Häufige Schäden und kurze Wartungsintervalle können aber besonders gewerbliche Nutzer nicht gebrauchen. „Genau hier setzen wir mit mocci an. Das Lasten-Pedelec wird die zentrale Rolle im kommenden Transportnutzungsszenario spielen“, sagt Wen. 200 Kilogramm beträgt das zulässige Gesamtgewicht. Dafür stehen Lastenträger vor dem Lenker und hinter dem Sattel zur Verfügung. Wenn es um den optionalen Fahrradanhänger geht, spricht Bachadakis von „Trailer“ – wie bei Lkws.
Alles aus einem Guss
Das Unternehmen setzt bei seinem „Smart Pedal Vehicle“ auf zwei Kerntechnologien: einen digitalen Antrieb, der ohne Kette, Riemen, Schaltung & Co. auskommt, und ein Spritzgussverfahren, in dem unter anderem der Rahmen und die Räder (ohne klassische Speichen) entstehen.
„Wir brauchen deutlich weniger Einzelteile als bei einem E-Bike herkömmlicher Bauart“, so Bachadakis. Die rund 30 Teile werden aus Kunststoff nach „Automotive-Standard“ gefertigt. Die Vorteile: „Rund 95 Prozent sind recycelbar, es ist kein Schweißen erforderlich.“
Antrieb „Ride-by-wire“
Und was treibt das mocci an? Durch das Pedalieren wird ein Impuls ausgelöst und elektrische Energie erzeugt. „Ride-by-wire“ ist der Fachbegriff: Es besteht keine mechanische Verbindung zwischen Pedalen und Antrieb. Bachadakis: „Es ist ein weltweit einzigartiger digitaler Antriebsstrang.“ Die Energie wird in den Hinterradmotor geleitet und treibt diesen an. „Die Batterie unterstützt mit zusätzlicher Energie.“
Die Antriebskomponenten kommen aus Deutschland, unter anderem vom Automobilzulieferer Schaeffler Technologies AG & Co. KG in Herzogenaurach. Die Spritzgussteile werden – fertig zum Zusammenbau – aus China geliefert. „Hierbei profitieren wir natürlich enorm von unserer Supply-Chain-Expertise und unserem Netzwerk“, sagt der Gründer. Das finale „Assembling“ geschieht am mocci-Standort in Feldmoching.
Serienreife erreicht
Dieser abschließende und qualitätssichernde Fertigungsschritt sei im „Hochlohn-Land Deutschland“ noch möglich, so Bachadakis. Zumal man im Gesamtprozess auf höchste Effizienz achte. „Mit Logistik und End-to-End-Supply-Chain-Dienstleistungen kennen wir uns schließlich bestens aus.“
Nach intensiver Vorarbeit – die Gründung erfolgte vor 7 Jahren – ist nun die Serienreife erreicht. Inzwischen sind mehrere Hundert Exemplare auf den Straßen unterwegs. 2026 sollen um die 3.000 moccis „vom Band laufen“, wenn man es so nennen will. „Skalierbarkeit auf deutlich höhere Stückzahlen sind ebenfalls kein Problem“, betont Bachadakis. Für Gewerbekunden ist das mocci ab 5.000 Euro erhältlich, wobei Leasing das gängige Modell sei, so Bachadakis.
Nächstes Einsatzfeld: Tourismus
Der Eintritt in den Markt war offenbar erfolgreich: Zu den Nutzern, die das Unternehmen offiziell nennen kann und möchte, gehören unter anderem die TÜV SÜD AG, der Lieferdienst Flink SE und die Pizzakette Domino’s Pizza. Künftig sehen Wen und Bachadakis auch Einsatzmöglichkeiten im Tourismus. „Zu den großen Vorteilen unserer Fahrzeuge gehört es, dass sie wetterfest sind und nicht rosten können.“
„Eine Stadt der Zukunft profitiert in vielerlei Hinsicht von Mikro-E-Mobilität“, sagt Gründerin Wen, die in den 1980er-Jahren für ein 2. Studium aus China nach Deutschland kam. „Saubere Luft durch weniger Verkehr, mehr Grünflächen durch weniger Parkplätze und entspanntere Menschen, die sich sicher durch eine Stadt bewegen, weil weniger Lkws in ihr unterwegs sind.“
Beim Umverteilen in der Pole-Position
Sie geht davon aus, dass in absehbarer Zeit Logistik-Hubs zum Standard werden, in denen Lasten auf kleinere Einheiten umverteilt werden. „Das ist die Stelle, an der unsere Mobilitätsplattform ins Spiel kommt.“ Mittel- bis langfristig sollen aber auch Privatkunden angesprochen werden. Testfahrten sind derzeit schon in und um München, Köln und Kassel möglich.