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Gastaussteller im Deutschen Pavillon – Magic Horizons auf der Expo 2022 in Dubai

Gastaussteller im Deutschen Pavillon – Magic Horizons auf der Expo 2022 in Dubai

© Magic Horizons

Eintauchen und entspannen

Das Familienunternehmen Magic Horizons gestaltet virtuelle Welten zur Stressreduktion und Stärkung der Resilienz. Wie die Gründer das Geschäftsmodell entwickelt haben.

Von Margrit Amelunxen, IHK-Magazin 1-2/2026

Leise rauschen die Wellen, die sanft auf dem feinkörnigen Sandstrand auslaufen. Der Blick schweift über das türkisgrüne Wasser einer kleinen Bucht hin zu einer üppig bewachsenen Insel. Würde man die Beine nur ein kleines bisschen weiter strecken, könnte man das Wasser an den Füßen spüren.

So etwa fühlt es sich an, wenn man in eine der virtuellen Welten der Magic Horizons GmbH eintaucht. 2018 gründeten die Brüder Giorgio Koppehele und Martin Koppehele das Softwareunternehmen mit dem Ziel, Virtual Reality (VR) zur Stressreduktion, für mehr Resilienz und Entspannung einzusetzen. Dafür entwickelten sie ihre eigene Plattform.

Mehrere Unternehmen gegründet

Aktuell sind mehr als 100 Anwendungen dort verfügbar, jährlich kommen 15 bis 20 neue dazu. Neben Naturerlebnissen gibt es Fantasiereisen in magische Gärten und zum Mars. Dazu Meditationen, Entspannung mit sogenannten binauralen Beats oder interaktive Anwendungen. Das Ganze im Abo-Modell, entweder als reines Softwarepaket oder als Bundle mit Software und VR-Brille.

Magic Horizons ist das jüngste Projekt der Koppehele-Brüder. Was Firmengründungen angeht, haben die beiden Erfahrung. „Unser erstes Unternehmen, die Avenue Music GbR, haben wir 1986 noch vor meinem Abi gegründet“, sagt Martin Koppehele. Die Brüder versuchten, sich als Band zu etablieren und in Songwriting und Musikproduktion Fuß zu fassen.

Industriemusik und Schlager

„Dabei sind wir sehr schnell in der Industriemusik gelandet“, so Giorgio Koppehele. Für Imagefilme von Firmen gab es keine vorgefertigte Musik. Eine Nische, die das Duo besetzen konnte. Erste Aufträge kamen vom Technologiekonzern Siemens, später folgten die Autohersteller Audi und BMW als Kunden.

Im eigenen Tonstudio in Neufahrn produzierten die beiden ab den 1990er-Jahren zusammen mit ihren Ehefrauen Suna Koppehele und Gabi Koppehele Musik unter anderem für Kinder und Jugendliche, machten Filmmusik für Serien oder Zeichentrickfilme. Mit der Sängerin Nicole arbeiteten sie rund 20 Jahre lang als Songwriter und Produzenten.

Virtuelle 3-D-Shows

Als die Blu-ray-Disc auf den Markt kam, waren die Koppeheles sofort mit dabei: Sie richteten das Konzeptalbum „Ambra“ mit dem Dokumentarfilmer Gogol Lobmayr so optimal auf die neuen Sound- und Bildmöglichkeiten aus, dass Elektronikhändler es in den Geschäften für die Präsentation der neuen Blu-ray-Geräte einsetzten.

Ihre große Technologieaffinität ist der rote Faden, der sich durch das Unternehmerleben der Koppeheles zieht. Inspiriert von den ersten 3-D-Filmen, entstand ab 2010 das Musikprojekt Lichtmond mit virtuellen dreidimensionalen Welten, hoch platziert in den Charts und ein wirtschaftlicher Erfolg. Mit dem Planetarium Hamburg produzierten die Brüder drei 360-Grad-Shows um die Lichtmond-Welten, die teilweise immer noch laufen.

