IHK Ratgeber

Nachhaltige Verpackungen

verpackungen

Plastikmüll in den Meeren, Läden ohne Verpackungen - Verpackungen werden immer mehr zum Thema.

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Warum sind nachhaltige Verpackungen ein Thema?

Verpackungen sind in den meisten Fällen unerlässlicher Bestandteil des Produkts. Neben dem Schutz des Produkts bei Herstellung, Lagerung, Transport und Verkauf werden durch Verpackungen oft Hygienebestimmungen erfüllt, und die Haltbarkeit verlängert sich. Auch die Informationen zum Produkt oder zu dessen Handhabung und die Liste der Inhaltsstoffe sind Teil der Verpackung.

Gebrauchte Verpackungen machen den größten Teil der Abfälle aus Haushalten aus. Die Menge steigt seit Jahren, und im Jahr 2017 fielen in Deutschland 18,72 Mio. Tonnen Verpackungsmüll an. Im Vergleich zum Jahr 1995 hat sich der Verbrauch von Kunststoffverpackungen sogar verdoppelt. Gründe sind die Zunahme von Einwegflaschen, Kleinverpackungen und Onlinehandel sowie der Trend zu Fertigprodukten und dem Verzehr von Lebensmitteln für unterwegs („to-go“).

Stoffkreisläufe schließen, Verpackungen einsparen und nachhaltiger bzw. recyclingfähiger konzipieren – das sind Herausforderungen, denen sich aktuell nicht nur die Gesetzgeber stellen, sondern die auch auf Designer, Produzenten, Industrie und Händler zukommen. So enthalten beispielsweise das EU-Kreislaufwirtschaftspaket und das Verpackungsgesetz ambitionierte Ziele und Vorgaben. Bis 2022 müssen erheblich mehr Verpackungen recycelt werden, so die deutsche Gesetzgebung.

Vor allem die Kunststoffe stehen im Fokus der öffentlichen und politischen Diskussion. Davon zeugen die im Jahr 2018/19 auf EU-, Bundes- und Länderebene verabschiedeten Strategien, wie die Plastikstrategie, die Verbote von Einwegplastikartikeln durch die Europäische Kommission, der 5-Punkte-Plan für weniger Plastik des Bundesministeriums und der Beschluss zur Vermeidung von Kunststoffabfällen. Auch der bayerische Koalitionsvertrag enthält hierzu Punkte, u. a. einen Pakt mit der Wirtschaft zur Verringerung von Mikroplastik, ein Maßnahmenpaket zur Reduktion von Kunststoffabfällen sowie die Unterstützung der Bundesinitiative zum Verbot von Mikroplastik in Kosmetika.

Die Systembetreiber, also die Unternehmen, die den Verpackungsabfall sammeln, sortieren und recyceln, müssen die vorgegebenen Recyclingquoten einhalten. Sie sind außerdem angehalten, ihre Gebührensysteme anzupassen. Das heißt: Für recyclingfähige Verpackungen sollten geringere Gebühren erhoben werden. Darüber hinaus wünschen sich auch die Verbraucher weniger Verpackungen und wenn nötig, dann nachhaltigere Alternativen. Große Produzenten und Handelsketten haben daher bereits begonnen, ihre Verpackungskonzepte, z. B. von Eigenmarken, zu überdenken und recyclingfähiger zu gestalten.

Die Vorgaben betreffen beispielsweise den Einsatz:

  • von Materialien mit hoher Recyclingfähigkeit,
  • von weniger Plastik samt Reduzierung der Komplexität von Materialien,
  • von Rezyklaten oder abbaubaren Materialien,
  • von Mehrwegverpackungen.

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Welche Arten von Verpackungen gibt es?

Verkaufsverpackung

Die Verkaufsverpackung bildet üblicherweise mit dem Produkt eine Einheit, das
heißt, sie schützt das Produkt entlang der Lieferkette über eine definierte Lebensdauer
und bei bestimmten Umgebungsbedingungen (Temperatur, Feuchte etc.).
Eine Umverpackung hingegen fasst eine größere Stückzahl des Produkts zusammen
oder dient der Bestückung von Verkaufsregalen. Die Verkaufs- oder
Umverpackung enthält zudem wichtige Informationen zum Produkt (Inhaltsstoffe,
Handhabung, Hersteller). Zur Verkaufs- oder Umverpackung zählen auch Etiketten,
Banderolen oder Verschlüsse. Man unterscheidet zwischen steifer (z. B. Flaschen,
Dosen, Container und Schalen) und flexibler (alle Formen von Folien, Beuteln
und Taschen) Verpackung.

