Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 1-2/2026
Die Mobilitätswende lässt sich nur erreichen, wenn an mehreren Stellschrauben gedreht wird. Zum Beispiel, indem Verbrenner nach und nach von nachhaltigeren Elektrofahrzeugen abgelöst werden – davon ist Maximilian Wühr überzeugt. Mit seinem Unternehmen FINN GmbH arbeitet der Unternehmer auch aktiv daran. „Unsere Fahrzeugflotte besteht zu etwa 35 Prozent aus Elektrofahrzeugen“, sagt der Geschäftsführer des 2019 gegründeten Unternehmens. Bis 2028 sollen es 80 Prozent sein.
FINN bietet mit seinem Auto-Abo eine flexible Möglichkeit, jederzeit mobil zu sein ohne langfristige Verpflichtungen wie beim Kauf oder Leasing: Kunden zahlen eine monatliche fixe Rate für die Nutzung eines neuwertigen Wagens. Abgesehen vom Sprit beziehungsweise Strom, sind alle Kosten wie Zulassung, Versicherung, Wartung, Kfz-Steuer, Hauptuntersuchung und sogar eine CO2-Kompensation im Preis enthalten. „Die Kunden erhalten ein Rundum-sorglos-Paket und können sich somit aufs Autofahren konzentrieren“, verspricht Wühr.
Ziel: Mobilität einfach machen
Sich nicht um lästigen Papierkram und Termine kümmern zu müssen, war auch sein Antrieb, FINN zu gründen. Wühr war im Rahmen seines Studiums 6 Monate lang an der US-amerikanischen Westküste. Um mobil zu sein, schaffte er sich für wenig Geld ein Auto an: „Die Erfahrung war schrecklich. Ich habe mich mehr ums Auto als ums Studium gekümmert.“
Einige Jahre später und längst zurück in München, zahlten sich die Erlebnisse aus. Wühr wollte sich selbstständig machen, „da habe ich an die Erfahrungen in den USA zurückgedacht“, erzählt er. Die Idee zu FINN war geboren.
„Längste Probefahrt der Welt“
Insgesamt 6 Gründer waren damals an Bord, darunter auch Kenner der Automobilbranche. Ihr Ziel: das Autofahren so bequem wie möglich zu machen und den Nutzern größtmögliche Flexibilität zu bieten. Die Kunden mieten ihr gewünschtes Modell für 6 bis 24 Monate. Im Schnitt liegen die Laufzeiten laut Wühr bei unter einem Jahr.
Somit können die Nutzer verschiedene Fahrzeuge testen. Das ist insbesondere für Fahrer interessant, die mit einem E-Auto liebäugeln, aber aus Mangel an eigener Erfahrung und wegen der recht hohen Anschaffungspreise den direkten Kauf eines Batteriefahrzeugs scheuen. „Wir gewähren die längste Probefahrt der Welt“, sagt Wühr.
Schon 35.000 Abonnenten
Der Bequemlichkeitsfaktor des Abonnements liegt zusätzlich darin, dass die Bestellung mit wenigen Klicks in etwa 5 Minuten abgeschlossen ist. Nach ein paar Tagen erhält der Kunde das gewünschte Fahrzeug vor die Tür gestellt.
FINN hat mit diesem Angebot offenbar einen Nerv getroffen. Die Oberbayern zählen aktuell etwa 35.000 Abonnenten und eine Flotte von etwa ebenso vielen Fahrzeugen. Ein Drittel davon sind Elektroautos. Verglichen mit den Zulassungen insgesamt, ist das ein relativer hoher Anteil. In ganz Deutschland hatte im November 2025 rund ein Fünftel der Neuzulassungen einen elektrischen Antrieb. FINN-Kunden können aus etwa 125 verschiedenen Modellen von mehr als 30 Marken wählen – vom Toyota Aygo X ab 109 Euro im Monat bis zur BMW 7er Limousine mit einer monatlichen Rate von rund 1.590 Euro.
Elektroauto-Anteil steigt stetig
Alle genannten Zahlen entwickeln sich äußerst dynamisch. Es ist noch kein Jahr her, da lag die Zahl der Fahrzeuge und der Abos bei 25.000. Auch die Bandbreite der zur Wahl stehenden Kraftfahrzeuge wächst. So sind in den vergangenen Monaten vor allem weitere Modelle von Mercedes und BMW hinzugekommen.
Im Sommer 2025 schlossen die Oberbayern außerdem eine strategische Partnerschaft mit dem chinesischen Unternehmen BYD, dem weltweit führenden Hersteller von elektrifizierten Fahrzeugen. Vereinbart wurde die Lieferung von bis zu 5.000 Fahrzeugen bis Frühjahr 2026. Damit kommt FINN seinem selbst gesteckten Ziel, den Elektroanteil der eigenen Flotte immer weiter zu erhöhen, einen großen Schritt näher.
Schnellstes Wachstum in Europa
Die Zuwächse bei Flotte und Kunden spiegeln sich auch in den Zahlen wider. Das Unternehmen setzt laut Wühr aktuell mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr um. Das entspricht einem Umsatzplus von 50 Prozent. Das Onlineportal Sifted, eine Tochter der britischen „Financial Times“, kürte FINN nicht ohne Grund im vergangenen Oktober zum am schnellsten wachsenden Start-up in Europa.
FINN beschäftigt mittlerweile mehr als 300 Mitarbeiter. Gleichzeitig wächst die Effizienz. Ein Grund dafür ist der Fokus auf Technologie. „Wir automatisieren, wo es geht“, sagt Wühr. Den Erfolg seines Unternehmens führt er auf das sehr klare Produkt zurück, das Kundenprobleme löse. Wühr: „Wir hören den Kunden zu und setzen um, was sie wünschen.“
Neues Angebot: Abholstationen
Das Ergebnis sind laufend neue Angebote: So weihte das Unternehmen im September 2025 die erste Abholstation „FINN Station“ im Münchner Werksviertel ein. Für die Kunden bedeutet das im Vergleich zur Lieferung vor die Haustür geringere Kosten. Und auch für FINN vermindert sich der Aufwand für die Bereitstellung der Fahrzeuge. Daher plant das Unternehmen je nach Resonanz weitere Abholstationen.
Job-Auto statt Dienstwagen
Außerordentlich erfolgreich ist auch die Variante „JobAuto“, die vor gut anderthalb Jahren auf den Markt kam. Mittlerweile haben sich rund 300 Unternehmen mit zirka 35.000 Mitarbeitern angeschlossen, etwa 750 Beschäftigte nutzen das Angebot bereits. Ihr Vorteil, sofern sie sich für ein E-Auto-Abo von FINN entscheiden: Sie bekommen es im Rahmen einer Gehaltsumwandlung um bis zu 40 Prozent günstiger. Aber auch die teilnehmenden Unternehmen profitieren: Sie müssen keine Dienstwagen anschaffen und „beim JobAuto fallen für sie keine Kosten oder Risiken an“, so Wühr. Auch in diesem Segment ist FINN nach eigenen Angaben der „mit Abstand größte Anbieter“ in Deutschland.
Erst den Heimatmarkt ausschöpfen
Potenzial für weiteres Wachstum ist vorhanden. Derzeit ist das Unternehmen ausschließlich in Deutschland aktiv. Das soll eine Weile noch so bleiben, sagt Wühr. Er wolle erst alle Optionen hierzulande ausschöpfen.
Danach aber könnte das Unternehmen über die Grenzen hinaus expandieren. Womöglich ist das für die „Financial Times“ dann der Anlass, erneut über das erstaunliche Scale-up aus der bayerischen Landeshauptstadt zu berichten.