IHK Magazin

Gustavo Gusto: Newcomer mit viel Geschmack

Mit Tiefkühlpizzen aus dem Steinofen erobert Christoph Schramm den umkämpften Platz in den Kühltruhen des Lebensmittelhandels. Das unternehmerische Erfolgsrezept seiner Marke »Gustavo Gusto« hat er sich hart erarbeitet. EVA ELISABETH ERNST

Christoph Schramm, Geschäftsführer von Franco Fresco GmbH & Co. KG mit der Pizza-Marke Gustavo Gusto, Geretsried, 5.9.2019, Foto: Thorsten Jochim
© THORSTEN JOCHIM Erfahrener Pizzabäcker: Firmenchef Christoph Schramm in der Versuchsküche

Eine Pizzeria gleich neben der Uni? Da kann eigentlich nicht viel schiefgehen, dachten sich Christoph Schramm und sein Freund und Kommilitone Martin Gruber. 2003 eröffneten die beiden Studenten ihre erste Pizzeria in Passau. Die erfreute sich von Anfang an großer Beliebtheit, sodass Schramm und Gruber ein Jahr später das benachbarte Lokal dazupachteten. »Beim Umbau haben wir viel selbst gemacht und ein lockeres, gemütliches Ambiente mit Showküche und Steinbackofen geschaffen«, sagt Schramm. »Und natürlich waren unsere Pizzen von Anfang an super.« Da es dort aus Platzgründen nicht möglich war, einen Lieferservice zu installieren, eröffneten Schramm und Gruber nach einem Jahr eine zweite Filiale in Passau.

Aufgrund ihres unternehmerischen Engagements dauerte es zwei Semester länger, bis die beiden ihr BWL-Studium abgeschlossen hatten. Gruber stieg anschließend in das Logistikunternehmen der Familie ein. Schramm führte die Pizzerien noch knapp zwei Jahre weiter, bevor er sie verkaufte, um eine neue Geschäftsidee zu verwirklichen: »ein Lieferservice, bei dem die Pizza direkt vor der Haustür des Bestellers belegt und gebacken wird«. Dazu entwickelte der heute 40-Jährige Prototypen eines Pizzamobils. Zur Vorproduktion der Pizzen suchte er eine Produktionsstätte in seiner alten Heimat Oberbayern. Er wurde in Geretsried bei München fündig und gründete die Franco Fresco GmbH & Co KG.

Erfolg im Direktvertrieb

»2013 saß ich dann mit meinem Team und mit einer kleinen Produktionsstraße in einer relativ großen Halle«, erinnert sich Schramm. Die Resonanz auf die Pizzamobile war eher verhalten, langsam wurde das Geld knapp. Daher beschloss er, Cafés, Kneipen und Bistros zu beliefern, denen er kleine Öfen zum Aufbacken seiner tiefgekühlten Pizzen zur Verfügung stellte. Binnen einem Jahr baute er einen Stamm von 150 Kunden auf. Für eine rentable Auslastung der Produktion war das aber noch zu wenig. Der Versuch, über einen Großhändler Kantinen und andere Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung zu gewinnen, war nicht erfolgreich. Im Direktvertrieb klappte es deutlich besser. Schramm: »Mehr als die Hälfte der Kantinen, die unsere Pizzen getestet hatten, wollten von uns beliefert werden.«

Der endgültige Durchbruch kam 2016: Schramm gelang es, Einkäufer der Rewe Group vom Geschmack seiner Pizzen zu überzeugen, die er auch in der Tiefkühlvariante nach original italienischem Rezept zubereitet. »Wir verzichten auf Geschmacksverstärker sowie künstliche Backtriebmittel und gönnen dem Teig eine besonders lange Reifezeit, bevor ihn unsere Mitarbeiter von Hand hauchdünn ausbreiten«, zählt Schramm auf. Die Pizzen werden im Steinbackofen vorgebacken. Bei den Zutaten setzt er so weit möglich auf regionale Produkte wie etwa auf laktosefreien Mozzarella, den er von einem Zulieferer aus Bayern bezieht.

Diese Qualität hat ihren Preis – und die Verbraucher sind offenbar bereit, für die Pizzen aus Geretsried deutlich mehr zu bezahlen als für andere. »Allerdings sind unsere Pizzen mit rund 30 Zentimeter Durchmesser auch größer als die meisten anderen«, betont Schramm. Er vermutet, dass die Listung von »Gustavo Gusto« wohl auch damit zu tun hatte, dass die etablierten TK-Pizza-Marken mittlerweile in Discountern verkauft werden, was deren Margen stark unter Druck gesetzt hat.

Ideen für Pizzakartons

Für die Vermarktung seiner Pizzen im Lebensmittelhandel rief Schramm die Marke »Gustavo Gusto« ins Leben. Das originelle Design, das unter anderem auf Verpackungen, Werbemitteln und der Website zu sehen ist, stammt von Michael Goetz (40), Texter und Creative Director aus Hamburg, mit dem Schramm seit der Grundschule befreundet ist. Er ist als Gesellschafter am Unternehmen beteiligt und dachte sich auch die flotten Sprüche auf den Pizzakartons aus, mit denen sich die Marke sehr deutlich von der Konkurrenz abhebt. So steht auf der Pizza Margherita »Wir nehmen nur Mozzarella – alles andere ist Käse«, die Pizza Prosciutto e Funghi wird als »eine echte Steinofenbarung« bezeichnet. »Da bist du hin und veggie«, verspricht die fleischlose Variante mit Ricotta und Spinat.

Nach dem Start bei Rewe kamen weitere Lebensmitteleinzelhändler auf Schramm zu. Mittlerweile sind die insgesamt sechs Sorten seiner Pizzen bei nahezu allen deutschen Handelsorganisationen erhältlich – allerdings nicht bei den Discountern Aldi und Lidl. In Österreich ist Gustavo Gusto derzeit bei drei Filialisten gelistet. Noch in diesem Jahr soll der Verkauf bei Migros in der Schweiz starten und wohl bald auch bei einer Handelskette in den Niederlanden.

Neues Werk geplant

Seit 2017 arbeitet die Franco Fresco GmbH & Co. KG profitabel. Derzeit sind dort mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigt, Tendenz stark steigend. Die Produktionskapazitäten sind längst bestens ausgelastet. Die Lieferfähigkeit auch künftig sicherzustellen zählt für Schramm aktuell zu den größten Herausforderungen. Ab 2021 soll ein neues Werk in Siegenburg an der A93 den Betrieb aufnehmen. Zur Expansion in Niederbayern bewogen ihn vor allem die Grundstückspreise und der akute Fachkräftemangel im Münchner Umland.

Mit einem Existenzgründerdarlehen und geringer finanzieller Unterstützung von Freunden und Familienmitgliedern wuchs das Unternehmen aus eigener Kraft. »Das war manchmal durchaus ein Ritt auf der Rasierklinge«, sagt Schramm.

Dass er es ohne nennenswertes Vertriebs- und Marketingbudget geschafft hat, eine nationale Konsumgütermarke zu etablieren, stellt eine beachtliche Leistung dar. Auch der Aufbau einer Lebensmittelproduktion ist angesichts der vielfältigen Vorschriften rund um Hygiene, Zertifizierungen und Qualitätsmanagement durchaus komplex. Darüber hinaus sorgte Schramm aber auch dafür, dass sein Unternehmen seit April 2019 klimaneutral arbeitet: »Wir haben unseren CO₂-Fußabdruck berechnen lassen und gleichen alle Emissionen, die durch die Verwaltung, Produktion und Lieferung entstehen, durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten in Brasilien und Indien wieder aus.«