VR-Brillen zur Stressreduktion

In dieser Zeit kam mit Oculus Rift die erste VR-Brille für Endkunden auf den Markt. „Da gab es nur Zombies und Monster“, erinnert sich Giorgio Koppehele, „und dann hat es klick gemacht bei mir: Wenn man damit Stress auslösen kann, muss doch auch das Gegenteil möglich sein. Wie wäre es, wenn wir alles, was wir können, in so eine Brille packen?“

Giorgio und Martin Koppehele mit Kopfhörern im Tonstudio vor Mischpult und Musikequipment

Verbinden Technik und Musik – Giorgio (l.) und Martin Koppehele in ihrem Tonstudio

Für ihr VR-Projekt Magic Horizons bereiteten die Brüder 2018 aus Eigenmitteln eine Demoversion für ein Treffen mit Kapitalgebern vor. Das Konzept überzeugte, Geld floss, die Produktion startete, für März 2020 war die Veröffentlichung geplant.

Zielgruppen: Senioren wie Beschäftigte

Doch dann kam Corona. Die Pandemie verhinderte, dass der Markteintritt stattfinden konnte. Aber bekanntlich steckt in jeder Krise eine Chance. Die Vereinsamung älterer Menschen in den Heimen während der Pandemie brachte das Team auf die Idee, den Senioren die VR-Brillen kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Gar nicht mit Business-Hintergedanken, sondern schlicht, um zu helfen“, sagt Martin Koppehele und berichtet, wie er und seine Frau mit dem Wohnmobil quer durch Deutschland fuhren, um Brillen zu übergeben.

VR für Senioren unter therapeutischen Aspekten ist heute ein wichtiges Geschäftssegment für Magic Horizons. Außerdem kommen die VR-Lösungen in Unternehmen zum Einsatz. Sie sollen die mentale Gesundheit von Beschäftigten fördern, Stress und Anspannung lösen.

CE-zertifiziertes Medizinprodukt

In München stellen unter anderem BMW, der japanische Pharmakonzern Daiichi Sankyo und der IT-Riese Microsoft ihren Mitarbeitenden die Magic-Horizons-Angebote zur Verfügung. Zum Kundenkreis gehören auch die Krankenkasse AOK Bayern und die ERGO Versicherung. Zahlreiche Kliniken arbeiten ebenfalls mit den VR-Lösungen, da diese als CE-zertifiziertes Medizinprodukt Klasse 1 (MDR) zur Schmerz- und Angstreduktion gelistet sind.

Für die Verbreitung und den Erfolg von Magic Horizons ist Sichtbarkeit wichtig. Dafür sorgen die Unternehmer durch Präsenz auf Veranstaltungen als Aussteller, Redner oder auch nur als Teilnehmer. So entstanden zum Beispiel Kontakte zur Humboldt-Universität zu Berlin, bei der das Unternehmen 2018 zum Geschäftsstart eine Metastudie in Auftrag gab.

Übers Web Kunden aus den USA

Sichtbarkeit schafft auch die Website, auf die jeder stoßen soll, der zum Thema recherchiert. Das funktioniert offenbar gut. 2022 ging zum Beispiel eine E-Mail-Anfrage der bekannten Mayo Clinic ein und löste erst einmal ungläubiges Staunen beim 10-köpfigen Kernteam des Unternehmens aus. Der renommierte US-Klinikverbund bestellte erst eine Testbrille, das führte zu einem größeren Auftrag und zum Markteintritt in die USA.

Hilfe für US-Veteranen

Und noch ein Meilenstein ist der guten Auffindbarkeit im Netz zu verdanken. Über das Internet kam das Neufahrner Unternehmen in Kontakt mit der Veterans Health Administration. Sie ist das größte Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten und kümmert sich um die medizinische Versorgung von Veteranen der US-Streitkräfte. Heute ist Magic Horizons als Produkt zur Stressreduktion für Veteranen gelistet und wird bei posttraumatischen Belastungsstörungen verschrieben.