangel von rund 71.000 qualifizierten Arbeitskräften - bis 2030 wird diese Zahl auf 110.000 ansteigen.

oberland
Copyright: IHK München

Rund 8 % aller oberbayerischen Fachkräfte leben in der Region Oberland.

Aktuell besteht in der Region ein Mangel von rund 7.000 qualifizierten Arbeitskräften – bis 2030 wird diese Zahl auf 11.000 ansteigen.

suedostoberbayern
Copyright: IHK München

Rund 14 % aller oberbayerischen Fachkräfte leben in der Region Südostoberbayern.

Aktuell besteht in der Region ein Mangel von rund 13.000 qualifizierten Arbeitskräften – bis 2030 wird diese Zahl auf 18.000 ansteigen.