Serviceverpackung

Serviceverpackungen werden im Laden direkt mit Ware befüllt, um den Transport
nach Hause zu erleichtern. Zu den Serviceverpackungen zählen beispielsweise
Brötchentüten, Tragetaschen, Imbiss-Einweggeschirr oder Obst- und Gemüsetüten.

Versandverpackung

Eine Versandverpackung ermöglicht oder unterstützt den Versand von Waren.
Zu Versandverpackungen zählen beispielsweise Versandkartons, Versandbeutel,
gepolsterte Briefumschläge sowie auch Füllmaterial, Umreifungen oder Klebebänder.
Die Versandverpackungen enden im Gegensatz zu den Transportverpackungen
beim Endverbraucher, also z. B. in privaten Haushalten.

Transportverpackung

Transportverpackungen sind Verpackungen, welche die Handhabung und den
Transport von Waren erleichtern. Sie verbleiben zumeist im Handel oder werden
durch den Transporteur direkt wieder mitgenommen. Dazu zählen z. B. Paletten
oder Transportkäfige, Stretch- sowie Schrumpffolien und -hauben.

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Was versteht man unter Recycling?

Recycling

Recycling ist jedes Verwertungsverfahren, durch das Abfälle zu Erzeugnissen, Materialien oder Stoffen entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke aufbereitet werden. Es schließt die Aufbereitung organischer Materialien ein, nicht aber die energetische Verwertung und die Aufbereitung zu Materialien, die für die Verwendung als Brennstoff oder zur Verfüllung bestimmt sind. Eine Form der stofflichen Verwertung ist das Upcycling. Abfälle werden in neuwertige Produkte umgewandelt. Es findet eine Aufwertung statt. Upcycling ist insbesondere
in der Modebranche und in der Möbelindustrie von Bedeutung

Werkstoffliche (mechanische) Verwertung

Werkstoffliche (mechanische) Verwertung ist die Aufbereitung von verarbeitungsfähigen Mahlgütern, Rezyklaten oder Ausgangsmaterialien. Die chemische Struktur bleibt dabei nahezu unverändert.

Chemische (rohstoffliche) Verwertung

Chemische (rohstoffliche) Verwertung basiert auf der Zerlegung des Ausgangsmaterials (z. B. des Kunststoffs) in seine Grundstoffe (z. B. Öl). Die Entwicklung geeigneter Verfahren steht teilweise noch am Anfang.

Biologische Verwertung

Biologische Verwertung heißt, organische Abfälle werden entweder direkt als Häckselgut oder nach ihrer Kompostierung bzw. Vergärung in Form von Biogas und Kompost genutzt.

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Wie kann man die Wiederverwertbarkeit von Verpackungen verbessern?

Produktverpackungen

Beispiel Tütensuppe

Aktuelle Verpackung: Einzeln verpackte Tüten mit farbigem Aufdruck, Multimaterialverbindung aus
Papier, Aluminium (AI) und Polyethylen (PE). Dieses Material ist schwer zu recyceln, die Materialien können nur teilweise voneinander getrennt werden. Aus dem Verbund wird die Aluminiumfraktion abgetrennt, d. h., das Aluminium wird recycelt; Papier und Kunststoff gehen als Wertstoff verloren und werden verbrannt.

Lösungsansatz: Mehrere Kunststofftüten aus Monomaterial, z. B. Polypropylen (PP) oder PE, mit
einer Barriereschicht aus Aluminiumoxid oder Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer
(EVOH), hell eingefärbt und wenig bedruckt. Diese sind in einer Multiportionspackung
aus bedrucktem Pappkarton enthalten. Der Kunde kann die Tüten (Kunststoff)
von der Multifunktionsbox (Pappe) leicht trennen und in den passenden
Materialstrom (Papier bzw. Kunststoff) geben.

