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Guter Service, angenehme Atmosphäre und Qualität überzeugen alle Kunden

Guter Service, angenehme Atmosphäre und Qualität überzeugen alle Kunden

© Halfpoint/iStock

Ein Wohnzimmer für alle

Wie Unternehmen mit ihrem Angebot für unterschiedliche Generationen attraktiv werden 3 Beispiele aus der Gastronomie.

Von Ulrich Pfaffenberger, 2/2026

Demografie bedingt steigt der Altersdurchschnitt der Konsumenten. Damit stehen viele Unternehmen gerade aus der Gastronomie aktuell noch stärker als zuvor vor der Herausforderung, mit ihrem Angebot verschiedene Generationen mit oft weit auseinanderliegenden Bedürfnissen bedienen zu müssen. 3 Beispiele aus Oberbayern zeigen, was ihnen dabei vor allem hilft.

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„Wer glaubwürdig ist, braucht nichts zu inszenieren“. Sandra Seidl, Wirtin des Hotel-Gasthofes „Zur Mühle“ Ismaning

Für Sandra Seidl schlagen die Azubis die Brücke zwischen den Generationen und beeinflussen, wie der Hotel-Gasthof „Zur Mühle“ in Ismaning bei der Kundschaft wahrgenommen wird. „Tendenziell gehe ich davon aus, dass junge Leute eher zu asiatischer Küche neigen als zu den bayerischen Klassikern, wie wir sie servieren“, berichtet Seidl. „Andererseits haben wir jetzt einen neuen Azubi in der Küche, der sich bei uns beworben hat, weil ihm unsere Aktivitäten auf Social Media gefallen haben.“

Man sollte sich bei seinen Entscheidungen also nicht vorschnell auf vermeintliche Gewissheiten verlassen und glauben, dass die Leute nicht über den Tellerrand hinausschauen wollen, so die Gastronomin. „Wenn wir von uns aus überzeugend und glaubwürdig sind, dann brauchen wir nichts zu inszenieren oder den Betrieb auf den Kopf zu stellen, um Zielgruppen zu gewinnen“, sagt sie und verweist darauf, dass die „Mühle“ seit jeher Wert auf Familienfreundlichkeit lege.

Positive Erlebnisse prägen

„Die Lücke zwischen den ganz Jungen und den Kunden fortgeschrittenen Alters ist generell nichts Neues für uns. Denn wir wissen: Zu einem Ort, einer Qualität oder einem Service, an den oder die man sich gerne erinnert, kehrt man immer wieder zurück. Wer uns entdeckt hat, der mag’s hier – unabhängig vom Alter.“

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„Wer seinen Horizont zu eng zieht, schließt zu viele Kundengruppen aus“. Simon Lange, Mitgründer der Kaffeerösterei KAVA

Simon Lange (36) kommt zu einer ähnlichen Einschätzung, auch wenn moderne Cafés mit ihren Kaffeespezialitäten sonst häufig eher jüngere Kunden ansprechen. Doch in den Coffeeshops der Kaffeerösterei KAVA, die Lange zusammen mit seiner Frau Daniela Sattler gegründet hat, sehen sie „Studis, die einen trendigen Pumpkin-Spice-Latte bestellen, genauso gern wie die Oma, die sich mit ihren Freundinnen bei uns zum klassischen Cappuccino trifft. Darum haben wir auch beides im Angebot.“

Die Atmosphäre macht‘s

Die Akzeptanz richte sich nicht allein an dem aus, was es zu konsumieren gibt, meint Lange, sondern an der Atmosphäre, in der das geschieht. Wer da seinen Horizont zu eng ziehe, schließe zu viele Kundengruppen aus – und mache sich damit im Wettbewerb angreifbar. Lange macht lieber kleinere Zugeständnisse, um ein breiteres Publikum anzusprechen: „Die Musik im Hintergrund ist unterschwellig und alterslos. Damit treffen wir vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber wir stören auch keinen – vor allem nicht bei einer guten Unterhaltung zum Kaffee.“

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„Verkauft wird, wo sich Menschen individuell wahrgenommen fühlen“. Markus Steinberger, Café Marktblick in Glonn

Gute Erfahrungen, was eine breitbandige Kundenansprache angeht, hat auch Markus Steinberger (49) gemacht, der sein Café Marktblick in Glonn als „offenes Haus für jedermann“ versteht. „Wir wollen ein Wohnzimmer für alle sein, egal, was sie anhaben, egal, zu welchem Anlass sie uns besuchen“, macht der Gastronom deutlich.

Kabarett, Radl-Ständer, Hundeleckerli

Sein öffentlichkeitswirksames Begleitprogramm ist daher abwechslungsreich, reicht von Kinder-Kunstausstellungen über Konzerte und Kabarett bis hin zu Autorenlesungen. „Genauso gehört dazu, dass wir Hundeleckerli bereithalten und ausreichend Radl-Ständer vor dem Haus. Seit wir ein Biker-Schild montiert haben, spricht sich unsere Gastfreundschaft in der Szene herum und die Gästezahl wächst“, berichtet Steinberger, der auch für die kleinsten Gäste vorgesorgt und eine eigene Toilette installiert hat. Seine Schlussfolgerung: „Egal, ob ich Mode verkaufe oder Möbel, ob es bei mir etwas zu Essen gibt oder Haushaltsgeräte: Verkauft wird dort, wo sich Menschen individuell wahrgenommen und gut aufgehoben fühlen.“

Inspiration aus der Gen Z

Und wer sich externe Impulse aus der nachwachsenden Generation holen will? Der wird beispielsweise beim Strascheg Center for Entrepreneurship (SEC) in München fündig. Das Institut, direkt mit der Hochschule München verbunden, berät nicht nur Studierende auf dem Weg in die Existenzgründung. Es bringt auch bei konkreten Projekten die Ideen und die Energie der künftigen Führungskräfte direkt in Unternehmen ein, die sich solche Anregungen wünschen. „Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass diese praktische Zusammenarbeit aus unserem Netzwerk heraus für beide Seiten Nutzen bringt“, berichtet Sprecherin Claudia Johannson.