Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 1-2/2026
Vor 4 Jahren hat das forschende Pharmaunternehmen MSD Sharp & Dohme GmbH seine Deutschlandzentrale mitsamt etwa 650 Mitarbeitern nach Berg am Laim verlegt, genauer: in „Die Macherei“. Die Macherei München ist ein innovatives Stadtquartier, das laut Website „zukunftsweisende Arbeitswelten mit zahlreichen Komplementärnutzungen verbindet: Vielseitige und flexible Flächen für Büros, Coworking, Konferenzen und Events werden kombiniert mit Fitness, Hotel, Wohnen, Gastronomie und Nahversorgung.“
MSD entschied sich aus mehreren Gründen für den Einzug. Einer der wichtigsten: „Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden gern ins Büro kommen“, sagt Ariane Malfertheiner, Direktorin Kommunikation. Sind die Büros attraktiv, gelinge das besser.
Präsenz bringt Vorteile
In den Coronajahren lernten Arbeitnehmer das Homeoffice kennen und größtenteils auch schätzen. Als die Pandemie vorbei war, kehrten viele deshalb auch nicht mehr wie früher jeden Tag in die Büros zurück. Hybridmodelle mit Homeoffice sind in zahlreichen Firmen die Regel, man vereinbarte 50/50-Lösungen oder ähnliche Varianten. Zum Teil war und ist das für die Arbeitgeber von Vorteil. Denn nun können sie einen Teil ihrer Büroflächen abstoßen oder untervermieten – und somit immense Kosten sparen.
Allerdings bringt weniger Präsenz auch Schwierigkeiten mit sich. Der Teamgedanke und das Zugehörigkeitsgefühl leiden. Wichtige Meetings, bei denen die Hälfte der Teilnehmer per Video zugeschaltet ist, verlieren an Intensität. Zudem fehlt der spontane Austausch in den Gemeinschaftsräumen.
Mit Services locken
Das Resultat dieser Beobachtungen: Die Unternehmen versuchen, wieder mehr Mitarbeiter in die Geschäftsräume zurückzuholen. Deshalb entwerfen Projektentwickler immer modernere Offices mit immer mehr Annehmlichkeiten von Dachgärten bis hin zum Reinigungsservice.
„Man kann es mit der Entwicklung von Autos vergleichen“, sagt Oliver Vogt, Geschäftsführer beim Immobilienunternehmen WÖHR + BAUER GmbH: „Früher waren die Klimaanlage oder das Navi Zusatzangebote, heute sind sie Standard.“ Genauso verhalte es sich bei Büroimmobilien: Eine hochwertige technische Ausstattung ist schon seit Längerem die Norm, ebenso wie das Integrieren diverser Services. Das gelte vor allem für Gebäude in mittleren Lagen, die anders als solche in der Innenstadt kein Fitnessstudio und kein Restaurant in unmittelbarer Nähe haben.
Von Reparaturdienst bis Barista-Bar
Also etwa für das Büro- und Gewerbequartier am Frankfurter Ring 71 in München, das sich im Bau befindet. Hier integriert die WÖHR + BAUER beispielsweise Gastronomie, einen Reinigungsservice, Flächen für Yogakurse, Lesungen oder After-Work-Zusammenkünfte.
Ferner gibt es im Erdgeschoss Räume für Fahrräder, kostenlos zu nutzende Werkzeugsets und – für jene mit weniger handwerklichem Geschick – einen Reparaturdienst, der sich vor Ort kümmert. Für die radelnden Mitarbeitenden, die verschwitzt ins Büro kommen, stehen zudem Duschen „in Spa-Qualität“ zur Verfügung, inklusive Handtücher, Shampoo und Spülungen.
Extras nicht übertreiben
„Das alles kostet nicht viel, bringt aber einen großen Nutzen“, sagt Vogt. „Die Mitarbeitenden kommen wieder gern ins Büro und der dadurch entstehende persönliche Austausch ist der Nährboden für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung.“
Die Frage, ob sich solche Zusatzangebote rechnen, stellt sich kaum noch jemand. Wer qualifizierte Fachkräfte, insbesondere jüngere, gewinnen will, muss ihnen etwas bieten, so die allgemeine Überzeugung. Dennoch, so Vogt, sollte man es nicht übertreiben mit den Extras. Eine Tartanbahn oder ein Schwimmbad auf dem Dach, wie es sie vereinzelt gibt, seien in Relation zum Nutzen zu teuer, sagt er.
Aktivierendes Ambiente
Um den Geschmack der Nutzer zu treffen, betreibt WÖHR + BAUER Feldforschung: Das Unternehmen befragt potenzielle Mieter nach ihren Wünschen und setzt diese entsprechend um. Zu den Mietern gehören sowohl größere Unternehmen wie das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG AG als auch kleinere Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern.
Auch das Pharmaunternehmen MSD hat sich für zahlreiche Services entschieden. Nach vielen Gesprächen und Begehungen vor Ort sind Räume „mit farbenfrohen Teppichen und verschiedene Zonen für aktivitätsbasiertes Arbeiten“ herausgekommen. Die insgesamt 3 Geschosse beinhalten unter anderem ein Spielezimmer, einen Eltern-Kind-Raum, eine Barista-Bar, große Räumlichkeiten für Meetings mit mehr als 100 Personen, Urban-Gardening-Flächen im Hof und Bienenstöcke auf der Dachterrasse.
Nahe Hotels für den Außendienst
„In der Mittagspause schauen wir von hier oben auf die Berge“, schwärmt MSD-Managerin Malfertheiner. Ein zusätzlicher Gewinn sei das Hotel im Nebengebäude. „Viele unserer deutschlandweit 1.200 Mitarbeiter sind im Außendienst und kommen daher ab und zu in unsere Zentrale nach München.“ Da seien kurze Wege von Vorteil.
Pluspunkt: hochwertige Gastronomie
„Die Unternehmen fragen tendenziell etwas weniger, aber dafür hochwertige und flexibel nutzbare Flächen nach“, sagt Niklas Baldauf, Direktor für das kaufmännische Asset Management bei Accumulata REAL ESTATE, Projektentwickler der Macherei. Das bedeutet neben einer ansprechenden, modernen Architektur mit hohen Decken und vielen Freiflächen vor allem die Bereitstellung von Gastronomie, die laut Baldauf „hochwertig und bezahlbar ist“ und als besonders wichtig gilt. Ferner Fitnessangebote, Supermarkt, Kindertagesstätte, Tiefgarage.
Events zu Weihnachten und zur WM
In der Macherei München setzt man außerdem auf Events: Im Winter findet ein Weihnachtsmarkt statt, im nächsten Sommer zur Fußball-Weltmeisterschaft Public Viewing. In unregelmäßigen Abständen gibt es zudem After-Work-Partys und Konzerte lokaler Bands.
Die Angebote sind für die Nutzer kostenlos, oder anders ausgedrückt: im Quadratmeterpreis enthalten. Sie sind für alle Angestellten der 6 Gebäude, können aber ebenso von Interessierten aus der Umgebung besucht werden. Baldauf: „Das stärkt den Zusammenhalt zwischen Kollegen und bringt die Firmen mit der Nachbarschaft zusammen.“