Börsen und Berater
Herausforderung ist, eine Firma zu finden, die den eigenen Vorstellungen in Bezug auf Branche, Größe, Kaufpreis und so weiter entspricht. Grundsätzlich stehen die Chancen gut: Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie standen oder stehen zwischen 2022 und 2026 nahezu 36.500 Betriebe mit rund 618.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern vor einem Generationenwechsel. Sie sind für eine Nachfolge attraktiv, weil sie einen Mindestgewinn von 50.000 Euro erwirtschaften. „Aber selbst, wenn ein Unternehmen nicht zukunftsfit, der Kaufpreis dafür aber entsprechend geringer ist, kann es ein lohnendes Geschäft sein“, findet Müller. „In dem Fall muss man die Kosten für weitere Investitionen einkalkulieren.“
Um ein Unternehmen zu finden, kann man auf Plattformen wie der nexxt-change- oder
IHK-Nachfolgebörse
ein Gesuch einstellen und die Angebote durchforsten. Müller hat zudem einen Berater für Mergers & Acquisitions (M&A) kontaktiert. Er hat mit rund 10 potenziellen Verkäufern kommuniziert, bis er ein für ihn passendes Unternehmen gefunden hatte.
Zukunftsorientierte Prüfung
Ein wenig Geduld ist auch danach noch gefragt. Denn, so Müller, „ein Übergabeprozess ist nicht kompliziert, aber komplex“. Ein Muss ist stets das persönliche Kennenlernen, um zu prüfen, ob die Chemie zwischen Verkäufer und Käufer stimmt. Je besser sie ist, umso leichter fällt es, die Übernahmebedingungen auszuhandeln. Der Übergeber weiß dann, dass sein Lebenswerk in gute Hände kommt. Und auch die Mitarbeitenden, Kunden oder Partnern können die Übernahme schneller akzeptieren.
Dann folgt die umfangreiche Due-Diligence-Prüfung der Firma – hier geht es um die finanzielle Bestandsaufnahme, die Produkte oder Dienstleistungen und ihre Marktfähigkeit, die Lieferbeziehungen, die Kundenstruktur, die Personalsituation, die Wettbewerber und vieles mehr. „Der potenzielle Käufer muss das Unternehmen stets in Bezug auf die Vergangenheit und vor allem mit Blick die Zukunft prüfen“, mahnt Wadlinger. Die IHK stellt hierzu im Übrigen
eine Checkliste zur Nachfolge
bereit. Ebenso helfen IHK-Experten oder auch externe M&A-Berater.
Knackpunkt Kaufpreis
Ein Problem ist oft der Kaufpreis. Die Verkäufer setzen ihn meist recht hoch an. Verständlich, findet Wadlinger: „Sie geben ihr Lebenswerk aus den Händen und müssen von dem Erlös oft auch noch ihren Lebensabend bestreiten.“ Aber auch der Käufer muss sich sicher sein, dass das Unternehmen den am Ende ausgehandelten Preis wert ist, dass er den Kredit, den er in der Regel neben dem Eigenkapital eingebracht hat, bedienen kann. Die Banken ziehen zur Beurteilung die Bilanzen der letzten zwei, drei Jahre und einen aktuellen Businessplan mit den Planzahlen für die kommenden Jahre heran. Eventuell braucht der Käufer neben dem Eigenkapital auch noch weitere Finanziers, damit das Kreditinstitut einwilligt. Grundsätzlich, so Müller, sollte man frühzeitig mit der Bank über Details sprechen. „Hätte ich gewusst, wie genau die Bank das Darlehen ausgestaltet, hätte ich von Anfang an noch besser planen können“, sagt Müller. Und Planung ist bei einem komplexen Prozess ein wichtiger Schritt in Richtung Erfolg.