Beispiel Waschmittel

Aktuelle Verpackung: Kunststoffflaschen mit fest verklebten Etiketten oder großen bedruckten Banderolen aus Kunststoff. Die Etiketten können in der Sortieranlage nur schwer abgetrennt werden. Bedrucktes Kunststoffsubstrat erschwert das Recycling. Wird es recycelt, kann es nur für dunkle Farben eingesetzt werden, da ein erneutes Einfärben des Regranulats schwierig ist.

Lösungsansatz: Ein vollständig recycelbarer Standbodenbeutel mit abnehmbarer Banderole. Nach Gebrauch kann die äußere Banderole vom Innenteil der Verpackung durch den Kunden „entkleidet“ werden, sodass die farblose und die bedruckte Komponente geschreddert und in separate Recyclingströme sortiert werden können. Damit ist die Beutelverpackung aus Polyethylen zu 100 % recycelbar. Auf Haftvermittler und Klebstoffe wird verzichtet. Dazu bestehen die Ausgießöffnungen und der Deckel ebenso aus Polyethylen. Nach dem Recycling erhält man im Endeffekt ein Rezyklat in der nahezu gleichen Qualität wie das Ausgangsmaterial.

Beispiel Pflanztopf

Aktuelle Verpackung: Pflanztöpfe sind in der Regel ein Wegwerfprodukt. Nach dem Umtopfen landet der zumeist aus Kunststoff bestehende Topf normalerweise direkt im Müll.

Lösungsansatz: Das Unternehmen meinwoody.de aus der Nähe von Coburg in Oberfranken hat
einen Pflanztopf auf der Basis eines nachwachsenden Rohstoffs (Hanffasern) entwickelt,
der innerhalb weniger Jahre rückstandsfrei im Boden verrottet, und produziert
diesen regional in Oberfranken. Die Pflanze kann so samt Topf eingepflanzt
werden. Das Pflanzenwachstum wird zudem durch den Verbund von Hanffaser
und Wurzelballen begünstigt.

Mehr Informationen zum Pflanztopf

Serviceverpackungen

Weglassen oder auf Mehrweg umstellen

In vielen Fällen ist die Serviceverpackung nicht unbedingt notwendig. Oft hilft es bereits, beim Kunden nachzufragen, ob er eine zusätzliche Verpackung wünscht (z. B. bei Blumen, Backwaren). Auch werden im Einzelhandel immer mehr Alternativen (z. B. Mehrwegtragetaschen, Mehrwegdosen) angeboten.

Tip: Die Initiative „Einmal ohne, bitte“ unterstützt Händler dabei, in den verpackungsfreien
Verkauf einzusteigen. Käufer können eigene Verpackungen (Beutel, Tüten, Dosen) mitbringen,
wenn sie frische Ware zum Beispiel an der Bäcker, Fleisch- oder Käsetheke einkaufen. Mehr Informationen zur Initiative hier Link zur Initiative "Einmal ohne, bitte"

Verpackungsmaterial und Verpackungsgröße prüfen

Da die Serviceverpackungen oft eine kurze Lebensdauer haben, sollte überprüft werden, ob das Material und die Verpackungsgröße zum Produkt passen. Es kann sinnvoll sein, verschiedene Verpackungsgrößen z. B. bei Backwaren oder bei To-go-Behältern zu nutzen. Eventuell kann die Verpackung auch dünner und somit materialsparender gestaltet werden. Serviceverpackungen sollten aus nur einem Material bestehen und nicht mit Etiketten beklebt werden.

Weiternutzen

Serviceverpackungen (vor allem aus Papier) eignen sich oft zur Weiternutzung. So kann die Brötchentüte, wenn nicht vermeidbar, z. B. den Müllbeutel im Bioabfall-Eimer ersetzen. Ein Hinweis für den Verbraucher, z. B. direkt auf der Serviceverpackung, kann hier helfen.

Transport- und Versandverpackungen

Für Verpackungen, die dem Transport oder Versand von Produkten dienen, gelten hinsichtlich des Materialeinsatzes ähnliche Kriterien wie bei anderen Verpackungen. Es sollte möglichst angepasstes oder Monomaterial verwendet werden. Auf große Kunststoffetiketten sollte verzichtet werden. Beim Füllmaterial gilt es, zu überprüfen, ob die Menge der Befüllung mit den Anforderungen an den Produktschutz übereinstimmt – vielleicht kann teilweise oder ganz auf Füllmaterial verzichtet werden.

