IHK Magazin

Oberbayern digital: Starke Branche

Die IKT-Unternehmen in der Region München helfen ihren Kunden bei der Digitalisierung und machen sie fit für die Zukunft. Ein Blick auf etablierte Firmen und Start-ups der Branche. JOSEF STELZER

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© ©puhhha - stock.adobe.com Stärken die Wirtschaftskraft - IKT-Unternehmen

Für Stanislaw Panow, Geschäftsführer und Inhaber der Münchner netcos GmbH, ist die räumliche Nähe zu seinen Kunden praktisch unverzichtbar: »Das persönliche Gespräch ist ungemein wichtig, um ihre Strategien für den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zu besprechen und dann die Umsetzung in die Wege zu leiten.«

Die überwiegende Mehrzahl der Firmenkunden des Softwareanbieters und IT-Beraters ist in der Landeshauptstadt oder in der Umgebung angesiedelt. Der 58-jährige Unternehmer, der rund 20 IT-Experten beschäftigt, betont: »Die kurzen Wege erweisen sich als Riesenvorteil, zumal wir häufig für mehrstündige Gesprächstermine bei unseren Kunden vor Ort sind, bei Neukunden oft mehrmals pro Monat.«

Enorme Wirtschaftsstärke

Für Panow und letztlich für die ganze IKT-Branche in der Region München ist dies freilich nicht der einzige gewichtige Standortvorteil. Hinzu kommen eine breite Kundenbasis mit einer Vielzahl finanzkräftiger, innovationsfreudiger Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sowie die enorme Wirtschaftskraft. Laut Jahreswirtschaftsbericht 2019 der Landeshauptstadt München sind allein im Stadtgebiet rund 91200 Unternehmen angesiedelt. In Stadt und Umland sind insgesamt sechs der acht bayerischen DAX-Unternehmen ansässig.

Von der wirtschaftlichen Stärke des Standorts profitieren auch Start-ups wie die contunity GmbH, Heldenstein im Landkreis Mühldorf. Das Anfang 2018 gegründete Unternehmen hat eine neuartige Software auf den Markt gebracht, mit der Firmenkunden ihre Kosten und Aufwände deutlich reduzieren können. Auf Knopfdruck erstellt die Software mittels komplexer Algorithmen und künstlicher Intelligenz ein fertiges Leiterplattendesign samt allen Schaltplänen mit der Auswahl der passenden Bauteile. Das Design dient als Grundlage für eine Serienproduktion.

Geschäftsführer und Gründer Tobias Pohl (25) beschreibt den Nutzen des Verfahrens so: »Durch die Automatisierung der bisher manuell durchgeführten Schritte sinkt die Entwicklungszeit für bestückte Leiterplatten um bis zu 90 Prozent, die Fehlerrate bei der Entwicklung geht durch Vermeidung menschlicher Fehler erheblich zurück.« Zum Einsatz kommen solche Leiterplatten beispielsweise in Automobilen oder in elektronischen Geräten wie etwa Kaffeevollautomaten, die per Knopfdruck die gewünschte Kaffeespezialität aufbrühen.

Pohl unterstreicht die Vorzüge, die ihm der Großraum München bietet: »Unser Schwerpunkt liegt auf Kunden aus den Bereichen Automotive und Industrieautomatisierung, da sind wir in der Region München und Süddeutschland genau richtig.« Der persönliche Kontakt und die kurzen Wege zu den Kunden erleichtern die Zusammenarbeit gravierend. »Hinfahren und miteinander reden funktioniert bei den hochkomplexen Produkten, die wir anbieten, einfach viel besser«, weiß der contunity-Geschäftsführer aus Erfahrung. Der Unternehmer lobt auch die enge Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität München (TUM) in Garching. »Zudem bahnen sich vielversprechende Entwicklungspartnerschaften mit mehreren Unternehmen und Universitäten an«, freut sich Pohl.

Sammelbecken für Start-ups

Garching hat sich dank der Technischen Universität und nicht zuletzt durch die gate Technologie- und Gründerzentrum Garching GmbH zu einem regelrechten Sammelbecken für IKT-Start-ups entwickelt. Im gate sind derzeit rund 50 junge Unternehmen vertreten. Die Gründer mieten dort Büroflächen, lassen sich bei Bedarf von einem Coach beraten und nutzen das Garchinger Netzwerk aus Jungunternehmern, TU-Forschern, Absolventen und Studenten zum Erfahrungsaustausch, für die Mitarbeitergewinnung oder bei der Suche nach Problemlösungen.

Die meisten gate-Mieter sind wie contunity im IKT-Sektor tätig. Die nextnano GmbH zum Beispiel entwickelt im Bereich Halbleiter-Nanotechnologie spezielle Software zur Simulation elektronischer und optoelektronischer Bauelemente. Die RTG Echtzeitgraphik GmbH konzentriert sich auf den Bereich Computergraphik und die PINTeam GmbH entwickelt Software für die Automobilindustrie. Die urban mobility innovations B2M Software GmbH wiederum arbeitet an Smart-City-Lösungen für den öffentlichen Personennahverkehr.

Schnelle Fortschritte

Mitunter geht es schnell voran. So brachte netcos mit der Software itpilot im Jahr 2017 eine Eigenentwicklung auf den Markt. Mit ihr sollen Unternehmen die betriebliche IT mit der kompletten Hardware samt allen implementierten Softwarelösungen und den beauftragten Clouddiensten stets im Blick behalten können. »Mit dem itpilot erkennen sie außerdem alle Kosten für ihre Informations- und Kommunikationstechnik samt den Personalressourcen einschließlich der externen Dienstleister«, verspricht netcos-Geschäftsführer Panow. Mittlerweile kommt die Software bereits in rund 200 Unternehmen zum Einsatz.

So nutzt etwa die Münchner Bayerische Immobilien Management GmbH das Programm für ihre Digitalisierungsstrategie. Damit erfolgt im laufenden Betrieb beispielsweise die Budgetierung der IT-Kosten einschließlich der Ressourcenplanung. Mit Hilfe der Software kann das Unternehmen nun erkennen, welche IT-Services überhaupt notwendig sind und welche Dienstleistungen am besten intern oder extern realisiert werden sollten.