Von Margrit Amelunxen, IHK-Magazin 1-2/2026
Leise rauschen die Wellen, die sanft auf dem feinkörnigen Sandstrand auslaufen. Der Blick schweift über das türkisgrüne Wasser einer kleinen Bucht hin zu einer üppig bewachsenen Insel. Würde man die Beine nur ein kleines bisschen weiter strecken, könnte man das Wasser an den Füßen spüren.
So etwa fühlt es sich an, wenn man in eine der virtuellen Welten der Magic Horizons GmbH eintaucht. 2018 gründeten die Brüder Giorgio Koppehele und Martin Koppehele das Softwareunternehmen mit dem Ziel, Virtual Reality (VR) zur Stressreduktion, für mehr Resilienz und Entspannung einzusetzen. Dafür entwickelten sie ihre eigene Plattform.
Mehrere Unternehmen gegründet
Aktuell sind mehr als 100 Anwendungen dort verfügbar, jährlich kommen 15 bis 20 neue dazu. Neben Naturerlebnissen gibt es Fantasiereisen in magische Gärten und zum Mars. Dazu Meditationen, Entspannung mit sogenannten binauralen Beats oder interaktive Anwendungen. Das Ganze im Abo-Modell, entweder als reines Softwarepaket oder als Bundle mit Software und VR-Brille.
Magic Horizons ist das jüngste Projekt der Koppehele-Brüder. Was Firmengründungen angeht, haben die beiden Erfahrung. „Unser erstes Unternehmen, die Avenue Music GbR, haben wir 1986 noch vor meinem Abi gegründet“, sagt Martin Koppehele. Die Brüder versuchten, sich als Band zu etablieren und in Songwriting und Musikproduktion Fuß zu fassen.
Industriemusik und Schlager
„Dabei sind wir sehr schnell in der Industriemusik gelandet“, so Giorgio Koppehele. Für Imagefilme von Firmen gab es keine vorgefertigte Musik. Eine Nische, die das Duo besetzen konnte. Erste Aufträge kamen vom Technologiekonzern Siemens, später folgten die Autohersteller Audi und BMW als Kunden.
Im eigenen Tonstudio in Neufahrn produzierten die beiden ab den 1990er-Jahren zusammen mit ihren Ehefrauen Suna Koppehele und Gabi Koppehele Musik unter anderem für Kinder und Jugendliche, machten Filmmusik für Serien oder Zeichentrickfilme. Mit der Sängerin Nicole arbeiteten sie rund 20 Jahre lang als Songwriter und Produzenten.
Virtuelle 3-D-Shows
Als die Blu-ray-Disc auf den Markt kam, waren die Koppeheles sofort mit dabei: Sie richteten das Konzeptalbum „Ambra“ mit dem Dokumentarfilmer Gogol Lobmayr so optimal auf die neuen Sound- und Bildmöglichkeiten aus, dass Elektronikhändler es in den Geschäften für die Präsentation der neuen Blu-ray-Geräte einsetzten.
Ihre große Technologieaffinität ist der rote Faden, der sich durch das Unternehmerleben der Koppeheles zieht. Inspiriert von den ersten 3-D-Filmen, entstand ab 2010 das Musikprojekt Lichtmond mit virtuellen dreidimensionalen Welten, hoch platziert in den Charts und ein wirtschaftlicher Erfolg. Mit dem Planetarium Hamburg produzierten die Brüder drei 360-Grad-Shows um die Lichtmond-Welten, die teilweise immer noch laufen.
VR-Brillen zur Stressreduktion
In dieser Zeit kam mit Oculus Rift die erste VR-Brille für Endkunden auf den Markt. „Da gab es nur Zombies und Monster“, erinnert sich Giorgio Koppehele, „und dann hat es klick gemacht bei mir: Wenn man damit Stress auslösen kann, muss doch auch das Gegenteil möglich sein. Wie wäre es, wenn wir alles, was wir können, in so eine Brille packen?“