Was das Füllmaterial angeht, gibt es eine große Palette an Materialien zur Auswahl. Neben Kunststoffen und Styropor gibt es gute Alternativen z. B. aus recyceltem Papier, auf Holz- oder Strohbasis, auf Basis von alten Jutesäcken oder Alttextilien.

Beispiel Transportbox

Aktuelle Verpackung: Im Onlinehandel werden die Produkte überwiegend in Kartonage verpackt und an den Endkunden versendet. Die Kartons landen meist nach einmaligem Gebrauch im Müll.

Lösungsansatz: Für den Versandhandel bieten sich daher Mehrwegsysteme an. Die memo AG aus Greußenheim in Unterfranken hat mit der „memo Box“ bereits seit zehn Jahren ein Mehrwegversandsystem im Einsatz. Die Behälter aus recyceltem Kunststoff gibt es in drei unterschiedlichen Größen. Für die Kunden entstehen keine extra Versandkosten, und beigelegte Rücksendescheine erleichtern den Kunden die Rückgabe der „memo Box“ an den Händler. Zusätzlich kann das System z. B. für Retouren oder die Rücksendung von Wertstoffen genutzt werden.

Weitere Informationen zur Transportbox

Beispiel angepasste Versandverpackungen

Aktuelle Verpackung: Versandverpackungen ermöglichen oder unterstützen den Transport und Versand von Waren. Die Versandverpackungen sind jedoch häufig nicht auf das zu befördernde
Produkt abgestimmt. Die Folge sind zu große Verpackungen, viel Füllmaterial, Retouren
wegen Transportschäden und damit hoher Transportaufwand und Ressourcenverbrauch.

Lösungsansatz: Die Firma Manyfolds, ein Start-up aus München, bietet ein System aus App und
Produktionsmaschine zur maßgeschneiderten Erstellung von Versandverpackungen an. Geschäfte, Onlinehändler oder Paketdienstleister können eine kompakte Maschine mieten und die größenoptimierten Verpackungen vor Ort produzieren. Bei nicht zeitkritischen Versendungen ist eine externe Produktion per Onlinebestellung möglich. Die Verpackungen werden automatisch an die zu versendenden Waren angepasst. Neben der Optimierung der Umverpackungsgröße werden die Waren durch spezielle Einlagen sicher fixiert, sodass Füllmaterial nicht mehr notwendig ist. Außerdem wird durch die individuelle Anpassung der Verpackung der Aufwand für Transport, Lagerung und Retouren aufgrund von Transportschäden deutlich vermindert.

Weitere Informationen zur angepassten Verpackung

Pfand- und Mehrwegsysteme

Immer mehr Unternehmen setzen statt auf Einweg- auf Mehrwegverpackungen. Diese werden nach Gebrauch zurückgenommen, gereinigt und wieder befüllt. Die Vorteile liegen im geringeren Rohstoff- und Energieverbrauch bei der Herstellung – da weniger Verpackungen produziert werden – sowie geringeren Abfallmengen in Unternehmen und Haushalten. Mehrwegsysteme sind bekannt für Getränke- und Molkereiprodukte, bieten sich aber auch für andere Produkte in der Industrie oder für Transportverpackungen an. Europaletten, Gitterboxen und Kunststoffkisten mit und ohne Deckel sind gute Beispiele für Mehrwegbehälter in der Industrie. Die Umstellung auf Mehrwegsysteme erfordert eine Anpassung der Logistik sowie Investitionen für Reinigung und
Wiederbefüllung. Dieser Aufwand kann sich aber lohnen.

Beispiel Mehrweg für Industriesalze

Aktuelle Verpackung: Wasserenthärtungsanlagen benötigen viel Regeneriersalz, das überwiegend in Plastiksäcken verpackt und nach einmaligem Gebrauch entsorgt wird.

