Steuerliche Hilfsmaßnahmen

Hochwasser Juni/Juli 2021

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Ende Juni und im Juli 2021 sind durch Unwetter in weiten Teilen Bayerns beträchtliche Schäden entstanden. Deren Beseitigung wird bei vielen Steuerpflichtigen zu erheblichen finanziellen Belastungen führen. Die Finanzverwaltung kommt den Geschädigten mit steuerlichen Maßnahmen zur Vermeidung unbilliger Härten entgegen.

Steuerliche Hilfsmaßnahmen der Bayerischen Finanzverwaltung

Mit Schreiben vom 19. Juli 2021 (sog. Unwettererlass) weist das Bayerische Finanzministerium insbesondere auf folgende steuerliche Maßnahmen zur Vermeidung unbilliger Härten für die durch die Unwetter Geschädigten hin:

  • Stundungs- und Vollstreckungsmaßnahmen sowie Anpassung der Vorauszahlungen
  • Erleichterter Nachweis steuerbegünstigter Zuwendungen (Spenden)
  • Keine nachteiligen steuerlichen Folgerungen beim Verlust von Buchführungsunterlagen
  • Sonderabschreibungen beim Wiederaufbau von Betriebsgebäuden bzw. bei Ersatzbeschaffung beweglicher Anlagegüter
  • Bildung von Rücklagen für die Ersatzbeschaffung unbeweglicher und beweglicher Anlagegüter
  • Behandlung von Aufwendungen für die Wiederherstellung beschädigter Betriebsgebäude und beweglicher Anlagegüter als Erhaltungsaufwand
  • Sofortiger Betriebsausgabenabzug von Aufwendungen zur Beseitigung der Schäden am Grund und Boden
  • Sonderregelungen für die Land- und Forstwirtschaft sowie bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung
  • Sonderregelung bei der Lohnsteuer, insbesondere Steuerfreiheit von Beihilfen und Unterstützungen des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer
  • Hinweise zum Erlass der Grundsteuer
  • Hinweise zu Stundungs- und Erlassanträge für Gewerbesteuer an die jeweiligen Gemeinden.

Gemeinsame steuerliche Hilfsmaßnahmen von Bund und Ländern

Bund und Länder haben - zur Unterstützung der Bewältigung des außergewöhnlichen und parallel zur ‎Corona-Pandemie eingetretenen Unwetterereignisses - die für ‎Naturkatastrophen vorgesehenen ‎ steuerlichen Erleichterungen erweitert bzw. konkretisiert. So hat man sich u. a. auf Folgendes verständigt:

  • Geringere Nachweispflichten bei der Prüfung der wirtschaftlichen Hilfsbedürftigkeit,
  • Ermöglichung des Einsatzes eigener Mittel gemeinnütziger Körperschafen zur Unterstützung der Betroffenen auch außerhalb der Satzungszwecke,
  • Gewährung des Betriebsausgabenabzugs für zahlreiche Zuwendungen aus dem Betriebsvermögen und
  • Möglichkeit für Arbeitgeber, ihren geschädigten Angestellten unentgeltlich Verpflegung zur Verfügung zu stellen, und z.B. Fahrzeuge, Wohnungen und Unterkünfte steuerfrei zur Nutzung zu überlassen.

Die betroffenen Länder haben bereits angekündigt, ihre bereits herausgegebenen Katastrophenerlasse entsprechend anzupassen.

Zudem haben Bund und Länder vereinbart, dass die steuerlichen Erleichterungen zur Bewältigung der Hochwasserkatastrophe auch dann greifen, wenn die zuwendende Person nicht in einem vom Hochwasser betroffenen Land wohnt. Dadurch wird aus steuerrechtlicher Sicht sichergestellt, dass alle Zuwendungen die Betroffenen schnell und unbürokratisch erreichen und dass das ehrenamtliche Engagement nicht vor den Landesgrenzen Halt macht.

Steuerliche Hilfsmaßnahmen des Bundes (Umsatzsteuer)

Gleichzeitig hat das Bundesfinanzministerium insoweit verschiedene temporäre Erleichterungen für die Umsatzsteuer beschlossen, insbesondere in Bezug auf:

  • Überlassung von Wohnraum,
  • Unentgeltliche Verwendung von dem Unternehmen zugeordneten Gegenständen (Investitionsgütern) zur Suche und Rettung von Flutopfern sowie Beseitigung der Flutschäden,
  • Unentgeltliche Erbringung einer sonstigen Leistung (z. B. Personalgestellung),
  • Herabsetzung der Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung 2021 und
  • Sachspenden.

Das entsprechende BMF-Schreiben vom 23. Juli 2021 ist hier abrufbar.

Steuerliche Hilfsmaßnahmen des Bundes (Zoll)

Außerdem wurden im Bereich der vom Zoll verwalteten Steuerarten (insbesondere Einfuhrumsatzsteuer, Kraftfahrzeugsteuer sowie Verbrauchsteuern auf Genussmittel und Energie) steuerliche ‎Erleichterungen veranlasst‎. Dazu gehören:

  • Stundung von fälligen oder bis zum 31. Oktober 2021 fällig werdenden Steuern
  • Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand bei Fristverletzungen
  • Absehen von der Festsetzung von Steuern beziehungsweise Erlass aus Billigkeitsgründen im Falle nachweislicher Existenzgefährdung
  • Verzicht auf Verspätungszuschläge
  • Absehen von Vollstreckungsmaßnahmen bis 31. Januar 2022
  • keine steuerlichen Nachteile bei Verlust von steuerlich relevanten Unterlagen.

Betroffene sollen bitte sobald als möglich mit dem für sie zuständigen Hauptzollamt Kontakt aufnehmen. Das zutreffende Hauptzollamt ist auf www.zoll.de in der Dienststellensuche zu finden.