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Wenn die Chemie stimmt, fällt der Verkauf des Lebenswerks leichter

Wenn die Chemie stimmt, fällt der Verkauf des Lebenswerks leichter

© contrastwerkstatt/Adobe Stock

Bewährt statt neu

Warum ein Unternehmen gründen, wenn man ein übergabefähiges weiterführen kann? Was dafür spricht und welche Punkte bei der Übernahme zu beachten sind.

Von Sabine Hölper, 1/2026

Michael Müller liebt die Selbstständigkeit. Der Ingenieur hat neben Studium und Festanstellung bereits ein eigenes Start-up auf die Beine gestellt und zudem mehrmals erwogen, in andere neu gegründete Firmen einzusteigen. Nun hat er umgeswitcht und ist dabei, ein bestehendes Unternehmen, das einen Nachfolger sucht, zu kaufen. „Ich bin im Privaten durch Zufall auf das Thema Übernahme gestoßen“, sagt der Münchner. Das passe eigentlich noch mehr zu ihm als eine Neugründung. „Ich möchte auf etwas Bestehendes aufbauen und es verbessern. Darin liegen meine Fähigkeiten.“

Wenige machen es wie Müller und übernehmen eine Firma. Die meisten gründen neu. Obwohl viel für eine Nachfolge durch Übernahme spricht: Man übernimmt einen prosperierenden Betrieb mit vorhandenem Kundenstamm, Geschäftspartnern und Lieferanten. „Ein Kauf ist zwar teurer als eine Neugründung, aber er trägt oft schneller Früchte“, sagt Wolfgang Wadlinger, betriebswirtschaftlicher Berater der IHK für München und Oberbayern. „Gerade auch bei kleineren Unternehmen kann das eine interessante Option sein – sowohl für Übergeber als auch für Käufer.“

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Hat sich für Kauf statt Gründung entschieden: Unternehmer Michael Müller

Börsen und Berater

Herausforderung ist, eine Firma zu finden, die den eigenen Vorstellungen in Bezug auf Branche, Größe, Kaufpreis und so weiter entspricht. Grundsätzlich stehen die Chancen gut: Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie standen oder stehen zwischen 2022 und 2026 nahezu 36.500 Betriebe mit rund 618.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern vor einem Generationenwechsel. Sie sind für eine Nachfolge attraktiv, weil sie einen Mindestgewinn von 50.000 Euro erwirtschaften. „Aber selbst, wenn ein Unternehmen nicht zukunftsfit, der Kaufpreis dafür aber entsprechend geringer ist, kann es ein lohnendes Geschäft sein“, findet Müller. „In dem Fall muss man die Kosten für weitere Investitionen einkalkulieren.“

Um ein Unternehmen zu finden, kann man auf Plattformen wie der nexxt-change- oder IHK-Nachfolgebörse ein Gesuch einstellen und die Angebote durchforsten. Müller hat zudem einen Berater für Mergers & Acquisitions (M&A) kontaktiert. Er hat mit rund 10 potenziellen Verkäufern kommuniziert, bis er ein für ihn passendes Unternehmen gefunden hatte.

Zukunftsorientierte Prüfung

Ein wenig Geduld ist auch danach noch gefragt. Denn, so Müller, „ein Übergabeprozess ist nicht kompliziert, aber komplex“. Ein Muss ist stets das persönliche Kennenlernen, um zu prüfen, ob die Chemie zwischen Verkäufer und Käufer stimmt. Je besser sie ist, umso leichter fällt es, die Übernahmebedingungen auszuhandeln. Der Übergeber weiß dann, dass sein Lebenswerk in gute Hände kommt. Und auch die Mitarbeitenden, Kunden oder Partnern können die Übernahme schneller akzeptieren.

Dann folgt die umfangreiche Due-Diligence-Prüfung der Firma – hier geht es um die finanzielle Bestandsaufnahme, die Produkte oder Dienstleistungen und ihre Marktfähigkeit, die Lieferbeziehungen, die Kundenstruktur, die Personalsituation, die Wettbewerber und vieles mehr. „Der potenzielle Käufer muss das Unternehmen stets in Bezug auf die Vergangenheit und vor allem mit Blick die Zukunft prüfen“, mahnt Wadlinger. Die IHK stellt hierzu im Übrigen eine Checkliste zur Nachfolge bereit. Ebenso helfen IHK-Experten oder auch externe M&A-Berater.

Knackpunkt Kaufpreis

Ein Problem ist oft der Kaufpreis. Die Verkäufer setzen ihn meist recht hoch an. Verständlich, findet Wadlinger: „Sie geben ihr Lebenswerk aus den Händen und müssen von dem Erlös oft auch noch ihren Lebensabend bestreiten.“ Aber auch der Käufer muss sich sicher sein, dass das Unternehmen den am Ende ausgehandelten Preis wert ist, dass er den Kredit, den er in der Regel neben dem Eigenkapital eingebracht hat, bedienen kann. Die Banken ziehen zur Beurteilung die Bilanzen der letzten zwei, drei Jahre und einen aktuellen Businessplan mit den Planzahlen für die kommenden Jahre heran. Eventuell braucht der Käufer neben dem Eigenkapital auch noch weitere Finanziers, damit das Kreditinstitut einwilligt. Grundsätzlich, so Müller, sollte man frühzeitig mit der Bank über Details sprechen. „Hätte ich gewusst, wie genau die Bank das Darlehen ausgestaltet, hätte ich von Anfang an noch besser planen können“, sagt Müller. Und Planung ist bei einem komplexen Prozess ein wichtiger Schritt in Richtung Erfolg.