Lösungsansatz: Die Firma PK Watertech UG mit Sitz in Freilassing verfolgt schon seit Längerem
Ansätze, um Verpackungsmengen zu reduzieren. Ab sofort liefert die Firma deshalb ihre Regeneriersalztabletten in Mehrwegeimern. Die Behälter sind zu 100 % recycelbar und werden gegen ein Pfand an die Kunden geliefert und direkt durch die Firma zurückgenommen. Neben den eingesparten Entsorgungskosten für die Plastiksäcke sind Vorteile für die Kunden eine platzsparende Lagerung (Stapeleimer), bessere Handhabbarkeit für die Mitarbeiter (20-kg-Eimer statt unhandlicher 25-kg-Säcke) und auch weniger Ausschuss (z. B. durch Einreißen der Säcke).

Mehr Informationenen zu Industriesalzen in Mehrwegverpackungen

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Verpackungskonzept: Schritte zu einer nachhaltigen Verpackung

  • Vermeiden: Verpackungen wenn möglich vermeiden
  • Reduzieren: Wenn eine Verpackung nicht vermieden werden kann, so wenig Material wie möglich einsetzen
  • Wiederverwenden: Wenn eine aufwendige Verpackung nötig ist, eine längere
    Nutzungsdauer oder Mehrfachnutzung ermöglichen (Mehrweg)
  • Recyceln: Sekundärstoffe aus der Verpackung zurückgewinnen
  • Materialeinsatz: Rezyklate und Regranulate einsetzen, möglicherweise
    fossile Rohstoffe durch nachwachsende ersetzen
  • Thermische Verwertung: Falls keine höherwertige Verwertung der Verpackung möglich
    ist, die Verpackung als Ersatzbrennstoff einsetzen

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Entwickeln eines neuen Verpackungskonzepts

Schritt 1: Welches Produkt eignet sich für ein neues Konzept?

Als erstes ermitteln Sie, in welchem Stadium innerhalb des Produkt- lebenszyklus sich das Produkt befindet:

  • In der Entwicklungsphase eines Produkts kann die Verpackung von vornherein rezyklierbar gestaltet werden.
  • Für ein Produkt, das sich in der Wachstums- und Reifephase befindet, d. h., bei dem der Absatz steigt oder sich konsolidiert hat, lohnt es sich oft dennoch, die Verpackung zu überdenken und nachhaltiger zu gestalten.
  • Einem Produkt, das sich in der Sättigungsphase befindet und das bereits am Markt
    etabliert ist, können eine neue Verpackung und ein entsprechender Relaunch zu
    neuer Produktattraktivität verhelfen.
  • Hat bereits ein starker Rückgang der Nachfrage eingesetzt (Rückgangsphase), kann
    eine Überarbeitung des Produkts nebst Verpackung den Verkauf neu beleben.

Schritt 2: Welche Einflussgrößen müssen berücksichtigt werden?

Interne Faktoren:

  • Gibt es im Unternehmen eine Umweltpolitik oder ein Nachhaltigkeitskonzept?
  • Möchte das Unternehmen eine Vorreiterrolle beim Thema nachhaltige Verpackung
    einnehmen?
  • Gibt es besondere technische, organisatorische oder produktspezifische Anforderungen,
    die zu beachten sind?
  • Welche Investitionen (Maschinen, Personal etc.) sind erforderlich?
  • Welche Wettbewerbsvorteile bringt ein nachhaltiges Verpackungskonzept?
  • Wie kann durch die neue Verpackung ein Alleinstellungsmerkmal des Produkts
    entwickelt werden?

Externe Faktoren:

  • Welchen Nutzen bringt die neue Verpackung dem Kunden?
  • Was fordert der Handel?
  • Welche Entwicklungen finden im Geschäftsumfeld statt?
  • Was sind die Lieferländer, und welche spezifischen Vorgaben bestehen dort?
  • Welche Recyclingquoten sind zu erfüllen?
  • Welche Auswirkungen hat das neue Verpackungskonzept auf die Wertschöpfungskette?
  • Wie wirkt sich ein neues Konzept auf die Lizenzgebühren beim Systembetreiber aus
    (z. B. andere Materialien, andere Preise)?

Schritt 3: Welche Materialien kommen infrage?

