Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 3/2026
Die Gelegenheit war einfach zu gut. Eigentlich wollte sich Lara Zentner noch gar nicht selbstständig machen. Doch dann, es war kurz vor Weihnachten 2018, erfuhr die damals 23-jährige Studentin von ihrem Vater von freien Büroräumen.
„Eine Kommilitonin hatte als Teil ihres Werkstudentenjobs den Münchner Coworking-Markt recherchiert und dabei festgestellt, dass noch Bedarf an Coworking-Spaces bestand. Und nun gab es diese freien Büroräume“, sagt Zentner. „Warum also nicht selbst einen Coworking-Space einrichten?“ Über die Feiertage schrieben Zentner und ihre Kommilitonin den Businessplan, sammelten bei Familie und Freunden Geld, gebrauchte Büromöbel und Computer ein – und starteten ihre eigene Firma velvet space.
Der eigenen Idee vertrauen
Dass sie ihre Idee so schnell und entschlossen vorangetrieben hat, führt Firmenchefin Zentner nicht zuletzt auf ermutigende Role Models zurück: „Meine beiden Eltern sind selbstständig. Selbstständigkeit ist in unserer Familie ein normales Lebensmodell, auch für Frauen. Ich konnte mir grundsätzlich immer eine selbstständige Tätigkeit vorstellen.“
Zudem habe sie sich von einigen Referenten an der Hochschule, die aus der Unternehmenspraxis berichteten, sehr inspiriert gefühlt. „Ich wollte aber eigentlich zuerst in einer Festanstellung Erfahrungen sammeln. Doch durch die elterlichen und die Vorbilder an der Uni hatte ich den Mut und das Vertrauen, meiner spontanen Idee zu folgen.“
Vorbilder geben den Ausschlag
Mit diesem Lebenslauf gehört Zentner zu einer Minderheit – in Deutschland machen sich Frauen immer noch seltener selbstständig als Männer. Laut KfW-Gründungsmonitor 2025 pendelte der Anteil der Firmengründerinnen in den vergangenen Jahren um 39 Prozent.
In der technikorientierten Start-up-Szene sind es weniger, hier lag ihr Anteil zuletzt bei knapp 19 Prozent, wie der Female Founders Monitor 2025 ermittelt. Diese Studie des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. betont die Rolle von Vorbildern für Gründungen: „Frauen gründen später als Männer und haben oft ein anderes Risikobewusstsein – nicht, weil ihnen die nötigen Fähigkeiten, sondern die Vorbilder fehlen und Stereotype sie früh ausbremsen.“
IHK-Girls’Day stellt Role-Models vor
„Vorbilder sind der Schlüssel“, bestätigt Marlene Eder, Referentin Business Women bei der IHK für München und Oberbayern. „Role Models ermutigen, stärken, inspirieren, sie zeigen, wie es geht.“ Mit dem IHK-Girls’Day – „Ich werde Chefin!“ knüpft die IHK an diese Idee an.
Am bundesweiten Girls’Day sollen Schülerinnen für Berufe interessiert werden, die aktuell mehrheitlich Männer ausüben. Der spezielle IHK-Girls’Day überträgt dies auf die Selbstständigkeit: Unternehmerinnen laden Schülerinnen in ihre Firmen ein, berichten von ihrer Geschäftsidee, ihrer Gründung und ihrem Alltag als Chefin. So lernen die Mädchen die Selbstständigkeit als weitere Option für ihre Zukunft kennen. „Aktuell werden rund 30 Prozent der Unternehmen in München und Oberbayern von Frauen geführt oder mitgeführt. Der Girls’Day und seine Role Models sollen langfristig dazu beitragen, dass es mehr werden“, sagt Eder.
Immer am Ball bleiben
Auch Lara Zentner wird beim IHK-Girls’-Day am 23. April 2026 (siehe Kasten unten) dabei sein: „Ich habe von Role Models profitiert, bin nun gern selbst eines und teile meine Geschichte, eröffne Möglichkeiten, mache Mut“, sagt die inzwischen 30-Jährige. Dabei wird sie auch erzählen, wie es nach der Gründung von velvet space weitergegangen ist: die Akquise der ersten Kunden über Netzwerke und Social Media, die coronabedingte Schließung, der Ausstieg der Mitgründerin, die Einstellung der beiden Mitarbeiter, die geplante Expansion und die kontinuierliche Anpassung des Geschäftsmodells. So hat velvet space nicht nur Coworking-Plätze in verschiedenen Varianten, sondern bietet zum Beispiel auch eine Firmenadresse mit Postservice und virtuellem Büro.