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Erfahrenes Unternehmer-Duo – mocci-Gründer Dimitrios Bachadakis und Yao Wen

Erfahrenes Unternehmer-Duo – mocci-Gründer Dimitrios Bachadakis und Yao Wen

© CIP Group

E-Räder fürs Gewerbe

Spritzgussteile aus hochleistungsfähigem Kunststoff, Antriebskomponenten aus Deutschland, montiert in München: Wie 2 Unternehmer mit dem E-Zweirad mocci die urbane Mobilität verändern wollen.

Von Daniel Boss, IHK-Magazin 1-2/2026

Erfahrung im Gründen bringen die beiden reichlich mit. Yao Wen und Dimitrios Bachadakis haben nicht nur eine erfolgreiche Karriere bei Siemens hinter sich. Durch ein Buy-out mit dem Segen des Münchner Konzerns haben sie bereits ihr eigenes Unternehmen für die Lieferung von Industriekomponenten aus Fernost auf die Beine gestellt. Diese CIP Group „ist bis heute erfolgreich“, sagt Bachadakis (51).

Vor rund 10 Jahren gehörten die Mehrfachgründer außerdem zu jenem Team, das mit Yingli-Solar den größten Solarmodulhersteller der Welt entwickelte. Die Firma aus China war unter anderem „offizieller Premium Partner“ des FC Bayern München. Man erkennt ein Muster: Das Duo Wen/Bachadakis hat ganz offensichtlich ein Gespür für Megatrends.

„Weg von der Fahrrad-Denke“

Mit diesem Hintergrund und als Teil der weltweit operierenden CIP Group wollen die beiden nun unter der Marke mocci mit einem außergewöhnlichen E-Bike „die urbane Mobilität revolutionieren“, so das ehrgeizige Ziel. Der Produktname kommt aus dem Chinesischen und bedeutet etwa „erhabene Fortbewegung“ oder „Magic Ride“. Eine Grundidee der Münchner lautet, von der Autowelt zu lernen. Oder anders formuliert: „Wir wollen weg von der Fahrrad-Denke“, sagt Bachadakis.

Nicht von ungefähr kommen einige der rund 30 Mitarbeitenden aus dem Management und den Entwicklungsabteilungen großer deutscher Pkw-Hersteller. Zugleich will das Unternehmen „das E-Bike der Zukunft“ etablieren. Tatsächlich ähnelt ein mocci nur entfernt dem klassischen Fahrrad. Es kommt ziemlich futuristisch und markant daher.

Robustes Betriebsmittel

„Unsere Zielgruppe besteht unter anderem aus innerstädtischen Lieferdiensten, Postzustellern, Handwerkern und Pflegediensten. Sie alle brauchen ein funktionierendes Betriebsmittel – und dafür ist eine gewisse Robustheit essenziell“, sagt Gründer Bachadakis. Ein derart genutztes Lastenrad fahre teilweise mehr als 100 Kilometer pro Tag – „deutlich mehr als ein E-Bike im Privatgebrauch“.

E-Lastenrad mocci mit angehängtem Trailer und einem Mann beim Beladen vor einem Gebäude

Anhänger heißen bei mocci „Trailer“ – wie bei Lkws

Häufige Schäden und kurze Wartungsintervalle können aber besonders gewerbliche Nutzer nicht gebrauchen. „Genau hier setzen wir mit mocci an. Das Lasten-Pedelec wird die zentrale Rolle im kommenden Transportnutzungsszenario spielen“, sagt Wen. 200 Kilogramm beträgt das zulässige Gesamtgewicht. Dafür stehen Lastenträger vor dem Lenker und hinter dem Sattel zur Verfügung. Wenn es um den optionalen Fahrradanhänger geht, spricht Bachadakis von „Trailer“ – wie bei Lkws.