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft bedeutet, möglichst viele Materialien und Rohstoffe im Kreislauf zu halten. Das setzt voraus, dass Verpackungen möglichst wenig Schadstoffe enthalten und aus recyclingfähigen Materialien bestehen, die möglichst sortenrein gesammelt oder maschinell getrennt und durch geeignete Recyclingverfahren dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden. Das bedeutet auch, dass diese sekundären Roh- und Werkstoffe wieder eingesetzt werden.

Schritt 4: Prüfen Sie, welche Geschäftsbereiche eingebunden werden müssen

Bei der Umstellung einer Verpackung sollten die verschiedenen Geschäftsbereiche strategisch eingebunden werden. Denken Sie an:

  • Marktforschung und -entwicklung
  • Produktmanagement
  • Verpackungsentwicklung und das Verpackungsdesign
  • Verpackungsproduktion
  • Produktion und Abfüllung
  • Marketing un Vermarktung

Schritt 5: Planen Sie die Finanzierung des Konzepts

Sobald alle Anforderungen an die neue Verpakcung definiert sind, können Kosten für die Umsetzung kalkuliert werden. Folgende Kostenkategorien spielen eine Rolle

  • Materialkosten
  • Personalkosten (intern und extern)
  • Lizenzgebühren
  • Investitionskosten
  • Zertifizierungskosten
  • Besteuerung

Beratung zur Förderung von Projekten:


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Tipps für Händler

Im Handel werden Waren verschiedener Hersteller beschafft, zu einem Sortiment zusammengefügt und an gewerbliche oder private Kunden im stationären oder im Onlinehandel verkauft. Über die Auswahl des Sortiments sowie der Service-, Versandund Transportverpackungen besteht auch für die Händler ein großer Einfluss auf Menge und Beschaffenheit der Verpackungen. Wenn Sie Ihre Verpackungen erweitern oder umstellen wollen, binden Sie Ihre Kunden frühzeitig ein und kommunizieren Sie die Umstellung.

Beispiel unverpackt einkaufen

Aktuelle Verpackung: Lebensmittel werden bislang vordergründig in Einzelverpackungen im Laden angeboten. Zwangsläufig führt dies zu viel Verpackungsmüll.

Lösungsansatz: Unter dem Motto „Ehrlich & Unverpackt“ strebt die ZeroHero GmbH mit Läden im
mittelfränkischen Nürnberg, in Erlangen und seit Neuestem auch in Fürth Einkaufen mit weniger Verpackungen an. Um Einzelverpackungen zu vermeiden, werden die Waren in größeren Kanistern und Säcken mit einem Inhalt von 25 kg angeliefert. Die Säcke bestehen zumeist aus Papier. Bei Flüssigprodukten werden Pfandbehälter verwendet, die gereinigt und wieder befüllt werden. Präsentiert wird die Ware dann in Spendern aus Glas oder Kunststoff, die alle notwendigen Produktinformationen ausweisen und die Ware sowohl vor dem direkten Kontakt mit dem Kunden als auch vor Schädlingen schützen. Der Kunde kann die gewünschte Menge des Produkts in mitgebrachte Behältnisse abfüllen. Abgerechnet wird nach Gewicht, nachdem das
Tara des Behältnisses abgezogen wurde. Als Weiterentwicklung des Konzepts ist ein Pfandsystem für Behältnisse geplant, um auch spontanes Einkaufen zu ermöglichen. Durch das Konzept wird ein großer Teil der Einwegverpackungen vermieden. Organisation und Wartung sind allerdings aufwendig, da Spender regelmäßig kontrolliert, gereinigt und nachgefüllt werden müssen.

Mehr Informationen zum Unverpacktladen

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Glossar Verpackungen

EU: Kreislaufswirtschaftspaket

Im April 2018 verabschiedeten die EU-Abgeordneten das neue Kreislaufwirtschaftspaket. Es legt rechtsverbindliche Ziele für das Abfallrecycling und die Verringerung der Deponierung fest. Auch die Reduzierung von Lebensmittelabfällen ist Bestandteil.

