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Nähe herstellen – mit authentischen Geschichten aus dem Betrieb

Nähe herstellen – mit authentischen Geschichten aus dem Betrieb

© rawpixel.com/Adobe Stock

Packend statt spröde

Auch Unternehmen haben spannende Geschichten zu erzählen: Wie Firmen mit Storytelling sichtbarer werden und sich unverwechselbar machen.

Von Josef Stelzer, IHK-Magazin 1-2/2026

Der Geschäftsführer des Familienbetriebs aus Ingolstadt weiß, worauf es ankommt. „Mit Fotos und Videoclips erzählen wir interessante Geschichten über Menschen, über unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unsere Produkte, Serviceleistungen oder Werte.“

Die Inhalte entstehen aus dem Unternehmen heraus, aus der Werkstatt, dem Verkauf sowie aus den Firmenstandorten. Es sind Erlebnisse aus dem Arbeitsalltag, Interessantes über Firmenevents oder aus der langjährigen Geschichte des Familienunternehmens. Auch Privates kann dabei sein. Platziert werden die Beiträge vorwiegend auf Instagram, aber auch auf TikTok und Facebook, eine interne Social-Media-Managerin kümmert sich darum.

„Nähe, Vertrauen und Identifikation“

Alle Beschäftigten können sich dabei einbringen, vom Geschäftsführer bis zu den Auszubildenden. „Hinter jeder Marke stehen Menschen. Wenn man die Gesichter im Storytelling zeigt, entstehen bei den Followern Nähe, Vertrauen und Identifikation“, ist der Firmenchef überzeugt.

Das Ziel ist klar: Das Unternehmen will als Arbeitgeber und regional verankerter Mittelständler besser sichtbar werden. Die Zahl der Follower auf Instagram ist bereits gewachsen. Das zahlt sich konkret aus: Es gehen zunehmend mehr Bewerbungen auf Stellenausschreibungen beim Unternehmen ein.

Zeigen statt behaupten

Beim Storytelling entsteht im Internet eine Art virtuelle Kaffeeküche. „Im Unternehmen ist die Kaffeeküche der Raum, in dem man sich kurz begegnet, Persönliches erzählt – und das funktioniert auch online“, erläutert Claire Nizeyimana, Digitalstrategin und Content-Expertin in München.

Claire Nizeyimana, Digitalstrategin und Content-Expertin, lächelnd im gelben Blazer

© Christian Köster

Mit gutem Storytelling gewinnt man Kunden und passende Bewerber.

Claire Nizeyimana, Digitalstrategin und Content-Expertin

Hier tauschen Menschen ihre Geschichten mit Texten, Bildern oder Videos aus und schildern ihre Erlebnisse. „Das schafft emotionale Nähe und wirkt einfach sympathisch“, so Nizeyimana. Zu ihren Kunden gehören Autohäuser, Einzelhandelsunternehmen, aber auch Konzerne, Arztpraxen und Handwerksbetriebe.

„Show – don’t tell, also zeigen, statt nur zu behaupten“, so beschreibt sie den Kern erfolgreichen Storytellings, das die Follower in den Bann zieht. „Nicht einfach sagen, dass man zum Beispiel ein tolles Team ist, sondern es beweisen – mit echten Einblicken, Texten, Bildern und Videos.“

Kunden und Bewerber gewinnen

Nizeyimana empfiehlt, intern sogenannte Corporate Influencer auszuwählen, „die authentisch nach außen zeigen, wie das Unternehmen arbeitet, denkt und fühlt“. Die Digitalexpertin ist überzeugt: „Mit gutem Storytelling gewinnt man Kunden und passende Bewerber.“

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt Manuela Heintze. Sie betreibt seit mehr als 3 Jahren in der Münchner Innenstadt das Ladengeschäft Nica’s Cosmos samt Onlineshop. Zum breit gefächerten Angebot gehören Kinder- und Damenmode, Plüschfiguren, Spielsachen und Accessoires.

Bekannt bis nach Asien

Auf der Website erzählt Heintze die Gründungsgeschichte, zeigt Fotos aus dem Ladengeschäft und beschreibt ihre Produkte. Auf Instagram platziert sie täglich Neuigkeiten mit Fotos, etwa über neu eingetroffene Waren oder persönliche Erlebnisse. Auch Restaurantempfehlungen können dazugehören. „Die News und Storys schreibe ich ganz nach Gefühl“, sagt die Unternehmerin und freut sich über mittlerweile fast 3.000 Follower, Tendenz steigend.

„Storytelling bewährt sich bestens für die Neukundengewinnung wie auch für die Kundenbindung und hat uns sogar im Fernen Osten bekannt gemacht“, berichtet sie. Nachdem ihr Geschäft in einer chinesischen Travel-App empfohlen worden war, „haben Reisende aus Asien auffallend häufig bei uns im Laden eingekauft“.

Mix, der Emotionen weckt

Auch Annette Gushurst, Geschäftsführerin der cute stuff GmbH in Berg, setzt auf Storytelling. In ihrem Onlineshop bietet sie unter anderem Kaschmirpullover, -mützen und -schals sowie diverse Accessoires an. Auf Instagram platziert sie hierzu kurze Storys, Videoclips oder Fotos. Hinzu kommen Pflegetipps samt Stylingideen.

„Mit den Geschichten zeigen wir, dass in unseren Kaschmirprodukten viel Liebe, Handwerk und Verantwortung steckt“, sagt die Shopinhaberin. „Dabei achten wir auf ein harmonisches Zusammenspiel von Texten, Bildern sowie Emotion.“

Werte widerspiegeln

Gushurst berichtet auf Social Media ebenso über ihre regelmäßigen Besuche bei den nepalesischen Kleinbetrieben, mit denen sie seit mehr als 10 Jahren zusammenarbeitet. Sie erzählt von gemeinsamen Mahlzeiten mit den Gastgebern und Gesprächen über Privates. „Diese Nähe zu den Kaschmirherstellern mit der gegenseitigen Wertschätzung bildet die Basis unseres Unternehmens und spiegelt sich im Storytelling wider“, betont die Firmenchefin.

Höhere Kundenbindung

Storytelling sieht sie nicht als direkten Umsatztreiber, sondern als Weg, um Beziehungen zu ihren Kunden aufzubauen und zu festigen. Gushurst: „Authentische Inhalte kommen zwar gut an, führen aber nicht unweigerlich zu mehr Umsatz. Sie bewirken aber, dass sich die Kunden an uns erinnern und sich für cute stuff interessieren.“

IHK-Info: Webinarreihe Onlinemarketing ab 21. Januar 2026

„Womit Ihr Unternehmen wirklich anfangen sollte“ – lautet der Titel des Einführungstermins der 3. BIHK-Webinarstaffel zum Onlinemarketing. Die Webinare richten sich an kleine und mittelständische Firmen und vermitteln Grundlagen etwa zu Onlineprofil und Website. Storytelling ist Thema des 2. Webinars der Reihe.