ihk_magazin_logo_2
Aus Geflüchteten wurden Selbstständige: Jan Mohammad Ahmadi, Mohammed Hariri, Yuliia Usikova

Aus Geflüchteten wurden Selbstständige: Jan Mohammad Ahmadi, Mohammed Hariri, Yuliia Usikova

© Harriet Austen | Harriet Austen | Yuliia Usikova – Composing

Begeistert selbstständig

Als Geflüchtete nach Deutschland gekommen – jetzt mit Leidenschaft selbstständig. Jan Mohammad Ahmadi, Mohammed Hariri, Yuliia Usikova stellen ihre Unternehmen vor.

Von Harriet Austen, 1/2026

Zur Bilanz der Integration von Geflüchteten gehört auch, dass Migranten Unternehmen gründen und selbstständig sind. Drei Beispiele aus München und Oberbayern.

Jan Mohammad Ahmadi: „Deutscher sein als jeder Deutsche“

„Als ich 2001 vor den Taliban floh, hatte ich nur einen Gedanken: mich in der Automobilbranche selbstständig zu machen wie meine ganze Familie“, sagt Jan Mohammad Ahmadi. In München lernte der damals 16-Jährige schnell Deutsch, begann eine Lehre und jobbte nebenbei in der Fahrzeugaufbereitung bei der MAHAG. Als sein Chef dafür einen externen Dienstleister suchte, ließ sich der junge Mann diese Chance nicht entgehen und gründete eine Einzelfirma, die sich auf die Aufbereitung von Fahrzeugen spezialisierte. Er bekam immer mehr Aufträge; 2014 beschäftigte er bereits 35 Mitarbeiter. Für ihn Anlass genug, das Unternehmen in eine GmbH umzuwandeln: die AJM Kfz-Service GmbH.

ihkmag_0126_begeistert_selbststaendig_ahmadi_1

Wollte immer in der Automobilbranche selbstständig sein: Jan Mohammad Ahmadi

Mitarbeiter als Familie

Sein Geschäftsmodell sieht so aus: Autohändler und große Unternehmen mit eigenem Fuhrpark beauftragen ihn, ihre Fahrzeuge aufzubereiten und auf Hochglanz zu polieren. Die Auftraggeber stellen Ahmadi die Räumlichkeiten bereit, während er Werkzeug und Team organisiert. Sein Team besteht aus Geflüchteten und Migranten, die er seine Familie nennt und die er unterstützt, wo er kann. „Glückliche Mitarbeiter bringen gute Leistungen“, weiß der Unternehmer, der seit 2013 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

Schwierige erste Schritte

Zugegeben, seine Kunden haben manchmal Vorurteile gegenüber Geflüchteten, doch er überzeugt durch Schnelligkeit und Flexibilität. „Ich muss deutscher sein als jeder Deutsche, um akzeptiert zu werden“, sagt er. Er räumt ein, dass er es wegen der vielen rechtlichen Vorgaben nicht einfach fand, sich selbstständig zu machen. Inzwischen kennt er sich perfekt aus.

Seit 2023 muss er allerdings mit weniger Aufträgen auskommen und Personal reduzieren. Das lag nicht nur an Corona und den Sparmaßnahmen der Kunden. Ahmadi ist nachdenklich: „Die derzeitige Stimmung gegen Migranten wirkt sich automatisch auf das Geschäft aus.“

Mohammed Hariri: „Ein besonderes Café“

Als Mohammed Hariri 2015 nach Deutschland kam, war er 34 Jahre alt. Er brachte schon viel Erfahrung als „Business Man“ in der Modebranche mit, bevor er vor dem Krieg in Syrien floh. Bis er in München Fuß fasste, sollte es noch 9 Jahre dauern. Seit 2024 ist er stolzer Besitzer des „Lieblingscafés“ in der Tegernseer Landstraße, die Leute grüßen ihn freundlich und schauen gern vorbei. „Ich habe Glück gehabt“, sagt Hariri.

