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Sauber kalkulieren – so entstehen transparente und wertschätzende Preise

Sauber kalkulieren – so entstehen transparente und wertschätzende Preise

© baranq/Adobe Stock

Wert statt Zeit

Welcher Preis ist angemessen und wie setzen Selbstständige und kleine Unternehmen diesen bei Kunden durch? Wie sich Leistungen besser verkaufen lassen.

Von Sabine Hölper, 2 /2026

Jonas Fartaczek ist Inhaber von zwei Agenturen mit je rund einer Handvoll Mitarbeitern. Die complus media GmbH in München generiert Social-Media-Werbeanzeigen für Onlineshops, die complus recruiting GmbH in Edling entwirft Social-Media-Kampagnen zur Gewinnung von Mitarbeitenden. Honorarverhandlungen mit den Kunden gehören in beiden Firmen zum Alltag. Früher hat Fartaczek Stundensätze aufgerufen – um immer wieder leidvoll festzustellen, dass diese in Frage gestellt wurden. „Die Kunden wunderten sich: Warum sind Sie teurer als mein Steuerberater?“

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Bietet Leistungen im Paket an: Jonas Fartaczek

Kein Vergleich mehr zwischen Äpfeln und Birnen

Um nicht länger solchen Vergleichen „zwischen Äpfeln und Birnen“ ausgesetzt zu sein, hat Fartaczek seine Strategie geändert. „Jetzt verkaufe ich unsere Leistungen in Paketen mit Gesamtsummen“, sagt er. Die Vorteile: Zunächst sei die Leistung für die Kunden besser kalkulierbar. Sie erfahren, für welche Pakete sie welchen Betrag zahlen müssen. Vor allem aber seien die Auftraggeber seither viel eher bereit, den aufgerufenen Preis zu entrichten. „Ich erkläre ihnen den Benefit, den Mehrwert, den sie haben, wenn sie uns beauftragen.“

Markus Hartmann, Gründer von AGENCYUPLIFTING in Nürnberg, findet ebenfalls, dass die Formel „Zeitaufwand mal Stundensatz“ die schlechteste ist, um die Zahlungsbereitschaft von Kunden bestmöglich zu erkennen. „Mal abgesehen davon, dass sich jemand, der schnell arbeitet, selbst begrenzt, kommt dabei nicht selten ein Preis heraus, der dem Wert aus Kundensicht nicht entspricht“, sagt er.

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Setzt auf wertschätzende Gespräch: Markus Hartmann

Die Kundenseite betrachten

Seine Methode, von Kunden die „Hartmann-Methode“ genannt, liegt in der Betrachtung der Kundenseite: „Der Anbieter muss herausfinden, welchen Wert seine Arbeit aus Kundensicht hat.“ Er spricht dabei von „Wertsignalen“, die der (potenzielle) Kunde aussendet, und die die große Chance beinhalten, sich der Leistung angemessen zu positionieren. Vielfach läuft es aus Erfahrung des Buchautors und Beraters aber noch immer gegenteilig: „Selbstständige verkaufen sich oft unter Wert.“

Das liege vor allem daran, dass sie das wertschätzende Gespräch nicht suchen. Dies sollten sie sofort am Anfang einer Geschäftsbeziehung tun. Aber auch während der Zusammenarbeit oder nach Abschluss des Projekts gelte es, mit den Kunden zu sprechen.

Vergangene Höchstleistungen herausstellen

In einem solchen „Rückschaugespräch“ könne der Kunde verstehen, was man in der Vergangenheit Besonderes und Wertvolles geleistet hat. „Vielleicht hat der Auftragnehmer schneller oder besser als die anderen gearbeitet, vielleicht hat er anderweitig zusätzlichen Nutzen geschaffen“, sagt Hartmann. Ein weiterer positiver Aspekt dieser Gespräche: „Der Anbieter erhöht sein Selbstwertgefühl. Er kann für den Kunden noch bessere Optionen finden und ihm so noch wertvoller und wirkungsvoller helfen. Bessere Preise sind die Folge.“

IHK-Info: Preisgestaltung

  • Bei der Veranstaltung „Preise gestalten und durchsetzen“ am 2. März 2026 dreht sich alles um das Thema Preisgestaltung. Unter den Referenten sind Markus Hartmann und Verhandlungstrainerin Claudia Kimich. Die Veranstaltung mit Workshop-Charakter findet im Rahmen der Reihe „Selbstständige stärken – Gemeinsam diskutieren, informieren, verändern statt“. Die Reihe ist eine Kooperation der IHK für München und Oberbayern mit dem Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. (VGSD). Hier geht es zur Anmeldung „Preise gestalten und durchsetzen“
  • Zur Einstimmung lohnt sich die neue Folge des IHK-Podcasts „Preise neu denken – vom Bauchgefühl zur Strategie“. Darin gibt Wolfgang Wadlinger, betriebswirtschaftlicher Berater bei der IHK für München und Oberbayern, im Gespräch mit Dorothee von Krshiwoblozki, IHK-Referentin Selbstständige, Tipps rund um die Kalkulation der passenden Preise. Außerdem geht er darauf ein, wie Selbstständige diese Preise gegenüber dem Kunden kommunizieren können.