Alles aus einem Guss

Das Unternehmen setzt bei seinem „Smart Pedal Vehicle“ auf zwei Kerntechnologien: einen digitalen Antrieb, der ohne Kette, Riemen, Schaltung & Co. auskommt, und ein Spritzgussverfahren, in dem unter anderem der Rahmen und die Räder (ohne klassische Speichen) entstehen.

„Wir brauchen deutlich weniger Einzelteile als bei einem E-Bike herkömmlicher Bauart“, so Bachadakis. Die rund 30 Teile werden aus Kunststoff nach „Automotive-Standard“ gefertigt. Die Vorteile: „Rund 95 Prozent sind recycelbar, es ist kein Schweißen erforderlich.“

Antrieb „Ride-by-wire“

Und was treibt das mocci an? Durch das Pedalieren wird ein Impuls ausgelöst und elektrische Energie erzeugt. „Ride-by-wire“ ist der Fachbegriff: Es besteht keine mechanische Verbindung zwischen Pedalen und Antrieb. Bachadakis: „Es ist ein weltweit einzigartiger digitaler Antriebsstrang.“ Die Energie wird in den Hinterradmotor geleitet und treibt diesen an. „Die Batterie unterstützt mit zusätzlicher Energie.“

Die Antriebskomponenten kommen aus Deutschland, unter anderem vom Automobilzulieferer Schaeffler Technologies AG & Co. KG in Herzogenaurach. Die Spritzgussteile werden – fertig zum Zusammenbau – aus China geliefert. „Hierbei profitieren wir natürlich enorm von unserer Supply-Chain-Expertise und unserem Netzwerk“, sagt der Gründer. Das finale „Assembling“ geschieht am mocci-Standort in Feldmoching.

Serienreife erreicht

Dieser abschließende und qualitätssichernde Fertigungsschritt sei im „Hochlohn-Land Deutschland“ noch möglich, so Bachadakis. Zumal man im Gesamtprozess auf höchste Effizienz achte. „Mit Logistik und End-to-End-Supply-Chain-Dienstleistungen kennen wir uns schließlich bestens aus.“

Nach intensiver Vorarbeit – die Gründung erfolgte vor 7 Jahren – ist nun die Serienreife erreicht. Inzwischen sind mehrere Hundert Exemplare auf den Straßen unterwegs. 2026 sollen um die 3.000 moccis „vom Band laufen“, wenn man es so nennen will. „Skalierbarkeit auf deutlich höhere Stückzahlen sind ebenfalls kein Problem“, betont Bachadakis. Für Gewerbekunden ist das mocci ab 5.000 Euro erhältlich, wobei Leasing das gängige Modell sei, so Bachadakis.

Nächstes Einsatzfeld: Tourismus

Der Eintritt in den Markt war offenbar erfolgreich: Zu den Nutzern, die das Unternehmen offiziell nennen kann und möchte, gehören unter anderem die TÜV SÜD AG, der Lieferdienst Flink SE und die Pizzakette Domino’s Pizza. Künftig sehen Wen und Bachadakis auch Einsatzmöglichkeiten im Tourismus. „Zu den großen Vorteilen unserer Fahrzeuge gehört es, dass sie wetterfest sind und nicht rosten können.“

„Eine Stadt der Zukunft profitiert in vielerlei Hinsicht von Mikro-E-Mobilität“, sagt Gründerin Wen, die in den 1980er-Jahren für ein 2. Studium aus China nach Deutschland kam. „Saubere Luft durch weniger Verkehr, mehr Grünflächen durch weniger Parkplätze und entspanntere Menschen, die sich sicher durch eine Stadt bewegen, weil weniger Lkws in ihr unterwegs sind.“

Beim Umverteilen in der Pole-Position

Sie geht davon aus, dass in absehbarer Zeit Logistik-Hubs zum Standard werden, in denen Lasten auf kleinere Einheiten umverteilt werden. „Das ist die Stelle, an der unsere Mobilitätsplattform ins Spiel kommt.“ Mittel- bis langfristig sollen aber auch Privatkunden angesprochen werden. Testfahrten sind derzeit schon in und um München, Köln und Kassel möglich.