ihkmag_0126_begeistert_selbststaendig_hariri

Sein Café ist seine Leidenschaft: Mohammed Hariri

Leidenschaft für die Gastronomie

Ein Mentor überließ ihm für wenig Miete eine Wohnung und unterstützte ihn immer wieder. Der junge Mann suchte sich schnell Arbeit in verschiedenen Cafés. Dort entdeckte er seine Leidenschaft für die Gastronomie und begann eine Ausbildung zum Restaurantfachmann, die er abbrechen musste – wegen Corona und weil er sich in der Berufsschule schwertat. An seinem Traum, ein eigenes Café zu eröffnen, hielt er trotzdem fest.

Abwechslungsreiche Speisekarte

„Ich habe versucht, viel zu lernen, ich bin noch jung“, machte sich Hariri damals Mut. Er besuchte einen berufsbezogenen Deutschkurs und ließ sich beraten, wie man sich selbstständig macht und einen Gründungszuschuss bekommt. Als er 2024 im damals türkischen „Lieblingscafé“ einen Kaffee trank, fragte ihn die Besitzerin, ob er noch auf der Suche war, sie wolle verkaufen. Der Verkauf war schnell ausgehandelt, Hariri übernahm den Laden und fand eine Wohnung für seine Familie im gleichen Haus.

Der glückliche Besitzer des neuen „Lieblingscafés“ möchte noch einiges umbauen und eine abwechslungsreiche Speisekarte einführen. „Es soll ein besonderes Café werden, mit freundlicher Atmosphäre und gutem Service“, nimmt er sich vor und will beweisen: „Wir sind hierher geflüchtet, aber wir sind auch gut.“

Yuliia Usikova: „Füße im Land"

Kürzlich traf sich Yuliia Usikova mit ihrem Mann in Italien. Er hatte Fronturlaub und durfte eine kurze Pause vom Krieg in der Ukraine einlegen. Sie selbst war 2022 kurz nach dem Angriff auf Odessa geflohen und in Schliersee bei einem Cousin untergekommen. „Der Anfang war eine Katastrophe“, erinnert sich die junge Frau nur ungern. Weitergeholfen hat ihr zum Glück die örtliche Ukrainehilfe, heute nennt sie die Menschen dort „meine Familie“. Usikova begann dann, erstmal intensiv Deutsch zu lernen: „Wer die Sprache kann, hat die Füße im Land“, pflegt sie zu sagen.

ihkmag_0126_begeistert_selbststaendig_usikova

War schon in der Ukraine als Fotografin selbstständig: Yuliia Usikova

Erste Rechnungen

Parallel dazu beschloss sie, sich auch hier mit ihrer Leidenschaft selbstständig zu machen: der Fotografie. Schon in Odessa hatte die Absolventin der Kunstuniversität Charkiw seit 2017 ein kleines Fotostudio, am liebsten macht sie Produktfotos. Nach der Anmeldung als Einzelunternehmerin sagte sie stolz: „Es war ein gutes Gefühl, die ersten Rechnungen zu stellen.“ Unterstützt wird sie von der Initiative RESTART for Newcomers.

In Bayern bleiben

Zum ersten Mal stellte sie ihre Bilder beim Schlierseer Kulturherbst 2022 aus, danach beim Kultursommer 2023. Eine ihrer Fotografien hängt sogar im Deutschen Bundestag. Obwohl sie hin und wieder Aufträge bekommt – zum Beispiel vom Markus-Wasmeier-Museum – gesteht sie sich ein: „Von der Fotografie allein kann ich hier nicht leben.“ Deshalb plant sie jetzt ein Studium der Sozialen Arbeit. Das Engagement der Ukraine-Hilfe, bei der sie ehrenamtlich als Dolmetscherin eingestiegen war, hat sie nachhaltig beeindruckt. „Ich möchte auf jeden Fall in Bayern bleiben“, sagt Usikova abschließend.