Gewagte Kombi: Jazz, Techno und Klassik
Roman Sladek ist jedoch nicht nur Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Bergson. Der studierte Posaunist tritt auch selbst mit seiner von ihm noch zu Studienzeiten gegründeten Jazzrausch Bigband auf, die Elemente aus Jazz, Techno und Klassik kombiniert. Die Jazzrausch Bigband bezeichnet sich als „Hausband“ des Bergson.
Dazu wurden noch die Bergson Phil’, ein Kammerorchester für akustische sinfonische Musik, gegründet. Und schließlich gibt es noch die Bergson Voices, einen Chor aus Profis und „ambitionierten Laiensängern“, so Sladek. Insgesamt erhält ein Kreis von rund 250 selbstständigen Musikern regelmäßig von der Bergson GmbH Aufträge, um im Kunstkraftwerk in verschiedenen Ensembles oder solo aufzutreten.
„Wir setzen ganz bewusst auf viele Eigenkreationen. Wir wollen keine Vermietbude für Kultur sein, sondern die Kreativwirtschaft in München beleben und Musikern, Dramaturgen, Tänzern, Komponisten und anderen Kreativen Arbeit geben“, sagt Sladek.
Programm passend zur Location
Er findet es spannender, sich Produktionen auszudenken, die auf die Gegebenheiten vor Ort abgestimmt sind, als Künstler zu buchen, die ihr gewohntes Programm präsentieren. Dabei ist ihm wichtig, möglichst viele Zielgruppen ins Bergson zu holen: Daher gibt es dort nicht nur Konzerte von Klassik über Jazz bis Techno, sondern etwa auch Comedy, Podiumsdiskussionen, Yoga-Sessions und Kunstausstellungen.
Der Geschäftsführer sieht das Bergson als „zusammenhängendes Ökosystem“, dessen Mischung aus Veranstaltungen, Galerie und Gastronomie für Attraktivität sorgt und Werte schafft, die monetarisiert werden können. „Wir veranstalten Kultur, bieten Erlebnisse und geben damit dem Unternehmen Sinn“, sagt Sladek.
Arbeitsabläufe als Herausforderung
Und weil Menschen gern sinnvoll und sinnstiftend arbeiten, war und sei es auch kein Problem, Mitarbeitende zu finden. „Allerdings ist es durchaus komplex, die richtige Personalarchitektur zu schaffen“, so der Geschäftsführer. „Es ist leichter, einen Konzertsaal zu bauen als bei der Vielzahl der Gewerke und externen Schnittstellen die internen Arbeitsabläufe zu orchestrieren.“
Bei aller Liebe zur Kunst – das Bergson legt Wert auf die Profitabilität des Kulturbetriebs. Sladek spricht hier von „Umwegrentabilität“: Spektakuläre Veranstaltungen erhöhen die Sichtbarkeit und den Bekanntheitsgrad, was wiederum neues Publikum anzieht und zugleich dem Eventgeschäft zugutekommt.
Auch geschlossene Events
Denn Firmenveranstaltungen sind ein durchaus relevantes wirtschaftliches Standbein der Bergson GmbH, das von Anfang an sehr gut lief: Im ersten Jahr fanden mehr als 100 geschlossene Veranstaltungen statt. Auch in diesem Geschäftsfeld ist das Gesamtpaket aus eigener Gastronomie, kulturellen Angeboten und modernster eigener Veranstaltungstechnik offenbar ein Erfolgsfaktor.