Inhalt

Auf einen Blick

  • Die bayerische Wirtschaft erkennt keinen klaren Reformpfad, bleibt verunsichert und wartet ab. Der BIHK-Konjunkturindex steigt im Vergleich zum Herbst 2025 lediglich um zwei Zähler auf 107 Punkte und bleibt damit unter dem langjährigen Durchschnitt von 112 Punkten.

  • Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage nur geringfügig besser als noch im Herbst oder im Vorjahr. Die Geschäftserwartungen zeigen nur niedrige Wachstumsperspektiven auf.

  • Bei Inlandsinvestitionen halten sich die Unternehmen unvermindert zurück. Die Industrie setzt verstärkt auf Auslandsinvestitionen. Ein Drittel der im Ausland investierenden Unternehmen plant sogar, Kapazitäten aus dem Inland ins Ausland zu verlagern.

  • Der Stellenabbau in der bayerischen Wirtschaft setzt sich fort. Alle Branchen planen per Saldo mit weniger Beschäftigung. Neben der schwachen Nachfrage spielen vor allem hohe Arbeitskosten eine entscheidende Rolle.

BIHK-Konjunkturumfrage

Mit den Pfeiltasten können Sie die Tabelle horizontal scrollen.

Befragungszeitraum

05.01.2026 bis 16.01.2026

Eingegangene Unternehmensantworten

3.500

Jahresbeginn 2026: Bayerische Wirtschaft bleibt im Tiefflug

Die von der neuen Bundesregierung versprochene Wirtschaftswende bleibt bislang ebenso aus wie der angekündigte „Herbst der Reformen“. Ungelöste strukturelle Herausforderungen, hohe Arbeitskosten und eine anhaltend schwache Nachfrage bremsen das Wachstum aus. Der BIHK-Konjunkturindex legt gegenüber Herbst 2025 lediglich um zwei Zähler auf 107 Punkte zu und liegt damit weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt von 112 Punkten.

Von einer spürbaren Erholung kann nicht die Rede sein. Die Geschäftslage stagniert deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 17 Punkten: Mit einem Saldo von nur 10 Punkten bewerten die Unternehmen ihre aktuellen Geschäfte kaum besser als noch im Herbst oder im Vorjahr. Zufrieden zeigen sich nur die Dienstleister. Im Baugewerbe halten sich positive und negative Lageurteile die Waage, während im Handel und im Tourismus die unzufriedenen Stimmen überwiegen. Positiv hervorzuheben ist, dass die Industrie ihre Talsohle überwunden und sich per Saldo auf null zurückgearbeitet hat.

Die Geschäftserwartungen lassen lediglich auf ein niedriges Wachstum hoffen. Per Saldo liegt der Indikator mit 4 Punkten nur leicht im Plus und damit seit fast vier Jahren – so lange wie nie zuvor – unter dem langjährigen Durchschnitt von 7 Punkten. Im Vergleich zum Herbst sind die Erwartungen auch nicht über das saisonübliche Maß hinaus angestiegen. Das Branchenbild bleibt heterogen: Dienstleister blicken zuversichtlich nach vorn, Großhandel und Industrie rechnen immerhin mit stabilen Geschäften. Tourismus, Baugewerbe und Einzelhandel bleiben trotz nachlassendem Pessimismus skeptisch.

Bei Inlandsinvestitionen halten sich die Unternehmen unvermindert zurück. Die Industrie setzt stattdessen verstärkt aufs Ausland: ein Drittel der im Ausland investierenden Unternehmen plant, Teile der Kapazitäten aus dem Inland ins Ausland zu verlagern. Unattraktive wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, hohe Arbeitskosten und eine anhaltend schwache Nachfrage hindern die Unternehmen daran, stärker am heimischen Standort zu investieren.

Diese Gemengelage prägt auch die Beschäftigungspläne der Unternehmen. Der Stellenabbau in der bayerischen Wirtschaft setzt sich fort: Alle Branchen planen per Saldo einen Abbau von Beschäftigung – besonders ausgeprägt im Tourismus und in der Industrie.

58% der Unternehmen sehen in den Arbeitskosten ein Geschäftsrisiko – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Abfrage in 2012.