EU Circular Economy Package

EU: Plastikstrategie

Die EU-Kommission hat im Januar 2018 eine „Europäische Strategie für Kunststoffe“ vorgelegt. Sie enthält ambitionierte Ziele zum Design von und Umgang mit Plastikprodukten und -verpackungen. Es sollen mehr Kunststoffe getrennt gesammelt, recycelt und das Rezyklat soll wiedereingesetzt werden. Die Strategie enthält außerdem ein Maßnahmenpaket zur Verringerung von Einwegkunststoffen, zu kompostierbaren und biologisch abbaubaren Kunststoffen und zum Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt.

EU Plastikstrategie

EU-Verbote zu Einwegplastikartikeln

Als einen der ersten Gesetzesvorschläge im Rahmen der EU-Plastikstrategie hat die Europäische Kommission im Dezember 2018 einen Gesetzentwurf verabschiedet, der u. a. Verbote für bestimmte Einwegplastikartikel (z. B. Trinkhalme, Einweggeschirr, Wattestäbchen) vorsieht. Für andere Produkte sind Kennzeichnungspflichten (z. B. Feuchttücher) oder Minderungsziele (z. B. Plastiktüten, Getränkebecher) vorgesehen. Das neue Gesetz wurde im März 2019 vom EU-Parlament bestätigt und muss bis 2021 durch die Mitgliedsstaaten umgesetzt werden.

Verbot Einwegplastik

Bund: Verpackungsgesetz

Das bundesdeutsche Verpackungsgesetz gilt seit Januar 2019. Wer verpackte Waren, die für private Endverbraucher bestimmt sind, in Deutschland in den Verkehr bringt, also herstellt, importiert oder wie z. B. Onlinehändler zusätzlich verpackt, muss sich im Verpackungsregister
LUCID eintragen. Zusätzlich sind die Verpackungen bei einem der bundesweiten Rücknahmesysteme (Systembetreiber) zu lizenzieren. Zu den privaten Endverbrauchern gehören neben Haushalten auch die sogenannten vergleichbaren Anfallstellen. Das sind z. B. Gaststätten, Hotels, Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen und Niederlassungen von Freiberuflern. Das Verpackungsgesetz gibt Recyclingquoten vor, die von den Systembetreibern eingehalten werden müssen. Die Systembetreiber wiederum sind angehalten, ihre Lizenzgebühren anzupassen. Das heißt: Je weniger Verpackungen verwendet werden und je umweltfreundlicher diese gestaltet sind, desto geringer sollten die Kosten für die Lizenzierung sein.

Verpackungsgesetz
Verpackungsregister

Bund: 5-Punkte-Plan für weniger Plastik

Im November 2018 hat die Bundesregierung den Plan für weniger Plastik verabschiedet. Mit dem Motto „Raus aus der Wegwerfgesellschaft“ listet der Plan Maßnahmen auf, um überflüssige Produkte und Verpackungen zu vermeiden, zu reduzieren und notfalls auch zu verbieten. Unter anderem sollen ökologisches Design, Mehrweg und der Rezyklateinsatz unterstützt werden.

5-Punkte-Plan für weniger Plastik

Bund: Beschluss des Bundesrats zur Vermeidung von Kunststoffabfällen

Der Bundesrat hat im September einen Beschluss gefasst, der vor allem den Eintrag von Kunststoffen bei der Entsorgung von verpackten Lebensmitteln (z. B. über Kompostieranlagen) im Fokus hat. So sollen nur entpackte Lebensmittelabfälle angenommen bzw. die Anlagentechnik soll angepasst werden.

Beschluss zur Vermeidung von Kunststoffabfällen

Verbot von Plastiktüten

Obwohl der Verbrauch von Plastiktüten im Einzelhandel dank einer Vereinbarung des Handels in den letzten Jahren bereits stark zurückgegangen ist, hat das Bundeskabinett im November 2019 einem Verbot von Plastiktragetaschen zugestimmt. Laut Gesetzentwurf sind Plastiktüten mit einer Wandstärke zwischen 15 und 50 Mikrometer betroffen. Das heißt, herkömmliche Plastiktragetaschen werden verboten. Sehr dünne Kunststofftüten für Frischetheken sowie den Obst- und Gemüseverkauf und sehr dicke Tragetaschen sind ausgenommen. Der Gesetzentwurf muss jetzt noch den Bundestag und den Bundesrat passieren.

Fragen zum Plastiktütenverbot

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