Konjunkturbericht Jahresbeginn 2026

Impulse für die Wirtschaftspolitik

  • Sozialversicherungsbeiträge dauerhaft bei maximal 40 Prozent der Bruttoverdienste stabilisieren. Eine zusätzliche Ausweitung der Bundeszuschüsse darf es nicht geben.

  • Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer weiterhin schützen.

  • Neue Staatsschulden konsequent für wachstumsfördernde Investitionen nutzen.

  • Modernisierungsagenda im Schulterschluss mit Ländern und Kommunen konsequent umsetzen, Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen.

  • Freihandelsoffensive starten: EU-Abkommen mit Mercosur und Indien ratifizieren,Verhandlungen mit ASEAN-Staaten schnellstmöglich erfolgreich abschließen.

Industrie: Talsohle überwunden

  • Die Industrie hat ihre Talsohle hinter sich gelassen. Gute und schlechte Lageurteile halten sich nun die Waage, Auftragseingänge und Kapazitätsauslastung haben sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Auch die Aussichten deuten auf eine Stabilisierung in den kommenden Monaten hin: Die Erwartungen an das In- und Auslandsgeschäft haben sich verbessert, auch wenn hohe Unsicherheit bestehen bleibt.
  • Unattraktive wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, schwache Nachfrage und hohe Arbeitskosten, deren Nennungen einen neuen Höchststand erreicht haben, prägen die Risiko?gemengelage.

Baubranche: nachlassender Pessimismus

  • Im Baugewerbe halten sich positive und negative Lageurteile die Waage. Der Hochbau zeigt sich unzufriedener als noch im Vorjahr, auch im Tiefbau lässt die Zufriedenheit nach. Höhere Bauzinsen bremsen, die reale Wirkung der zusätzlichen Staatsverschuldung kommt bei den Unternehmen noch nicht an. Für die kommenden Monate lässt der Pessimismus zwar nach, dennoch überwiegen im Hoch- wie im Tiefbau weiterhin die skeptischen Stimmen.
  • Die Risiken „Arbeitskräftemangel“ und „Inlands?nachfrage“ werden wieder häufiger genannt. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben auf anhaltend hohem Risikoniveau.

Dienstleistungen: zufrieden und zuversichtlich

  • Die Dienstleister bewerten ihre aktuellen Geschäfte weiterhin als einzige Branche klar positiv – allerdings ohne weitere Verbesserungen gegenüber Herbst. Die Branche zeigt sich in der Breite zufrieden, mit einzelnen Ausnahmen wie der Logistikbranche. Für die kommenden Monate überwiegt die Zuversicht, die Erwartungen haben sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Besonders Finanz- sowie beratungs- und wirtschaftsnahe Dienstleister rechnen mit besseren Geschäften.
  • Die Betriebe nennen die Risiken „Inlandsnachfrage“ und „Arbeitskosten“ so häufig wie nie zuvor. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben zentral.

Handel: angespannte Stimmung

  • Im Handel überwiegen negative Lageeinschätzungen. Trotz eines leichten Anziehens des privaten Konsums bleibt der Einzelhandel negativ gestimmt. Auch der Großhandel ist mit seiner aktuellen Lage klar unzufrieden, wenngleich sich die Geschäfte im Jahresverlauf etwas verbessert haben. Mit Blick auf die kommenden Monate keimt im Großhandel vorsichtige Zuversicht auf, nicht zuletzt aufgrund der Stabilisierung in der Industrie. Der Einzelhandel bleibt hingegen skeptisch.
  • Die Hauptrisiken bleiben die schwache In?landsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Das Risiko „Arbeitskosten“ erreicht einen Höchststand.

Tourismus: nachlassender Pessimismus

  • Im Tourismus sind die Betriebe unzufriedener als noch im Vorjahr, insbesondere in der Hotel- und Gastronomiebranche. Mit Blick auf die kommenden Monate nimmt der Pessimismus jedoch ab. Die Mehrwertsteuersenkung dürfte für Entlastung sorgen
  • So viele Betriebe wie nie zuvor nennen die Arbeitskosten als Risiko. Auch Energie- und Rohstoffpreise sowie der Arbeitskräftemangel bleiben zentrale Risikofaktoren, wenngleich ihre Bedeutung zuletzt etwas abgenommen hat.

Kontakt

yannik_hahn

Yannik Hahn

Referent Wirtschaftspolitik und Konjunktur